Full text : 33.1928 (0033)

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Entwicklungsmöglichkeiten der$chwachstromtechnik
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und das saarländische Postwesen.
Schnellfernsprechverkehr; Automatisierung des Fernsprechers,
Vortrag, gehalten von Herrn Direktor Ernst Siegfried, i. Fa. Saar Brown Boveri A.-G., Saarbrücken
in der Vorstandssitzung des Wirtschaftlichen Vereins am 1. Oktober 1928

‚Meine schr gechrien Herren!
Sie werden es alle schon als eine erhebliche geschäftlliche
 Benachteiligung empfunden haben. daß wir
hier bezüglich des Telephonverkehrs sehr viel ungünsliger
 gestellt sind als die Firmen im übrigen
Deulschland oder in anderen Ländern.
Man kann beispielsweise eine Fernverbindung nach
Zürich oder Basel oder einem anderen größeren Orle
jer Schweiz von Frankfurt oder Mannheim regelmäßig
in zirka einer Viertelstunde bekommen, während wir
hier auf solche Gespräche slundenlang warlilen müssen
uud dann auch nar mit größter Mühe mit den größeven
 Dlätzen sprechen können. Mit den kleineren
Orten ist aber eine Voersländigung überhaupl nicht
möglich. Es Ist ohne weiteres klar. daß uns eine
solche Tatsache bei längerem Andauern geschäftlich
erheblich schädigen muß.
Sie wissen alle, daß der Begründer des Hanses
Rolhschild sein Vermögen erwarb durch die Ueberlegenheit
 seines Nachrichtendienstes. und so ist es
ohne weiteres klar, daß man umgekehrt geschäftlich
eine große Schädigung orfährt. wenn man bezüglich
des Nachrichtendienstes schlechler gestellt ist als die
Konkurrenz,
Es ist deshalb interessant und wichlig. einmal in
großen Zügen den heutigen Stand der Nachrichten
lechnik zu beleuchten,
In Deutschland hat man sich den Ausbau der Fernkabel
 schr angelegen sein lassen. Dieser ist stark gefördert
 worden durch den Ausbau der Höchstspannungs-Starksirom-Netze,
 die mit den großen elektrischen Fe]
dern, die sie um sich herum erzeugen. natürlich eine
erhebliche Störung der Telephonie und Teilegraphie
herheiführen, Auf fast allen Kongressen der deutschen
Elekirotechnik wurde von seiten der Postverwaltung
lebhafl Klage geführt über die durch die Starkstrom-Technik
 verursachten Störungen. Die Post verlangte
inmmerfort. daß die Höchstspannungs-Leitungen so gebaut
 würden, daß die Telephonie und Telegraphie
nicht gestört wird, während umgekehrt die ausübende
Technik auf dem Standpunkt stehi, daß der Forischrilt
nicht gehemmt werden dürfe und daß die Posi nach
neuen Mitteln sinnen müsse, um die Telephonie und
Telegraphie der Beeinflussung durch die Starkstrom
Technik zu entziehen, So entslanden die Fernkabel
Ks sind in Deutschland rund 8000 km Fernkabei
eingebaut, die einen wesentlichen Bestandteil des
europäischen Fernkabel-Netzes darstellen. Der Vorteil
des Kabels ist. daß alle atmosphärischen Einflüsse.
Gewiller, Regen, Schnee, Rauhlrost usw., ausgeschaltel
sind und daß außerdem auf jegliche Entfernung in
Europa absolut klar gesprochen werden kann. Durch
die direkl eingebauten Verslärker-Stalionen wird eine
Satzversländigung für alle Entfernungen von etwa 99
bis 100 Prozent erzielt, Es wird dieses dadurch erreich!.
 daß die Dämpfung. welche an sich durch die
Länge des Kabels hervorgerufen wird. in entsprechenden
 Absätzen durch Verstärker-Stationen aufgehoben
wird. Sie sprechen daher auf einem solchen Fernkabel
 selbst auf Entfernungen bis zu 1000 km deullicher
 als oft auf cine Entfernung von nur 100 km,
die aber mit oberirdischer Zuleitung versehen ist,
Außerdem haben diese Fernkabel noch den besonderen
Vorleil, daß man, ohne sehr große Mehrkosten, auch
eine besondere Kabelader für Wechselsirom-Tele-Sraphie
 vorschen kann, die außerordentlich
leistungsfähig ist. Auf diesen Kabeladern können für
jede Kabelader bis zu 12 Telegrammen gleichzeitig
übermittelt werden, und zwar geschicht dieses in der
Weise, daß man für die Uebermitilung der einzelnen
Pelegramme jeweils verschiedene Freauenzen wählt

die sich überlagern. Diese Frequenzen haben eine
zrößenordnung von 300 bis 2000 Hertz. das heißt
Schwingungen in der Sekunde, Man kann also auf
liesem breiten Schwingungsraum die Frequenzen mil
len genügenden Abständen unterteilen, um so eine
‚orzügliche Störungsfreiheil zu erreichen. Außerdem
jesteht noch die Möglichkeit, die Fernsprech-Doppel-Ader
 noch dazu zu benutzen. um auf der
zleichen Leitung auch noch Telegramme abjenden
 zu können, ohne daß sich Telegraphie und
“erngespräch gegenseilig slörend beeinflussen, Es wird
lieses dadurch erreicht. daß man für die telegraphische
Jebermiltelung auf einer Fernsprech-Kahbel-Ader einen
jendestrom verwendet zwischen 0 und 300 Hertz.
ainen Schwingungsbereich, der für die menschliche
Ssiimme nicht in Frage kommt,
Wie Ihnen bekannt, ist seit längerer Zeit ein Fernsabel
 projektiert, das von TFrankfurt a. M. über Darm-;tadt,
 Worms, Kaiserstaulern, Saarbrücken, Metz,
Nancy nach Paris laufen soll. Mit der Ausführung
lieses Kabels hätten wir den so lange ersehnten Anschluß
 an das große europäische Kabelnetz, Zu diesem
Zwecke müßte nalürlich in Saarbrücken ein besonderes
verstärker-Amt geschaffen werden. -- Mit dem Bau
lieses Kabels wäre die Frage des Anschlusses, soweil
 die Stadt Saarbrücken in Frage kommt, gelöst.
m wirtschaftlichen Interesse unserer gesamten Saarwirlschaft
 aber liegt es, daß auch die kleinen Orte,
lie doch recht erhebliche Industrie besitzen, diesem
niernationalen Verkehr angeschlossen werden, Ich
zomme darauf später noch zurück.
Unabhängig von diesen großen Fernverbindungen,
3at sich in Deutschland noch eine andere Entwicklung
vollzogen, und das ist die Entwicklung der sogenannien
schnell-Verkehrs-Neize. Diese Schnell-Verkehrs-Netze
aaben die Aufgabe, den kleinen Fernverkehr in einen
Sofortverkehr umzuwandeln, dergestalt, daß der
Teilnehmer mit dem Hörer am Ohr auf die Ausführung
ler von ihm gewünschlen Fernverbindung warlen
kann, Es ist also so, als wäre der betreffende Schnellverkehrs-Bezirk
 zu einem großen Ortssprechnelz ver
>Xnigt, In Deutschland bestehen heute folgende Schnell
verkehrsnetze:
Rheinland-Weslfalen-Nelz. von Düsseldorf bis
Dortmund;
Kölner Netz:
Oberlausitzer Netz:
1. Oberschlesisches Netz:
5. Berliner Netz und
6. das Frankfurter Netz.
ch habe hier nur die wichtigsten aufgezählt. Es ist
nöglich, daß noch einige andere hinzukommen. +—
Die Entwicklung gehl auf alle Fälle dahin. den
Schnellverkehr auf immer größere Entfernung auszulehnen,
 z. B. denkl man an einen Schnellverkehr
zerlin— Hamburg, an einen Schnellverkehr Frankfurt—
Jannheim usw. — Es wird Ihnen allen hier sehr
ınangenchm aufgefallen sein, daß man oft auf eine
verbindung Saarbrücken--Neunkirchen ebenso lang
varten muß wie auf eine Verbindung Saarbrücken—
‚Jannheim., Das sind natürlich Zustände, die auf die
Jauer nicht Aragbar sind, — Die Verhältnisse hier
ijegen durchaus ähnlich den Verhällnissen im rheinischvesllälischen
 Industriegebiet oder dem oberschleischen
 Gebiel, Es herrscht hier ein Ähnlich
’eger Fernsprechverkehr wie in den obengenannten
zebieten, und es ist daher die Planung eines Schnellverkehrsnelzes
 unbedingt erforderlich, — Ich betonte
ichon eingangs meines Vortrages, daß wir wahrscheinlich
 in nicht allzu ferner Zeit große Umwälzun
‚en in der Starkstirom-Technik hier haben werden
            
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