Liefervorschriften, Ueberwachung der technischen Abteilungen
in bezug auf Verwendung der Normteile
und Einhaltung der Vorschriften (Zeichnungs- und Vordruckprüfung,
Bestellung und Lagerhaltung von Normteilen)
usw. Dazu kommt die laufende Mitarbeit an
der DIN-Normung, die die beste Gelegenheit zur Wahrung
der Belange eines Werkes bietet.
Dem Werknormenmann geht es bei seiner Arbeit
eigentümlich, insofern, als es ihm am liebsten wäre
wenn andere seine Normen nachmachen oder auch
wenn er diejenigen der anderen nachmachen könnte
Er ist naturgemäß der Feind aller Eigenbrödelei aus
der Erkenntnis heraus, daß eine Norm seinem Werk
um so mehr Vorleil bringt, je allgemeiner sie ange
wendet wird. Daher wird er, wo es geht, die DIN-Norm
der Werknorm vorziehen. Es liegl
nun in der Natur der DIN-Normen, daß sie im
allgemeinen nicht gebrauchsfertig sind; sie lassen häu
fig die Wahl zwischen mehreren Normen oder ver
schiedenen Ausführungsformen. Größenmodellen usw.
frei, so daß die zu treffende Auswahl die Bedeutung
einer reinen Werknorm hal. Einige Beispiele:
. Die DIN-Normen 667—669 enthalten blank
gezogenen Rundslahl in drei verschiedenen
Genauigkeitsgraden und je etwa 140 Durchmessern,
insgesamt 393 Sorten. Es liegt auf der Hand, daß
diese‘ von einem einzelnen Werk nicht alle gebraucht
werden, so daß eine Verminderung auf den vierten
Teil schr wohl möglich wäre und einen großen wirl
schafllichen Vorteil bringen würde, Wie soll sich je
doch der Normenmann diesen Vorteil sichern? Denn
wählt er für seinen Betrieb die Durchmesser 20, 22
24, 26, 28..., so nimmt ein anderer 20, 23, 26,29...
und ein dritter 21,24. 27/30.... wobei die Verschiedenartigkeit
der Genauigkeitsgrade noch nicht berücksichtigt
ist. So kann es kommen, daß trotz aller
Auswahlreihen der Hersteller sämtliche Sorten auf
Lager halten muß, während bei einer Einheitsreihe
der Hauptverbraucher die Lagerhaltung vereinfacht
und die Preise für die gängigen Sorten verbilligt
werden könnten,
2. In das frühere Gewirr von Gewinden ist
vom Normenausschuß Klarheit gebracht worden. Von
den Sondergewinden abgesehen, haben wir jetzt Whit
worth- und Metrisches Gewinde in verschiedenen Fein
heitsgraden. Daß jedoch beide nebeneinander eine
schwere wirtschaftliche Belastung bedeuten, ist leicht
einzusehen. Wir müssen uns für das eine oder andere
entscheiden oder, wenn die Zeit hierfür noch nicht reil
erscheint, die Richtung festlegen, nach der wir streben.
Die hierbei auftretenden Fragen gehören zu den
schwierigsten der deutschen Normung überhaupt. Auf
der einen Seile arbeitet man bewußt nach dem metrischen
Gewinde hin, während man auf der anderen
keine Miene macht, das Whilwortih-Gewinde aufzugeben.
Welche Stellung nehmen wir im Saargebiet
ein? Der französische Besteller verlangt vielfach das
sogenannte SI-Gewinde (oft durch metrisches erselzbar),
der deutsche Whitworth. Was macht das übrige
Ausland und vor allem England und Amerika? Selbst
wenn die beiden letztgenannten Länder tatsächlich zur
Metermaß übergehen, nehmen sie auch unser metrisches
Gewinde an? Das einzelne Werk hat auf die
Lösung der internationalen Gewindefrage wenig Einfluß,
wohl aber könnten Werksgemeinschaften, wie
die Saar-Metallindustrie, ihre einheitliche Meinung mit
größerem Nachdruck zur Geltung bringen und so zur
Klärung beitragen.
Achnliche Fragen treien auf, wenn es sich darum
handelt, unter mehreren DIN-Normen die geeignetsten
auszusuchen, wie folgendes Beispiel zeigt:
3. Die DIN-Passungen bilden ein umfangreiches
System von Passungen, aus dem alle Fertigungsgebiele
das vorteilhafteste aussuchen können
Sie sind einerseits gegliedert in Einheitsbohrung und
Einheitswelle, andererseits in Edel-, Fein-, Schlichtund
Grobpassung mit 22 Sitzarten. Bei der Auswahl
aus den betreffenden 116 DIN-Blättern kommen folgende
Gesichtspunkte in Betracht: Einzel-, Reihenoder
Massenfertigung, Art der Erzeugnisse ‘Groß- oder
Klein-, Grob- oder Feinmaschinenbau), Ausnuatzungsmöglichkeit
der Werkzeuge, Absatz im In- oder Ausland,
unbedingte oder bedingte Austauschbarkeit usw
Das Studium solcher Fragen erfordert viel Zeit ung
vor allem genaue Kenntnis der neuesten Erfahrungen,
Das Beispiel der DIN-Passungen zeigt zugleich das
Verkehrte der Ansicht, daß die DIN-Normen ohne
weilere Umstände dem Konstrukteur in die Hand gedrückt
werden können. Er kann mit den DIN-Blättern
nicht viel anfangen, wenn ihm keine Richtlinien für
lie Anwendung gegeben werden: und diese Richt
inien für ein Werk oder eine Werksgruppe aufzu
steilen, kann nicht Sache des Normenausschusses sein
Wohl hat dieser im DIN-Buch 4 die Anwendung der
Passungen in der Praxis ausführlich behandelt, aber in
jedem Werk tritt eine Fülle von Sonderfällen‘ auf
lie darin nicht berücksichtigt werden können.
Wicder andere Erwägungen sind anzustellen, wenn
ımfangreiche teuere Einrichtungen der Einführung der
DIN-Normen entgegenstehen. Beispiel:
4. Die DIN-Formalte bringen wesentliche Aenderungen
gegenüber dem bisherigen Zustand, Wir sollen,
nachdem wir pisher in der Formatwahl unbehinder!
waren, uns in Zakunft mit einem halben Dutzend Formale
begnügen, Ist dies praktisch durchführbar‘
Welche Ausnahmen sind gestaltet? Wie weil müssen
wir Rücksicht auf vorhandene Einrichtungen Zeich:
ıungs-, Aklenschränke, Karteien) nehmen? Können
wir diese den DIN-Normen anpassen? Ist es möglich
mit Reihe A auszukommen?
Das Fehlen der Einheitlichkeit zeigt sich besonders
xraß in nachstehendem Beispiel:
5. Lizenzgeber oder -nehmer, ebenso Werke, die
nach fremden Zeichnungen arbeiten müssen, Lieferer
son Schmicede- und Stahlgußstücken haben mit der
großen Mannigfalligkeitl der Zeichnungen
zu kämpfen, der mancher Ausführungsfehler zuzuschreiben
ist. Wieviel Aerger verursachen Ober-Mächenzeichen,
Sinnbilder, Benennungen, die auf jeder
Zeichnung anders ausschen, läglich wechselnde Vor
schriften für Bearbeilungszugabe, auch falsch ange
wendele DIN-Normen und dergleichen.
Das Fehlen von Auslandsnormen oder starke Abweichungen
solcher gegenüber den deutschen Normer
ıst oft ein schweres Hemmnis für die Einführung der
DIN-Normen, Beispiel:
6. Die deutschen Werkstoffnormen weichen
in Aufbau und Prüfvorschriften erheblich von den
iranzösischen ab, können also nicht ohne weiteres
m Verkehr mil Frankreich vorgeschrieben - werden
Was ist zu tun, um dem Verlangen nach DIN-Normen
nachzukommen, ohne die Geschäftsbelange zu schädizen?
Wie sichern wir uns gegen die aus der Verschiedenheit
der Vorschriften entspringenden Unanı1ehmlichkeiten?
Daneben treten technische Fragen
auf, wie die nach dem geeignetsten Werkstoff für
Schrauben usw. Der eine nimmt für diese St 34.11, der
ındere St 38.13, ein dritter St 50.11 hei denselhen
Beanspruchungen.
Abschreckend gegen die besten Absichten wirken
licht selten die anfänglich höheren Preise für Norm-'eile.
Man darf dabei nicht vergessen, daß es in der
Hand des Verbrauchers liegt, die teuere VUebergangs:
zeit abzukürzen. Beispiel:
7. Die vor einigen Jahren vorgenommene Einführung
des Einheitsformates für Briefbogen und
Briefhüllen bei einem hiesigen Werk begegnete
Schwierigkeiten in bezug auf Preis und Lieferzeit
Man mußte sich des Preises und der Liefermöglichkeit
wegen anfangs mit ängenähertem DIN-Format begnügen
und überaus lange auf die Lieferung warlen.
weil die Druckereien aus Mangel an Umsatz keine
zrößeren DIN-Papiermengen auf Lager legen wollten
Diese Schwierigkeiten sind allmählich von selbst ver
schwunden mit dem Vordringen der DIN-Formate
Wären damals mehrere Firmen gemeinsam vorac
Zangen, so wären überhaupl keine Schwierigkeiten auf
zetreten. # CE
Soll man eine neue DIN-Norm sofort nach
hrem Erscheinen einführen. oder ist erst eine gewisse
Bewährungstrist abzuwarten? Im allgeneinen
ist das mit der Einführung einer neu herauszscekommenen
DIN-Norm verbundene Wagnis für eir