Verteilung des Saarkohlenabsatzes nach Ländern
iin 1000 DD.
Ar
70927
Saargebiet.........
Uebriges Deutschland
Frankreich von 1914.
Elsaß-Lothringen .
Schweiz .a0ı rer ueG
Belgien und Luxemburg. .
Oesterreich und Ungarn ...
ltalien ....
3753
938
23788
509
Ad
788
178
307
“0
so
474
Wie man aus der vorstehenden Tabelle sicht, sind
‚on einem Gesamtabsatz an Steinkohlen aus dem Saarsebiet
von 10907000 t im Jahre 1927 nur 40 v.H
im Saargebiel geblieben. Noch größer isl die Abhängigkeil
der Eiseninduslrie von den Auslandsmärkten; von
1284 379 t Gesamtabsalz im Jahre 1926 sind nur 18,27
vom Hundert im Saargebiel abgeselzt worden,
Wie schr diese Abhängigkeit neben anderen Ursachen
die KEisenindustrie des Saargebietes in ihrer
Entwicklung gehemmt hal, gehl aus folgender Ueber
‚sicht hervor:
Stahlproduktion in Haupterzeugungsgebieten.
\Tonalsdurchschnit! 1913 und 1928.
Erzeugunasgebiet
1918
[928
l Veränderung
in v. H.
638 000 708 900 *) + 11%
1.275 100 1.298 600 *) 29%
” 608 400 1209 900 *} 1,5%
202 300 311 600 * 4,0%
384 500 758 100 * 7,590
109 000 208 400 * 38,5%
170 600 166 800 %) 2.1%
396 700 354 000 *) 10,8%
. 77 000 131 100 °) + 70,0%
; 133 000 | 106400 1) — 20.0%
er | 87 000 106300 % ] 4 22,5%
1) Januar bis Juli. 2) Januar bis Juni, 3) Januar
bis Mai. 2) Januar bis April. 5 Januar bis März.
Das Saargebiet befindet sich also in keiner guten
Gesellschaft, wenn es mit Rußland und Polen zu
den einzigen Erzeugungsländern für Eisen gehört, die
die Vorkriegserzeugung an Stahl noch nicht erreicht
haben,
Eine Milderung dieses Zustandes und einen Anschluß
an den nalürlichen Markt des Saargebietes haben
die vor einigen Monaten zum Abschluß gebrachten
Zollverhandlungen gebracht. Ein Teil der saarländischen
Industrie hat dabei eine gewisse Stülze durch
die Mitgliedschaft bei Verkaufssyndikalen, so die
Hültenindustrie durch ihre Beteiligung am Stahlwerksverband
und in geringerem Umfange an französischen
Verbänden, die Tafelglasindustrie durch ihre Zugehörigkeit
zum Verein deutscher Tafelglashütten, G. m
b. H., Frankfurl. Trotzdem bleibt ein großes Maß von
Abhängigkeit natürlich bestehen.
Auf anderen Induslrien aber, so namentlich der
weilerverarbeitenden Eisenindustrie und der Keramindustrie,
lastel der Mangel eines anfnahmefähigen
Saarmarkles mit der ganzen Schwere, sie sind deshalb
auch dem Konkurrenzkampf in anderen Ländern
mit seinen manchmal unerlräglichen Verlusten und
Reibungen am meislien ausgeseizt,
Es ist unvermeidbar, daß diese Abhängigkeit im Absalz
in den Prodaktionsbedingungen und damit auch
in den Löhnen zum Ausdruck kommen muß, und es
ist deshalb ein Vergleich der Löhne mit anderen Gebielen
von großem Inleresse. Dabei kann man sich
auf die Löhne der Hülttenindustrie als der größten
Industrie neben dem Kohlenbergbau beschränken, weil
die Löhne der anderen Industrien sich mehr oder
weniger den Löhnen in der Hültenindustrie anzupassen
pflegen.
Nach den Wirtschaltszahlen „Westen“ des Instituts
ür Konijunkturforschung und gleichen statistischen
Erhebungen des Arbeitgeberverbandes der SaarinduslIrie
ergibt sich das folgende Bild hinsichtlich der
Entwicklung der effekliven Stundenverdienste im
Durchschnitt der Gesamtbelegschaft in der rheinischwestfälischen
Industrie einerseits und der Eisenindustrie
des Saarsebieles andererseits:
Stundenlöhne in der
Westtälisch. N
Pndhetrie Saarindustr:
Saargebiot
weniger
Tu 59%
5)
5%
21.5%
5 an
Irankeninflation'
N
Die absolute Lohnhöhe ist aber für die Lebensnaltung
weniger entscheidend als die Kaufkraft der
Löhne. Deshalb spielt der Stand des Teuerungs-Index
bei einem solchen Vergleich eine wichtige Rolle.
FEs belirug die Goldindexziffer:
Ya
Reic
im Saaargebiet
Saargebiet
weniger
43,3
‘2.4
ZT 150.0
1928 , 152,6
+ Frankeninflation!
10.7
19.3
123.0
1245
29,7%
41.4%%0 *)
| 18.0%
18507
Mißt man die Kaufkraft an dem Verhältnis des
200fachen Stundenlohns zu der Indexziffer, so ergibi
sich für die Kaufkraft des Lohnes folgender Vergleich:
Vestfälische
Industrie
Saarindustrie
Saargebiet
+ oder —
109 .0°%
110 5%
119.4°0
8 125.0°%
Frankeninflation!
106.5° 0 —2,5°0
116.0°% +5.0% *)
115.5% | 3.4°/0
1920.5%/6a Ba
Der Unterschied in der Kaufkraft der saarländischen
Hültenarbeiterlöhne im Durchschnitt der Gesamtbelegschaft
zu den Löhnen im rheinisch-wesifälischen Ge-Diet
ist demnach mit etwa 3,5% im Durchschnitt
ler letzten Jahre äußerst gering, trolzdem die Nominal-Ööhne
wegen der erörterten Abhängigkeitsverhällnisse
wa 20% unter den Nominallöhnen der rheinischwestfälischen
Industrie liegen.
Was die Lohnverhältnisse in Frankreich angeht,
lessen Produklionsverhältnisse die des Saargebietes in
Jer stärksten Weise beeinflussen, so sind hier Durchschniltszahlen
und Durchschnittsvergleiche, die An-;pruch
auf eine gewisse Allgemeingültligkeit machen
können, nur schwer möglich, weil das Lohnmaltlerial
ıicht in der erforderlichen Weise bekannt ist.
Einer Statistik des Internationalen Arbeitsamtes über
die Lohnverhältnisse in der französischen Hochofenindustrie
sind foigende Angaben über die
Schichtlöhne entnommen, denen die entsprechenlen
Ziffern für das Saargebiet zum Vergleich ansefügt
sind:
Arbeiterkategorie
st
Mıttel- * Saar-Frankr.
gebiet
S. Fr.
1. Schmelzer Lod.- 22,— 23.— 44.80
Erzlader 20.— ı 25.— | 17.— | 18.— 38,96
Selbst wenn man berücksichtigt, daß zu diesen
Zahlen für die französische Hochofenindustrie noch
Familienzulagen treicn, die für jedes Kind, je nach
dem Gebiel, zwischen 0,50 und 1 Fr. schwanken.
so bleiben die Unterschiede doch noch ganz außerordentlich
groß und zeigen damil auf, wieviel besseı
sinerseits die Lohnverhältnisse im Saargebiet sind und
wieviel höher die von den Werken zu tragenden
‚ohnkosten.