190
staatspolitische Notwendigkeit“. Ausgehend
von der verfehlten Wohnungsbaupolitik früherer Regie-:ungen,
die dem Wohnungsbedürfnis des deutschen ÄArseiters
nur durch die Erstellung von Mieiskasernen und
Koloniesiedlungen glaubten Rechnung tragen zu können,
‚egte der Redner zunächst die staatspolitischen
Konsequenzen dar, die eine derartige Baupolitik nach sich
zog: Das Hineinzwängen vieler Familien in ungastliche
Kasernen, die Anhäufung großer Menschenmassen in Ööden,
durch ihre Gleichförmigkeit erstarrten Koloniesiedlungen,
die damit gegebene Äussichtslosigkeit, jemais Besitzer
einer eigenen Heimstätte zu werden, mußten die davon
Zetroffenen an der herrschenden Staaisordnung verzweifehn
'assen. Die Vergangenheit habe zur Genüge gezeigt, daß
ine derartige Baupolitik der beste Schrittmacher für die
kommunistische Zersetzung und Verproletarisierung der
schaffenden Menschen darstellt.
In Erkenntnis dieser Zusammenhänge erblicke der natiojalsozialistische
Staat in der Erstellung möglichst vieler
Eigenheime eines der vornehmsten Ziele. Doch nicht aus
staatspolitischen und weltanschaulichen Gründen allein
werde die Förderung des Heimstätten- und Siedlungswesens
zur völkischen Notwendigkeit; auch die bevölkerungs-
und ernährungspolitische Bedeu
“ung der Siedlungsarbeit beanspruche volle ÄAufmerksamkeit.
Jahrzehntelange Beobachtungen und Untersuchungen
hätten erwiesen, daß zwischen der Fruchtbarkeit der
Ehen einerseits und dem Haus- und Grundbesitz andererseits
insofern ein unmittelbarer Zusammenhang besiehe,
als ‚die Verheirateten mit Haus- und Grundbesitz senr
viel seltener kinderlos blieben als die Verheirateten ohne
derartigen Rückhalt. Dies werde sofort klar, wenn man
sich des ernährungspolitischen Wertes speziell der Kleinsiedlung
entsinne: Gerade dem Kleinsiedier werde es bei
dem Vorhandensein einer genügend großen Nutzfläche in
den meisten Fällen möglich sein, seine Familie bis zu
zinem gewissen Grad mit Fleisch, Eiern, Milch, Obst
ind Gemüse selbst zu versorgen und so den Nahrungsspielraum
seiner Familie erheblich zu erweitern. Nicht zu
unterschätzen sei ferner die psychologische Seite
des Eigenheimbesitzes. Der schaffende Mensch sei bei
seiner täglichen Arbeit unter Verzicht auf mancherlei
Freiheiten den organischen Zwangsläufigkeiten des Betriebes
eingefügt und es hebe seine Arbeitslust und Ärbeitsfreude,
wenn er sich nach vollbrachtem Tagewerk
im eigenen „Reiche‘“ ungestörter Ruhe und Erholung
hingeben könne. Nach einem kurzen Hinweis auf «das
Problem der Entfernung der Wohnstäite von der Ärbeitsstelle,
das heute allerdings keine besonderen Schwierigkeiten
biete, schloß der Redner seine mit großem
Interesse aufgenommenen Ausführungen mit einem Appell
an die Betriebsführer, die große staais- und volkspolitische
Bedeutung des Heimstättensiediungswesens zu würdigen
und sich zu tatkräftiger Mitarbeit zur Verfügung zu Stellen.
Vor allem die Tatsache, daß die industrielle Arbeiterschaft
zusammen mit der landwirtschaftlichen Bevölkerung
das Fundament des Staates bilde, lasse
die Notwendigkeit der Schaffung von Eigenheimen auf
zigener Scholle als vordringlich erscheinen.
Als zweiter Redner des Tages sprach Regierungsrat
Leuthner vom Reichskommissariat Saarbrücken über
‚Die reichsgesetzlichen Grundlagen des
Arbeiterwohnstättenbaues“. Er befaßte sich
einleitend mit der Klarstellung der Begriffe Wohnungsınd
Sjedlungspolitik. Während erstere ausschließlich der
Zefriedigung des Wohnungsbedürfnisses diene, stände bei
letzterer die Frage der Beschaffung des Landes und dessen
Bewirtschaftung im Vordergrund des Interesses. Der
Yedner trat sodann ein in die Erörterung der Aufgaben,
die den mit der Siedlungswirtschaft sich befassenden
Institutionen erwachsen. Hauptaufgabe des Staates —
m Saarland vertreten durch den Reichskommissar — sei
:s, neben der Bereitstellung und Verteilung der für
Siedlungszwecke freigestellten Mittel die Marschroute der
Siedlungspolitik anzugeben und darüber zu wachen, daß
die siedlungspolitischen Richtlinien eingehalten werden. Es
entspreche der Bedeutung der Wohnungspolitik für das
Volksganze, wenn der Staat heute entscheidend in das
Wohnungs- und Siedlungswesen eingreife und es nach-Jdrücklich
in die richtigen Bahnen lenke. Dabei leiste
ihm die Partei, vertreten durch die Gauheimstättenämter
der Deutschen Arbeitsfront, wertvolle Dienste
Letzteren noblieve nicht nur die npronpavanıdistische Vor-Saar-Wirtschaftszeitung
Nr.
bereitung der Siedlungsarbeit, die Begutachtung von Bau
plänen, die Prüfung des Baugeländes usw., sie häiter
darüber hinaus ihre Hauptaufgabe zu erblicken ia d:
strengen Auswahl der geeignetem Siedler. Alle Organisation,
alle finanzielle Unterstützung sei mutzlos verlan
wenn der für die Siedlung ausersehene Mensch versage
Zu den beiden genannten Institutionen geselle sich als
Träger des Siedlungswerkes im Gau die Saarpfäl
zische Heimstätte G. m. b. H., die sich als wich.
ijgstes Instrument zur Durchsetzung der staatlichen Sied.
ungsabsichten erweise. Sie sorge für die Sicherstellung
ler Finanzierung des Siediungswerkes, sie übernehme die
Betreuung der von ihr in letzter Instanz bestimmten
azw. ausgewählten Siedler, da sie bis zur endgültigen
Jebergabe der Wohnstätie an den zukünftigen Eigentümer
das finanzielle und rechtliche Risiko zu tragen habe
In seinem Schlußwort formulierte der Redner ein eindrucksvolles
Bekenntnis zur Kleinsiedlung und schloß
mit der Parole: „Jedem schaffenden Volksgenossen ar
der Saar seine Eigenheimstätte auf eigenem Grund un
Boden!“
Als dritter und letzter Redner sprach der Geschäfts.
lührer der Saarpfälzischen Heimstätte G. m. b. H., Dr
Brecht, über „Die praktische SiedIungsarbeit
unter besonderer Berücksichtigung
des Zusammenwirkens von Industrie und
Heimstätte“. Dr. Brecht befaßte sich in der Hauptsache
mit der Finanzierung des Siedlungswerkes, wobei
das Problem der sogenannten. Restfinanzierung eine ausziebige
Behandlung erfuhr, nicht zuletzt deshalb, weil
lem Betriebsführerdarlehen im Rahmen der Restfinan
zierung eine überragende Bedeutung zukommt. Der Red.
1er konnte bei dieser Gelegenheit hervorheben, daß die
zaarländischen Betriebsführer in dieser Richtung wert.
‚olle Hilfe geleistet hätten, was ihr großes Verständ:
1is für die sozialen Probleme des schaffenden Menzchen
an der Saar bezeuge. Daran anschließend entwarf
der Redner in knappen Umrissen ‚ein imponierendes Bild
von der wirtschaftlichen Bedeutung der Heimstättenarbeit
m Gau Saarpfalz. Im Jahre 1935 seien insgesamt 1332
ınd 1936 mehr als 3700 Wohnungs- und Siedlungsein-1eiten
erstellt worden. Auch für dieses Jahr, so schloß
Dr. Brecht seine Ausführungen, bedürfe es der engsten
Zusammenarbeit aller Beteiligten, bedürfe es insbesondere
Jer hilfsbereiten Mitwirkung der Betriebsführer durch
verstärkte und großzügigere Hergabe von Darlehen, um
den Siediungsgedanken durch newe Taten vorwärtszuragen.
Es gehe um nicht mehr und nicht weniger als
ım die Sicherung der deutschen Familie und der Zu
zunftsgestaltung des deutschen Volkes.
Kommerzienrat Dr. Hermann Röchling unterstrich
n einer kurzen zusammenfassenden Schlußansprache die
Ausführungen des Vorredners. Nochmals an die Mitarbeit
der Betriebsführer appellierend, empfahl er ihnen die Hergabe
unverzinslicher Darlehen an die siedelndem Gefolg
schaftsmitglieder. Damit war diese lehrreiche und. harmorisch
verlaufene Tagung in ihrem Vortragsteil beendet.
Im Anschluß hieran führen die Tagungsteilnehmer geschlossen
zur St. Ingberter Siedlung, um unter sachxundiger
Führung auch einem Einblick in die Praxis der
Siedlungsarbeit zu gewinnen. Dr. B.
Dar
*-<hbleiben
"=ecchafts-Zeitung
a
meldet man dem Briefträger oder dem zuständigen
Postamt. Erfolgt keine Abhilfe, dann erbitten wi
direkte Meldung am den Verlag der Saar-Wirt
schaftszeitung, Buchgewerbehaus Aktiengesellschaft,
Zweigniederlassung Völklingen, Wilhelmstraße 24, der
für die pünktliche Zustellung sorgen wird.
I
IE