Danach sind im Jahre 1927 von der Saar nach dem
äbrigen Deutschland nur 300 der Kohlenmengen von
1913 gegangen. Im einzelnen ist die Saarkohle in den
Regierungsbezirken Merseburg-Erfurt
und in Thüringen von 46412 t auf 1550 t, d. h.
auf 30%, in der Provinz Hessen-Nassau und
in Oberhessen von 395013 t auf 8995 t, d. h
auf 260, zurückgegangen. In der Rheinprovinz
links des Rheines behauptet sie noch 28 %. Man
wird annchmen dürfen, daß gerade in Mitteldeulschland
und im linksrheinischen Gebiet heute die Braunkohle
in weitem Umfange die Suarkohle ersetzt hat.
Verhältnismäßig am besfen noch schneidet die Saurkohle
in der bayerischen Pfralz mit 49% ab,
wobei sowohl deren unmiltelbare Nachbarschaft zum
Saargebiel wie ihre Stellung als besetztes Gebiel
s. 0.) ins Gewicht fallen. Im Freistaat Hessen
ausschließlich Oberhessen‘ isl die Saarkohle noch
mil 38491 1 gegenüber 319281 t 1913 == 12% vertrelen,
im Freistaat Baden, der früher mit der
baverischen Pfalz und Würltemberg zu den slärksten
Saarkohlenabnehmern zählte, mit 270302 t = 40.6 90
Württemberg selbst verzeichnet heute 157388 |
gegenüber 671109 L 1913 = 23%, der Verkehrsbezirk
von Mannheim-Ludwigshafen 38%
Südbayern schließlich mit 21°% und Nord:
bayern mit 330, zeigen ebenfalls gewaltige KEinbußen.
Nach den Feststellungen Dr. Jüngst’s, Essen.
in der „Deutschen Bergwirlschaft der Gegenwarl‘
dürfte in Süddeutschland die Ruhrkohle an die
Stelle der Saarkohle getreten Sein. Die
Verkehrsbezirke Bayerische Pfalz. Baden, Mannheim-Ludwigshafen,
Würllemberg und Bayern erhielten nach
Jüngst‘ 1913 6.2 Millionen Tonnen Ruhrkohle, das
sind 34.84 "0 des Gesamtkohlenempfangs dieser Bezirke,
1925 dagegen 8,1 Millionen Tonnen oder 45,93 00,
also eine Sieigerung des Ruhrkohlenabsatzes um 2
Millionen Tonnen, Auf der anderen Seite hat die Saarkohle
in den genannten süddeulschen Bezirken, einschließlich
Hessen, von 1913—1927 2.1 Millionen
Tonnen und in Deutschland "ohne Saargebiel) insgesamt
2,8 Millionen Tonnen, nach der weiter unlen
veröffentlichten allgemeinen Absatzstlatistik sogar 3,2
Millionen Tonnen eingebüßt. Naturgemäß haben auch
andere Kohlengebiete von diesem Ausfall profitiert,
ferner fällt der Ausbau der Wasserkraftwerke ins
Gewicht.
Dem Rückgang des Saarkohlenabsatzes im Osten
steht eine — allerdings nicht im gleichen Verhältnis
erfolgie -- Zunahme des Absatzes im Westen gegenüber.
Durch den Versailler Vertrag ist Frankreich
Hauptbezicher von Saarkohle geworden. Deutschland
und Frankreich haben zunächst ihre Rollen verlauscht.
In Prozenien ausgedrückt, hat im Jahre 1913
Deutschland ohne Saargebiet. aber einschließlich
Elsaß-Lothringen) 44,9% und Frankreich 7,8% vom
Gesamtabsalz der Saarkohle erhalten, in den Jahren
1920 bis 1925 hingegen Deutschland “ohne Saar;
7.409 und Frankreich mit Elisaß-Lothringen) 44,1 00.
Mengenmäßig hat Frankreich einschließlich Elsaß-Lothringen)
1913 2469000 t von der Saar bezogen,
in den lelizten drei Jahren 1925 bis 1927 dagegen
4700000 bzw. 5410000 bzw. 4362000 t. Die im
Jahre 1926 erreichte Einfuhrmenge von 5,4 Millionen
Tonnen ist als Ausnahmeerscheinung infolge des englischen
Bergarbeiterstreikes zu bewerten, nach Rückkehr
der englischen Kohle im Jahre 1927 hat der
Saarabsatz in Frankreich eine Verminderung um nicht
weniger als 1.05 Millionen Tonnen erfahren. Gegenwärtig
nimmt Frankreich also schr erheblich weniger
Saarkohle auf als dem Ausfall auf dem deutschen
Markt entspricht, nämlich nur 1,9 Millionen Tonnen
mehr als 1913, und für die nächsten Jahre dürfte sich
diese Erscheinung infolge der zunchmenden {französischen
Eigenförderung noch verstärken.
Auch auf den übrigen Absatzmärklen der Saarkohle
haben sich starke Verschiebungen vollzogen. Die
Schweiz, früher ein traditioneller Abnehmer von
Saarkohle, bezieht heute nur noch die Hälfte der
Mengen von 1913, zum "Teil bedingt durch den
starken Ausbau der elektrischen Bahnlinien, Aus
Oesterreich ist die Saarkohle, wo sie zeitweilig.
vor allem 1922, festen Fuß gefaßt hatte. wieder
verschwunden, Fortschritte hat sie lediglich in Belszien-Luxemburg
und vor allem in Italien
semacht. Einigermaßen stabil ist der Absalz im
Saargebiel selbst geblieben, dem der Friedensver
irag die Deckung seines Bedarfs gewährleistet
Eine Gesamlübersicht auf Grund französischer Stajisliken
ergibt folgendes Bild über die Verteilung
des Saarkohlenabsalzesnach Ländern in
1000 1):
KL
has
lnanftn26| 1927
Saargebiet
Uebrig. Deutschland
Frankreich von 19°
Zlsaß-Lothringen
Schweiz
Belgien u. Luxemb
Isterreich u. Ungarn
!talien
198 -
TOB2RR 4360
188° 778] 1046
A111 jr
4 14362
MM 387
278
ıJ —
4713
Auf der nächslfolgenden Seite ist diese Absatzverlei
ang nach Ländern karlographisch dargestellt.
Die Kokserzeugung zeigt bis 1927 mengennäßig
keine Veränderung von Bedeutung. Während
im Jahre 1913 von der fiskalischen Kokerei Heinitz
250000 t Koks erzeugl wurden, erreichte die Kokserzeugung
1925 272000 L und 1927 262000 tl, also
nur unwesentlich mehr. Es wurde von 1920 bis
1927 an die Kokerei an Kokskohle geliefert und ap
Koks erzensgl in Tonnen
Gelieferte
Kohle
Er 333
6
Erzeugler
Koks
239.637
177 386
253 120
133 002
216 099
272 352
255 270
2592 388
1920
2
1925
1926
1927
‚0
„70
351 220
370 308
Einc Briketiherstellung ist nur zeitweise in
sehr geringem Umfange betrieben worden.
Zur Verbesserung der Qualität des Saarkokses hal
die französische Grubenverwallung in Heinitz ein Verfahren
entwickelt, das darauf hinausgeht, zunächst
durch teilweise Entschwelung einen sogenannten
.Halbkoks“ zu erzeugen, der dann der Kokskohle
als Magerungsmitiel zugesetzt wird. Zur Erzeugung des
Halbkokses wird Saarflammkohle verwendet, während
Disher die zur Verkokung nolwendige Magerkohle aus
anderen Kohlenrevieren bezogen wurde. Der auf
liesem Wege erzielle Koks zeichnet sich durch größere
Tärte und Widerstandsfähigkeit aus, worauf es beim
Adochofenprozeß vor allem ankommt. Die Erprobung
lieses Heinitzer Spezialkokses im praktischen
Adcchofenbeirieb steht noch aus und wird erst mögich
sein, wenn nach Erstellung einer größeren Anage
von 300 bis 500 L Ausbringen täglich im Laufe
lieses Jahres genügende Koksmengen zur Verfügung
;lehen. Inwieweit sich das Verfahren auch bei den
Kokereien der saarländischen Hültenwerke durchwizen
kann, wird in erster Linie von der Renlabilität
ıbhängen, zumal die Kosten für die Umstellung der
Kokereien außerordentlich hoch sind. Die Kokserzeuzung
der fünf Saarhülten Burbach, Dillingen, Halberg
Neunkirchen und Völklingen letztere mit einer zweiten
Kokerei in Altenwald} ist für 1928 auf 2 Millionen
Fonnen zu veranschlagen.
Schließlich noch ein Ueberblick über die soziale
sliederung der Saarbergarbeilerschaft
Nach dem Stand vom 1. Dezember 1925 ergibt sich
’olgendes Bild: Die Gesamtzahl der beschäftigten Arbeiler
und Vertragsangestellten beträgt 69575 Köpfe.
Davon sind 98,3% erwachsene Arbeiler und 1,7 %
ugendliche Arbeiter unter 16 Jahren. Weibliche Ar
jeitskräfte werden nur auf den Büros in beschränktem