Full text : 33.1928 (0033)

SA

ich es schon in einem Bericht der Handelskammer.
erstattet in deren Vollsitzung am 16. Oktober 1928
{(siche „Saar-Wirtschafitszeitung‘“ Seite 781) getan habe
— darauf hinzaweisen, daß die von mir gegebene
Schätzung durch französische Quellen bestätigt wird,
So schreibt das „Annuaire des Societes par Actions
du Bas-Rhin, du Haut-Rhin, de la Moselle, du Luxembourg,
 du Territoire de la Sarre“, herausgegeben durch
die Allgemeine Elsässische Bankgesellschaft in Straßburg,
 Jahrgang 1928, in einem mit großer Sachkenntnis
verfaßten Artikel über das Saargebiet auf Seite 881.
man schätze den Warenverkehr zwischen diesem Gebiet
 und Frankreich auf insgesamt 2 Milliarden Franken,
 wenn man beide Verkehrsrichtungen
zusammenzähle. Dieses Zitat erlaubt vielleicht
den Schluß darauf, wie man zu der ominösen Zahl
von 2 Milliarden Franken, die man nur für die eine
Verkehrsrichtung des Absatzes Frankreichs nach dem
Saargebiet SCH macht, gekommen ist. Ferner hat
der Generalsekretär der Französisch-Saarländischen
Handelskammer in Saarbrücken, Herr Drouard
ein Mann, der den französischen Propaganda-Organisationen,
 die mit der erwähnten Absatzzahl arbeiten
durchaus nicht fernsteht, auf einem erst im August
1928 veröffentlichten Bericht über den im Herbst
1927 in Saarbrücken abgehaltenen französisch-saarländischen
 Kongreß (vgl. „Bulletin de la Societe des
Amis des Pays de la Sarre, Revue d’Eludes‘“ Jahrgang
 1928, Nr. 5 Seite 301) den gesamten Warenverkehr
 zwischen Frankreich und dem Saargebiet auf
1,5 Milliarden Franken geschätzt, wovon über 1 Mil.
llarde Franken der Bezug des Saargebietes aus Frankreich
 sein soll. Die von mir gegebene Schätzung
liegt zwischen diesen beiden Schätzungen und wird
dadurch wertvoll unterstützt. Was die Schätzung des
Herrn Droward angeht, so ist zu beachten, daß
seit dem Herbst 1927 eine Abschwächung des saarländischen
 Bezuges aus Frankreich und nicht etwa
eine Zunahme eingetreten ist. Würde die Schätzung
des Herrn Drouard für damals stimmen, so müßte
die heutige Zahl des saarländischen Bezugs noch
niedriger angegeben werden. Eine besondere Pikanterie
 ist, daß die französischen Presseberichte über
den erwähnten Wirtschaftskongreß ständig von den
2 Milliarden gesprochen haben.

Wenn man die von mir angegebene Zahl als richtig
annimmt, dann kann man überschlägig sagen, daß das
Saargebiet nach Deutschland etwa genau so viel liefert,
wie es von Frankreich bezieht, und daß diese Summe
das Doppelte von dem ist, was es sowohl nach Frankreich
 exporliert, als auch von Deutschland bezieht.
Dieses Bild der saarländischen Handelsbilanz mit dem
übrigen Deuischland und mit Frankreich, das
sich zunächsl in der saarländischen Handelsbilanz
widerspiegelt und das ferner den großen indirekten
 Export Frankreichs nach Deutschland über das
Saargebiet, beruhend auf dem deutschen Zollentgegenkommen,
 klarlegt, ist im Rahmen dieser Untersuchung
nur daraufhin zu betrachten, wie sich danach die
Wirtschaftszugehörigkeit des Saargebietes ergibt.

Das Bild bedarf zu diesem Zwecke hinsichtlich der
Absatzzahlen des Saargebietes noch einiger Ergänzungen.
 Zunächst interessieren hier die Zahlen, die für
den Fertigerzeugnisabsatz der saarländischen Eisenhütten
 vorliegen. Der Fertigwarenabsatz der Saarhütten
 betrug nach den Absatzgebieten:
a 1926 1927
7 12,1
56 56,0
28,9 13,0
25.8 18,9

Saargebiet
übriges Deutschland
Frankreich
übriges Deutschland J
Für 1928 liegen noch keine Zahlen vor. Es ist aber
zweifellos, daß der Absatz nach Deutschland wegen
des schon erwähnten Rückgangs der deutschen Konjunktur
 prozentual geringer geworden ist und daß
ebenso wie im übrigen Deutschland der saarländische
 Export prozentual eine Zunahme erfahren hat,
Dabei mag auch der Absatz nach Frankreich im laufenden
 Jahr eiwas größer geworden sein, da sich in
Verfolg der französischen Währungsstabilisierung in
diesem Jahr eine gewisse Belebung der Wirlschaft Frank

Ay.

reichs zeigt, während im vorigen Jahr eine Stagnation
des französischen Absatzmarklies vorlag. Man wird bei
der heutigen Lage stets damit rechnen können, daß
die Saareisenindustrie um die 40% herum nach
Deutschland absetzen wird, während der Absatz nach
Frankreich höchstens 20% betragen wird, In diesem
Zusammenhange ist auch darauf hinzuweisen, daß die
>isenschaffende Industrie des Saargebietes, deren sämtiche
 Werke den deutschen Eisenverbänden beigetreten
sind, in der Deulschen Rohstahlgemeinschalt eine
Quole von etwa 1,5 Mill. Tonnen jährlich bat, wäh-‚end
 ihre Absatzmöglichkeit nach Frankreich auf
500 000 Tonnen beschränkt ist, Ein Hinweis ist ferner
lem Umstand zu widmen, daß in den für den Absatz
ach Frankreich gegebenen Zahlen Reparationsliefe
ungen, an denen das Saargebiet bekanntlich aus:
ılahmsweise im Rahmen eines gewissen Kontingentes
eilnimmt, enthalten sind. Diese Reparationslieferungen
sind gesondert für sich zu beirachten, wobei vor allem
ns Gewicht fällt, daß ihre Bezahlung von Deutschland
ıufgebracht wird. Endlich ist bei der saarländischer
Tandelsbilanz mit dem übrigen Deutschland und mit
Srankreich besonders zu beachten, daß dieses Bild am
naßgeblichsten beeinflußt wird durch den Kohlenab-;atz.
 Das Saargebiet lieferte 1927 nach Deutschlang
1046000 t und nach Frankreich 1362000 tt: um
as in Wertziffern auszudrücken, wäre für die Liefezung
 nach dem übrigen Deutschland die Zahl vor
20 Millionen Reichsmark und für die Lieferung nach
“rankreich 85 Millionen einzusetzen. Die Zahlen
für 1927 dürften ungefähr in derselben Weise auch
für 1928 gelten, Vor dem Krieg betrug nun der
Absatz nach dem übrigen Deutschland 4278000 1;
während der Absalz nach Frankreich und nach dem
lamals deutschen Elsaß-Lothringen 2469000 t betrug
Es ist leicht zu berechnen, wie die Absatzänderung
ler Saarkohle dic saarländische Handelsbilanz verindert
 hat und wie das Bild sich gestalten würde
wenn der deutsche Absatz der Saarkohle wiederkäme

Das Ergebnis dieser Ergänzungen ist, daß sich die
Zugehörigkeit der saarländischen Produktion zum
deutschen Wirtschaftsgebiet als seinem Hauptabsatzgebiet
 noch deutlicher ergibt, als es die einfachen
Absatzzahlen darstellen konnten. Das Saargebiet, das
ain rein industrielles Land ist, bei dem der Absatz
m Saargebiet selbst im wesentlichen ein indirekteı
<xport ist, hat seinen „inneren Markt“ nur ir
ibrigen Deutschland, Dieses empirische Ergebnis deck’)
;ich mit dem einer iheoretischen Untersuchung, wo
ler naturgegebene innere Markt liegt und ob dic
Möglichkeit der Gewinnung eines inneren Marktes in
“rankreich besteht. Das empirische Ergebnis ist un
jedingt zu verwerlen, weil es gewonnen ist angesichts
ler Möglichkeit, ohne künstliche Schranken, wie Sic
lie Zollgrenze und der Währungsunterschied darstel
;tellen, den französischen Markt in Anspruch zu neh
men. Eine Ausnahmestellung nimmt nur die Kohlenwirtschaft
 ein, die einen großen Absatz in Frankreich
neu gewonnen hat. Hier ist aber zu bedenken, daß
as der französische Staat als Saargrubenbesitzer ge
wesen ist, der den Absatz seiner eigenen Kohlen in
seinem Siaatsgebiet bewerkstelligt hat, und daß auch
ar diese Politik nicht durchhalten kann, denn die Ab
satzkrise der Saargruben beweist, daß der verlorenc
deutsche Absatz auf die Dauer unentbehrlich ist
Obendrein ist der Saargrubenbesitzer, der 36 % seincı
Kohle im Saargebiet, und zwar vornehmlich an dessen
Industrie, absetzt, dadurch einer der schon erwähnten
indirekten saarländischen Exporteure und insofern an
len deutschen Markt als den inneren Markt der
Saarindustrie gebunden.
Es erhebt sich nun die Frage, welchen Einfluß
auf die Zugehörigkeit der saarländischen Gesami(-wirtschaft
 der Umstand ausübt, daß zurzeit der
Bezug des Saargebietes aus Frankreich den doppelten
Wert hat, wie der vom übrigen Deutschland. Dazu
kann schon zunächst gesagt werden, daß bei dem
arwähnten rein industriellen Charakter des Saarzebietes
 die Zugehörigkeit der Gesamtwirtschaft in
arster Linie von dem inneren Markt für die saar
‘ändische Produktion und in zweiter Linie erst von
lem Bezug bestimmt wird. Weiter ist zu beionen
            
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