Full text : 33.1928 (0033)

14.

Rückblick auf den Herbstflugverkehr
des Saargebietes 1928.

Der am 17. September 1928 auf der Strecke Frank-Turt-—-Saarbrücken-—Paris
 eröffnete Flugverkehr mußte
am 13. Oktober nach 24 TFlugtagen bedauerlicherweise
 schon wieder eingestellt werden. Alle Bemühungen,
 eine Verlängerung des Verkehrs wenigstens
[ür den sogenannten Randwinter zu erreichen, scheiterlen
 leider an dem Mangel verfügbarer Mittel. Eine
Prüfung der in der Berichtsperiode erziellen ' Ergebnisse
 wird zunächst in Betracht zu ziehen haben,
daß der von vorneherein bekannte provisorische Charaklicer
 des Verkehrs wie auch die Jahreszeit sich nachteilig
 geltend machen mußten. Bei Eröffnung des
Verkehrs war die Hauptreisezeit bereits vorbei. Es
ist ferner zu beachten, daß jede internationale Linie
sowohl einer entsprechenden Propaganda wie auch
einer gewissen Anlaufzeil bedarf, um ausreichend bekannt
 zu werden und daß es an beidem gemangelt
hat. In den Frequenzzahlen muß dies natürlich zum
Ausdruck kommen. Dazu kommt, daß der Flugpreis
{ür die Strecke Saarbrücken—Paris mit 400 Fr. im
Verhältnis zur Eisenbahnfahrkarte entschieden zu hoch
angeselzt war. Die gegen Ende der Verkehrszeit eingetrelene
 Ermäßigung auf 300 Fr. kam zu spät, um
sich noch auswirken zu können. Im Interesse des
Verkehrs wird man der Farmangesellschaft empfehlen
müssen, im nächsten Jahre den ermäßigten Preis
beizubehalten.
Die beste Benutzung wies, wie zu erwarten stand,
die Teilstrecke Saarbrücken—Frankfurt auf,
die von 74 Passagieren mit 231 kg Gepäck in Anspruch
 genommen wurde, Bei einer Gesamtzahl von
144 verfügbaren Plätzen während der ganzen Berichtsperiode
 entspricht dies einer Frequenz von 50
Prozent, die um so höher einzuschälzen ist, als der
Flugplan für den regen Lokalverkehr zwischen Saarbrücken
 und Frankfurt leider sehr ungünstig lag.
Die Ankunfts- und Abfahrtszeiten werden auch weiterhin
 nicht wesentlich verändert werden können, solange
die Verbindung mit Frankfurt nur im Rahmen der
Gesamtstrecke Paris— Frankfurt hergestellt wird. Eine
besondere Verbindung in der Weise, daß Frankfurt bereits
 in den ersten Vormiltagsstunden erreicht und
der Anschluß an die dorligen Fernlinien sichergestellt
wird und weiler die Möglichkeit besteht, abends wieder
zurückzufliegen, ist daher für das nächste Jahr anzustreben.
 Befördert wurden ferner auf dieser Strecke
eiwa 10,5 kg Posi. Die Gegenstrecke Frankfurt—
Saarbrücken wurde von 30 Passagieren benutzt.
Außerdem sind 452,255 kg Fracht zu verzeichnen, und
zwar hauptsächlich Blumen, ferner Arzneciwaren,
Damenhüle und Damenkonfektion, sowie Glasdiamanten.

Die nächstbeste Frequenz wies die Teilstrecke
Saarbrücken-— Paris und zurück auf. Hier sind

olgende Zahlen zu nennen: Saarbrücken—Paris 24
7assagiere und 90 kg Gepäck, Paris—Saarbrücken 23
Yassugiere ‘(Gepäck nicht ermillelt,. Am geringsten
var die Benutzung, soweit Passagiere in Frage komnen,
 auf der Gesamtsirecke Paris— Frankfurt mit 8
>assagieren, während in der umgekehrien Richtung
rankfurl— Paris überhaupt keine Passagiere zu ver-‚eichnen
 waren, Dagegen war die frachlliche Ausıulzung
 auf dieser Slrecke sehr erfreulich. Es wurden
ıämlich befördert: von Frankfurt nach Paris 330.2 kg
Prospekte, Autoersatzteile, Muster, Schuhleder‘, von
>aris nach Frankfurt 579,315 kg ‚Gewebe aller Arl,
nsbesondere Seide, Schmucksachen, Platin), Die Gejamtfrequenz.
 beträgt 151 Passagiere und
1461,770 kg Fracht, Dieses Ergebnis isl, wenn
nan die eingangs als hemmend gekennzeichneten Monenle
 in Belracht zieht, für den Anfang als durchaus
defriedigend anzuschen. Besonders erfrenlich ist die
ege Inanspruchnahme der Linie auf frachtlichem Ge-»@lete.
 Der Handel hat mit einer Schnelligkeit, zu der
nan ihn nur beglückwünschen kann, sich die großen
vorteile des Luftfrachtverkehrs nulzbar zu machen ver-;tanden,
 Es darf! schon jetzt mit Sicherheit angenommen
werden, daß der Frachtverkehr im nächsten Jahre
>ine weilere erhebliche Steigerung erfahren wird.
Der Bericht über die abgelaufene Flugsaison wäre
invollsländig, wenn nicht der kameradschafllichen und
völlig reibungslosen Zusammenarbeit der Ilughafenzesellschaft
 mit der Lufthansa und der Farmanzesellschafti
 Erwähnung getan würde. Besondere
\nerkennung verdient ferner die Zollverwaltung,
lie alles getan hat, um die Abfertigung von Dassazieren
 und Gütern dem Charakter und Tempo des
verkehrsmiltels anzupassen und möglichst reibungslos
zu gestalten, Schr wertvolle Dienste leistete ferner
lie Wetterstation der Regierungskommission, de-:en
 Arbeit wesentlich dazu beigetragen hal, daß der
3Zetrieb trotz der teilweise schon ungünsligen Witlerungsverhältnisse
 mil großer Regelmäßigkeit durchzeführt
 werden konnle,
Wesentlich bleibt aber vor allem die Tatsache, daß
lie jahrelangen Bemühungen um die Einbezichung des
Saargebjetes in den internationalen Luftverkehr mit
Zinrichtung der Linie Frankfurt—Saarbrücken-—Paris
>ndlich zu einem Erfolg geführt haben. Das Saargebiet
st dringend darauf angewiesen, die bekannte Ungunst
seiner standorlimäßigen Bedingungen durch Bereitstel-‚ung
 möglichst günsliger und möglichst schneller Versehrsmittel
 insoweit ausgeglichen zu sehen. als dies
ı1ach Lage der Dinge überhaupt möglich ist. Es ist
daher zu wünschen, daß die Hoffnungen auf einen
erweiterten Luftverkehr im nächsten Frühjahre sich
in vollem Umfange verwirklichen mögen. R.M.

Die Absatzmärkte der Saarkohle in Frankreich.

In Nr. 41 der „Saar-Wirtschaftszeitung‘“ vom 13. Ok-(ober
 1928 haben wir die Absatzmärkte der Saarkohle
 im Saargebiet und im übrigen Deutschland
an Hand der Stalistik der Güterbewegung auf den
Saarhahnen dargestellt. Es bleibt übrig, auf Grund
derselben Quelle auch die Absatzmärkte der Saarkohle
in Frankreich und im übrigen Ausland einer Betrachlung
 zu unterziehen, um das Bild abzurunden.
Der gegenwärtig größte Auslandsabsatzmarkf der
Saarkohle, der in Frankreich, hat bereits in
Nr. 14 der „Saar-Wirtschaftszeitung“ vom 7. April
1928 eine Sonderdarstellung erfahren, so daß hier nur
kurz darauf eingegangen sei. Frankreich einschließlich
 Elsaß-Lothringen bezog auf dem Eisenbahnwege
im Jahre 1913 1.71 Millionen Tonnen, in den Jahren

1925—1927 dagegen 4,05 bzw. 4,76 bzw. 3,95 Millionen
Tonnen Saarkohle. Will man den vollständigen Bezug
 ermitteln, so muß man die auf dem Saarzsohlenkanal
 verschifften Kohlenmengen mit ein-:echnen
 und erhält dann folgende Ziffern für den
Gesamtbezug Frankreichs und Elsaß-Lothringens:

1913 1925 1926 1927

Mit der
Eisenbahn
Auf dem
Wasserwege
Insvyesamt:

1706557 4049295 4767501 309052 053
690474 642319 630443 576050
2403031 4691614 5307044 4528 103
            
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