Aal
zu behandeln -für nötig gehalten. Sie ist dabei zu dem
Ergebnis gekommen, daß das Finanzkomitee des Völkerbundes
nach Liquidierung der mit der Rückgabe des
Saargebietes an Deutschland verknüpften politischen Fragen
die finanziellen Bedürfnisse des Deutschland wieder
einverleibten Gebietes prüfen und die Möglichkeit einer
internationalen Anleihe untersuchen soll.
Es ist rührend, zu hören, mit welcher Sorgfalt die
Confederation unsere Angelegenheiten behandelt und wie
sie so gnädig ist, dem Völkerbund zu erlauben, nach
der Rückgliederung die Frage einer Anleihe für das Saargebiet
zu prüfen. Ich glaube, wir sollten uns mit aller
Deutlichkeit eine solche Bevormundung verbitten und orbi
et urbi verkünden, daß das Sorgen des Saargebietes und
nach der Rückgliederung Sorgen Deutschlands seien, die
die französische Confederation um so weniger angehen,
als Frankreich bis heute jeden guten Willen finanzieller
Unterstützung des Saargebietes hat vermissen lassen.
Das größte Interesse bleibt nach wie vor für das
Saargebiet wegen seiner Zugehörigkeit zur deutschen Wirtschaftseinheit
die Entwicklung der Dinge in Deutschland,
Es war zunächst beabsichtigt, am heutigen Tage einen
Vortrag über die Reparationsfragen zu bringen. Leider
mußte darauf verzichtet werden, weil der in Frage kommende
Redner, der Anspruch auf eine völlige Beherrschung
der Materie machen konnte, bei der augenblicklichen Lage
der Reparationsfrage und der Ungewißheit des Kommenden
eine kritische Auslassung in der Oetfentlichkeit nicht
für angebracht hielt. So möchte ich nur mit wenigen
Worten dieses Thema berühren,
Das. Reparationsproblem ist nicht nur ein Problem
Deutschlands, sondern auch Europas und der ganzen Welt,
von dessen Lösung die Saarwirtschaft durchaus mit abhängig
bleibt. Ich darf selbstverständlich die allgemeinen
Fragen der Reparation als bekannt voraussetzen, möchte
aber doch mit einigen Worten die näheren Umstände,
welche aus dem Londoner Reparationsabkommen resultieren,
in Ihr Gedächtnis zurückruten. Von der Industrie
verlangt die Reparation die Verzinsung von 5 Milliarden
Reichsmark, sogenannte Industrieobligationen; im pauzen
sollen in den ersten fünf Jahren folgende Barzahlungen
aus Mitteln des Reichs, aus bestimmten Steuern, von der
Reichsbahn-Gesellschaft und der Industrie geleistet werden:
Für das Jahr 1924 25 1.000.000 000 RM.
P 5 ‚1925 26 1220 000 0C0
» 5» „1926 27 1.290 000 600 ,,
5%; „1927/28 1 750.000 000
» x» „ 192329 2500000600
Von diesen Leistungen sind nach Gesetz über die
Industriebelastungen durch die Industrie aufzubringen:
Für das Jahr 10925 26 125 009 000 "”M.
om „10967 BMA,
9% 22» 1927/28 300006
9 2 1928'29 300 000 000
Damit ist selbstverständlich die Reparationszahlung nicht
erledigt, es soll damit zunächst nur einmal festgestellt
werden, welche Leistungen Deuischland aufzubringen imstande
ist. Die ganze, noch nicht festgestellte Reparationslast
Deutschland soll in dreißig Jahren aufgebracht werden.
Wenn auch das Saargebiet zurzeit noch keine
direkten Lasten zu tragen hat und es genügt, daran zu
erinnern, daß das Saargebiet ja in seiner heutigen Struktur
eine, Reparation in sich darstellt, so wird es doch indirekt
durch die Reparationslasten stark bedrückt und wird
zweifellos nach der Rückgliederung — möge diese kommen,
wann immer es sei — mit zu den Reparationslaster
beizutragen haben.
Wie gesagt, ist neuerdings die Reparationsfrage wieder
in Fluß gebracht. Eine baldige Lösung ist nicht zu erwarten,
und wenn auch eine Gewißheit vor allem über
ihre Höhe wünschenswert ist, erscheint es doch besser, die
Lösung wird solange hinausgeschoben, bis eine vernünftige
Lösung möglich erscheint. Ich darf für das Saargebiet in
Anspruch nehmen, daß auch hier eine solche Lösung allen
anderen vorgezogen wird, selbst auf die Gefahr hin, daß
eine Stabilität der Verhältnisse noch verzögert wird. Das
Saargebiet ist jetzt zehn Jahre vom Vaterlande getrennt.
Seine Liebe und Anhänglichkeit hat dadurch nicht die
geringste Einbuße erlitten, im Gegenteil, man wäre versucht,
zu sagen, daß es nur noch fester sich verbunden
fühlt, wenn das überhaupt möglich wäre. Das Saargebiet
ist. ebenso wie ganz Deutschland bereit. abzuwarten und
’
n seiner im Augenblick durchaus unvernünftigen Lage z
‚erharren, statt einer unbefriedigenden Lösung zuzustim
nen, die für Deutschland und damit für das Saargebiet nu
Verschlechterung bedeutet. Die bedingungslose Schicksals
verbundenheit des Saargebietes mit Deutschland mart
ıuch vor dieser Frage nicht halt.
Meine Herren, eine besonders kritische Lage für da
Saargebiet wird sich ergeben, wenn die Rückgliederung
die wir trotzdem mit allen Fasern des Herzens herbei
schnen, Wirklichkeit wird. Das Saargebiet hat sich ge
zwungen gesehen, nach seiner Abtrennung vom Deutsch
land seine Wirtschaft umzustellen unter den größten
Ipfern, deren Folgen uns täglich vor Augen stehen, un
hat zu erwarten, daß ähnliche Folgen bei der Rück
zliederung an Deutschland in Erscheinung treten werden
Aber Rückgliederungsprobleme sind zu bewältigen und
können uns, die wir schon so viel hinter uns haben, nicht
erschrecken, Sie sind nicht einfach zu lösen, und €&
wird notwendig sein, daß nicht nur die Saarwirtschaft
Ipfer bringt, sondern daß sie vom Reiche, dessen
innere Konsolidierung wir hoffen und wünschen, unter.
stützt wird, Was von uns aus dazu beigetragen
verden kann, soll selbstverständlich geschehen. Wi
1offen vor allem, daß das Reich in seiner Ver
valtungs- und Verfassungsreform eine derartige Vereinheit:
ichung erlangt, wie sie zu einer wirklich vernunitgemäßen
Zetätigung notwendig erscheint, Wir hoffen, daß der Wirt
schaftsfriede, der zurzeit gestört ist, dauernd wiederherge.
stellt wird, Mit angehaltenem Atem sicht ganz Deutsch.
land, sehen auch wir auf den Kampf zwischen Arbeit
zebern und Arbeitnehmern, der sich zurzeit in Nordwest:
Deutschland abspielt. Wir wünschen, daß die Wunden
lie dieser Kampf auf jeder Seite hinterlassen wird, balc
zeheilt sind. Wir können aber den Unternehmern, die ir
lem Kampfe stehen, unsere Sympathie nicht versagen, denr
ler Kampf wird nicht geführt um kleine Dinge, er wirc
zeführt um die Sicherstellung des deutschen Preisniveam
and der deutschen Wirtschattkraft. Es handelt sich hie!
ıicht um einen Kampf für die Wirtschaftsinteressen einer
zewissen Industriegruppe, sondern es handelt sich um einer
Kampf, der nötig erscheint, der deutschen Wirtschaft die
Sicherung zu geben, die Erzeugnisse ihres Arbeitsfleiße‘
ıutzbringend verwenden zu können, der sich darum dreht
die Exportkraft Deutschlands zu erhalten, um mit diese:
Sxportkraft, die ja schon um soviel schwächer geworder
st gegen Irüher, die ungeheuren Lasten zu bezahlen
velche aus den großen Verpflichtungen des Versailler
Vertrages uns auferlegt sind. Und es geht nicht nur um
len Export, es geht auch um den Absatz im Inlande. Das
Inland ist trotz der Zölle noch lange nicht geschützt
zegen ausländische Konkurrenz, die in vielen Fällen noc}
‚mstande ist, bei ihrem an den deutschen Löhnen gemessenen
niedrigen Löhnen mit Erfolg die Zollmauer zu über-5pringen.
Ich erinnere dabei nur an die Bataschuhe aus
ler Tschechoslowakei und darf aus eigenster Kenntnis au
lie Möglichkeit der Unterbietung deutschen Glases ir
deutschland durch belgisches und böhmisches hinweisen
Davor schützt keine Rationalisierung. Wächst die Lohn
;panne zwischen Inland und Ausland weiter, so sind dir
7olgen nicht abzusehen.
Sie wissen ebenso gut wie ich, meine Herren, daß
lie Rente der deutschen Unternehmungen, an den früheren
lahren gemessen, so gering ist, daß sie eine Kapitalbildung
saum mehr erwarten läßt. Sie wissen, daß große Industrie
zweige nach dem Kriege überhaupt keinerlei Rente mehl
ıufgebracht haben. Dazu gehört vor allem die jetzt im
Abwehrkampf stehende weiterverarbeitende Eisenindustrie
Mit einer Steigerung des Nominallohnes ist noch langt
seine Steigerung des Reallohnes verbunden, da die Lebens
1altungskosten zwangsläufig mit steigen. Die falsche und
mmer wiederholte Behauptung, daß ein höheres Eir
<ommen der breiten Masse die Lebenshaltung verbessere
edeutet eine bewußte Irreführung und eine volkswirt
schaftliche Schädigung des deutschen Volkes. Steine staf‘
3rot!
Sie wissen auch, daß hier im Saargebiet die Verhältniss'
denen im Reich ganz parallel laufen, und darum erschein
as nicht zuviel gesagt, wenn ich betone, daß der Ausgang
der wirtschaftlichen Notwehr am Niederrhein und in West
’alen von größter Bedeutung auch für uns ist. Der Kamp
am Niederrhein zeigt mit aller Deutlichkeit noch etwas
anderes. In dem Augenblick, in dem Arbeitgeber und
Arbeitnehmer sich in voller Uebereinstimmung über die