zur Verfügung gestellt. Die Schule selbst hat größtes
Interesse an den Prüfungen gezeigt und sich an der Or:
ganisation des Prüfungsaufbaues beteiligt und ‘die Prüfräume
zur Verfügung gestellt. Die Zusammenarbeit mit
der Oeffentlichen Handelsschule gestaltete sich insofern
glücklich, daß solche Kinder, die die Aufnahmeprüfung
nicht bestanden haben, von der Schule aus gemeldet und
rechtzeitig umberaten wurden; die dadurch freigewordenen
Lehrstellen wurden vom dem Berufsamt durch geeignete
Kräfte ersetzt. Sie versucht auch für das Berufsamt einen
Ausgleich zu schaffen und scheinbare Härten volkswirtschaftlich
umzuwerten. Weiter wurden auf Veranlassung
des Herrn Direktors der Oeffentlichen Handelsschule die
Bestimmungen für die Aufnahmeprüfung an der Oeffentlichen
Handelsschule von der Regierungskommission inso:
fern erweitert, als der Prüfungskommission in Zukunft
auch der . Leiter des städt. Berufsamtes angehört. Auf
Grund dessen ‘konnte der Leiter des Berufsamtes an
mehreren Sitzungen der Prüfungskommission sowie an der
Prüfung im Drogisten-Beruf teilnehmen. Mit dem Bezirksverein
„Saargebiet‘‘ des deutschen Drogisten-Verbandes
e. V. wurde besondere Fühlung genommen. Eine
Aufklärungsschrift über Einstellung und Ausbildung von
Drogistenlehrlingen wurde im Verein mit dem Drogistenverband
in der Tagespresse veröffentlicht
Die individuelle Beratung und Vermittelung.
Hemmend für den Aufbau des Berufsamtes wirken
die anerkannt unzulänglichen Raumverhältnisse. Die fehlen
den Warteräume für das Berufsamt machen sich unliebsam
bemerkbar. In diesem Jahr ist es gelungen, für die
weibliche Abteilung einen besonderen Eingang zu schaffen,
Damit ist einem Zustand abgeholfen, der oft zu Unzuträglichkeiten
geführt hat. Hoffentlich sind die Bemühungen
der Stadtverwaltung, das Arbeits- und Berufsamt
in zweckentsprechende Räume zu bringen, bald von Erfolg
gekrönt.
Die Beratung erfolgt als Einzelberatung, so daß sich
zwischen Berater und Schützling bald ein enges Vertrauensverhältnis
herausbildet, Dies ist die Brücke zum
Verständnis des Jugendlichen, Zeichnungen, Handarbeiten,
Bastelarbeiten u. a. unterstützen die Beurteilung des
einzelnen Falles.
Lehrstellenvermittelung.
Schon im Dezember kamen die ersten Ratsucher. Auch
Lehrstellen wurden in diesem Monat schon gemeldet. Mit
den Monaten Januar, Februar, März und April wurde die
Nachfrage immer stärker. Dieses Zusammenballen der
Arbeit auf diese Monate liegt in der Schulentlassung im
April und darin begründet, daß die meisten Berufe mit dem
Monat April die Lehrlingseinstellung vornehmen, Die Mel
dungen der Schüler zu den Berufen waren ziemlich verteilt,
doch wurden einzelne Berufe, sogenannte Modeberufe, wie
Friseur, Buchdrucker, Schriftsetzer, Koch und Konditor
und Elektriker, stark nachgefragt, während andere Berufe
wie Schmied, Stellmacher, Former und zum Teil auck
Schlosser, stark vernachlässigt wurden. Ein gewisse:
Mangel an geeigneten Schülermeldungen für den kauf
männischen Beruf war auch festzustellen. Als Grund er
scheint uns die Angst vor der Entlassung naclı beendeteı
Lehrzeit und die Tatsache, daß in letzter Zeit eine
Anzahl Firmen kaufmännische Angestellte abgebaut haben
Ob der erstere Grund im allgemeinen zutrifft, kann hier
nicht nachgeprüft werden, Zweifellos wären die offiziellen
Vertreter des Kaufmannsstandes mit einer solchen Auffassung,
die sich wohl kaum zum Vorteil der Arbeitgeber
auswirken wird, nicht einverstanden.
Sehr wenig freie Stellen wurden gemeldet im Bauhandwerk,
in Elektrotechnik sowie im Friseur- und Metzgerberuf.
Während im Metzgerberuf keine große Neigung zut
Lehrlingseinstellung besteht, kann man z. B. bei den
Friseuren annehmen, daß noch vielfach .der direkte Verkehr
zwischen Vater und Arbeitgeber üblich ist. Wenn es
sich nur darum handelt, die Jungen in. Lehrstellen zu
bringen, ohne Rücksicht auf Eignung, dann könnte man
diesen Weg gutheißen. Aber die Tatsache, daß in diesem
Jahre mehrere auf diesem Wege zustande gekommene
_ehrverhältnisse aufgelöst werden mußten und das Berufs.
amt nun die Jungen umberaten, prüfen und weiterver.
mitteln mußte, zeigt doch, daß dieser Weg nicht der
ichtige ist,
Die Unterbringung von Mädchen war sehr schwierig. Im
Verhältnis zu der großen Nachfrage waren viel zu wenig
reie Stellen gemeldet, Volksschülerinnen wurden unterzebracht
im Haushalt, in dem hiesigen Kinderpflegerinnen
sursus und im Verkauf. Für die Kontorstellen kamen
vorwiegend die Mittel- und höheren Schülerinnen in Frage
Stark war die Nachfrage nach Friseur- und Nählehr-‘tellen.
Es waren aber nur wenige derartige hier gemeldet
Große Schwierigkeit bereitete wieder die Unterbringung
der Kinder, die mit irgendeinem «kleinen oder größeren
<örperlichen oder geistigen Fehler ‘behaftet sind. Dem
3estreben der Arbeitgeber nach nur völlig einwandfreiem
Zerufsnachwuchs. ist in dieser Zeit der Rationalisierung
ınd Wirtschaftskrisis begreiflich. Aber dieses Verlangen
<ann schon heute nicht völlig erfüllt werden und wird in
len kommenden Jahren noch weniger erfüllt werden
<önnen, denn im kommenden Jahre (1929) wird sich der
Geburtenrückgang in erheblicher Weise bemerkbar machen
ie Arbeit der Arbeitgeberorganisationen und des Berufsımtes
wird in dem nächsten Jahre gerade hier einsetzen
nüssen, um durch richtige Zuleitung der nicht ganz
vollwertigen Kinder in die geeigneten Berufe den Mange
an Nachwuchs zu decken.
Zwischenörtlicher Ausgleich.
Im Zusammenhange mit dem vorherigen Abschnitt sei
larauf hingewiesen, daß das Berufsamt in diesem Jahı
ntensiver mit den Nachbarbürgermeisterämtern dahin ge
arbeitet hat, daß in den Schulen auf das Berufsamt der
Stadt Saarbrücken aufmerksam gemacht wurde mit dem
Erfolg, daß der Zustrom der Ratsucher vom Lande in
diesem Jahre ganz außeordentlich stark einsetzte. Einzeine
auswärtige Schulleiter haben direkt Fühlung mit
dem Berufsamt genommen, dadurch konnte auch in dieser
Schulen schon in diesem Jahre zweckentsprechend vorzearbeitet
werden. Von den Landschulen und auch von
dien Ratsuchern vom Lande wurde diese Einrichtung deı
Stadt Saarbrücken auf das wärmste begrüßt. Ist es doch
dadurch manchem intelligenten Jungen möglich geworden,
in eine Lehre zu kommen. Äuch die Regierungskomnission
hat des öfteren das Berufsamt der Stadt Saarbrücken
wegen Unterbringung von Kindern in Lehrstellen
in Anspruch genommen. Die Auswirkungen dieser Maßı1ahmen
aber, die dem Berufsamt der Stadt Saarbrücken
zyewissermaßen den Charakter einer Zentralausgleichsstelle
in der Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung im
5aargebiet geben, werden sich im kommenden Jahr zum
Nutzen der Lehrherren in Industrie, Handel und Gewerbe
zeigen, wenn infolge des Geburtenausfalles der Bedarf an
_ehrlingen aus der Stadt Saarbrücken allein nicht mehr
zedeckt werden kann. Diese enge Zusammenarbeit mit
lem Lande -hat aber noch weitere Vorteile zur Folge.
Konnten doch Kinder, die durch irgendeinen Umstand geıötigt
waren, eine Lehrstelle anzunehmen, die mit Kost
ınd Logis verbunden ist, untergebracht werden, Oft waren
das intelligente Kinder, die sonst genötigt gewesen wären,
Beschäftigung als Hilfsarbeiter anzunehmen. Damit hat
»nmal das Berufsamt auf dem Gebiete der Berufsnach:
wuchsregelung im volkswirtschaftlichen Interesse aus:
yleichend, auf der anderen Seite aber auch sozial gewirkt
Die psychologischen Eignungsprüfungen.
Ueber die Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit und Berechti
zung der Eignungsprüfungen ist viel geschrieben worden.
Eine reichliche Literatur und zahlreiche Erfahrungstatsachen
aus Industrie und Handwerk liegen vor. Es sol
hier auch nicht die Zweckmäßigkeit der Eignungsprüfung
untersucht werden.
Die günstigen Ergebnisse, die seit Jahren einzelne
größere Industriebetriebe bei der Auswahl des Facharbeiternachwuchses
mit Hilfe der Eignungsprüfungen erzielt
ı1aben, haben im Laufe der letzten Jahre in Industrie,
Handwerk und Handel Stimmen laut werden lassen, die
fordern, allgemein ein Auswahlverfahren auf psycholozischer
Grundlage einzuführen.
Aus dieser Einstellung heraus wurden in diesem Jahre
zusammen mit Innung und Gewerbeschule im Schreiner-