Saar
nirtschafts
Mit der vorstehenden Zahlentafel vollzieht das Saarwirtschaftsarchiv
den Uebergang vonder jährlichen
zur monatlichen Herausgabe der
saarländischen Wirtschaftsstatistik.
Während die jährlich erscheinenden Hefte der „Saarwirtschaftsstalistik‘“
die Ergebnisse eines abgelaufenen
Jahres und der weiter zurückliegenden Jahre zusammenfassen,
sollen die „Saarwirtschaftiszahlen‘ die
augenblickliche Wirtschaftslage in jedem
einzelnen Monat widerspiegeln und der unmittelbaren
Wirtschaftsorientierung dienen.
Damit wird für die Saarwirtschaft eine Forderung
erfüllt, die im übrigen Deulschland bereits seıt längerem
erfolgreich durchgeführt worden ist. Es genüge, auf
die vom Slatislischen Reichsamt in „Wirtschaft und Statistik‘“
herausgegebenen „Deutschen Wirtschafiszahlen“
zu verweisen und an die Arbeiten des neu ins Leben
gerufenen, in Personalunion mit dem Statistischen
Reichsamt verbundenen Instituts für Konjunkturforschung
zu erinnern. Inzwischen sind ‚auch einzelne
Wirtschaftsgebiete dazu übergegangen, eine regionale
Wirtschaftsstatistik und Konjunkturforschung aufzuziehen,
wie es Iür das Ruhrgebiet z. B. durch das
Institut für Konjunkturforschung Westen in Essen geschieht.
Wenn das Saargebiet in dem ihm gezogenen
engen Grenzen sich diesem Vorbild anschließt, so
leistet es damit eine Arbeit, die nicht nur für die
Gegenwarl, sondern auch für die Zukunft von Wert
ist. Grundsätzlich sind darum auch die Saarwirtschaftszahlen
soweit ‚als irgend möglich auf dem im
übrigen Deutschland praktisch erprobtem Schema aufgebaut
und Abweichungen nur da zugelassen, wo die
örtlichen Verhältnisse dies nolwendig machen. So
wird eine Basis des Vergleiches mit den Wirtschalftsverhältnissen
im übrigen Deutschland geschaffen,
Die monalliche Wirtschaftsstatistik umfaßt zumächst
folgende Gebiete: Gütererzeugung, Handel, Verkehr,
Preise, Löhne, Beschäftigungsgrad, Geld- und Bankwesen,
Firmenbewegung und Indexziffern. In einigen
Punkten wird diese Aufstellung im Laufe der
Zeit noch zu ergänzen sein, wo bis jetzt noch
keine stalislischen Unlerlagen vorliegen. Gegenüber
dem Heft I der „Saar-Wirtschaftsstatistik‘, mit
dem das Saarwirtschaftsarchiv vor Jahresfrist seine
Tätigkeit eröffnete, sind eine ganze Reihe neuer Gebiete
aufgenommen.
Unier Gütererzeugung steht naturgemäß an
erster Stelle der Saarkohlenbergbau, die entsprechenden
Angaben sind den Monatsstatistiken der
französischen Grubenverwaltung entnommen. Bei der
Saareisenindustrie, für deren Produktion die
Erhebungen der Fachgruppe der eisenschaffenden
Industrie im Saargebiet maßgebend sind, sind die Ergebnisse
der Gesamtgewinnung an Roheisen, Rohstahl
und Walzwerkserzeugnissen ausgewiesen. Die dritte
Schlüsselindustrie des Saargebietes, die Glas- und Keramindustrie,
bleibt noch für die statistische Erfassung
offen. Zur Gütererzeugung gehört auch die Bautätigkeit.
Hier liegen allein die Angaben für die
Siadt Saarbrücken vor, die nicht nur die einzige
Großstadt über 100 000 Einwohner, sondern auch die
einzige Mittelstadt über 50000 Einwohner im Saargebiet
ist. Die Reichsstatistik über die Bautätigkeil
faßt demgegenüber das Ergebnis von 95 deutschen
Mittel- und Großstädten über 50000 Einwohner (ohne
Saarbrücken) zusammen.
Unier Handel sind die Ergebnisse des deutschsaarländischen
Warenaustausches aufgeführt, die nur
vierteljährlich nach der Gruppeneinteilung des inter:
nationalen Warenverzeichnisses erscheinen und je:
weils ausführlich in der „Saar-Wirtschaftszeitung‘‘ veröffentlicht
werden. Der Abschnitt Verkehr gibt
einen ausführlichen Auszug aus den Monatsstatistiken
über die Betriebslage der Saarbahnen, wobei besonders
die Ansaben über die belörderten Gütermengen
zahlen.
nach Ausfuhr, Einfuhr und Binnenverkehr gelrennt‘
and über die Wagengesiellung wertvolle Rückschlüsse
auf die Wirtschaftslage gestatten. Es wäre eine nütziche
Ergänzung, wenn die Eisenbahndirektion den
Angaben über beförderte Kohle die über befördertes
Eisenerz hinzufügen würde, so daß die zwei haupt.
sächlichsten Schwergüter des Saargebietes erfaßt
wären. Dieser Gesichtspunkt ist berücksichtigt bei
ler Kanalschiffahrt, wo neben den Ziffern des
zesamiverkehrs durch die Schleuse Güdingen zu Berg
Ausfuhr) und zu Tal (Einfuhr) auch angegeben ist,
was davon auf ausgeführte Kohle bzw. auf einge-(ührtes
Eisenerz entfällt, weil deren Mengen für die
Gesamthöhe des Verkehrs ausschlaggebend sind. Weiler
st unter Verkehr die Einbeziehung des Straßenbahn:
v‚erkehrs erfolgt, wobei die Ergebnisse der „Gesell.
schaft für Straßenbahnen im Saarlal A. G.“ erfaßt sind
Die Rubrik Preise umfaßt Feltförderkohle (gewöhnlich,
Sorte A) ab Saargrube und Großkoks (gewöhnlich)
ab Kokerei Heinitz nach der allgemeinen
Preisliste der französischen Bergwerksdirektion für
las Saargebiet, ferner Weizenmehl (Straßburger Mehl
Basis fleur) und Kartoffeln (Industrie), zwei Produkte
rei denen es sich zwar nicht um saarländische Erzeugıisse
handelt, die aber wesentliche Faktoren für die
Lehbensmilttelpreisbildung im Saargebiet darstellen. Die
angegebenen Preise sind errechnete Monatsdurch
schnittspreise, die das Mittel der vier Wochennotie
ungen der Produktenbörse zu Saarbrücken darstellen
U/nier Löhnen sind aufgeführt die durchschniltlichen
Schichtlöhne auf den Saargruben nach den viertel
jährlichen Bekanntmachungen des Oberbergamtes und
lie durchschnittlichen Stundenlöhne in der Eisen
hüttenindustrie nach den Ermittelungen des Arbeit
zeberverbandes der Saarindustrie e. V., beide ein
schließlich der Sozialzulagen. Der Abschnitt Beschäftigungsgrad
enlhält für die Beurteilung des
saarländischen Arbeitsmarktes aufschlußreiche Angaben
über die Zahl der beschäftigten Angestellten
und Arbeiter in den Hauplindustriezweigen und übeı
lie Arbeitslosenziffer nach den neuerdings veröffent
lichten Erhebungen des Arbeitsamtes der Regierungs
kommission.
Ganz neu aufgezogen sind die unter Geld- und
Bankwesen aufgeführten Statistiken über Giro
umsätze im Bezirk der Reichsbankstelle Saarbrücken
und über die bei den saarländischen Banken vorliegenden
Wechselproteste, während der Postscheckverkehr
von der Oberpostdireklion des Saargebietes
ausgewiesen wird. Die Rubrik Firmenbewegung
amfaßt die Neueintragungen und Löschungen vor
“irmen sowie .die Konkurse, wobei auch das al
Li. September 1928 im Saargebiet eingeführte Ver
zleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses Be
rücksichligung finden konnte.
Die Indexziffern beziehen sich auf die Gesamt:
‚ebenshaltungskosten in der Stadt Saarbrücken wie im
Saargebiet nach der erweiterten Methode des Sta-:istischen
Reichsamtes, sowohl auf Franken- wie auf
zoldgrundlage, wobei zu bemerken ist, daß amtliche
zoldindexziffern nur für die Stadt Saarbrücken, nich!
aber für das Saargebiet vorliegen. Zum Vergleick
ist die entsprechende Goldindexziffer des Reichs auf
seführt.
Saarwirtschaftsarchiv.
Dr. Cartellieri.
Anmerkung: Die doppelseitigen Tabellen der
„Saarwirtschaftszahlen‘ werden jeweils monatlich
auf dem Mittelblatt der „Saar-Wirtschaftszeitung‘
zum Abdruck gelangen. Diese Mittelblätter könner
leicht herausgenommen und zu einer besonderer
statistischen Mappe vereinigt werden.