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Die fixen Kasten ung Ihre Wirkungen.
Von Professor Dr. Schmalenbach, Köln.
Vortrag, gehalten in der Hauptversammlung des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen
im Seergebiet, des Arbeitgeberverbandes der Saarindustrie und des Verbandes zur Wahrung der Interessen. der
Betriebskrankenkassen im Saargebiet am 30. November 1028.
In einem im ‚Juni dieses Jahres in Wien gehaltenen
vorlragel!., habe ich darauf hingewiesen, daß das
starke Anwachsen fixer kosten Veränderungen verursachl,
die weil über die Geschicke des einzelnen
Betriches hinausreichen, Veränderungen, die sogar die
Fundamentie unserer Wirtschaft erschültern.
Dieser Vortrag ist Anlaß zu einer beweglen Ööffenlichen
Kritik geworden, Und diese Kritik, je nach
Anschauungs-, DPartei- und Inleressenstandpunkt schr
verschieden, isl zu einem erheblichen Teil ablehnend
geWESEN.,
Es würde zu weil führen, der großen Zahl der
Kritiken im einzelnen nachzugehen. Aber es hat sich
gezeigt, daß von den Irrlümern, die In diesen Kritiken
zulage gelreten sind, einige häufig wiederkehren: man
kann von ihnen als von einem Allgemeingut im Sinne
eines Passivums der öffentlichen Meinung sprechen
Ich will versuchen. an der Beseiligung dieses Passi
‚ums milzuwirken,
In der ölfentlichen Kritik meines Wiener Vorirags
jel auf, daß die Mehrzahl der Kritiker annahm, es
handle sich um die Begründung einer necucn
Uhese. Das ist ein Irrtum. Ich selbst habe bereits
1899 auf die besondere Natur der fixen Kosten auslührlich
hingewiesen?) und ihre kartellbildende Wirkung
hervorgehoben. Noch früher. auf der Wiener
Kartelllagung des Vereins für Sozialpolitik von 1894
hal der österreichische Großindustrielle Wittgenstein
klar und deutlich das gleiche auseinandergesetzt.
Allerdings haben die damals versammelten
Teilnehmer aiesen Hinweis gänzlich außer achl gelassen,
und auch später hat man sich dessen nichf
erinnerl.
Die einstweilen noch schwach entwickelte Bereilschaft
der öffenllichen Meinung, wichtige Selbstkostenprobleme
sachlich zu beüurleilen, hal sich aber nicht
nur im dieser olfensichtlichen Unkenntnis über den
kterarischen Stand der Frage offenbart, sondern noch
mehr und noch übereinstimmender in der Tatsache,
daß man nicht genau wußte, was fixe
Kosten eigenllich sind.
Fast allenthalben nahmen die Redakteure, in ver
einzelten Fällen sogar Vertreter der Wirtschaftswissenschaften,
an, daß fixe Kosten und Kosten des fisen
Kapitals das gleiche seien.
Es scheint, daß das Worl „[ix“ diese falsche Vor
stellung unterstützt hat.
Tatsächlich ist es so. daß zunächst nicht alle Kosten
des fixen Kapitals zu den fixen Kosten zu rechnen
sind, Insoweit die Abschreibungen auf Anlagen
mengenabhängiger Nalur sind, gehören sie zu den
fixen Kosten nicht, Beispielsweise sind im Bergbau
die Abschreibungen auf die Berechtsame. die Schacht:
anlagen und überhaupt auf alle Anlagen, deren
Nutzungsdauer von der Nulzungsdauer des Bergwerk:
abhängig ist, proporlionaler Natur, Es wäre ein grober
Fehler, diese Kosten kalkulatorisch als fix zu behandeln.
Andererseils ist die Höhe der fixen Kosten
oft um ein Vielfaches höher als die Kosten des fixen
Kapitals. Beispielsweise sind die Kosten des fixen
Kapitals der deutschen Reichsbahn mit höchstens einer
Milliarde anzuselzen, während die fixen Kosten insgesamt
fast 1 Milliarden Reichsmark betragen. Das
ist ein erheblicher Unterschied
1) „Die Betriebswirtschaftslehre an der Schwelle der
neuen Wirtschaftsverfassung‘‘, veröffentlicht in der Zeitschrift
für handelswissenschaftliche Forschung, Jahrg. 1928.
5 241 ff.
?) „Buchführung und Kalkulation im Fabrikgeschäft‘‘,
Deutsche Metallindustrie-Zeitung, 15. Jahrg. 1899. Unverändert
nachgedruckt Leipzig 1928 im Verlag von G.
A. Glöckner
Es gibt Beispiele, die noch viel größere Unterschicde
zwischen Kosten des fixen Kapitals und fixen Kosten
aufweisen. In Thealerunternehmungen, Hotels und
anderen Unternehmungen des Darbietungsgewerbes
gchen die fixen Kosten über 80%, stellenweise über
9000 hinaus: davon machen die Kosten des fixen
Kapitals in vielen dieser Betriebe nur einen Bruchteil
aus,
In der Nachkriegs- und noch mehr in der Nachnltationszeit
sind die fixen Kosten wiederum plötzich
und tüchlig angesliegen. Auch dieses plötzliche
Ansleigen ist nicht vorwiegend von der Kapitalsseite
hergekommen,
Als wir 1921 aus der Inflation herausgingen, waren
lie Gegenstände des fixen Kapitals, die Gebäude,
Maschinen und Geräte. sicherlich nicht überall in
bestem Zustande, Aber hinsichtlich der Vorräte au
Halb- und Ferliglabrikaten war es weil schlimmer;
sie reichlen weder in der Industrie noch im Handel!
für einen ordnungsmäßigen Betrieb aus. Die Außen-;tände
und die liquiden Mittel waren in noch höherem
zrade zusammengeschmolzen., Die ersten Jahre des
tabilen Geldwertes hatte man dringend nötig. um das
ılles mal wieder in ordentlichen Gang und Zustand
zu bringen. Infolgedessen zeigen die Bilanzen von
(924, 1525 und 1926 ein starkes Wachsen der Vorräte
ind liquiden Miltel. Dagegen eine relative Abnahme
les fixen Kapitals. Erst 1927 und 1928 kommt die
normale Reostauralion des fixen Kapitals wiederum zu
hrem Rechl.
Entsprechend der relativen Abnahme des fixen Kapi-‚als
nahmen die Kosten des fixen Kapitals in den
ersten Jahren nach der Inflation relatiyr ab. Dennoch
zonnie man sich in vielen Betrieben davon überzeugen,
daß die fixen Kosten relaliv stark stiegen.
\uch das bestätigt, daß die fixen Kosten nicht allein
and nicht einmal hauptsächlich von der Kapitalseile
herkommen. Aber das bleibt natürlich wahr, daß
lie Kapitalkosten unter den fixen Kosten eine beıchtliche
Rolle spielen. Und auch das ist richtig,
laß wir mit fortschreitender Kapitalintensität mit
‘teigenen fixen Kosten zu rechnen haben.
Eine der wesenllichsten Ursachen des Ansteigens
ler fixen Kosten ist, daß wir nach dem Kriege, teilweise
ınit, ieilweise ohne Schuld, in vielen Geschäfiszweigen
in einen Zusland der Ueberkapazilät
hineingeralen sind. wie er in gleichem
Umfange früher nicht bestand.
Wenn ein Belrieb auf eine größere Leistungsfähigkeit
eingerichtet ist, als der Markt vollwerlig aufıchmen
kann, dann sind es neben den Zinsen
und Abschreibungen ganz besonders die Betriebskosten
der zu grußen Anlage, die den Druck
ler fixen Kosten erzeugen.
Es ist keineswegs nur Eisen und Kohle, wo man eine
zu große Kapazität zu beklagen hat. In der Lokonotivindustrie,
in der Waggonindustrie, in der Fahrradindustrie,
in großen Teilen der übrigen Maschinenindustrie,
in der Kleineisenindustrie, bei den Druckeveien
und noch an vielen anderen Orten ist die wesentlichste
Störungserscheinung des Mißverhältnisses
von Erzeugungsfähigkeit und Bedarf.
Es ist mir aus vielen Erfahrungen bekannt, daß
Industrielle leicht empfindlich werden, wenn man
ıhnen Ueberkapazität vorhält. Auch dort, wo ihr Vorhandensein
völlig unzweifelhaft ist, wird sie mit Vorıjebe
bestritien: und dieses Bestreiten entbehrt nicht
der Gereiztheil. Dazu kann ich nur sagen, daß diese
Empfindlichkeit nicht am Platze ist. Wer an so verantwortungsvoller
Stelle sicht wie die Leiler unserer
Wirtschaflsbetriebe. denen soviel Kapital und Arbeitskrafl
anvertraut isl, muß Kritik veriragen können,
Zin Wirtschaftisführer hat ein Geschäft, das nicht ihn