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Weniger nachhaltig wirkte sich die 1866 erfolgte
Inbelrichnahme des Saarkohlenkanals aus, der
zwar den Wasserabsalz nach Frankreich vermitleite,
aber nicht der Haneptabsatzrichtung der Saarkohle
nach Osten entsprach. Mehr und mehr wurde das
Tempo der Entwicklung durch die Eiscnhülten
an der Saar bestimmt, deren unablässig steigendem
Brennstoftbedarf die Gruben kaum zu folgen vermochten,
Der preußische Staal als der im Saarbergbau
maßgebende Faktor verfolgte mit großer Kaonsequenz
das Ziel, die Kohlenalörderung nur im Vorhältnis
zur Bevölkerungszunahme zu entwickeln, d.h.
keine. ausländischen Arbeitskräfte heranzuziehen. Wie
segensreich sich diese Politik in soziater Hinsicht
ausgewirkt hal, vermag man heale besser denn je zu
würdigen. Ihr verdankt das Saargebiel eine hbodenständige
Induslricbevölkerung, die fest mit der heimischen
Scholle verwurzelt ist und jeden Versuch,
sie dem deuischen Muttertand zu enUremden, energisch
zurückweist, Für die Hüttenwerke war die
zu Zeiten von Hochkonjunktur eintretende Kohlenknapnheit
an der Saar naturgemäß eine Erschwerung,
die im Verein mit den für die Verhüllung ungün
sticen Eigenschaften des aus Saarkohle gewonnenen
Kokses zur stärkeren MNeranziehung von Ruhrkoks
führte, Diese Erwägung spielte auch mit, als die
Saurhütten nach 1871 zur Errichtung von Tochlerwerken
in Lothringen schritten und die neuen
Hochöfen, deren Roheisen an der Saar weilerverarbeitet
werden sellte, von vornherein auf Rüuhrkok:
abslellten. Letzten Endes Negt hier auch der Grund
daß die von der Saarwirtschaft jahrzehntelang ge
forücrte Kanalisierung der Saar and Mosel unausgeführt
blieb, weil zu der Gegnerschaft der Eisenbahn
und der ablehnenden Haltaupg des ‚Ruhrgebietes der
Widersiand des preußischen Bergiäiskus kam, der ein
Verdrängung der Saarkohle durch die Ruhrkohle be
Türchleie
Die Entwicklung der Förderung der Saaurgruben
ist beslimmt durch die preußisch-fiskalischen
Gruben, die 1913 über ncun Zehntel
der Gesamlförderung lieferten, Im einzelnen erreichte
ihre Förderung 1854 die erste Million Tonnen, 1861
die zweite, 1866 die dritle, 1872 die vierte, 1880 die
fünfle, 1884 die scchste, 1896 die siechte, 1897 die
achte, 1899 die neunle, 1903 die zehnte, 1906 die
elfte, 1912 die zwöllte und 1913 die dreizehnie Million,
Die Gruben waren in zwölf Berginspektionen
eingeteilt, und zwar:
IL Kronprinz Heinilz
IL Gerhard ig
Von der hi >drichsthal
Judweiler ‚elborn
V. Sulzbach „amphausen
VI. Reden Au Fürstenhausen
Zu diesen Gruben Irat im preußischen Teil die Privatsrube
Hostenbach, die sich im Besitz der Gebr
Röchling befand und in den letzten Vorkriegsiahren
150 600—200 000 t förderte.
Im bayerischen Teil des Sanrgebietes ‚Saarpfalz)
förderlen die zwei bayerisch-fiskalischen
Gruben Si Inghert und Mitltelbexbach 1900 230 000
Tonnen, 1910 413000 t und 1913 462000 1, die
Privatgrube Frankenholz 1900 248000 t, 1910
321 000 t und 1913 311000 Lt Beide Gruppen zusammen
waren mit rund 69% an der Gesamtlörderung
des Saargebieles beleiligt.
Die Förderung aller Saargruben im
Jahre 1913, nach der heutigen französischen Me-Ihode
in nelto berechnet, stellt sich wie folgt:
im preuß. Teil im bayer. Teil insgesamt
Staatliche Gruben 12 238 000 + 462 700 12.695 000 €
Private Gruben 189 0 341 000 521 000 €
Insgesamt 12 118. 00t 803 000 t 13216 C0O t
Die Belegsch.
Staatliche Gruben
Private Gruben 004
Insaesamt 52551
Von den 56589 Bergleuten waren rund 41000
\lann = 7300 unter Tage beschäftigt. Während de:
Weltkrieges ging die Förderung bei entsprechen.
der Belegschaftsverringerung auf 8 bis 9 Millionen
Ponnen Jährlich zurück. Menschen- und Material.
kKnappheil zwangen naturgemäß überall zu Beschräünkungen,
die dem Grubenbetrieb bei der Uebernahme
lurch. Frankreich noch anhafteten. Die von französischer
Selle geflissenllich verbreitete Darstellung,
iaß Deutschland die Saargruben habe verkommen
'assen, kennzeichnet sich durch ihre Tendenz von
;clbst. In Wirklichkeit haben eine Reihe bahnrwoechender
technischer Neuerungen zuerst auf den
jaurgruben Eingang gefunden. In sozialer Hinsich’
varen die Saargruben ein Musterbetrieb.
Der Absalz der Snrarkohle stützte sich seit
‚cher mehr oder minder ausschließlich auf den deutschen
Markt, Neben dem Saargebiet selbst, das ein
Drittel seiner Kohlenproduktion aufnahm, war de
sGuldeutsche Markt der größte Abnehmer von Saar
sohle, Insbesondere waren die Gaswerke der süd
leulschen Großstädte traditionelle Bezieher von Saar
sohle, Vom Gesamtahsalz der preußisch-fiskalischen
ıruben im Jahre 1913 verblicben 82.80) innerhalb
Ooutschlands einschließlich Eisaß-Lolhringen), und nur
17.2° nahmen den Weg ins Ausland, insbesonder
nach Frankreich und der Schweiz. Im einzelnen ve
‘eilie sich der Absatz wie folgt.
Tonnen Prozent
Saargebiet 4034877 34,0
Vebhriges Preuße: 1.296 000 10,9
Süddeutsch' nd 2982434 Za,2
Kisaß-Lothr * *0015 12,7
Deutschl 823 326 82,8
Frankreich 958 720 8,1
Schweiz 736.915 6,2
Luxemburg 54 608 0,5
Oesterreich 22 690 0,2
Belgien 86120 0,7
Ttallen 183 070 1,5
Ausland 2042213 17,2
Zusammen: 11865 539 100,0
Der Versand erfolgte überwiegend auf der Kisen
bahn, da, wie bereits bemerkt, der als Wasserstraße
allein in Frage kommende Saarkohlenkanal nur Elsaß-Lothringen
und Frankreich bedient und überdies stark
veraltet ist. Nur 696000 t benutzien 1913 diesen
Weg: 402000 1 wurden im Landabsalz per Fuhre
BeförderLl und einige weitere 100000 t den Hüttenxokereien
von Neunkirchen und Altenwald direkt at
'rube per Seilbahn zugeleitelt,
Unter den Verbrauchern von Saarkohle
‚landen die EKisenhütten mit 30,30% des Gesamtver-»rauchs
an der Spitze, gefolgt von Hausbedarf und
landel mit 24.6%°%. den Gasanstalten mit 11,800.
len Gruben Selbstverbrauch) mit 10,8% und dern
Kisenbahnen mit 10.6v0. Der Rest entfällt auf di«
übrigen Industriezweige,
Der Anteil des Saargebietes an der
Steinkohlenförderung Deutschlands belief
sich im Jahre 1913 auf 6,90, an der Preußens
uf 7,29). Im gleichen Verhältnis bewegte sich deı
Anteil des Saargebietes an der deutschen Roheisen
gewinnung mit 7,1%, während bei der Rohstahlge
winnung -— infolge der Weiterverarbeitung lolhringi
schen Roheisens —- der Prozentsatz 11%9 erreichle
Der Wert der geförderten Saarkohle bezifferte sich
für 1913 nur preußisch-fiskalische Gruben) auf ins
gesamt 148 084 000 Mark = 12,05 Mark pro Tonne
lJer erzielle Reingewinn auf 17 Millionen Mark. Diese
Zilfern kennzeichnen zur Genüge die Bedeutung des
Saarkohlenbergbaues für die deutsche Volkswirtschaf!
der Vorkriegszeit
IT.
Durch den Versailler Vertrag ist der französische
Staat für eine Zeitlang wiederum Besitzer deı
Saargruben geworden. Die Abtretung der Saargruber
an Frankreich soll nach dem Friedensvertrag ’Art. 45
eine Wiedergutmachung für die Zerstörung nordfran:
zösischer Kohlengruben im Weltkrieg sein. Die Ent:
scheidung über das endgültige Schicksal der Saarzruben
hängt von dem Ausgang der Volksabstimmung