Full text : 33.1928 (0033)

Französische Projekte über den Ausbau des Saarkohlenkanals.

Vor einiger Zeit haben wir die Entwicklung des
Saarkohlenkanals in den sechzig Jahren seines Bestchens
 /eröflfpet 1866) aufgezeigt und darauf hingewiesen,
 daß der stark verallete Kanal heute nur noch
schr unvollkommen den Anforderungen der Saarwirlschaft
 zu genügen vermag*), Wir halten gezeigt, daß
der Kanal seiner eigentlichen Zweckbestimmung, den
Warentransport der Saarkohlen von den Saargruben
nach Elsaß-Lolhringen, Ostfrankreich und der Schweiz
zu bewirken, immer weniger entspricht, so daß der
Kohlenversand seil dem ‚Jahre 1884, wo er mil
716000 Lt == 11,8% der damaligen Saargrubenförderung
 einen his heule nicht wieder erreichten Höchststand
 verzeichnete, auf! 630000 t im Jahre 1926 =
4.6.9, der Saargrüubenlförderung zurückgegangen ist, Aut
der anderen Seite hatten wir darauf hingewiesen, daß
die Einfuhr von Eisenerz von 61000 t im Jahre 1867
und 80000 t im Jahre 1884 auf 267000 L im Jahre
1926 gesliegen isl. Inzwischen ist -- mit der üblichen
Verspätung --. die Saarschiffahrisstatistik für das Jahı
1927 erschienen, aus der als bemerkenswerleste Tat
sache hervorgeht. daß erstmalig der Zu-Tal-Verkehr
 auf der Wasserstraße den Zu
Berg-Verkehr überflügelt hal. Es wurden
durch die Schleuse Güdingen im Jahre 1927 insgesamt
500.078 t 55375941 t 19260 zu Berg und 644649 t
528459 1) zu Tal befördert, insgesamt 1243727 |
1186053 D. Davon entfielen auf ausgeführte Kohle
576.050 1, also über neun Zehntel der Gesamtausfuhr.
und auf eingeführles Kisenerz 338120 t. milhin nicht
ganz die Hälfte der Gesamteinfuhr
So erfreulich an sich die Tatsache ist, daß Ausihr
 und Einfuhr auf dem Saarkohlenkanal sich jetzt
lie Waage zu halten beginnen, und daß die lothringische
 Minelte mehr und mehr als Rückfracht für die
Sauarkohlenkähne in Frage kommt, so darf sie jedoch
nicht darüber hinwegläuschen, daß die auf dem
Wasserweg beförderten Kohlen- und Erzmengen gegenüber
 der Gesamtausfuhr an Saarkohle, wie bereits
dargelan, bzw. gegenüber der Gesamteinfuhr an Kisenrz
 recht gering sind. Wenn der Saarkohlenkanal
von den rund 5 Millionen Tonnen Saarkohle, die jährlich
 nach Eisaß-Lothringen. Innerfrankreich und der
Schweiz gehen. nur rund 600000 t. und wenn er
von den rund 4 Millionen Tonnen Eisenerz, die die
Saarhülten jährlich aus Lothringen bezichen, nur
rund 300000 Tonnen hefördert, so will das
gegenüber der Leistung anderer Wasserstraßen
und deren Bedeutung für das Wirtschaftsleben
anderer Induslriegebiete nicht viel besagen. Es sei nur
daran erinnert, daß im Ruhrgebiet seit dem Jahre
1926 der Kohlenversand zu Wasser den zu Lande
mengenmäßig überflügelt hat. Daß der Saarkohlenkanal
 für die Saarwirtschaft niemals diejenigen
Funktionen erfüllen kann, wie sie z. B. dem projeklierten
 Saar-Pfalz-Kanal zufallen würden, ist bereits
dargelegt worden und muß als unabänderlich hingenommen
 werden, weil er eben nicht der Hauptabsatzund
 Bezugsrichtung der Saarwirtschaft, nämlich nach
Süddeutschland, entspricht. Aber daß seine Leisiungsfähigkeit
 gestecigert werden kann, darin.
 besteht kein Zweifel. Wie ist die Lage gegenwärlige?


Auf den eigentlichen Saarkohlenkanal
von Gondersingen am Rhein-Marne-Kanal bis Saargemünd
 in Länge von 63,4 km entfallen 27 Schleusen
 von 38,50 m Länge, 3,20 m Breite und 2 m
Tiefe, die durchschnitllich zwei Schiffe je Stunde
bewälligen können. Die Wasserversorgung erfolgt
 durch den Mittersheimer und Stock-Weiher, von
lenen der letztere in normalen Zeiten ein Fassungsvermögen
 von 19 Millionen Kubikmeter hat. Bei
Trockenperioden entleeren sich diese Weiher stark.
*) „60 Jahre Kanalschiffahrt auf der Saar‘, „Saar-Wirtschaftszeitung‘“
 Nr. 30 vom 28. Juli 1928.

so daß eine sehr sparsame Wasserwirtschaft geboten
ist. Im Winter bildet sich auf dem Kanal zuweilen eine
Eisdecke, durch die die Schiffahrt schr verlangsami
wird, An der lothringischen Strecke des Saarkohlenkanals
 liegen die drei Kohlenhäfen der lothringischen
Grubengesellschaften, nämlich der Hafen Remelfingen
 der Saar- und Mosel-Bergwerksgesellschafl
mit einer Jahresleistung von 150000 1 bzw. zwei
Kähnen }e Tag die Anlage kann bis zu sechs Kähnen
je Tag beladen). der Hafen Wittringen der Bergwerks-
 und Klektrizitätsgesellschaft La Houve, dor
nicht regelmäßig betrieben wird, aber auf die Beladung
 von zwei Kähnen Täglich eingerichtet ist, und
ler Hafen Rech der de Wendel’schen Kohlengruben
von Kleinrosseln mit einer Leistung von 180000 t =
zwei Kähne je Tag * Leistungsgrenze bis zu fünf
sähnen je Tag ferner der Hafen Saaralben der
Solvay-Gesellschaft, der hauptsächlich zum Entladen
lien.
Auf der kanalisierien Saar. wo der gewun
lene Flußlauf vie!fache Berichtligungen erfahren hal.
jelrägt die Wassertiefe auf der Strecke Saargemünd: -
Bous einbeillich 2 m und auf der Strecke Bous-Ensdorf
 1.60 m. Diese 44 km lange Saargebietsstrocke
>nthält neun Schleusen, d. h. durchschnitllich alle
5 km eine, Die Schleusen haben dieselben Abmessunzen
 wie auf der lothringischen Strecke, nur von Saarbrücken
 saarabwärts sind sie größer angelegt. nämlich
mit 6,60 m Breite und 40,80 m Länge. und zwar im
Hinblick auf den für später vorgesehenen Verkehr von
Moselschiffen saaraufwärits. Die wichtigste Schleuse
ıuf der kanalisierten Saar ist die von Güdingen.
wo der gesamte ins Saargebiet ein- und ausgehende
Wasserverkehr statistisch erfaßt wird. Unter den
Hafenanlagen an der kanalisierten Saar stehen an
»rsier Stelle die Kohlenhäfen der Grubehverwal.
ung in Malstatt und Luisenthal. Die Stadt
Saarbrücken besitzt neuerdings einen Freihafen am
Fuße des Halberg, Ueber Ladestellen verfügen ferner
lie Eisenhütten von Brebach, Burbach und Völkingen.
 Schließlich befinden sich zwei kleinere Kohlen-21äfen
 in Hostenbach und Ensdorf. Der Hafen Mastati
ıls Zentlralhafen der Grubenverwaltung hat gegenwärtig
>ne Tagesleistung von 3500 1. die bis auf 65300 1
zsesteigert werden kann.
Von Interesse sind nun die Verbesserungs
vorschläge, die die französische Saargrubenverwaltung
 dem im Vorjahr in Meiz tagenden
iranzösischen Kongreß für Binnenschiffahrt unteryreitet
 hat und die jetzt in dem Jahresbericht der
iranzösischen Liga für Binnenschiffahrt veröffentlicht
werden. Der Leiter der Verkehrsabteilung der Saarzarubenverwaltung,
 Direktor Boissel, forderte in seinem
Referat darüber ‘„Etude sommaire sur la liaison ac-.‚.uelle
 par eau du Bassin houiller Sarro-Lorrain au
Systeme des voles navigables francaises‘‘; Verbesserunzen
 in dreierlei Hinsicht, nämlich Verbesserung
und Schaffung von Häfen, Verstärkung
les Schiffparks und Ver heSSUTUNE der
Schiffahrtsbedingungen. Was die Häfen der
’ranzösischen Grubenverwaltung anbetreffe, so seien
lier seit 1918 bereits beträchtliche Verbesserungen
getroffen. Der Hafen Malstatt, der damals nur
für die Beladung von 8-—10 Schiffen täglich eingerichtet
 gewesen sei, könne heute durchschnittlich 20
Schiffe täglich ohne Schwierigkeiten bewältigen und
»benso 4—6 Schiffe täglich entladen. Der Hafer
Luisenthal könne täglich 2 Schiffe beladen. Ebenso
1ältten die Häfen der drei Eisenhütten an der Saar
Verbesserungen erfahren, durch die der Wasserbezug
von Eisenerz gesteigert werden konnte. Auf Betreiben
der Regierungskommission habe die Stadt Saarbrücken
 den öffentlichen Hafen bei Brebach an:
gelegt. Was die von den lothringischen Grubengesel)
schaflen am Saarkohlenkanal angelegten Häfen an.
beireffe, so lieferten diese bereits die Hälfte des Saarkohlenversandes.
 Durch den gesteigerten Verkehr sei
            
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