Full text : 42.1937 (0042)

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märkte erhöhte Bedeutung gewinnen. Es bedarf keiner
Betonung, daß die Saarindustrie ihre nationale Pflicht,
Exporikraft und Exporiwillen restlos in den Dienst des
deutschen Außenhandels zu steYen, voll erkannt hat.
Die Kammer hat es umso mehr als eine ihrer wichtigsten
Aufgaben betrachtet, ihren Bezirksfirmen hierbei jede
mögliche Unterstützung zu lcihen, als eine allzu einscitige
Orientierung auf bestimmte Exportmärkte — mag «liese
ats der Grenzlage heraus auch noch so verständlich
der, wie in unserem Falle, durch die historische Entwicklung
 begründet sein — zu einer Abhängigkeit führt,
Jie von Uebel ist, wie sich bei der Rückgliederung des
Saarlandes gezeigt hat. Selbstverständlich wird auch in
Zukunft und insbesondere nach Rückkehr normaler Verhältnisse
 «der französische ÄAbsatzmarkt aus geographischen
und anderen Gründen an bevorzugter Stelle für die
Saarindustrie stehen. Erfreulicherweise haben die Ans
strengungen der Saarindustrie um die Gewinnung neuer
Auslandsmärkte trotz der derzeitigen schwierigen Voraus-‚ctzungen

 und gewisser Rückschläge schon manche be
ıchtlichen Erfolge gezeitigi. Auf diesem Wege wird ıni
aller Tatkraft fortgeschritten werdem müssen.
Vor allem aber steht an der Jahreswende die Hoff
zung auf die baldize Wiederherstelung einer tragfähigen
‚ertraglichen Grundlage für den Warenaustausch unserer
yeiden Nachbarländer, die trotz aller Spannungen «<locl
mmer wicder durch starke natürliche Kräfte zu geistigem
aulturellem und wirtschaftichem Gürteraustausch gedräng
verden. Es ist klar, daß durch den vertragslosen Zu
;tand besonders die Grenzgebiete — hüben und drüben --vetroffen
 wurden. Wer Gelegenheit haite, zu beobachten
n welchem fast unvorstellbarem Ausmaß der Verkehr Iı
allen seinen Zweigen zum Erliegen gekommen ist, weı
lie verödeten Landstraßen und Grenzzollämier gesehel
1at, der weiß, daß es an der Zeit ist, die unsichtbareı
Mauern abzutragen, die unheimlich tote Grenze wiede:
nit lebendigem Leben zu erfüllen und damit dem eurn
Ȋischen Frieden zu dienen.

Die saarländische Arbeitslage im Dezember 1936.

Bericht des Präsidenten des Landesarbeitsamtes Rheinland, Zweiastelle Saarbrücken

Die winterliche Versteifung der Arbeiislage hat sich, wie
nicht anders erwartet, im Dezember noch fortgesetzt;
aber auch ihre vorausgesagte Weitereniwicklung ist eimgetroffen;
 der Rückschlag war bedeutend ruhiger und
schwächer als im Vorjahr. Im Dezember 1935 betrug der
Zugang an Arbeitslosen noch über 25 v. H., im Berichtsmonat
 35802, das sind 17,6 v. H.; Ende Dezember 1035
waren bei den saarländischen Arbeitsämtern 32646, Ende
Dezember 1936 25390 Arbeitslose gemeldet, mithin 7247
oder fast 29 v. H. weniger. Außerdem ist im Berichtsmonat
die Zahl der Notstandsarbeiter wegen des schlechten Wetters
 um weitere 11941 zurückgegangen. Der reine Zugang
aus freier Arbeit betrug daher nur rund 2600 Arbeitslose.
Die sich neumeldenden Arbeitslosen kamen, sowohl aus
dem eigenen Bezirk als aus dem übrigen Reich, wieder
überwiegend aus den Außenberufen, aus Arbeiten, die
wegen «tes fortdauernden sehr ungünstigen Weiters ausgesetzt
 oder eingeschränkt wurden, schließlich aus solchen,
 die beendigt, aber aus obigen Gründen nicht durch
nene abgelöst werden konnten; auch sind häufig an Stelle
von Arbeiten, die bis zu den ersten Feiertagen fertig
wurden, im alten Jahre keine neuen mehr angefangen
worden.
Die von der Jahreszeit stärker oder überhaupt unab-1ängigen
 Zweige «der saarländischen Wirtschaft haben
ıhren Stand halten können; sie zeigien aber keine besondere
 Aufnahmefähigkeit. Auch im zwischenbezirklichen
Ausgleich, der Unterbringung saarländischer Arbeiter im
übrigen Reichsgebiet, ging es sehr ruhig zu.
Den zahlenmäßigen Stand der saarländischen Ärbeitslosiykeit
 vermittelt im einzelnen falgoende Aufstellung:

Zahl der |
Arbeitslosen
nänn-| weib=|
lich ! lich

Auf
1000
Eins
wohner
ntfallen|
Arbeits:
ep

Zahl der
Empfänger von
‘rwerbss| Wohl:
losen» | fahrtse
unters unters

Arbeitsamt

|
Not»
standse
arhaitar

Saarbrücken . . 9.960 | 1419 6200! 518 [ 570
Saarlautern . . . 6691 560 3 142 | 408
Neunkirchen . . 3721| 355 5 7 2291| 651
St. Ingbert . . . 2463' 230 25? 1588’ 149 [ 274
Saarland inseesamt [22835 | 2564 | 31.3 |14 720 | 1 038 | 1908
Leider dauern die Entlassungen landwirtschaftlicher Arbeiter
 im Bezirk noch an. Aus anderen Gebieten liegen
schon sehr umfangreiche Änforderungen von landwirtschaftlichen
 Fach- und Hilfskräfiten vor, mit deren Einsatz
zereits in den ersten Wochen 1937 begonnen werden soll
Das sollte eine Warnung für die saarländischen landwirtschaftlichen
 Betriebsführer sein, sich auch bald die für
lie kommende Arbeit nötigen Kräfte zu sichern. In der
Forstwirtschaft scheint der Kräftebedarf ziemlich gedeckt
zu sein; bei einem frühzeitigen Beginn der Bauarbeit
sallten iedoch die Ranarheiter die afe TiIehergangetätio

keit im Winter häufig Wald- und Forsiarbeit aufmehmer
noch «durch Arbeitslose ausgetauscht werden können.
Die Lage des Bergbaues hat sich kaum geändert; d‘
Gruben sind voll beschäftigt. Der Absatz ist weiter gım
lie Förderung stieg; auch konnte stärker von den Halde
zeladen werden. Dagegen wurden kaum Arbeiter ange
ceit im Winter häufig Wald- und Forstarbeit aufnehmen
veist sogar nach dem letzien bekanntgegebenen Stanc
;on Ende November 1936 mit 43087 Mann einen nener
Rückgang auf.
In der Industrie der Steine und Erden sind die Be
schäftigungsverhältnisse sehr uneinheitlich. Die Baustoff
industrie hat zwar. reichlich Aufträge, doch stellten einige
3etriebe vorläufig die Arbeit wegen des ungünstiger
Wetters ein; andere hingegen nahmen sie schon wiedeı
auf. In der keramischen und Gilasindustrie zeigten sicf
in ihren Auswirkungen Ähnliche. wenm auch 1rsächlie
andere Schwankungen.
Die Erzversorgung der saarländischen Hütten hat sic}
eider noch nicht gebessert; trotz eines außerordentlict
zuten Auftragsbestandes konnten einige Werke infolge
dessen ihre Belegschaften nicht voll beschäftigen; zı
Zntlassungen ist es nicht gekommen. Die eisen- und me
:allverarbeitende Industrie nahm einige Fachkräfte auf
las einschlägige Handwerk entließ solche wegen der BR‘
ındigung zahlreicher Baunebenarbeiten.
Das Baugewerbe war der Angelpunkt des winterliche:
Zückganges. Viele Hoch- und Tiefbauarbeiten sind vor
äufig stillgelegt worden; mit ihrer baldigen Wiederavf
nahme ist aber bestimmt zu rechnen.
Der Weihnachtsverkauf und die Jahresschlußarbeiter
oten zahlreichen Angestellten Aushilfsstellen; ein gro
Bes Kaufhaus stellte vorwiegend ältere und langfristig
arbeitslose Verkaufskräfte ein, für die sich leider sons’
wenig Aufnahmebereitschaft zeigt. Im allgemeinen ginger
die Einsatzmöglichkeiten für kaufmännische Angestellte
leicht zurück, während sie .für technische nach wie vor
sehr gut waren.

Das Ausbleiben
der Saar-Wirtschafts-Zeitung

meldet man dem Briefträger oder dem zuständige!
Postamt. Erfolgt keine Abhilfe, dann erbitten Wi
direkte Meldung an den Verlag der Saar-Wirt
schaftszeitung, Buchgewerbehaus Aktiengesellschaf‘
Zweigniederlassung Völklingen, Wilhelmstraße 24, de
für die nünktliche Zustellung sorgen wird.
            
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