Full text : 33.1928 (0033)

der nachhaltige Drang zur Forlentwicklung der Fließarbeit
 noch alierlei schwere Betricbhserschülterungen
bringen. Vor allen Dingen ist zu beachten, daß die
Fließarbeit der Fortentwicklung von Normung und
Fypisierung einen neuen Stoß gibt und in Wechselwirkung
 von dort neuc Stöße empfängt.
Wenn die Fließarbeil auf eine gewisse Höhe gebracht
 wird, dann erhöht sich damit zuschends der
velalive Bestandteil der fixen Kosten und entsprechend
mindert sich der relalive Bestandteil der proporlionalen
 Kosten. Ganz besonders in dem Augenblick,
in dem infolge der Fließarbeit die Akkordentlöhnung
aufhört und dem einzelnen Arbeiter sein spezielles
Fempo aus der Hand genommen und ihm dafür das
Tempo des allgemeinen’ Arbeitsrhylhmus aufgezwungen
 wird, ändern sich die Kostenverhältnisse
zugunsten der fixen Kosten zuschends. Maschine und
Mann sind in einem solchen Belrieb Organe einer
Produktionsbereitschaft geworden, die kostenmäßig
wenig davon berührt wird, ob viele oder wenige Produkte
 ihren Arbeitsstand Dassieren
Genug der Beispiele,
Sie sollen dartun, daß die nun schon fast ein
Jahrhundert andauernde, zwar in Stößen, aber doch
im Ganzen unentwegt, sich fortbewegende, Umlagerung
der Kosten in unserer Zeit mächtig weilerschreilet,
Was sind die Folgen dieser Umwälzung?
Wenn die fixen Kosten ein gewisses Gewicht erjangen,
 sa steigern sie im Falle nicht voller Beschäfligung
 den Beschäftigungshunger bis zur
Unerträglichkeit. Die Konkurrenz der Erzeuger macht
alsılann nicht halt und wird nicht einmal gemildert.
wenn die Preise auf die Selbstkosten gefallen sind;
im Gegenteil, der Kampf um die Aufträge wird in
diesem Stadium noch heftiger als bisher.
Diese Wirtschaftszweige mit starken Fixkosten können
 bei dieser Sachlage, die an Dauer und Intensität
die Kräfte der meisten übersteigt. sich nicht halten
Der drohende Untergang räuml regelmäßig die einem
Zusammenschluß entgegenstehenden Hemmungen hinweg
 und erzwingt eine Preisvereinbarung. Da das
wesentlichste Kennzeichen der freien Wirischalt die
sich auswirkende Konkurrenz und die auf ihr berühende
 freie Preisbildung ist, ist mit Beseitigung
dieses wesenlichsten Kennzeichens die freie Wirt
schaft für diesen Wirtschaftszweig um so radikaler
erledigt, je besser der Zusammenschluß gelingt.
Wenn man diesen lausendfältig zu beobachtenden
Werdegang nicht glauben mag, so muß man weiter
abwarten, wie die Dinge sich gestallen. Ich meinerseits
würde es aber vorzichen, mich auf die neue Form
der Wirischaft einzurichten.
Man hat mir gesagl, daß das eine fatalistische Einstellung
 sei. Ich bin darüber sehr erstaunt gewescn,
denn ich habe nie in meinem ganzen Leben fatalislische
 Züge an mir entdecken können. Ich kann
auch nich! anerkennen, daß dieser Vorwurf berechtigt
ist, denn ich verstehe unter Fatalismus ein tatenloses
 Herankommenlassen dessen, was da kommen
mag. Ich bin aber keineswegs gesonnen, die kom:
menden Wirtschaftsformen tatenlos zu verwerten: ich
predige geradezu das Gegenteil,
Das, was ich erstrebe, ist doch nichts weiter. als
daß ich die Wirtschaftsführer auffordere, vor der
kommenden Gestaltung weder die Augen zu schließen,
noch sich ihr nutzlos entgegenzustellen, sondern sic
so zu leiten, daß sich diese Gestlaltung
so reibungslos und so wirtschaftlich wie
möglich vollziehe.
Was ich darunter verstehe, habe ich vor zwei
Jahren in einer Ausschußsitzung der Dresdener Tagung
 des Reichsverbandes und auch sonst noch zu
wiederholten Malen ausgeführt.
Auch wenn wir an der gebundenen Wirtschaft nicht
vorbeikommen, so haben wir doch organisatorische
Mittel, um viele gute und nützliche Einrichtungen aus
der Zeit der freien Wirtschaft hinüberzuretten.
Wir haben insbesondere die Möglichkeit, durch geeignete
 organisatorische Einrichtungen in unseren
Großbetrieben, ja sogar in Monopolbetrieben, sowohl
das wichtige Prinzin der Konkurrenz als

ıuch das wichtige Element unternehmeraafllten
 Veraniwortungsgefühls und unternehmerhaäafter
 Initiative vielmehr zur
Entfaltung zu bringen, als es heute im allgemeinen
 geschicht, Wir brauchen nur das wichlige
und viel Zu wenig beachtete Instrument des betrieblichen
 Rechnungswesens richtig zu gebrauchen,
 um uns diese wesentlichen Vorzüge deı
'reien Wirtschaft auch für die gebundenen Wirt
schaftseinheiten zu sichern,
Dazu ist zunächst nötig. daß man‘ die Unterbetriche
lurch Einführung geeigneter Verrechnungspreise so
ıhbrechnet, daß sie ihre eigenen Gewinn- und Ver-‚ustrechnungen
 bekommen, Dadurch wird, wenn man
ns richtig anfängt und vor anfänglichen Mißerfolgen
richt zurückschreckt. in den Unterbetrieben der schon
viel zu siark entwickelte Beamtengeist der unleren
“ührer beseiligt und darch Unternehmergeist ersetzt
Man kann sogar mit Hilfe geeignet abgestu!ter Verrechnungspreise
 die besondere Gewinn- und Vorlustrechnung
 der Unterbetriche so ausgeslalten. daß sie
als Unterlage einer besonderen Tantiemenrechnung
Jienen können. Aaf diese Weise läßt sich bei den
unteren Betrichsieitern der Geist erzeugen, den man
sonst nur bei sclhbständigen Fabrikanten und Kaufcuten
 und höchst schen bei Angestellten findet.
Hand in Hand mil diesem Prinzip der rechnungsnäßigen
 Verselbständigung geht eine administralive
Verselbständigung, Wenn man einem Unterbetrieb eine
zesonderie Gewinn- und Verlustrechnung gibt, dann
kann und soll man dem nachgeordneien Betrichsleiter
 mehr als bisher selbst überlassen, den Weg zu
inden, der ihn zum größten Erfolge führt, Man
braucht sich mit einem solchen Betrichsleiter nich!
mehr viel abzugeben; man kann sich im allgemeinen
darauf verlassen, daß mit gesteigeriem Interesse auch
zesteigerte Leistungsfähigkeit sich einfindet.
Den größten Versuch auf diesem Gebiete hat die
Deutsche Reichsbahn gemacht. Seit dem Jahre 1927
hat sie für die Divektionsbezirke ein? dire klionsmäßige
Abrechnung eingeführt, die ihre Entwicklung noch
ıicht abgeschlossen hat. Diese Melhode erlaubt es
ler Hauptverwaltung, viel mehr als früher, die Direk-Honen
 nach eigenem Interesse schallen und walten
zu lassen. Dadarch wird die oberste Leitung, die
Hauptverwallung und die Generaldirektion stark ent
lastet; sowohl die Direklionen als auch die Hauptverwaltung
 verlieren dadurch an Schwerfälligkeit und
)ürokratischer Art.
Auch das Werkstättenwesen der Reichsbahn mil
‚einen rund 100 000 Beamten und Arbeitern ist haupl-‚ächlich
 mit Hilfe des Rechnungswesens auf eine
nerklich höhere Stufe gebracht worden. Die Wirt.
schaftlichkeit dieser Betriebe hat ersichtlich zugenomnen,

Ganz allgemein kann gesagt werden, daß sich mit
Hilfe eines guten Rechnungswesens die Vorzüge der
'reien Wirtschaft und des damit verbundenen Unter
ıehmungsgeistes auf die innere Organisalion der Großvetriebe
 und sogar der Monopolbetriche mit Einschluf
ler Kartelle übertragen lassen.
Ein besonders wichtiges Mittel dazu ist das, was
man als „Belrichsvergleich‘“ bezeichnet.
Das innersie Wesen des Betrichsvergleichs ist sozujagen
 ..Konkurrenzersalz“,
In der freien, ungehemmt konkurrierenden Wirtschaft
 war es so, daß der Leistungsfähigere den weniger
Leistungsfähigen verdrängle. Das war eine Art Beriehsvergleich.
 der mil scharfen Waffen geführt
wurde; der Betrieb mit den besseren Kostenverhältaissen
 schlug den Belrich mit den schlechteren
Kostenverhältnissen einfach tol. Diese brutale Arl
les Betriebsvergleichs gibt es in kartellierten Gewerbezweigen
 nicht mehr: nur zeitweilig, in Zeiten
des Interregnums, wenn das alte Kariell nicht mehr
besteht und das neue noch nicht fertig ist, flammt
der alte Konkurrenzzorn wieder auf,
Es würde ohne Zweilel zu -iner Verflachung der
Wirtschaft führen, wollten die in Kartellen vereinigten
Betriebe, nachdem sie unler sich die Konkurrenz
ıbgeschafft haben, darauf verzichten. ihre Kräfte verzleichend
 zu messen, Nur geschieht das heute au!
ne weniger blutige Weise
            
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