114
in Bälde auch Verhandlungen zur Neuregelung des Warcnverkehrs
ergeben werden.
Der deutsch-französische Warenverkehr zeigt nach der
iranzösischen Statistik folgendes Bild:
Einfuhr Ausfuhr
Mill. ffres.
1936 1936
136,3 40,9
132,2 17,6
35,6 18,4
46,2 12,6
:38,0 18,2
35,8 505
131,4 50,5
‘41,4 52,4
49,3 60,4
415,6 63,3
182.1 78,9
107 92 835
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
september
Oktober
November
Dezember
Ganzes Jahr 1936
Ganzes Jahr 1935 1758.4
Deutscher Ausfuhrüberschuß 1936 1103,9 Mill. ffres,
1935 687,4 Mill. ffres.
Die Abwicklung des Clearings hätte sich selbstverständich
wesentlich rascher vollzogen, wenn man sich französischerseits
— wie oft genug beiont — zu einer Steigerung
der Warenbezüge aus Deutschland bereit gefunden
hätte. An den wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine
solche Steigerung hätie es im vergangenen Jahr nicht gefehlt.
Es ist daran zu erinmern, daß die französische Wirtschaft
bereits vor dem Regierungswechsel deutliche Zeichen
einer allmählichen Ueberwindung der Krisenerscheinungen
erkennen ließ und daß sich diese Tendenzen trotz
der mannigfachen Erschütterungen, die durch die bekannten
sozialpolitischen Ereignisse ausgelöst wurden, gegen
Ende des Jahres verstärkt haben. ÄAbweriung, Äufrüstung
sowie der aus der sozialpolitischen Gesetzgebung folgernde
Rationalisierungszwang wirkten hierbei in gleicher Richung.
Demgegenüber steht aber die Tatsache, daß wohl in
wenigen Gläubigerländern die zwei Seelen in ihrer Brust,
nämlich die finanzielle und die industrielle, so sehr der
inneren Harmonie ermangeln, wie dies in Frankreich mach
wie vor der Fall ist*). So lange der Zahlung fordernden
Seele eine andere gegenübersteht, die die Zahlung mit
Waren oder Dienstleistungen durch die schärfsten Prohibitionsmaßnahmen
jeder nur erdenklichen Ärt — Zölle,
Kontingente, Ursprumgsbezeichnungszwang, Diskriminierung
in den Kolonien gegenüber den französischen Waren usw.
— unmöglich macht, so lange kann sich der deutsch-Französische
Waren- und Zahlungsverkehr nicht erholen.
‚m vergangenen Jahr ist zwar einiges in Richtung einer
allmählichen Abtragung der zollpolitischen Drahiverhaue
geschehen: Die Regierung Blum hat im Anschluß an
die Abwertung die Zölle für Rohstoffe um 20%, für
Halbfabrikate um 17% und für die den deutschen Export
besonders interessierenden Fertigwaren um 15% gesenkt
(ausgenommen bei den kontingentierten Waren);
auch sind gleichzeitig 106 für Deutschland allerdings nur
zu einem geringen Teit wichtige Einfuhrkontingente aufzehoben
worden. Diesen sicherlich begrüßenswerten Einfuhrerleichterungen
standen indessen neben manchen
neuen Erschwerungen vor allem die Wirkungen der Abwertung
hemmend entgegen. Zunächst haben sich die
Preise den Wünschen der Regierung entsprechend nur
sehr langsam erhöht, so daß der durch die 30prozentige Abwertung
geschaffene Spielraum von 43% bei weitem nicht
>rreicht wurde, Es kam hinzu, daß sich die Preissteigeungen
in einzelnen Branchen, insbesondere bei Konkur-;enz
aus Äbwertungsländern, sehr uneinheitlich entwickelten
und teilweise stark hinter dem durch die Abwertung
zezogenen Rahmen zurückblieben. Dabei ist zu berücksichtigen.
daß der Anteil der eingeführten Rohstoffe und
Halbwaren am gesamten industriellen Produktionswert in
Frankreich auf nur 15% beziffert wird. Erst gegen Ende
des Jahres kam das Preisniveau in raschere Bewegung.
Ende Dezemher eroah sich faloendes Bild:
*) Vgl. hierzu die Ausführungen von Dr. Trendelenburg,
Stellvertreter des Leiters der Reichswirtschaftskammer, im
Deutschen Valkewirti‘ Me 1% vzam RR Tanıar 1927 SS 7931
Jahres» Ende
durchschnitt Dezember
1935 1936
Gesamtindex für (45 Waren) 347 499
Französische Erzeugnisse
(29 Waren) 374 527 + 41%
Eingeführte Waren 299 450 + 50%
Nahrungsmittel 344 513 + 49 %
Ind. Rohstoffe 351 488 + 39 0%
Pariser Kleinhandelspreise 423 534 -- 36 %
Die auf Grund der Abwertung zu erwartende Preisangleichung
hat also in letzter Zeit starke Fortschritte
gemacht und dürfte wohl trotz der gegenteiligen Bemühungen
der französischen Regierung noch nicht als
abgeschlossen zu betrachten sein. Für den deutschen Export
ist diese Entwicklung naturgemäß von großer Bedeutung.
Andererseits könnte die Tatsache, daß die durch
die Abwertung wiedergewonnene Bewegungsfreiheit zum
nternationalen Preisniveau großenteils bereits wieder veroren
gegangen ist, dazu führen, die protektionistischen
Tendenzen der betreffenden Wirtschafiszweige erneut au}
den Plan zu rufen.
Die Kompensationsgeschäfte, von deren Äusbau mar
jich im Vorjahre auf französischer Seite eine wesentliche
Zelebung des deutsch-französischen Warenverkehrs ver.
sprach, hielten sich in ziemlich engen Grenzen. Auf deut-‚cher
Seite hat man insbesondere im Hinblick auf die be-<annten
unerfreulichen Begleiterscheinungen gegenübeı
lieser primitiven Ärt des Warenausiausches von vorn;
jerein Zurückhaltung gezeigt, die sich naturgemäß noch
‚erstärken mußte, als sich in einem gerade die Saarndustrie
unmittelbar berührenden Falle ergab, daß die
ranzösische Regierung die von ihr im Rahmen eines sol.
:hen Geschäftes als „zusätzlich“ bewilligte Einfuhr «deutscher
Erzeugnisse nachträglich durch Streichung eines für
lieses Erzeugnis vorgesehenen Sonderkontingents ausge
zlichen hat.
Die Statistik zeigt, daß die deutsche Ausfuhr nach
Frankreich im Jahre 1936 gegenüber dem Vorjahr um
32,6 Millionen Franken gestiegen ist. Man könnte versuch
sein, dieses Ergebnis angesichts des Mangels einer verraglichen
Regelung und der politischen Spannungen des
‚ergangenen Jahres als nicht unbefriedigend anzusehen
3ei einem Blick auf den französischen Gesamtaußenı1andel
des Jahres 1936 ergibt sich freilich ein wesentlich
ingünstigeres Bild, An der Steigerung der französischer
Gesamteinfuhr von 2424 Millionen Franken = 21 %
st Deutschland mit nur 32,5 Millionen Franken = 0,7 %
jeteiligt. Deutschland hat also an dem stark gestiegenen
ranzösischen Warenbedarf nur in höchst bescheidenem
Maße teilnehmen können, und hierin zeigen sich vor allem
auch die Wirkungen unserer einleitenden Feststellung.
iaß Deutschland auf dem Gebiete der Kontingentierung
lie Meistbegünstigung versagt war. In beschränktem Umange
dürfte die Steigerung der Ausfuhr auch auf die
Trankenabwertung zurückzuführen sein. Der statistisch ausyewiescene
deutsche Ausfuhrüberschuß von 1103,9 Mill. Fran
sen, der nur den reinen deüutsch-französischen Warenverkehr
(also ohne Kolonien) betrifft, liegt zwar um
316,5 Mill. Franken höher als im Vorjahr, ist aber wiederım
ein künstlich erzwungener, da er ausschließich
durch die scharfe Drosselung der französischen Ausfuhr
jewirkt wurde. Tatsächlich liegt der Aktivsatdo jedoch um
wa 130—150 Millionen Franken niedriger, weil der Wert
ler auf den Rückkaufpreis der Saargruben zu leistenden
Sratiskohlenlieferungen, die rd. 2025000 Tonnen betragen
1aben, abzusetzen ist. Zu berücksichtigen ist ferner bei
:#inem Vergleich mit dem Vorjahre, daß die französische
Statistik von 1935 den damaligen deutsch-saarfändischen
Varenaustausch für die Zeit vom 1. Januar bis 18, Februar
‚935 enthält, der mit einem Aktivsaldo des Saarlandes
‚on rd, 111 Millionen Frankem abgeschlossen hatte. Dazı
‚ommen schließlich noch die recht beträchtlichen Veruste,
die die deutschen Exporteure durch die Abwertung
ırlitten haben. Der Ueberschuß schrumpft schließlich nocl'
nehr zusammen, wenn man das französische Wirtschaftseich
als Ganzes betrachtet, d. h. das deutsche Passivum
zegenüber den französischen Kolonien in Betracht zieht
las für 1936 nach der deutschen Statistik mit 26.4 Mill
Reichsmark anzusetzen ist.
Besonders bedenklich muß indessen die Tatsache stim
men, daß Deutschland infolge der num schom Jahre dauernden
Zerrüttung der deutsch-französischen Handelsbeziehundgen
auf dem franzäsischen Markt etänd!>7 an Bader