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Der Steinkohlenbergbau an der Saar.
Seine Entwicklung, gegenwärtige Lage und zukünftige Gestaltung,
Von Dr. Wallilher Cartellieri, Saarbrücken
X.
Das Saarbrücker Sieinkohlengebirge
zieht sich in Richtung von Nordost gen Südwest quer
durch das ganze heutige Saargebiet hin und setzt
sich jenseits der französischen Grenze nach Lothringen
hinein fort, wo seine Ausläufer bis in die Gegend von
Ponl-A-Mousson festgestellt sind. Innerhalb des Saargebieles
erreicht das Kohlengebirge cine Länge von
rund 50 km und eine Breite bis zu 20 km. Der
Kohlenvorrat des Saarreviers beläuft sich
nach den Schätzungen des XIT. Internationalen Geologenkongresses
in Toronto 1913) innerhalb der heute
erreichbaren Teufen auf 12 bis 13 Milliarden Tonnen,
was bei Zugrundelegung der jetzigen Jahresförderung
von 13 Millionen Tonnen eine Ausbeute auf annähernd
1000 Jahre hinaus gewähren würde,
In geolagischer I1Linsicht unterscheidet man die
drei Hauptgruppen der Fettkohle, Flammkohle
untergegliedert in unlere und obere Flammkohle)
und Magerkohle, wobei jedoch zu bemerken ist,
daß diese Begriffsbestimmungen sich nicht mit den
gleichnamigen des Ruhrreviers decken, Die Ausbeute
verleilt sich gegenwärtig auf die drei Kohlenarlen
wie folgt: Feitkohle 640, Flammkohle 30 05.
Magerkohle 6%. Das Charakteristikum der
Saarkohle ist ihr großer Gehalt an flüchtigen Bestandieilen,
der sie zu einer minderwertigen Kokskohle
aber zu einer vorzüglichen Gaskohle stempelt. Der
Gehalt an flüchtigen Bestandteilen -— bezogen auf
reine und trockene Kohle — bewegt sich bei den
Feltkohlen zwischen 30 und 38° und bei den Flammkohlen
zwischen 35 und 42060. Der Heizwert erreicht,
ebenfalls auf trockene und reine Kohle bezogen,
bei den Fetlkohlen 8000-8300 WE und bei
den Flammkohlen 7500—8000 WE. Die Magerkohle
ist vor allem für den Hausbrand geschätzt. Als Industrie-
und Kesselkohle ist die Saarkohle weit verbreitet.
Die Anfänge des Saarkohlenbergbaues
zehen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Von einem
lanmäßigen Bergbau kann jedoch erst seit der Mitte
des 18, Jahrhunderts gesprochen werden, als Fürst
Wilhelm-Heinrich von Nassau-Saarbrücken alle Kohlenzruben
seines Landes einziehen und auf landesherriche
Rechnung betreiben ließ. Seitdem sind die Saarzruben,
von einigen Jahren nach der französischen
Revolulion abgesehen, immer von staatlicher Seite be-‚rieben
worden. Während der französischen Beseizung
des Saarlandes (1792—1815) wurden die Gruben
nach Aufhebung des Bergregals zunächst für
Rechnung der Republik weitergeführt, dann von 1797
bis 1807 :an. eine Gesellschaft Equer in Paris verpachlet
ınd von 1808 an wieder auf fiskalische Rechnung
yetrieben. Als nach dem zweilen Pariser Fricden
m Jahre 1815 das Saarland zu Deutschland zu-:ückkehrte
und zum größeren Teil an Preußen, zum
sleineren Teil an Bayern gelangte, ergriffen der
ı>reußische und der bayerische Staat Bejäitz
von den Kohlengruben an der Saar. Nur eine
Privalgrube, Hostenbach, blieb im preußischen Tei)
bestehen, zu ihr gesellte sich in den 40er Jahren
m bayerischen Teil die Privalgrube Frankenholz.
In der annähernd hundert Jahre umfassenden
Periode von 1815 bis 1913 haben die Saargruben
einen außerordentlichen Aufschwung genommen,
besonders gefördert durch die Errichtung
der verschiedenen Eisenbahnlinien in den 50er
Jahren, an die die meisten Gruben Anschluß erhielten
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