115
verloren hat. während andere Länder, insbesondere solche
mit entwerteter Währung, sich wesentlich besser halten
konnten, ja zum Teil in letzier Zeit Gewinne zu verzeichaen
haben. So hat sich nach der französischen Stalistik
der Einfuhranteil Deutschlands von 1930 bis 1935 von
15,1% auf 8,300, d. h. um 45% verringert, während
n dem gleichen Zeitraum die Anteile Englands nur von
10,0 auf 7,5% (25 %), der U.S.A. von 11,7 auf 8,5%
‘27 wo), Belgiens von 8,0 auf 6,7 % (16%) gesunken sind.
Nach dieser wenig erfreulichen Bilanz kanı man nirr
Iringend wünschen, daß das Jahr 1937 eine Neuregelung
bringen möge, die nicht mur geeignet ist, dem Verfall der
deutsch-französischen Handelsbeziehungen Einhalt zu tun,
sondern darüber hinaus auch die Voraussetzungen 7zu
ainem Wiederaufbau der natürlichen wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen den beiden Nachbarvölkern schafft, Es
steht außer Zweifel, daß nach wie vor vielfältige und sehr
bedeutende Möglichkeiten in dieser Hinsicht bestehen, und
zwar bei voller Würdigung der Tatsache, daß heute der
Außenhandel in allen Ländern sich in ganz anderer Weise
dem Primat der nationalen Erfordernisse zu unterwerfen
hat, als dies früher der Fall war. Zwar ist die Eniwickung
der französischen Wirtschaft im einzelnen noch. nicht
zu übersehen. Man sollte aber annehmen dürfen, daß sich
die Aufschwungstendenzen weiter foriseitzen werden. sofern
nicht unerwartete politische oder sonstige Verirauensstörungen
dazwischentreien. Die Durchführung der
10-Sturndenwoche hat bereits zu einer beträchtlichen Steizerung
der Nachfrage nach Produktionsgütern aller Art
zeführt, für deren Befriedigung gerade die deutsche Industrie
bei ihrer traditionellen Stellung auf dem französischen
Markt in Frage kommt. Eine Umstellung des
Clearings auf das im Verkehr mit ‘Belgien bewährte
3ystem würde automatisch den französischen AÄusılırkreisen
umso größere Möglichkeiten zur Wiedergewinaung
ihrer früheren Stellung auf dem deutschen Markt
zeben, je weniger sich Frankreich dem Bezug deutscher
Waren verschließt. Allerdings wird man sich keiner Täuschung
darüber hingeben dürfen, daß bei den bevorstehenden,
mit manchen Hypoilheken vorbelasteten Verhandlıngen
wiederum ein nicht geringes Maß von Schwieigkeiten
zu überwinden sein wird. Wenn trotzdem ein
zesunder Optimismus hinsichtlich des Ausgangs dieser
Verhandlungen berechtigt erscheint, so spricht dafür die
Vermutung, daß offenbar auch auf französischer Seite
sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, daß ebenso wie
in der Politik, so auch in der Handelspolitik ein neuer
und großzügiger Start zwischen Deutschland und Frank-»eich
as CGiehot der Stunde ist
2. Außenhandelsfraaen des Saarlandes.
‚Es ist klar, daß die im vorigen Äbschnitt geschilderte
Entwickhung der deutsch-französischen Wirischaftsheriehunzen
auch auf die Ausfuhr der Saarindustrie nach Frank-‚eich
nicht ohne nachteilige Rückwirkungen bleiben
konnte. Nach Beendigung der Uebergangsregelung am
30. September 1935 verblieben der Saarindustrie als besondere
Aktivposten nur noch ihre langjährigen geschäftichen
Beziehungen und ihre besondere Kenntnis des französischen
Marktes. Indessen konnte auch der tatkräftigste
Einsatz dieser Mittel die Hindernisse nicht überwinden,
die sich nun einmal der Einfuhr deutscher Waren und
in besonderem Maße Saarerzeugnissen entgegenstellten.
Auch die stärksten Anstrengungen konnten nicht verhindern,
daß die früheren Beziehungen immer mehr zusammenschrumpften.
Alle Erschwerungen, die die französische
Zoll- und Handelspolitik der deutschen Einfuhr
antgegensetzte und die erst kürzlich wieder durch die
Ausdehnung des Ursprungsbezeichnungszwanges auf die
Exportartikel der Kartonnagenindustrie vermehrt worden
sind, hätien sich für unser Grenzgebiet naturgemäß in
yanz anderem Maße fühlbar gemacht, wenn nicht durch
fie belebenden Wirkungen des deutschen Wirltschafiszufschwunges
ein wirksamer Ausgleich geschaffen worden
wäre. Diese Feststellung scheint uns umso notwendiger,
als es den Anschein hat, daß den jenseitigen Grenzxebieten,
und zwar insbesondere der dortigen Landwirtschaft,
ein solcher Ausgleich gefehlt hat und daß sie
infolgedessen durch die Rückgliederung des Saarlandes
in schr viel härterer Weise betroffen wurden. Leizten
Zndes kommt es jedoch nicht darauf an, welches Grenzzebiet
mehr oder weniger unter der Entwicklung der
Zechältnieceea und dem vertracslineen 7Z7uetand melitften hat
sondern darauf, daß dieser unerfrenliche Zustand durch
zeninsame Anstrengungen so rasch wie möglich überwunden
wird.
Wenn die Saarindastrie trotz aller Hemmangen und
ıngeachtet aller Rückschläge, die das vergangene Jahr
rebracht hat, mit zäher Energie die Beziehangen Zu ihrei
rüheren französischen Äbnehmern aufrecht zu erhalten
suchte und hierbei auch nicht unbeachiliche Erfolge auf-Anwveisen
hatte, so verdient diese Taisache hohe Auersemmung.
Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, daß auch
4er saarländische Handel dank seiner früheren geschüiftichen
Beziehungen und’ nicht zuletzt aıtch seiner Kennt
ıisse des französischen Zollwesens es verstanden hat,
veiterhin Ausfuhrgeschäfte zu tätigen. Es bestätigte sich
ner «die von uns schon wiederholt gemachte Fesisielung,
daß gerade der Saarhandel auf Grund seiner. Erahrungen
im Frankreichgeschäft dazu berufen ist. ein
vertvoller Mittler im Dienste des deutsch-französischen
Varenverkehrs zu sein. Die Abwertung «des Franken haf
'reilich allen denjenigen Firmen, die nicht von der ge
‚ebenen Möglichkeit der Kurssicherung Gebrauch genacht
hatten, zum Teil sehr fühlbare Verluste gebracht
Jarüber hinaus hat sie zunächst wiederum manche bisver
noch bestehende AÄbsatzhbeziehungen empfindlich ge-;tört.
Der Versuch, eine Steigerung des Warenverkehrs
lurch Kompensationsgeschäfte herbeizuführen, hat nur be:
°cChränkte und zum Teil entfäuschende FErmehnisse veseitigt.
Im Warenverkehr des Saarlandes mit Frankreich spieli
»ekanntlich der Austausch von Kohle und Erz eine weyentliche
Rolle. Die CGratiskohlenlieferungen der Saarzruben
sind bekanntlich durch das römische Abkommen
yenau festgelegt. Hinsichtlich der Erzzufuhr waren in-‘olge
der Streikwelle gewisse Störungen zu verzeichnen.
Die Auswirkungen der am 1. Dezember 1936 eingeführten
I0-Stundenwoche auf die Förderleistungen der Erzgruhben
rd noch nicht zu übersehen. Von Interesse ist. daß die
Schiffahrt auf der kanalisierten Saar seit der Rückgliekerung
nahezu ausschließlich im Dienst des Koh'en-Erz-‚erkehrs
steht. Beim Talverkehr entfielen im Jahre 1936
:onm insgesamt 229386 Tonnen allein 178197 Tonnen
= 77,7% auf die Erzeinfuhr, während umgekehrt der
3Zergverkehr mit 343019 Tonnen zu 98.6 %, nämlich mit
338 175 Tonnen, von der Kohlenausfuhr in Anspruch vw
10o0mmen wurde.
Wie bereits in unserem letztjährigen Bericht ausgeführt
3at die französische Zollverwaltung bei der Verlegung
der Zollgrenze noch in allerletzter Stunde dem Versand
der Saarindustrie nach Frankreich dadurch in kleinichster
Weise zu schädigen versucht, d1ß sie für alle
Bejenigen, zahlreichen Sendungen, die zwar noch recht.
zeitig vor dem 17. Februar, 24 Uhr, die po ische
5renze überschritten hatten, aber nicht mehr ahgefertigt
vorden waren, die Zölle erhob. Selbstverständlich haber
‘le beteiligten Firmen den auch nach unserer Aufassımg
rechtlich völlig unhaltbaren Anspruch der Zoll
‚erwaltung bestritten. Da die Zollverwaltung auf ihrem
Standpunkt beharrte, mußte der Prozeßweg zur Kläung
der Rechtslage beschritten werden. Von den hiszer
vorliegenden erstinstanzlichen Urieilen sind zwei
Sälle zu Gunsten der Saarfirmen entschieden worden
vährend in einem weiteren Falle die Zollverwaltung obyesiegt
hat. Bei der beträchtlichen Höhe der strittigen
Beträge -— es handelt sich um rd. 1.3 Millionen Franken
-— werden jedoch alle bisher entschiedenen Fälle auch
lie höheren Instanzen beschäftigen. sofern cs nicht bei
1e1 bevorstehenden deutsch-französischen Verhandlungen
yelingen sollte, eine gütliche Regelung herbeizuführen
Die Kammer hat die beteiligten Firmen soweit als möglich
in ihren Bemühungen um Rückerstattung der frag-'ichen
ZoMbeträge unterstützt. Daber kam es insbesander«
larauf an, den Eintritt der Verjährung zu verhindern.
Mit Bedauern muß ferner vermerkt werden, daß die
leutsch-französischen Verhandlungen über ein nettes
S3renzabkommen auch im vergangenen Jahre noch
richt zum Abschluß gebracht werden konnien. Immerhin
sind die Vertragsentwürfe so weit gefördert worden, daf
ıunmehr mit einer baldigen Unterzeichnung des Ver
'ragswerkes gerechnet werden darf.
Bei den vielfachen und zum Teil unüberwindlichen
Schwierigkeiten. die sich der Ausfuhr nach Frankreich
regenüberstellten, mußte die der Saarindustrie mit «de
dückgliederung gestellte Sonderaufgabe der Verlass
Ra a Preahrck AUT andays Amelan