Full text : 33.1928 (0033)

Was zunächst das Saargchie(l anbelangl, so geljen
 die oben gemachten Einschränkungen, Innerhalb
 des preußischen Saargebietes beirug der Binnenverkehr
 1913 3364502 Tonnen, innerhalb der
baverischen Pfalz 108 625 Tonnen, dazu trelen weitere
146531 Tonnen, die von der bayerischen Pfalz ins
Saargebiel versandt wurden, so daß der Gesamtbinnenverkehr
 des Saargebietes für das Jahr 1913, jedoch
nach den heutigen Grenzen berechnet, auf 36196538 1
zu veranschlagen ist, Diese Rechnung stimmt nicht
bis auf die Tonne, da sich bei dem Binnenverkehr
der bayerischen Dfalz nicht rennen läßt, was auf
die heute zum Saargebiel gehörende Saarpfalz und
was auf die übrige Pfalz entfallen ist. Doch spielt dies
praktisch auch keine große Rolle, Während der
Binnenverkehr der bayerischen Pfalz dem des heutigen
Saurgehieles zugeschlagen worden ist, ist auf der
anderen Seite der Kohlenversand des preußischen
Saargebieles nach der bayerischen Pfalz in Höhe vor
859425 L als Versand in die heutige ‚verkleinerte,
bayerische Pfalz belrachtet und der Anteil der Saar:
pfalz daran, die sich ja zum Teil aus eigenen Gruber
versorgen. könnle, außer acht gelassen worden. Wir
haben also das Bild, daß auf das gesamte Saargebie!l
ein Binnenverkehr von 3,6 Millionen Tonnen im Jahre
1913 gegenüber 4,1 Millionen Tonnen im Jahre 1925,
1,5 Millionen Tonnen im Jahre 1926 und 4,9 Millionen
Fonnen im Jahre 1927 entfällt. Der gesteigerte Kohlenverbrauch
 des Saargebieles ist in erster Linie auf die
Eisenhülten zurückzuführen. die zur Steigerung ihrer
Roheisenerzeugung (1913 1.37 Millionen Tonnen, 1927
1,77 Millionen Tonnen’ einen wesentlich größeren
Kokskohlenbedarf haben, Leider vermißt man gerade
hier die früher von der preußischen Verwaltung herausgegebenen,
 sehr instruktiven Statisliken über die
Verteilung der Saarkohle nach Verbrauchergruppen.
Kelrachten wir nunmehr die Absatzmärkte der Saarkohle
 im übrigen Deutschland, so zeigt sich
auf den ersien Blick der gewaltige Rückgang der
Saarkohle seit 1913 in sämtlichen Verkehrsbezirken,
Insgesamt gingen 1913 4010829 t von der Saar
nach dem übrigen Deutschland (ohne Elsaß-Lothringen),
 1925 jedoch nur 1052510 t, 1926 864159 tiund
1927 1207871 t, d. h. ein Viertel und weniger der
Vorkriegsmengen, Nehmen wir als wichtigsten den
süddeutilschen Markt heraus und stellen wir
den Ziffern von 1913 die von 1927 gegenüber, die
immerhin noch ein günstigeres Bild als die von 1926
ergscben. wo infolge des englischen Bergarbeiterstreiks
eine Drosselung der Saarkohlenausfuhr stattfand. Wir
erschen dann folgendes Bild:
1913 1927 >
Bayerische Pfalz . 869 425 426 738
Freislaal Hessen ‚ausschl. Oberhessen)
 319 281
Freistaat Baden 665 356
Mannheim und Ludwigshafen 125 541
Freist, Württemberg mit Hohenzollern
 671 109 157 388
Südbayern 244 940 51689
Nordbavern 228 291 76 430
3123943 1068838
Die Saarkohle behauptet also heute auf dem süddeutschen
 Markt nur noch ein Drittel ihres früheren
Absatzes. Verhältnismäßig am besten schneidet noch
lie bayerische. Pfalz ab. wo der Kohlenabsatz
von 869000 L auf 427000 tt, d. h. um die Hälfte
Zurückgegangen isl, Die bayerische Pfalz ist nicht
nur wegen ihrer dem Saargebiet benachbarten Lage
der slärkste Saarkohlenverbraucher, sondern hat gegenwärtig
 als besetztes Gebiet auch ein monatliches
Einfuhrkontingent von 100000 1 Saarkohle, das aller-Uings
 nicht voll ausgenutzt wird. Dem gegenüber beläufl
 sich das Saarkohlenkontingent für das übrige
Deutschland nur auf 33 000 t monatlich. Erschreckend
ist der Rückgang des Saarkohlenabsatzes im Treistaat
Hessen /ausschl. Oberhessen}) von 319 000 t auf
38000 t, also ein Achtel von 1913. Hier zeigt sich
besonders deutlich, wie wichtig es wäre, der Saarkohle
 in der Verwandlung als Ferngas einen neuen
Absatzmarkt zu schaffen. Der Anteil des Freistaates
Baden ist von 665000 t auf 270 000 t zurückgegangen,
der des Verkehrsbezirkes von Mannheim-Ludwigshafen
 von 126000 t auf 48000 t. Besonders

ıngünstig liegen die Verhällnisse bei Württemberg
ınd Bayern. Im Freistaat Würltemberg mit
lohenzollern behauptet die Saarkohle mit 1537000 t
heule weniger als ein Viertel der 671000 Tonnen
von 1913. In Südbayern beträgt das Verhältnis
zwischen heute und früher schon beinahe 1:5, das
heißt 52000 t gegen 245000 t. Nordbayern
schließlich verbraucht gegenwärtig nur noch 76000 t
zegen 228000 ı 1913. Ucber 2 Mill Tonnen
sind der Saarkohleaufdem süddeutschen
Markl verloren gegangen.
Außer dem süddeutschen Markl behauplete die Saarkohle
 früher noch drei größere Absatzmärkte im
\brigen Deulschland, in Thüringen, in der Provinz
dessen-Nassau mit Oberhessen und in der Rheinprovinz
 links des Rheins, Wie sicht es heute dort
1us?
1913 1927
Reg.-Bezirk Merschurg, Erfurt
und Thüringen 16412 1 550
Prov. Hessen-Nassau u, Oberhessen
 395 013 8 995
Rheinprovinz links des Rheins
USW. 444162 126 013
885 587 136 558
Das Verhältnis liegt hier noch ungünsliger als in
Süddeutschland. Aus den Regierungsbezirken Merse-.
urg, Erfuril und aus Thüringen ist die Saarsohle,
 die dort früher mit 46000 1 eine anschnliche
Stellung behauptete, so gut wie ganz verschwunden. In
ler Provinz Hessen-Nassau und in Oberı1ecssen
 siehl es nicht besser aus. Dort wurden
'rüher nicht weniger als 395000 1 Saurkohle abgejetzt.
 Das Jahr 1927 verzeichnet hingegen nur 9000 1.
In der Rheinprovinz links des Rheins schließlich
hat sich das Verhältnis etwa in demselben Maße wie
in Süddeutschland verschoben, d. h. der Absatz ist
von 4414000 t auf 126000 t zurückgegangen.
Fragt man nach den Kräfteverschiebungen,
lie sich aus dem Rückgang der Saarkohle ergeben
ıaben, so wird man gerade bei den letztgenannten drei
verkehrsbezirken auf das gewallige Anwachsen des
3Zraunkohlenverbrauchs hinzuweisen haben,
Die Braunkohle, deren Förderung in Mitteldeutschland
vie im linksrheinischen Revier ganz außerordentlich
>niwickelt worden ist, halt zweifellos in weitem Um-’ange
 den Platz der Saarkohle eingenommen, So hat
lie Rheinprovinz links des Rheins ihren Braunkohlenyezug
 gegenüber 1913 verdoppelt. Anders liegen die
Dinge in Süddeutschland. Dort dürfte. wie Dr. Jüngst,
Zssen, in seinem Aufsalz über das Ruhrrevier in der
‚Deutschen Bergwirtschalt der Gegenwarl‘ kürzlich
‚estgestellt hat, die Ruhrkohle an die Stelle
ler Saarkohle geireten sein. Die Verkehrsbezirke
 Baverische Pfalz, Baden, Mannheim usw., Würtemberg
 und Bayern erhielten nach Jüngst 1913 6,2
lillionen Tonnen Ruhrkohle, das sind 34,841 00 des
3esamtkohlenempfangs dieser Bezirke, 1925 dagegen
3,1 Millionen Tannen oder 45.930. Nach einer
ın derselben Stelle enthaltenen Zahlentabelle hal sich
ler Anteil der Ruhrkohle am Gesamtkohlenempfang
zu Lande und zu Wasser der nachstehenden Verkehrsjezirke
 von 1913 auf 1925 wie folgt erhöht: In der
yaverischen Pfalz (ohne Ludwigshafen) von 5,92%
auf 8,14 0%, in Baden (ohne Mannheim: von 28,28 00
auf 37,25 9%, in Württemberg von 10,08 0% auf 22,2900,
in Südbayern von 14,95 0% auf 20,16% und in Nordjavern
 von 18,24% auf 32,81%. Diese Feststelungen
 von maßgeblicher Seile verdienen alle Beıchtung.
 Berücksichtigt man ferner, daß das Ruhrzebiet
 im Jahre 1927 14 Millionen Tonnen mehr
ıls im Jahre 1925 gefördert hat, so dürfte sich gegenwvärlig
 das Verhältnis noch stärker zugunsten der
Ruhrkohle verändert haben. Daneben haben natürlich
auch noch andere Kohlengebiete von dem Ausfall
ler Saarkohle profitiert.
Das vorstehende Ziffernmaterial zeigt zur Genüge,
wie dringlich das Problem der Rückgliederung
 der Saarkohle in die deutsche
Kohlenwirischafit ist Dr.C
            
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