Full text : 33.1928 (0033)

Im übrigen sei darauf hingewiesen, daß die Arbeit
Schiffers außer reinen Organisalionsänderungen auch
sonst bedeutsame Umwälzungen im deutschen Rechtswesen
 bewirken will, so z. B. in den Fragen der
Eidesleistung, der Zeugenaussage, der Ehescheidung,
der Verfolgung von Beleidigungen, der Oeflentlichkeit
 der Verhandlung und insbesondere in den reinen
Sonderfragen des in der ‚Justiz beschäftigien Personenkreises,
 insbesondere des Richterilums. dem z.B
eine politische Betätigung in der Oeffentlichkeit untersagi
 werden soll. Auf diese Dinge ist an dieser
Stelle nicht einzugehen. Daß aber gerade die zuletzt

ıngedeuteten Reformvorschläge noch mehr als die Liefsreifenden
 Organisationsänderungen, unler denen die
jecabsichtigle Verreichlichung der Justiz jelzl schon
zegenstand lebhaflter Erörlerungen ist, Widersprüche
1ervorrufen werden, darüber dürfte kein Zweifel bestehen.
 Es isl vielleicht sogar zu befürchlen, daß die
Rationalisierungsgedanken des Schilter’schen Entwurles
lurch die Verknüpfung mil anderweiligen — Insbesondere
 mit personellen und StandesIragen in Ihrer
Durchschlagskraft gefährdel werden könnien.
Dr. Rutsch.

2
Über‘
Vortrag, gehalten von Direktor Dr. Kittel von der Firma Villeroy & Boch, Mettlach, im Vortragszvklus de
Anstalt für Arbeitskunde der Saarindustrie.
(Schluß.)

Alt Im

13

2 7IieD.

„Selbstverständlich ist die sparsame und sorgfältige
Verwendung des Materials und der Ware von enormer
Wichtigkeit für die Rentabilität des Werkes, Meist
sind die Fehler, die hier gemacht werden, der Leifung,
dd, i. mangelhafler Organisation oder Schulung, zur
Last zu legen, denn der Arbeiter selbst irägl im
Grunde die Wertschätzung des Materials und des Arbeitsproduktes
 in sich. Ich erinnere mich. wie schwer
die Leute anläßlich eines Slreiks, bei dem sic auf
Anordnung der Gewerkschaften die Oefen im Sliche
lassen mußten, von ihrer Arbeit weggingen. Das Bewußtsein,
 die eingeseizten Waren dem Verderben auszusetzen,
 ging ihnen so nahe, daß man ihren Mienen
den schweren Kampf ansah, den sie zwischen der
Liebe zu ihrem Produkt und dem Gehorsam gegenüber
 den Streikführern auszukämpfen hatten. Das
gleiche gilt von den Werkzeugen. Sie wissen aus
Erfahrung, eine wie große Beachtung der richligen
Auswahl und Behandlung der Werkzeuge geschenkt
werden muß. Leider erslrveckt sich die Sorge von
seiten der Führer oft nur darauf, daß die Erneuerung
und Instandsetzung der Werkzeuge nicht zuviel Geld
kostet. Wir müssen aber berücksichtigen, daß von
der Güle der Werkzeuge auch die Quantität und
Qualität der erzeuglien Ware in hohem Maße abhängt,
 und ganz besonders daß ein Arbeiter, der sich
mit mangelhaften Hilfsmitteln herumplagen muß, eine
schwere Einbuße an Arbeilsfreude erleidet, die sich
mit der Zeit zu direkter Unlust steigert und für das
Arbeitsresultat von schwerwiegenden Folgen ist. Das
Gesaglie gilt in gleichem Maße von den Maschinen.
Ein weiteres sehr wichtiges Moment ist die genaue
Analyse der Arbeitsvorgänge. Die diesbezüglichen Bestrebungen
 gewinnen immer größere Verbreitung, und
die Ueberzeugung ist heute wohl allgemein, daß wir
uns nicht mehr blindlings an die traditionellen Arbeitsweisen
 halten dürfen, sondern daß namentlich von
seiten des Führers mit der größten Umsicht getrachlei
werden muß, die zweckmäßigsten Griffe und Täligkeiten
 herauszufinden, um bei möglichst geringem Zeilund
 Kräfteaufwand guie Waren zu erhalten. Nur
warne ich hier die Führer, sich auf ein zu starres
Festhalten an den von ihnen als richtig angenommenen
Weisungen festzulegen, sondern innerhalb angemessener
 Grenzen dem Arbeiter einen Spielraum in der
Ausübung der Tätigkeiten zu lassen.
Wie überall macht eben auch bei der industriellen
Beschäftigung die Erfahrung, die sich der Handarbeiter
aneignet, enorm viel aus, und es ist unbedingt zu
empfehlen, sie zu benutzen. Bei den modernen Ar:
beitsverfahren, namentlich in der Massenproduktion,
bleibt dem einzelnen ohnehin nur wenig Gelegenheit.
Initiative und Erfindungssinn zu betätigen.
Vielleicht ist es hier am Platze, auch über die
Fließarbeit zu sprechen, die jetzt in immer weiteren
Maße auch in Deutschland zur Anwendung kommt, so
zwar, daß bald alle Betriebe, die Massenartikel erzeugen.
 zu ihrer Einführung einfach gezwungen sind

Die Meinungen über ihre Zweckmäßigkeit gehen ju
vielfach noch auseinander. Immerhin kann es als feststehend
 betrachtet werden. daß es mit ihrer Hilfe
zejlungen ist, die Fabrikalion typisierter Erzeugnisse
ır einer Weise zu verbilligen. wie es vorher kaum
‘ur möglich gehalten worden ist. Der Ausschuß für
Wirtschaftliche Fertigung gibt folgende Definition der
FließBarbeit: „Sie ist eine örllich fortschreitende. zeitich
 bestimmte, lückenlose Folge von Arbeitsgängen,“
Schon aus dieser Definition geht hervor, daß die
"ließarbeit Gemeinschaftsarbeit im besten Sinne des
Wortes ist, denn nur durch das verständnisvolle
Zusammenwirken aller beteiligten Faktoren ist es mögich,
 diese lückenlose Folge von Arbeitsgängen zu
erzielen. die das Wesen der Fließarbeit ausmacht
3s ist irreführend, wenn so oft gesagt wird, daß das
seelenlose laufende Band das wesentliche dabei ist.
Zs gibt Fließarbeit ohne jedes Band, und andererseits
wird das schönste Band zu keiner Fließarbeit führen,
wenn es nicht von dem Geiste des Führers geleitet
wird und wenn die Arbeiter, die an ihm schaffen,
ıaicht durch bewußtite Anpassung das Zusammenspiel
>rmöglichen, das die Voraussetzung des Erfolges Ist,
Habe ich schon vorher gesagl. daß die qualitalive
Zeislung eines Betriebes im höchsten Maße von der
zewissenhaften ÄArbeitsvorbereitung abhängt, so erfor.
jert die Fließarbeit in dieser Beziehung wesentlich
nehr als die gewöhnliche Massenanferligung und setzl
zanz besonders umsichtige Führer voraus. Auch das
ist ein Beweis dafür, daß die FlieBßarbeit, weit enlfernt,
lie Menschen zu bloßen Maschinenteilen zu machen.
ange Wechselbeziehungen zwischen dem Denken und
Wollen der einzelnen schafft. Unlier den Einwendunzen,
 die gegen die Fließarbeit erhoben werden, hört
nan off die Behauplung der vorzeitigen Ermüdung
Dieser Vorwurf ist vielfach berechtigt, und bei der
zroßen Bedeulung, welche der Uebermüdung des Ar
beiters aus allgemein menschlichen und betriebswirt-;chaftlichen
 Erwägungen heraus zukommt, muß die
“ührung durch zweckmäßige Einleilung der einzelnen
3riffe hier abzuhelfen suchen. Tut sie das nicht, dann
zann der durch die Steigerung der Arbeitsintensilät
ınd der Produktion erzielte privatwirtschaftliche Gexinn
 volkswirtschaftlich einen großen Verlust bedeun
en; durch den vorzeiligen Kräfteverbrauch der Ar
jeiter, der schließlich in einer Herabsetzung ihres
Zrwerbsallers zum Ausdruck kommt, werden Gefahren
jeraufbeschworen. die um so größer sind. als man
zerade bei der Arbeit am laufenden Band die einretende
 Vebermüdung nicht so deutlich merkt wie
bei schweren KEinzelarbeilen. Bei letzteren erkennt!
nan an der Miene und Haltung des Arbeiters, wenn
2r überanstrengt ist. Bei der oft sehr einseitigen
Tätigkeit am Bande aber werden nur einzelne Fähigzeiten
 besonders beansprucht, was von dem Beschäftigüigten
 oft gar nicht als Ermüdung gespürt, sondern
nur als eine allmähliche Herabsetzung der Lust an
Jer Arbeit empfunden wird. Deswegen soll der Führer
            
Waiting...

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