Full text : 33.1928 (0033)

ei

Auch die Unterschiede gegenüber den Löhnen in
Luxemburg sind beträchtlich. Im Mai dieses
Jahres wurden in den IIochofen- und Stahlwerken
Luxemburgs Folgende Durchschnittslöhne gezahlt, denen
die entsprechenden Ziffern des Saargebietes zum Ver
gleich hbeigegehen werden:

Arbeiterka eaorie

EA | Saargebiet
— franz. Fr franz, Fr

Unterschied

Hochöfen:
1. Schmelzer ....
Erzfahrer .......
Gebläsemaschinist

5.10 = 3,57
417 — 8.34
1.78 = 8.85

5.60
4,87
3.01

+57 %
+46 9%
49 0

Stahlwerk :
1. Konvertermann
1. Kokillenmann .
Gebläsemaschinist
Block-u. Grobstraße :
1. Walzer .......
1, Ofenmann ....
Mittelstraße :
1. Ofenmann ....
]. Walzer .......
Werkstätten:
Gelernte Arbeiter

6.49 — 4.54
5.30 = 8,71
5.50 — 3,85

5.09
4.89
386

+12 ©
E32
LAG 0

6.20 — 4,40 N
6.56 — 4160

63
309

+28 %
4 13.500

6,86 = 4,80
GG = 43T

5.54
DET

+ 15 "6
9) N

526-561 1
= 3.05—3.92
4.75 = 3,32
8.85 — 5.20
| 2.69 —8.641

462-020

| 4 26-—34" 0

Angelernte Arb.
Hiltsarbeiter

AS4+— 4.41
23299Q— 4 {83

| + 1638"
AL 19. 480

Höher als die Löhne in Frankreich und teilweise
auch in Lusemburg liegen die Löhne in Belgien.
Nach Mitteilungen des Internationalen Arbeitsamtes
wurden in der Hüttenindustrie von Charleroi im
April 1928 folgende Schichtlöhne in 8 Stunden‘ gezahl!


Arbeiterkhateaorie

Charleroi
belg. Fr
— franz. F+

Saargebiet

brany Fe

Unterschied


Adiustierer ... .... 43.— = 30.12 +29 9;
Bohrer ....... „35.12 = 24,60 1 39,50.°
Fräser. ..............  5— == 31,50 „19 9°
Dreher (Walzendreher) -+— = 3150 83 0."
Modellschreiner ...... 49.72 = BLUM U ©”
Former ......0.00.0.. 4+4.— == 30.80 4 . AL
Ungelernter Arbeiter... 29.12 = 20.40 ‚ca8i,-— +50 0
1. Schmelzer (Hochofen) 70.16 = 49.10 | 4480 1 — 8.507
I. Walzer (Blockstraße) 70.88 — 49.60 45.04 90°C
Die westlichen Nachbarländer liegen also mit ihren
Nominallöhnen in der Hütlenindustirie oanz wesentlich

unter den Löhnen des Saargebietes, und zwar Frank
veich, dessen Produktionsverhältnisse für das Saar.
gebiet die einschneidendste Bedeutung haben, am
meisien, Belgien, das für das Saargebietl weniger ir
Belracht kommt, am wenigsten.
Es wäre überaus reizvoll. die Löhne der west
lichen Nachbarländer auf ihre Kaufkraft zu anlersuchen.
 Leider stehen uns aber die nötigen Index
zitfern für die Lebenshaltung nicht zur Verfügung
Soweit aber einzelne Indexzitfern veröffentlicht wer
den, sind sie für einen Vergleich mit dem Saargebiet
nicht brauchbar, weil sie im Gegensatz zu den deut
schen Indexziffern nach einer völlig anderen Methode
berechnet werden als im Saargebiel. Mit Sicherheit
kann aber angenommen werden, daß den großen
Unterschieden im Lohn, die namentleih gegenüber
Frankreich und Luxemburg vorhanden sind, gleich
große Unlerschiede in den Lebenshaltungskosten nicht
gegenüberstehen. Es ist deshalb der Schluß gerecht
terligt, daß die Löhne in der Hültenindustrie des Saargebieles
 nicht nur nominell besser sind, sondern auch
ne erheblich höhere Kaufkraft besitzen und der
Arbeiterschaft eine pessere Lebenshallung gewähr
leislen als in den benachbarten westlichen Industrie
gebieten.
Die Tatsache nun, daß die Löhne in der Hültenindustrie
 des Saargebieles nominell niedriger sind als
in der rheinisch-westlälischen Industrie und auch die
Kaufkraft der dortigen Löhne nicht ganz erreichen,
während gegenüber den westlichen Industrieländern
lie Löhne sowohl in ihrer absoluten Höhe wie auch in
'hrem relativen Wert für die Lebenshaltung der Arbeiter
 wesenllich höher sind, zeigt deutlich die
Zwischenstellung der saarländischen Industrie zwischen
len beiden Märkten, auf denen ihre Erzeugung haupt
sächlich Absatz findet, und ihre Abhängigkeit vor
den beiderseitigen Produktionsbedingungen.
Wenn dabei die Löhne in ihrem absoluten und relativen
 Wert näher an die höheren Löhne des deutschen
Wirtschaftsgebietes heranreichen und weiler von den
niedrigeren Löhnen der westlichen Wirtschaftsgebiete
entfernt sind, so kann dies als die Folge einer grad
linigen und cinsichtigen Lohnpolilik gewertet werden
Es bleibt dabei zu hoffen, daß die Abhängigkeitsver
hältnisse der Saarindustrie von den Märkten der henachbarten
 Länder, die nach langen Mühen und
Kämpfen eine gewisse Erleichterung in dem Saarzoll
abkommen gefunden haben, in Zukunft weiter berück
sichtigt werden, Namentlich muß erwartet werden, daf
alles gelan wird, um der hochentwickelten weiter
verarbeitenden Industrie sowie der alten bodenstän
Jigen Keramindustrie in ihren großen Schwierigkeite:r
beizuspringen. sei es durch weilere Zollvergünstizungen,
 sei es durch Steuererleichterungen oder durck
grundsätzliche Bevorzugung hei der Vergebung vor
Aufträgen im Saargebiet

Du" au vrr Mg
des französische: .ußen... ‚dels 1913 und 1927.
Von Syndikus R. Martin. Saqrbrücken

Wenn das Jahr 1927 als erstes volles Jahr eines
de facto stabilisierten Frankens auch nicht gerade
als „Normaljahr‘“ angesprochen werden kann, sondern
deullich noch unter den mannigfachen Nachwirkungen
der kurz vorher beschworenen Inflation steht und daher
 für Vergleiche mit der Vorkriegszeit weniger
geeignet erscheinen könnte, so sprechen doch andererseits
 auch gewichtige Gründe für den Versuch einer
solchen Gegenüberstellung. Nach der künstlichen Aufblähung
 der Inflationswirtschaft folgt nunmehr ein
Jahr der Sammlung. des vorsichligen Abwägens der
Kräfte und gleichzeitig auch einer VUeberprüfung der
Tatsachen und Möglichkeilen, die sich als Folge der
durch Krieg und Versailler Vertrag eingetrelenen strukturellen
 Veränderungen der französischen Volkswirtschaft
 ergeben haben, Die seit Kriegsende verstrichene
Frist gestatiet festzustellen, inwieweit diese zwar weilreichenden,
 aber vielleicht doch manchmal überschätz:

len Veränderungen in Richtung einer Industrialisierung
des französischen Wirtschaftssystems sich festigen und
organisch einfügen konnten und wieweit ihre Wirkunzen
 auf Aufbau und Richtung des Außenhandels
zeichen. Nimmt man ferner als richtig an, daß das
Jahr 1927 durch die’ Schaffung stabiler Voraussetzun
zen gewissermaßen zur Grundlage ciner zukünfliger
\ufbau- und Entwicklungsperiode der französischen
Virlschaflt geworden ist, so rechtfertigt sich der Gelanke,
 den mil der Vorkriegszeit erreichten Stand
ter Dinge mit diesem ersten Ruhepunkt der Nachcriegszeit
 in Vergleich zu setzen. Hinsichtlich der
Richtung des Außenhandels interessiert vom deutschen
Standpunkt aus besonders die Frage, ob und gegebenen
‘alls In welcher Weise es als Folge der industriellen
xapazitätssteigerung der französischen Wirtschaft geungen
 ist, unlerstützt durch Inflation und eine rührige
>olitik amtlicher Exportförderung neue Ahsatzgebiele
            
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