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. Das wesentlichste Mittel diese Kräftemessens ist
der Betriebsvergleich,
Das Svstem besteht darin, daß sich mehrere oder
alle der gleichen Branche angehörenden Firmen zusammentun,
um ihre Kosienzahlen zu vergleichen,
Sie lassen in geeigneter Weise zusammenstellen, wie
hoch sich etwa für eine Tonne Stahl die Kosten des
Einsatzes, der Feuerung, der Zuschläge, der feuerlesten
Steine, der Löhne dieser und jener Art belaufen. Aut
diese Weise kann dann jeder schen, in welchen Poslep
er schlecht und in welchen Posten er gut sieht. Er
Mindet auf diese Weise die Punkte, an denen die Rationalisierung
anzusetzen hal,
Das System des Betrichsvergleichs ist erst in den
Anfängen; aber schon das Bisherige hal sich vortrefflich
bewährt. In der Papierindustrie, in der Maschinen:
industrie, in Gießereibetricben, in Teilen der keramischen
Industrie, bei einigen Hültenwerken und selbst
bei Warenhäusern sind solche Betriebsvergleiche mil
großem Nutzen durchgeführt worden.
Auch hier haben wir ein wichtiges Mittel, um die
großen Mängel, unter denen die gebundene Wirtschafi,
die des ungenemmien Konkurrenzkampfes entbehrt.
wirtschaftlich gesund und lebendig zu erhalten.
Allerdings ist zuzugeben, daß der Durchführung des
Betriebsvergleichs zwei gewichtige Schwierigkeiten im
Wege sichen.
Zunächst mag nicht jeder Betrieb sich in die Karten
sehen lassen. Dieses Bedenken vermindert man, wenn
man eine Vertrauensstelle schafft, die die Einzelzahlen
sammell, zusammensiellt und nur die Durchschnitte
den einzelnen Beteiligten zur Verfügung stellt: außer
den Durchschnitten kommen Höchst- und Niedrigstsätze
in Betracht. Auf diese Weise verrät der einzelne
Industrielle seine Zahlen nichl, wohl aber kann er
durch Vergleich seiner Kostenzahlen mit den Duarchschnitts-,
Höchst- und Nicedrigstzahlen erkennen, wo
der Schuh drückt.
Die zweite Schwierigkeil, die sich bei der Durchführung
von Betriecbsvergleichen gezeigt hat, besteht
darin, daß die Zahlen der einzelnen Betricbe infolge
verschiedener Buchführung, namentlich verschiedener
Konlierung, nicht vergleichbar sind. In allen FäHen
hat sich gezeigt, daß zunächst ein Einheitssystem für
die Kostenaufschreibungen gefunden werden muß, dessen
sich alle bedienen. Nur auf diese Weise lassen
sich vergleichbare Zahlen erzielen. Sowohl hinsichllich
der Kostenstellen als auch hinsichtlich der Kostenarten
muß wenigstens bis zu gewissem Grade eine
Vereinbarung erzielt werden, so daß die Buchhalter
wissen, wie zu konlieren ist. Das Reichskuratorium
für Wirtschaftlichkeit hat Mittel bereitgestellt. um für
die verschiedensten Gewerbezweige Normalbuchführungen
zu entwerfen, die dem Zwecke dienen, Beiricpsvergleiche
möglich zu machen. Einige dieser Normalbuchführungen
sind bereits veröffentlicht. und
weilere werden in Kürze folgen. Eine Normalbuchführung
für Gießerei und eine andere für Weberei;
insbesondere für Buntweberei, wird im Augenblick
gerade gedruckt. Sie ist entstanden aus der gemeinsamen
Arbeit von Theorelikern und Praktikern. In
einer großen Zahl von Sitzungen sind alle Einzelheiten
dieser Normalbuchführungen durchgesprochen worden.
Sobald sie gedruckt sind, werden sie von einer
Reihe von Betrieben, die sich dazu bereiterklärt haben.
zur Anwendung gebracht. Auf diese Weise werden
die noch bestehenden Mängel beseitigt, um so für
die beireffenden Gewerbezweige das Besle herauszubringen,
was überhaupl möglich ist,
Wir dürfen hoffen, daß durch diese Einrichtung.
die sich ganz außerordentlich gut anläßt, Rationalisierungsmöglichkeiten
erschlossen werden, die man bisher
nicht kannte.
Die Frage, an welchen Stellen die Zahlen gesammelt
und verarbeitet werden sollen, ist verhältnismäßig
gleichgültig. Wenn die Industrieverbände diesen Vergleich
durchführen wollen, so läge das am nächsten.
Da, wo solche Verbände diese Arbeit nicht leisten
wollen, werden sich andere Vertrauensstellen finden,
Beispielsweise hat sich auch das Archiv der Universität
Köln bereiterklärt, für derartige Fälle als Sammelund
Verteilungsstelle zu fungieren. Wesentlich ist, derartige
Vertrauensstellen so zu organisieren. daß jeder
.ndustrielle ohne Bedenken seine Zahlen hergeben
xann, Er muß insbesondere sicher sein. dalß di«
mit der Verarbeitung betrauten Angestellten nicht
Irüher oder späler von Konkurrenzunternehmunger
>ngagiert werden.
Das System des Betrichsvergleichs hat übrigens zu
lem früher erörterten System, besondere Gewinn- und
Verlustrechnungen für Unterbetriebe zu schaffen. einen
gewissen Zusammenhang. Nur durch den Betriehsvergleich
wird es in vielen Geschältszweigen ermöglicht,
die richtigen Grundlagen für die Verrechnungspreise
zu finden, die man für die besonderen Gewinn:
und Verlustrechnungen von Unterbetrieben braucht,
Es ist richlig, daß wir auf diesem Gebiet vorläufig
noch wenig Erfahrung haben und hie und da unsicher
sind. Aber es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel,
Jaß es den vereiniglien Bemühungen von Theorie und
Praxis gelingen wird, hier innerhalb von wenigen
Tuhren einen wesentlichen Schrilt weiterzukommen.
Ein weiteres .Miltel, um uns vor den mit der
\ufgabe der freien Konkurrenz und der freien Preisbildung
verbundene Bürokratisierung des Wirtschaftslebens
zu schülzen und die alten Formen in die neue
Wirtschaft hinüberzuführen. besteht darin, daß wir
nicht über fixe und proportionale Kosten bloß reden,
sondern daß wir auch versuchen, die einzelnen
Kostenbestandleile richtig zu berechnen. Das ist die
beste Methode, um die Folgen. die mit dem Ueberhandnehmen
der fixen Kosten verbunden sind, richtig einzuschätzen
und sich mil ihnen abzufinden,
Auf diesem Gebiete hegt, das muß ich schon offen
sagen, noch schr viel im argen. Mir sind einzelne Fälle
bekannt geworden, in denen die RBeteiligten den Anteil
der proporlionalen Kosten ganz außerordentlich unterschätzt
und infolgedessen eine ganz falsche Preispolilik
getrieben haben. Das sollte doch eigentlich nicht
vorkommen und ließe sich leicht vermeiden,
Ganz allgemein muß gesagt werden, daß in der modernen
Betrichsverwaltung die Miltel des Rechnungswesens
noch nicht annähernd erschöpft sind, um den
nöchsten Stand der Wirtschaftlichkeit zu erreichen
\lan kann ganz allgemein sagen, daß das innere Rechıungswesen
der meisten Betriebe noch zu bürokratisch
‚st, während es eigentlich so beschaffen sein sollte,
laß es den Bürokratismus austreibi. Es fehl! dem
kechnungswesen der Betriebe vielfach der große Zug
“s scheint fast, daß man heute immer noch hie und
la der Meinung isl, daß das Rechnungswesen ein
ıntergeordnetler, fast subalterner Zweig des Betriches
‚ci. Das war vor hundert Jahren einmal richtig und
'st heute noch richlig für die kleinen Betricbe, die
nit ihren Augen und Ohren ihren Betrieb überwachen
zönnen. Aber in Betrieben, die so groß und unübersichtich
sind, daß sie mit Okularinspektion nicht mehr
zu beherrschen sind, tritt an die Stelle der Augen und
Ihren das Papier. die Aufschreibung. die Zahl. Und
;o wird das Rechnungswesen zu einem wesentlichen
/erwaltungsorgan.,
Und in denjenigen Betrieben, denen infolge deı
Wirkung der fixen Kosten die frisch erhaltende Lufl
ler unbeschränkten Konkurrenz und der freien Preisaildung
verloren gegangen ist, hat das Rechnungswesen
die große Aufgabe, die gesunden Wirlschaftszrundsätize,
die die unbeschränkte Konkurrenz hat entilehen
lassen, der neuen Wirtschaftsform in neuer
sestalt zugänglich zu machen.
Aber selbstverständlich ist damil nicht alles getan,
um den neuen, den bewährten Geist der alten Wirtschaftsformen
zu erhalten.
Die intensivste, augenfälligste Wirkung der fixen
Kosten besteht darin, daß die unter ihrem Druck
stehenden Betriebe ungemein stark auf sietige, volle
Beschäftigung angewiesen sind,
Man sieht das heute noch ganz deullich; Industrien.
lie noch Züge der alten Manufaktur aufweisen, sind
lange nicht so arbeitshungrig wie Betriebe mit starken
"ixen Kosten, Die Zigarrenindustrie beispielsweise paßt
;ich dem Nachlassen der Konjunktur an, indem sie
ı1ach alter Art die Produktion dem Absatz anpaßt.
Die Zigarettenindustrie mit ihren großen. im Verkaufsıpparal
begründeten fixen Kosten hat viel mehr Neizung,
bei nachlassendem Verkauf den Absatz zu heben
ınd so den Absatz der Produktion anzupassen. Die