an
Die Aufstellung 2 zeigt zunächst die allgemeine und
recht erhebliche Steigerung der Lebensmitlelcinfuhr
{zum Teil auf die schlechte Ernic 1926
zurückzuführen), die bei der Fleischeinfuhr als Folge
des erheblich gestiegenen Fleischverbrauchs der fran
zösischen Bevölkerung und der geringen Leistungs
fähigkeit der eigenen Landwirlischaft besonders augen
fällig ist. Dabei ist allerdings zu bedenken, daß el
großer und überdies noch sehr steigerungsfähiger An
teil an der Lebensmittelversorgung des Mutterlandes
von den Kolonien übernommen wird, In der Gruppe
der industriellen Rohstoffe ist trotz des erheblichen
Wachstums der kohlenverbrauchenden Industrie Elsaß-Lothringen)
die geringe prozenliuale Erhöhung der
Kohleneinfuhr bemerkenswert. Die Wirkungen des
Saarkohlenabsatzes und der gesteigerten Förderung
der französischen Gruben kommt hier zum ‘Ausdruck
Aus Aufstellung 3 wird die gewallige Expansion
in der Ausfuhr von Fertigwaren ersichtlich. Immerhin
hat der prozentuale Anteil einzelner Waren an der
Gesamtausfuhr nicht im gleichen Maße zugenommen, Ja
isL sogar teilweise, wie z. B. bei Automobilen. @efallen.
Tabelle 4 gibt Aufschluß über die in der Rangordnung
der Bezugsländer eingelretenen Veränderungen
seit 1913. Sie zeigt, daß die Vereiniglen
Staaten im Gegensatz zu 1913, wo sie an dritter Stelle
standen, in den letzten drei Jahren unbestritlen die
Spitze behaupten konnten, während England sich nun
mehr mil dem zweilen Platz begnügen muß. Deutschland
das 1913 an zweiter Stelle stand und in den ersten
Nachkriegsjahren noch weiler zurückgefallen war, hat
sich immerhin trotz des Verlustes von Elsaß-Lothringen
wieder an die dritte Stelle emporgearbeitet
Die verlorene Ausfuhr des Saargebietes dürlie durch
die Ausfuhr des Reichszollgebietes nach dem Saargebiet
ungefähr ausgeglichen sein. Trotz allem bleibl die
deutsche Ausfuhr, bei der allerdings die Reparalionslieferungen
nicht mitgerechnet sein dürften, um 37,2 04
hinter 1913 zurück. Kinen erheblichen Sprung haben
die Niederlande gemacht, die von der zwölften auf
die sichte Stelle gerückt sind, während Spanien um
zwei Plätze verloren hat. Auch Kanada hat seine
Stellung erheblich verbessern können, was mit dem erhöhten
Nahrungsmiltelbedarf in Zusammenhang stehen
dürfle, Japan ist von der elfien auf die achtzehnte
Stelle zurückgefallen. Rechnet man die prozentualen
Anteile der in der Tabelle aufgeführten Länder nach
Gruppen zusammen, so ergibt sich folgendes Bild:
1927 1913
Bezug aus: v9 0%
europäischen Ländern 40,46 51,69%)
Amerika: U,S.A. und Kanada 14,71 10,84
Argentinien, Brasilien 6,45 6,45
Japan 0,66 148
Kolonien 11,44 „8
übrigen Ländern 26,28 19,74
100,00 100,00
Diese Zusammenstellung, die bei der teilweisen
Mangelhaftigkeit der vorhandenen Unterlagen nur einen
summarischen Ueberblick vermittelt, zeigt immerhin
soviel, daß der Bezug aus europäischen Ländern einen
Rückgang erfahren hat, auch wenn man berücksichtigt,
daß in der Gruppe der „übrigen Länder‘ noch eine
Reihe europäischer Länder, insbesondere die russ}
schen Randstaaten, Rußland selbst sowie die Balkan:
staaten enthalten sind. Dieser Eindruck wird verslärkt,
wenn man die Rangsteigerung der Niederlande
richligerweise zu einem großen Teil auf indirekte
Einfuhr aus nichteuropäischen Ländern zurückführt,
Die Vereiniglen Staaten haben ihre Stellung als Lieferant
wesenllich verstärken können, während die Stellung
der Kolonien sich gegenüber der Vorkriegszeit
nicht in gleichem Maße verbessert hat, was als neuer
Beweis dafür gelten kann, daß die wirtschaftliche
Aufschließung des französischen Kolonialreiches, das
mühelos die Versorgung der heimischen Volkswirtschaft
mit kolonialen Lebensmitteln und Rohstoffen
übernehmen könnte, bis jetzt nur geringe Fortschritte
*) Hierin enthalten die Anteile von Rußland, Oesterreich-Ungarn,
Rumänien, Griechenland und Bulgarien.
zemacht hal. Schätzt man doch z. B. den Umfang
les für Baumwollanbau in den Kolonien zur Ver.
ügung stehenden Landes auf 2,35 Millionen Heklar.
Tabelle 3 bietet schließlich einen Ueberblick über
lic Reihenfolge der Absatzländer. Nacl
aruppen zusammengeselzt, zeigt sich folgendes Rild
1927 1913
Absatz nach: 0 0%
europäischen Ländern 62,86 64.10
amerikanischen Ländern (U.S.A,,
Kanada, Argentinien, Brasilien; 10.84 10.71
Japan 0,59 0.22
Kolonien 14,79 12.82
übrigen Ländern 10.92 12,15
100.00 100.00
Zerglicdert man die Gruppe der europäischen Län
ler weiler, so ist festzustellen, daß die drei Haupt
ıbsatzländer Frankreichs: England. Belgien-Luxemburg
Deutschland, deren Reihenfolge übrigens heute genau
lie gleiche isl wie vor dem Kriege, allein im Jahre
1913 49.84 "0. also die Hälfte der gesamten Ausfuhr.
1927 immerhin noch 43,86° aufgenommen haben
Kuropa ist also nach wie vor ebenso, wie dies bei
deutschland der Fall isl, der beste Kunde für euro-„äische
Waren, Als nächstgrößte Abnehmer folgen
nil weitem Abstand die Kolonien, von denen Algier
vieder, wie früher, bereits an vierter Stelle steht.
Jedoch ist dem Absatz nach den Kolonien in Höhe
‚on 8,1 MiHiarden Franken, denen eine Einfuhr von
> Milliarden Franken gegenüberstand. überhaupt nur
lie Aklivitäl der ganzen Handelsbilanz zu verdanken
in klarer Beweis für den Gewinn, den Frankreiet
ıeule schon aus seinem reichen Kolonialbesitz zicht
dann erst folgen die Vereiniglen Staaten, die in ihrer
üungsten. Antworinote dem französischen Expansions
Irang wicder eine schroffe Absage erteilt haben. Nach
hnen kommen wiederum vier europäische Länder. Im
ıllgemeinen kann von einschneidenden Veränderungen
n der Reihenfolge der Absatzländer bis fetzt nichı
zesprochen werden, Lediglich bei den Niederlanden
ınd Kanada sind größere Fortschritte zu verzeichnen,
Das Gesamtbild ist zweifellos günstig: Die Steigerung
lcr Ausfuhr belrägt mehr als das Doppelte als die-‚enige
der Einfuhr, Infolge günstiger Produkltionsverhältnisse,
nicdriger Selbstkosten und einer an-;pruchslosen
Bevölkerung ist es der französischen
Wirtschaft gelangen, den Forderungen, die sich aus
ihren strukturellen Veränderungen ergeben haben, gerecht
zu werden, Amtliche Wirtschaftspolitlik und
Privaltwirischaft arbeiten zielbewußt zusammen, um
lem vorhandenen Produktionsüberschuß die erforderıichen
Absatzgebiete zu erschließen. Die Erfolge
lieses Zusammenwirkens sind unverkennbar. Frank:
eich war vor dem Kriege in erster Linie ein Land
der Land- und Bankwirischaft, Das Bankwesen is!
nach glücklich überwundener Inflation wieder aul
zutem Wege, seine alle beherrschende Stellung aui
lem internalionalen Geldmarkt wiederzugewinnen
Die Landwirtschaft ist, wenn auch in vieler Hinsicht
“ücksländig und einer wesentlichen Ertragssteigerung
’ähig, nach wie vor einer der tragenden Pfeiler der
ranzösischen Wirtschaft, Als dritter Faktor ist nun
nehr die Industrie hinzugekommen. Die Schwäche
hrer Position liegt offenbar in der vorzugsweisen
\bhängigkeit vom Exporimarkt, dem ein ihrer jetzigen
Xapazilät entsprechend aufnahmewilliger Binnenmarki
Dis jetzt noch nicht gegenübersteht. Die Weckung
2ines gesteigerlen inländischen Bedarfs, wozu im
veileren Sinne auch cin rascheres Tempo in der Er-;chließung
der Kolonien zu rechnen ist, dürfle um
;o mehr eine der wichtigsten Aufgaben zukünftiger
ranzösischer Wirtschaftspolilik sein, als die bisher
ı1och günsligen Voraussetzungen für den Export sich
nit der zwar langsam vollziehenden, aber letzten Endes
ılcht ausbleibenden Anpassung der Gestehungskosten
an die allgemeinen weltwirtschaftlichen Bedingungen
sich zum mindesten nicht verbessern werden. Die staüistischen
Ergebnisse dieses und der kommenden Jahre
werden zeigen, ob es der französischen Industrie ge-‚ingt,
sich die für den vorhandenen Produktionsüberschuß
notwendigen und in den Inflationsjahren tatich
gewonnenen großen Absatzgebiete zu er
alten.