Full text : 33.1928 (0033)

867

im Saargebiet im Jahre 1935 ab. Fällt jene zugunsten
Deutschlands aus — woran kein Zweifel besteht —, so
hat Deutschland die Saargruben in Gold zurückzukaufen.
 Der Wert der Saargruben ist noch nicht endgültig
 festgesetzt. Auf französischer Seite ist er mit
350 Millionen Goldmark ansgeselizt.

Die französische Saargrubenverwallung in Saarbrücken,
 die „Administration des Mines
Domaniales Francaises de la Sarre“, hat
am 18, Januar 1920, acht Tage, nach Unterzeichnung
des Friedensverlrages, ihre "Täligkeit aufgenommen,
An ihrer Spitze steht der Generaldirekior Andre Defline,
 der über einen großen Stab französischer Ingenieure
 verfügt. Sämlliche höhere deutsche Bergbeamte
 sind von ihren Posten entfernt. Nach längerem
Hin und Her hat sich der französische Staat entschlossen,
 die Ausbeutung der Saargruben selbst in die
Hand zu nehmen und hat den von verschiedenen
Seiten stark befürworteten Gedanken einer Verpachtung
 an Private fallen gelassen. Maßgebend für diesen
Entschluß war vor allem der Gesichtspunkt, im Abstimmungsgebiet
 ein gewichtiges Instrument der Beeinflussung
 zu besitzen. Auf die politische Propaganda
die in Verfolg dieser Einstellung von der französischer
Grubenverwallung aufgenommen worden ist, näher ein:
zugehen, ist hier nicht der Raum, Ein Gesetzentwurf
der die Schaffung eines .‚Bergamtes‘“ ‚Office des
Mines Domaniales de 1a Sarre) vorsah und in Kammer
und Senat lange diskutiert wurde, gelangte nicht zur
Durchführung. Die Saargruben unterstehen gemäß
einem provisorischen Dekret vom Oktober 1919 dem
Minister der Oeffentlichen Arbeiten, dem ein Verwaltungsrat
 von 16 Köpfen mit dem Präsidenten
Arthur Fontaine an der Spitze beigegeben ist. Der Aulbau
 der Verwaltung und Geschäftsführung lehnt sich
an den der Privalindustrie an.
Mit der vollständigen, schulden- und lastenfreien
Vebereignung der Saargruben in Frankreich sind in
die Hände des französischen Staates übergegangen
166 Schächte, davon 66 Förderschächte
24 Kohlenwäschen, eine Kokerei mit Nebeugewinnungsanlagen
 in Heinitz, dreı
elektrische Zentralenin Heinitz, Weiher
bei Quierschied und Luisenthal und
zwei Kohlenverschiffungshäfen an’ der
Saarin Saarbrücken und Luisenthal, ferner
 die gesamten Nebenanlagen der Gruben.
 Die französische Verwaltung hat die preußische
Einteilung in zwölf Inspektionen bestehen lassen (abgesehen
 von einigen Umbenennungen) und ihnen die
bayerischen Gruben St.Ingbert und Mittelbexbach
hinzugeschlagen. Das gleiche ist mit der Grube
Hostenbach geschehen, die, obwohl Privatbesitz, enteignet
 wurde. Die Privatgrube Frankenholz dagegen,
an der französisches Kapital beteiligt war, durfte nach
Umwandlung in cine Akliengesellschaft französischen
Rechts als Privatunternehmen weiterbestehen und hat
eine Pachlkonzession auf 99 Jahre erhalten, wobei die
Konzession von Frankenholz noch um die Grube
Münchwies vergrößert wurde. Die französische
Grubenverwaltung in Saarbrücken übt die Kontrolle
über Frankenholz aus. Verpachtet ist ferner eine
kleine Grube Labach bei Reisweiler mit unbedeulender
Förderung (nur Sitollenbau), die seit 1912 stillag und
jetzt zeitweise wieder betrieben worden ist. Auf die
Verpachtungen im Warndt wird an anderer Stelle zurückzukommen
 sein.

In technischer Beziehung hat die französische
 Bergwerksdirektion einige Schächle, die unter
preußischer Verwaltung bereits begonnen {so der Saarschacht
 bei Fraulautern, jetzt Duhamel genannt) oder
vorgesehen waren, vollendet bzw. in Angriff genommen,
 sich im übrigen aber darauf beschränkt, die
vorhandenen Gruben intensiv auszubeuten. Von den
Anlagen über Tage sind verschiedene Kohlenwäschen
und Siebereien ausgebaut und die Elektrizitätszeniralen
erweitert woraen. Eine neue große Elektrizitätszentrale

st in Fenne an der Saar erstellt, die jedoch erst zu
einem kleinen Teil ausgenutzt ist. Die Gesamtleistung
der Grubenelektrizitätswerke hat sich von 45000 kW
im Jahre 1920 auf 132000 kW im Jahre 1927 gehoben.
 Je näher das Jahr 1935 rückt, desto mehr
macht sich das Bestreben bemerkbar, in die Gruben
nichts mehr hineinzustecken, sondern unter KonzenlIrierung
 der Ausbeute auf die ergiebigsten Punkte
jas auflgeschlossene Kohlenlager möglichst billig und
restlos abzubauen, Daß die Zukunft der Saargruben
lurch Raubbaumaßnahmen, wie Unterwerks-Jau
 usw., schwer gefährdet wird, bedarf keines Hinwveises.
 Bezeichnend ist das Schicksal des Bergmannslorfes
 Schnappach in der Saarpfalz, das durch den
Abbau eines unterirdischen Sicherheitspfeilers nach
und nach zusammenstürzt und zur Ruine wird.
Vom Zeitpunkt der VUcbernahme der Saargruben,
a]. h. vom Januar 1920 an bis zum gegenwärtigen
Zeitpunkt (Juli 1928) hat Frankreich über hunder!
Millionen Tonnen Kohle aus den Saargruhen herausgeholt.

Die Entwicklung der Förderung in den
einzelnen Jahren zeigt nachstehende Tabelle (in
Tonnen}:

Staatl, Gruben Verpacht. Gruben Förderung insges.
1920 9178714 211 719 9410 433
1921 © 93 238 109 9574 602
1922 il 296 692 11240 003
1923 6 221 669 9 192 275
L924 +6 234 072 14032118
1925 16 392 733 12 989 849
1926 362 055 13 680 874
{927 AN92 070 13595 824
1920— 1927 91. 256$ 119 93 715978
(anuar bis
Sept. 1928 9426 764 326 609 9753 373
Insges. Jan. 1920
bis Sept. 1928 100633623 2835728 103469351
Die in den Jahren von 1920 bis 1927 erreichte
Gesamtförderung von 93715978 t ergibt eine durch:
schnittlliche Jahresförderung von 11714000 t. Ver
glichen mit dem Jahre 1913, das 13216 000 t lieferte,
bedeutel das ein Zurückbleiben der Förderung
 unler französischer Verwaltung um jährlich
1500 000 t gegenüber dem Friedensstand. Der Höchst-;land
 wurde im Jahre 1924 mit 14032000 t erziell.
ıachdem das vorausgegangene Jahr 1923 infolge eines
aunderttägigen Bergarbeiterstreikes einen großen Förlerausfall
 gebracht hatte. Die im Jahre 1925 ein-‚etzende
 allgemeine Kohlenkrise drückte die Förde-«ung
 auf 12989000 t herab, jedoch konnte im Jahre
1926 unter dem Einfluß des englischen Bergarbeiter
;treikes wieder eine Steigerung auf 13680000 t erzielt
 werden, Mit dem Jahre 1927 setzte infolge chroıischen
 Absalzmangels eine Abwärtsbewegung ein, die
»is Mitte 1928 angehalten hat. Zwar hat das Jahr
1927 noch 13595000 Tonnen erbracht, doch ist im
aufenden Jahre mit einer geringeren Förderung
zu rechnen. Der von der französischen Verwaltung
in den ersten Jahren der Ausbeute gehegte Traum,
Jie Förderung der Saargruben innerhalb 10 Jahren
ıuf das Doppelle zu steigern, ist an der harten
Wirklichkeit zerschellt. Man hatte dabei das Absatzproblem
 außer acht gelassen, Man wird zufrieden
zein müssen, wenn es in den nächsten Jahren ge-‚ingt,
 annähernd die Friedensförderung zu halten.
Die Belegschaft ist in den ersten Nachkriegsjahren
 außerordentlich stark vermehrt worden. Von
536000 Mann im Jahre 1913 wurde sie bis auf 75 000
Mann im Jahre 1924 gesteigert. Seit 1927 ist sie in
[ortschreitendem Abbau begriffen, nachdem die französische
 Bergwerksdirektion mit dem Mittel der Feier:

A
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.