Full text : 1.1926 (0001)

vau ihrer sämtlichen Organisationen im beschleunigten
Tempo vornimmt“, so können wir mit aller Scelenruhe
darauf hinweisen, daß kein einziger deutscher Beamter im
Saargebiet überflüssig ist, daß in allen Lokalverwaltungen
ein Abau nicht nur nicht angebracht ist, sondern in doppel—
ter Form den Interessen der Bevölkerung zuwiderliefe.
Mit der Verringerung der Beamtenzahl wäre die Nicht—
ausführung wesentlicher Leistungen verbunden; die Ruhe—
gehälter und Wartegelder müßten aus weiteren Steuern
—DDDD——
Die Eigenschaftswörter „ekenergischer Abbau ihrer
ämthichen Organisationen in beschleunigtem
Tempo“ verraten eine Einstellung, wie wir sie nur in der
schlimmsten Beamtenhetze wiederfinden. Gott sei ses gedankt,
daß wir bisher, abgesehen von kleineren Entgleisungen
unserer Tagespresse, im Saargebiet von der allgemeinen
VBeamtenhetze verschont geblieben sind, wie sie im Reich seit
etwa einem Jahre schon im Gange ist. Dort stammt sie aus
den Kreisen der Wirtschaft, der eine gründliche Reinigung
sjowohl im allgemeinen Volksinteresse wie insbesondere vom
nationalen Standpunkt aus nur gewünscht werden lkann.
Die Firma Ernemann A.G. eine Führerin vor dem Krieg
in der Photobranche, steht heute unter Geschäftsaufsicht.
weil sie sich zu den zwei Direktoren der Vorkriegszeit fünf
neue mit dreifachen Ministergehöltern in der Nachkriegs—
zeit geleistet hat. Ferner zählt z. B. der gewaltige Farben—
trust rund 59 Aufsichtsratsmitglieder. Ihre Tantieme be—
trägt 5 v. H. der über eine Grunddividende von 5 v. H.
hinaus gezahlten allgemeinen Dividende. Nach den letzten
Dividendenausschüttungen kommen auf ein Aufsichtsrats—
mitglied rund 35 000 bis 40000 Mark im Jahre. Diese
Summe erhält noch einen besonderen Hintergrund, wenn
man in Vatracht zieht, daß sie im Grunde eine Anwesen—
heitsentschädigung für nicht allzu zahlreiche Aufsichtsrats—
itzungen darstellt und ihre Empfänger meist Leute sind, die

zahlreiche Aufsichtsratsposten bekleiden. Eine Wirtschaft
aber, die so „großzügig“ auf Gewinn arbeitet und ihn so
verschwenderisch verteilt, hat das Recht verwirkt, einfeitig
auf Abbau der öffentlichen Verwaltung zu dringen. Oder
hofft man, durch eine Schwächung der öffentlichen Verwal—
ungsorgane einen entscheidenden Schritt zur Vorherrschaft
der Wirtschaft über den Staat zu tun?
Das Ansinnen, daß die Regierungskommission „zuexst bei
ich den Anfang machen muß“‘, verrät doch wenigstens ein
lein wenig Selbsterkenntnis. Vielleicht folgt der Ver—
sasser der Regierungskommission energisch und beschleu—
nigt, wenn er ersährt, daß gerade in den Verkehrs—
derwaltungen bereits vor drei Jahren ein Abbau statt—
zgefunden hat, der nicht nur weit über das dienst—
iche Bedürfnis hinausging, sondern heute durch tropfen—
veise, mühsame, zeitraubende und überaus umständ—
iche Personalvermehrung nur schwer wieder auszugleichen
sst. Die zahlreichen Beschwerden der Bevölkerung findet
der Verfasser sicherlich in der Registratur der Handels—
ammer. Wir wollen den begonnenen Faden mit der
Mahnung abbrechen: Kehre auch vor deiner Tür!
Wir beanspruchen eine gerechte Abgeltung unserer Lei—
tungen als Staatsdiener, weiter nichts! Wenn die Regie—
rungskommission sich endlich nach langem, zermürbendem
Huerillakrieg bewogen sieht, etwas für das ihrer Fürsorge
anvertraute Personal zu tun. dann empfinden wir es als
Dolchstoß., was hier „maßgebliche“ Wirtschaftskreise propa—
gieren. Das sei mit aller Deutlichkeit und Entschiedenheit
»etont. Die moralische Niederlage der Regierungskommis—
ion im Gehaltsstreit haben diese Kreise — wenigstens
iußerlich — doch mit lautem Beifall begrüßt! Wir sind uns
nuch dessen bewußt, daß wir in unserem Kampfe um eine
gerechte Entlohnung der gesamten Arbeitnehmerschaft des
Sgardgebietes dienen.

Von der Bundes etung

Fommission de Gouvernemenf
du Territoire de la Sarre
Sokrétariat Général
G. Nr. 1551 /A. Sarrebrauick, be 29. 3. 1926
An den
Bramtenbund des Zaargebietes

des Saargebietes doch wohl nur den Beamten der deutschen
Reichsbahn gegenüber gestellt werden können.
Bei der Bemessung des Erholungsurlaubs kann die Dauer
der von den Beamten in der Regel abzuleistenden Dienstgeit
nicht außer Acht gelassen werden. Wird nun in dieser Hin—
sicht ein Vergleich mit den Beamten des Reiches gezogen, so
ergibt sich, daß die Dienstleistung der Beamten durckweg eine
höhere ist, als die der Beamten im Saaugebiet.
Der Generalsekretär der Regierungskommission:
Morice

in Saarbrücken
St. Johanneritr. 55
Ich habe die Ehre Ihnen mitzuteilen, daß die Regierungskom
mission in ihrer Sitzußrg vom 23. Märg de. Irs. sich eingehendt
mit Ihrer Eingabe vom 1. März ds. Jes. iJ. Nr. 259. 3. 26) be—
reffend Neuregelung des Erholungturlaubs der Beamten befaßt
hat und daß sie hierbei zu der Entscheidung gekommen ist, daß es
unter Würdigung aller in Betracht zu ziehenden Umstände nich—
möcçlich ist, eine Aendexung der bestehenden Urlaubebestimmungen
porzunehmen. Für die von der Regierungskommission getroffen—
Entscheidung sind in der Hauptsache folgende Gesichtzpunkte maß—
icbend gewesen;
Die Festsetzung der Urlaubsdauer der saarländischen Beamten
ist nach den Sätzen der deutschen Reichsbahn erfolgt. Es er—
scheint daher nicht angängig nun eine Urlaubsregelung zu
treffen, die im Sargebiet die Eisenbahnbeamten ungünftiger
behaudelt als die übrjigen Beamten, da die Fisenbahnbeamten

Commission de Gyuvernement
du Territoire de la Sarre

Zefretariat Généra!
(G. Nr. 1592,3J.

An den
Bramtfenbund des

Zarrebruck, le 31. 3. 1926

Saargebietes
in Saarbrücken
St. Johannerstr. 55
NAuf Ihre gefl. Eingabe vom 12. Februar ds. Irs. betr. Be
seitigung von etwaigen Härten bei der Ortsklasseneinteilung, be
ehre ick mide Ihnon mitauteilen, daß die Regierungskommissio

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