das Vernachlässigen von Krankheitserscheinungen, Solange
noch schwere Schädigungen der Gesundheit vermieden
werden können. In allen diesen Dingen haben
wir uns bisher ängstlich gehütet, einzugreifen. Bei
dem im Werden begriffenen neuen Werksgemein:
schaftsgeist muß sich unsere Sorge auch darauf erstrecken,
und auch die Werksleitung wird von solchen
Dingen Kenntnis nehmen und gegebenenfalls helfend
eingreifen müssen. Ich nenne dann noch, soweil ich
nicht bei meinen weileren Ausführungen näher darauf
zu sprechen komme, das häufige Vorhandensein ungünsliger
technischer Betricbszuslände, Es ist in dieser
Beziehung ja schon vor dem Kriege sehr viel gelan
worden, und die Pflicht. hier Abhilfe zu schaffen, ist
bei allen Beteiligten in geringerem oder höherem Maße
anerkannt. Es ist aber eine unbestreitbare Tatsache,
daß in dieser Beziehung in den meisten Fabriken
noch sehr viel zu verbessern ist, und es ist ein erstrebenswerles
Ziel für alle, hierin immer weitere
Fortschritte zu machen, Sie als Betriebsleute wissen,
welche nachteilige Wirkung große Staubentwicklung,
übermäßige Hitze oder Kälte, Zugluft, schlechte Beleuchtung.
unreinliche Aborte, fehlende Garderoben,
mangelhalt instand gehaltene Sicherheitsvorrichtungen
und dergleichen auf die Arbeit haben.
Wie vollzieht sich nun die Arbeit im Büro oder
in der Werkstatt, wenn alle Faktoren in der oben besprochenen
Weise vorbereitet sind und ihr Streben
auf ein möglichst harmonisches Zusammenwirken gerichtet
ist? Jeder einzelne Arbeiter, ganz besonders
aber die Führer werden nicht ohne sorgfältige Veberlegung
an eine Arbeit gehen, Schen auf dem Wege
zur Arbeitsslätle wird man seine Gedanken für sein
Tagewerk sammeln. In vielen Betrieben besteht deswegen
die Einrichtung. daß das letzte Signal 5 Minuten
vor Arbeitsbeginn gegeben wird, damit alle noch etwas
Zeit haben, sich für die Arbeit vorzubereiten. Die
allgemeine Einstellung des Denkens auf die Arbeil
ist aber nur die Vorsiufe zu der gründlichen und gewissenhaften
Ueberlegung, die jeder besonderen Aufgabe
vorausgehen muß. So Sselbstverständlich eine
solche Forderung klingt, so selten wird sie geübt, und
so wenige wissen, um wieviel sie sich und anderen die
Arbeit erleichlern können, wenn sie dieser so einleuchtenden
Forderung immer mil der nötigen Gründlichkeit
nachkommen würden. Ich spreche gar nicht
von höheren Angestellten, die vielleicht grundlegende
Umstellungen des Betriebes oder wesentliche Aenderungen
des Produklionsprozesses vorzunehmen haben,
was ohne sorglältigste gedankliche Vorbereilung von
vorneherein zum Scheitern verurteilt wäre, sondern
ich meine die leider oft nicht genügende geislige
Durcharbeilung der Tagesaufgaben, die unseren
Meistern, Vorarbeitern und auch den Arbeitern selbst
obliegen. Ein Abteilungsleiter, der schon vor Beginn
der Arbeit überdacht hal. wem er am besten diese
oder jene Verrichtung zuteilen wird. in welcher
Reihenfolge die einzelnen am Tage zu bewältigenden
Aufgaben in Angriff zu nehmen sind. wie er Schwierigkeilen,
die sich geslern zeiglen, heute zu vermeiden
gedenkt. ein solcher wird immer im Vorteil sein
gegenüber jenen, die derartige Erwägungen aus Unkenninis
oder Bequemlichkeil nicht anstellen. Zur
Vorbereitung der Arbeit gehört weiter. daß man gleich
nach dem Betreten der Arbeitsstätte rasch den Arjeilsplalz
in bezug auf Ordnung und Sauberkeit überarüll.
Wir alle, ob wir nun am Schreiblisch, am
Zeichenbrett oder sonstwo schaffen, wissen, welche
A\rbeitserleichterung es bietel, wenn wir unseren Arjeitsplulz
übersichtlich gestalten und in peinlicher
Ordnung halten, Darum gilt als weitere wichtige Fordesung:
Sauberste Ordnung schon vor Beginn der Arbeit!
Wie überall, zeig! sich auch hier, daß der einzelne
ıllein ohnmächlig ist, und nur das verständnisvolle
Zusammenwirken aller die Erfüllung der Grundforde-“ungen
der Gemeinschaftsarbeit ermöglicht. Es wird
-. B. für den einzelnen beim besten Willen unmöglich
sein, seinen Platz rein und ordentlich zu hallen, wenn
ar von seinem Vorgeseizten dabei nicht unterstützt
wird, durch entsprechende Anlage der Arbeitslische,
lurch Anbringen von Behältern für Abfälle und derzeichen,
wie es sich eben nach der Eigenart des
Betriebes ergibt. Eine andere vorbereitende Tätigkeit
zehörl der Veberprüfung der Betriebsmittel und des
Materials bzw. der Halbfabrikate, die zur Verarbeitung
sxommen sollen. -—- Ich werde wohl nicht falsch verlanden,
indem man annimml, zu dieser Vorbereitung
sei eine längere Zeit erforderlich. Alle diese eben
ingeführten Tätigkeiten müssen durch eine planmäßige
Schulung und Erziehung zu einer selbstverständlichen,
'ast unwillkürlichen Arbeit geworden sein, die nur
\ugenhlicke erforderl. Wie so vieles, was ich Ihnen
zu sagen habe, klingt auch diese Forderung nach
sorgfältiger Arbeitsvorbereitung dem einen als selbstverständlich,
dem anderen als überflüssig und zwerckos.
Prüfen Sie sich aber genau. so werden Sie
‚sehen, daß eine gewissenhafle Arbeilsvorbereitung ein
wichtiges Mitlel ist, um bei einem möglichst geringen
seelischen und körperlichen Kräfteverbrauch ein Masinum
an Leisiung zu erzielen.
Nun die Arbeit selbst! Wie unendlich viel läßt sich
über diesen Gegenstand sagen, vom dem für Jeden
in der Industrie Täligen sehr oft seine Gesundheit,
seine und seiner Angehörigen Kxistenz, sein ganzes
'ück abhängt. Wir können diesen wichtigen Faktor in
ınserem Leben gar nicht oft und eingehend genug
studieren und die Bedingungen erforschen, unter denen
sich fasl ein Drittel des Lebens eines Erwachsenen ab-;pielen
soll. Vom Standpunkt der Gemeinschaftsarbeil
ıus slelle ich als erste Forderung, daß sich jeder
rei und bewußt dem Organismus, den jede Werkstalt,
ede Büroabteilung bildet, eingliedert. Es ist vielleicht
ine der schlimmsten Hemmungen harmonischen Zujaammenwirkens,
daß die meisten Arbeiler sich einem
Zwang ausgeseizt fühlen, daß sie unter dem Druck
les Abhängigkeitsgefühls leiden, das durch das ungeschickte
Verhalten mancher Vorgesetzien nüch verjeft
wird. Erleichtern Sie deshalb Ihren Leuten wäh-‚end
der ganzen Arbeil dieses Sicheinfühlen in den
rganismus als vollwertiges Glied und vermeiden Sie
ede ostentative Hervorkehrung Ihrer übergeordneten
stellung. Eine weilere Forderung lautet: Pflegliche
Zehandlung des Mailerials und des Arbeitsproduktes.
ch erkenne den gulen Arbeiter immer an der Art
und Weise, wie er mit dem Gegenstand seiner Arbeit
umgehl. Wer Material vergeudel, wem es — abgesehen
von einer eventuellen Strafe -— gleichgültig ist.
ob sein Werkstück durch mangelhafte Arbeit verldorben
wird oder nicht, kann nie gute Leistungen
vollbringen. Schluß folgt,
Anırlicher Teil
Einladung zur 6. Vollsitzung der Handelskammer
am 16. Oktober 1928.
Der Präsident unserer Handelskammer, Herr Luitwin
von Boch, Mettilach, hat auf Dienstag, den
16. Oktober 1928, nachmittags 41 Uhr, eine
m Sitzungssaale des Hauses Saarindustrie, Saarbrücken 3,
Königin-Luisen-Straße 33, stattfindende Vollsitzung anberaumt,
der folgende vorläufige Tagesordnung zugrunde
Tegt‘
4.
Zenehmigung der Niederschrift über die letzte
itzung.
Vorbereitung der Handelskammerwalhlen 1928, Wahl
les Wahlkommissars,
Aussprache über die allgemeine Lage.
Zntwicklung der Wirtschaftsbeziehungen des Saaryebietes
mit dem übrigen Deutschland und mit
Frankreich.
Zollfragen. — Unregelmäßigkeiten in den Zollbe:
sleitpapieren beim Versand nach dem Saargebiet
Zerkehrs- und Tariffragzen