Full text : 33.1928 (0033)

werden, unablässig an der fachlichen Weiterbildung
zu arbeiten. Sie werden sich dadurch nicht nur
ihre Aufgabe gegenüber ihren Untergebenen ganz wesentlich
 erleichtern, sondern auch die innere Befriedigung
 an ihrer Berufsarbeit in einer Weise erhöhen,
daß sie zu einer wirklichen Freude wird.
Manche Vorgesetzie, die die Arbeitsvorgänge gul beherrschen,
 besitzen kein Dispositionstalent, Die Verluste,
 die dadurch entstehen, daß der Vorsteher einer
größeren Abteilung nicht rasch und richtig zu über:
sehen vermag, was in den oft blitzschnell eintretenden
neuen Situationen zu verfügen ist, sind enorm, Sie
schaffen Unzulriedenheit bei der Werksleitung und
untergraben die Autorität eines solchen Führers im
Betrieb.
Ein anderer, häufig vorkommender Fehler ist der
Mangel an Menschenkenninis, Kine Folge dieses Mangels
 ist es zunächst, daß nicht jeder auf den Platz
gestellL wird, auf den er nach seiner Veranlagung
gehört. denn trolz der Auswahl durch die Fähigkeilsfeststellung
 bleibt dem Meister immer noch die Aufgabe,
 die unlerschiedlichen Fähigkeiten der einzelnen
richtig zu werlen und in’dem organischen Zusammenspiel
 der Kräfte, das eine gut geleitele Ableilung
zeigen soll, zweckmäßig zu benützen. Aus der richligen
Menschenkennlinis ergibt sich dann auch von Selbst
lie richlige Menschenbehandlung, Ein Führer, der
nicht imstande isl, zu erkennen, ob der oder jener
seiner Untergebenen bestimmte Neigungen, Empfindlichkeit,
 Ehrgeiz oder Gleichgültigkeit besitzt. wird unfehlbar
 im Laufe der Zeit munche Zusammenstöße
mit seinen Untergebenen haben, für die er vielleicht
vergeblich eine Ursache sucht, die sich aber aus seiner
mangelnden Menschenkenninis und deswegen der Unfähigkeit,
 die Leute richtig zu behandeln, ohne weiteres
ergibt. Selbstverständlich ist es. daß sich der Führer
von einem strengen Rechtsgefühl leiten 1äßt und alle
persönlichen Sympathien und Anlipathien gegenüber
dem einen Ziel, gedeihlicher Zusammenarbeil, hintenanselzl,
 Das Gefühl, ungerecht behandell worden zu
sein, verbillert den Arbeiter, und das um so mehr,
je lüchtiger er ist und je höher er im fachlicher
und moralischer Beziehung steht. Weil wir alle Menschen
 sind, wird es natürlich niemals ausbleiben, daß
wir in der drängenden Hast der Tagesarbeit unsere
Selbsibeherrschung zeitweise verlieren und cin allzu
schnelles um dabei auch ungerechtes Urteil fällen,
das den Belrollenen verletzen muß. Ich nehme bei
solchen Anlässen niemals Anstand, das Opfer meiner
V’ebereilung bei nächster Gelegenheit auf die Seite
zu nehmen und ihm eine Erklärung abzugeben. Ich bin
überzeugt, daß man, wenn man das tiut, weniger an
Autorität einbüßt, als wenn man den Untergebenen in
der verbititerten Stimmung läßt. Wenn ich hier öfters
von Uniergebenen und Vorgesetzten spreche, so tue
ich dies, weil diese Ausdrücke nun einmal gang und
gäbe sind, will damit aber nicht ein scharfen Trennungssirich
 zwischen dem Führer und der übrigen
Belegschaft zichen, ganz im Gegenteil halte ich die
amerikanischen Zustände für erstrebenswert, wo ein
Geist der Gleichheit und Kameradschaftlichkeit die
ganze Werksgemeinschaft erfüllt, und wo es auch
dem an untergeordnetster Stelle Stehenden jederzeit
möglich ist, Wünsche und Beschwerden bei der
obersten Leitung vorzubringen. Alles in allem soll
aber der Führer ein in sich gefestigter, tatenfroher,
slets hilfsbereiter Mensch sein. der, selbst durchdrungen
 von Arbeitsfreude und Pflichtgefühl, imstande
ist, diese Eigenschaften auch auf andere zu über-Iragen.
 Dabei will ich auch nicht vergessen, auf die
Wichtigkeit eines geordneten Privatlebens hinzuweisen,
Wenn der Führer seinen Straßenanzug mit dem Arbeilskittel
 vertauscht, kann er nicht zugleich den
Menschen, wie er in der Gesellschaft und Familie
sich zeigt, wechseln. Achtung und Bereitwilligkeit,
sich seiner Leitung anzuvertrauen, wird sich leicht
derjenige verschaffen, der den Ruf eines tiüchligen
Bürgers, eines vorbildlichen Familienvaters mil ins
Büro oder in die Werkstatt bringt. Bei cinem Vorgesetzten
 dieser Art gründet sich seine Stellung als
Vertreler der Werksdisziplin von selbst auf das moralische
 Ansehen und ist damit unantastbar.
Wenn ich zunächst von Führern sprach, so ist es
loch klar. daß auch an den in untergeordneter Posiion

 Schaffenden Anforderungen gestellt werden müs-‚en,
 ohne deren Erfüllung eine gedeihliche Zusammenırbeit
 nicht möglich ist. Wie wir alle wissen, koemnen
 ab und zu Leute vor, bei denen die Arbeitsfreude
beinahe gleich Null ist. Es mag das verschiedene Ur-;achen
 haben. Vielleicht daß der Betreffende eine
zanz mangelhafte Erziehung genossen hal und ein verzsommener
 Mensch ist. Manchmal ist diese Arbeitsinlust
 zurückzuführen darauf, daß der Arbeiter wegen
“chlens oder schlechten Funklionierens der Kignungsrüfung
 für die ihm zugewiesene Beschäftigung nicht
augl, daß seine Körperkonslilulion der Schwere der
\rbeit nicht gewachsen ist, oder daß er, besonders
xvenn er geislig lebhaft isl, unter der Einförmigkeit
seiner Beschäftigung leidet, daß gewisse Fähigkeiten
el ihm nicht voll ausgebildet sind una er ueswegen
ılcht imstande ist, gule Arbeit zu leisten und ständig
Xontlikte mit dem Meister hat und dergleichen mehr.
"edenfalls soll in allen diesen Fällen der Führer soort
 der Sache auf den Grund gehen und je nach
lem Resultate seiner Untersuchung ihn entweder an
seinen richtigen Plalz stellen oder aus dem Betriebe
>nlfernen. Mit besonderer Aufmerksamkeit müssen
wir irachten, auch gerade den Handarbeitern cine
ıöhere Auffassung von der Berufsarbeit beizubringen:
Allerdings ist das eine Forderung, von der ich glaube,
laß sie trolz ihrer Wichtigkeit sich nicht so bald
vird verwirklichen lassen. Die besonderen Umstände,
inter denen der Arbeiter sein Tagewerk vollbringt,
jeine untergeordnete Stellung in der Werkshierarchie,
lie ständige Sorge um das lägliche Brot, die zahlosen
 Mühen und Kämpfe, die sich im Dasein eines
\rbeiters immer noch härter auswirken als bei Anzehörigen
 anderer Volksschichten, wird eine solche
\ulfassung von der Arbeit nur schwer und ersl mit
ler Besserung der allgemeinen Arbeitsbedingungen
intreten lassen. Nichtsdestoweniger muß unablässig
lahin gearbeitet werden, daß sie allmählich von der
Seolc des Arbeiters Besitz ergreifl, denn sie Ist eine
wesentliche Vorausselzung für seine freiwillige und
ıngebungsvolle Einfühlung in den Rahmen der Geneinschaftsarbeit.
 Auch hier will ich noch auf die
zroße Wichligkeit des Privatlebens hinweisen, Eine
vergeudung der Kräfte durch übermäßigen Alkoholzenuß,
 unmoralischen Lebenswandel und dergleichen
nachen einen Menschen zu jeder, auch der geringsten
Arbeil schließlich unfähig, wie im Gegenteil sportliche
Zetäligung in der freien Zeit, gule Bücher und Zeiungen
 jeden, auch den Geringsten, in seiner Leistung
1eben. Ich erwähne diese Sachen nur kurz. weil Sie
wahrscheinlich schon in anderen Vorträgen des nähe-:;en
 darauf aufmerksam gemacht worden sind, sie
nüssen aber ins Gedächtnis gerufen werden. weil sie
'on eminenter Wichtigkeit für das gemeinsame Schaft-'en
 im Werke sind, und weil wir alle ihre Bedeutung
ıns nicht oft genug klar machen können, um bei jeder
zelegenheit unseren Einfluß auf unsere Mitarbeiter in
lem angedeutelen Sinne auszuüben. Wenn uns das
zelingt und wir alle einmal grundsätzlich geistig so
)ingestellt sind, wie ich es oben ausführle, haben wir
änen großen Teil der Schwierigkeiten, die uns heule
»in reibungsloses Arbeiten unmöglich machen, beseiigl.
 Jeder wird dann seinen Platz in der Werksordung
 richtig ausfüllen, nicht als Herr oder Knecht,
sondern alle als Gleiche unter Gleichen, nur daß der
ine andere Funklionen auszuüben hat als der andere,
Bevor ich. auf den Arbeitsprozeß näher eingehe,
veise ich noch auf einige Hemmungen hin, die jetzt
ıllgemein als eine Privatangelegenheit der Angestellien
der Arbeiter betrachtet werden, denen wir aber in
Zukunft auch unsere Aufmerksamkeit widmen müssen.
[ch habe vorhin die Hilfsbereitschaft als eine der
wichtigsten Eigenschaften des Führers wie des Ar-Jeitskameraden
 bezeichnet. .
Es wird sich immer Gelegenheit finden, auch in
jrivaten Angelegenheiten mit Rat und Tat zu helfen,
venn es nollul, und damit jene Hemmungen zu beseiligen,
 die in äußeren Umständen ihre Ursachen
haben, z. B. in schlechten Familienverhältnissen. Ein
Mann, der von schweren familiären Sorgen gedrückt
ist, kann weder als Führer noch als Arbeiter die
;echle Lust am Schaffen haben und gute Leistungen
vollbringen. Ich zähle weiter hierher ungesundes Woh-1en.,
 mangelhafte Kleidung, unzwerckmäßige Ernährung
            
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