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Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß die
Zrzeugung großer Strommengen die saarländische Industrie
n ihrem Kampf um den Absatz und die rationelle Verwertung
des wichtigsten Rohprodukts äußerst vorteilhaft
unterstützen würde,
In kaum einem Kohlengebiet Deutschlands ist das
Verhältnis zwischen minderwertiger und hochwertiger
Kohle so ungünstig wie im Saargebiet, Das an sich
schon sehr schwierige, für die Kohlenindustrie aber äußerst
vichtige und daher auch in neuester Zeit von ihr energisch
angefaßte Problem der möglichst restlosen Verwertung der
jür den Transport weniger geeigneten Ahfallkohle ist für
das Saargebiet daher eine Frage von ganz eminenter Be-Jeutung.
Durch die Stromerzeugung in größerem Ausmaß
könnte ein ganz erheblicher Prozentsatz dieser minderwertigen
Kohle an Ort und Stelle in hochwertige
Energie umgewandelt werden. Vielfach ist in dem Streit
der Meinungen darauf hingewiesen worden, daß die in
jen Kraftwerken verfeuerten Kohlen nur einige wenige
Prozente der CGesamterzeugung der Saargruben ausmachten.
Sin derartiger Hinweis geht aber vollständig an dem
Kernpunkt des Problems vorbei. Ausschlaggebend ist nicht
jder Anteil des Verbrauches der Zentralen an der Ge-;amterzeugung,
sondern der Anteil an der Abfallkehle,
Aehnlich verhält es sich mit der Einwendung, die Kraftwerke
an der Saar würden die Konkurrenz mit den großen
Zentralen im rheinischen Braunkohlengebiet und an der
Ruhr nicht bestehen können, weil letztere eine vorteilhaftere
Kohlenbasis hätten. Dem ist entgegenzuhalten,
laß 1. die Stromtransportkosten von den nördlichen
Kohlenbezirken bis zur Saar schon recht erheblich sind,
und 2, die Saargruben es in der Hand haben, den Kraitwerken
für die ÄAbfallkohle den Preis so zu bemessen, daß
lieselben konkurrenzfähig sind. Eine nur einigermaßen
zünstige Verwertung der Abfallkohle ist aber immerhin
ıoch weit besser als gar keine Verwertung. Schenkt man
schon ganz allgemein der Organisation der Elektrowirtschaft
wegen ihrer hervorragenden Bedeutung für die
Entwicklung unserer gesamten Volkswirtschaft die allerzrößte
Aufmerksamkeit, dann hat das schwer um seine
wirtschaftliche Existenz ringende Saarland aus den anzeführten
Gründen erst recht alle Veranlassung, seine
zünstige Position auf diesem wichtigen Gebiet so weit
wie nur eben möglich auszuwerten. Es ist alles zu beseitigen,
was der Entwicklung des Stromabsatzes hinlernd
im Wege steht. Die günstigsten Vorbedingungen
ıützen nichts, wenn Erzeugung und Verteilung nicht so
virtschaftlich wie nur eben möglich gestaltet werden,
Die Neuorganisation und der Aufbau der Elektrowirtschaft
des Saargebietes müssen im wesentlichen drei
Hdauptziele verfolgen,
ı. Entwicklung des Stromabsatzes durch gesicherte, ausreichende
und preiswerte Belieferung der Bevölkerung,
des Gewerbes und der gesamten Industrie. 2. Verwertung
jer in den CGruben- und Hütten-Werken anfallenden
Abfallenergien, sowie die Unterstützung der Grubenund
Hüttenzentralen durch Zusatzstrom nach Bedarf.
3. Die richtige Eingliederung des Saargebietes in die gesamte
Energie-Wirtschaft im Interesse einer möglichst
zroßen Stromausfuhr.
Die Lösung dieser Aufgaben bedingt:
die rationelle Gestaltung der Stromerzeugung:
1) durch vollständige Verschmelzung der vorhande-1en
öffentlichen Kraftzentralen,
durch Zusammenarbeiten und technisch einwandireie
Verkupplung der öffentlichen Zentralen mit
den Gruben- und Hüttenwerken unter gegenzeitiger
Bindung durch langfristige Verträge für
die Uebernahme der Abfallenergie und die Zusatzbelieferung,
durch den Bau einer 100 000-Volt-Station im
Schwerpunkt der Krafterzeugung und die Herstel.
ung von 100 000-Volt-Leitungen von dieser Zenrralstation
nach der einen Seite bis Homburg und
ı1ach der anderen Seite bis Mettlach zum Zwecke
ler Stromausiuhr;
rationelle Gestaltung der Stromverteilung:
durch Zusammenfassung der gesamten Verteilungsanlagen,
insbesondere der Hochspannungsanlagen,
in einer Hand und planmäßige Umgestaltung und
schrittweisen Ausbau des gesamten Hochspannungsnetzes
nach einem einheitlichen Plan unter
Umwandlung der verschiedenen Hoch- und Mittel
;pannungen in eine einheitliche Hochspannung unG
ine einheitliche Mittelspannung für das ganze
Gebiet, um eine einwandireie und genügend sichere
Belieferung aller Konsumenten, namentlich aber
der Groß-Verbraucher, zu gewährleisten,
durch Schaffung einer zentralen Verwaltung und
Betriebsführung, die allen Anforderungen gewachsen
ist,
c) durch Anschluß möglichst sämtlicher gewerblichen
und industriellen Betriebe an das öffentliche Stromverteilungsunternehmen,
d) durch Einführung günstiger und einhetilicher Tarife
für das ganze Versoryungspebiet.
Heute arbeitet im Saargebiet eine Vielheit von Zenralen
— vier Orubenzentralen, zwei und mit Homburg
‚ogar drei kommunale Werke und außerdem die Werke
auf den Hütten — vollständig unabhängig, man kann
uhig sagen, planlos nebeneinander. Wohin das führt, zeigt
oleende Zusammenstellung:
/arhandere
Fenne
vironth;
7 ‘7
‘er
WW ırden
Sac HS
Homburo
Höchste
Jahresbelasiung 1927
13000 kW
22000 kW
9000 kW
13.000 kW
22500 kW
45300 kW
® v 6000 kW
213 400 kW 90.000 kW
Von der in den einzelnen Zentralen installierten Gejesamlleistung
wird demnach nicht einmal die Hälfte bei
ler allergrößten Sritzenbeanspruchung ausgenutzt, Das rührt
laher, daß jedes einzelne Werk Neubeschaffungen und
irweiterungen nicht lediglich nach dem augenblicklichen
Zedarf bemessen kann, sondern mit den gängigen Ma-Chinentypen
und mit der im Lauf der nächsten Jahre
u erwartenden Steigerung rechnen muß. Jede Zentrale
nuß ferner genügende Reserven bereithalten, um gegen
le Arten von Betriebsstörungen voll gerüstet zu sein. Die
etzt vorhandene Maschinen- und Kesselleistung würde
elbst unter Einrechnung einer Reserve von 50 000—60 000
Cilowatt genügen, um rund 200 Millionen Kilowatt-Stunlen
im Jahre über den heutigen Bedarf hinaus zu ereugen.
In Saarlouis beispielsweise mit einer installierten
Aaschinenleistung von 17900 kW waren im Jahre 1926,27
‚ur Befriedigung der gesamten Maximal-Beanspruchung
ıur während einer Viertelstunde 4690 kW und während
;iner halben Stunde nur 4200 kW erforderlich. Trotz
lieses Uehermaßes von Gesamtleistung leiden infolge der
Zersplitterung zahlreiche Orte, insbesondere alle diejenigen,
lie auf die Grubenzentralen allein angewiesen sind, oft
ın großer Betriebsunsicherheit und zeitweise sogar an
‘ollständigem Stiommangel, da die Grubenzentralen in
ırster Linie für den reinen Grubenbedarf arbeiten und die
ffentliche Stromversorgung für sie nur ein Nebengeschätt
st. Systemlose Kapilalinvestierung und unsichere Betriebs-‚erhältnisse
sind nur ein Teil der üblen Folgen dieser
Zersplitterung. Dazu kommt, daß ein nicht unbeträchticher
Teil der Energie in verhältnismäßig kleinen Kraft.
verken hergestellt wird, die vielfach mit veralteten Anagen
arbeiten, während in den großen modernen Werken
ranz beachtliche Leistungen vollständig unbenutzt dajegen.
Die kleinen Werke sind zur weitgehendsten Mehanisierung
und fortlaufenden Modernisierung ihrer Beriebe
weder finanziell in der Lage, noch lohnen sich
jei dem kleinen Umsatz die hierzu erforderlichen Ausvaben,
Die ungünstige Ausnutzung des investierten Anagekapitals,
der große Kohlenverbrauch pro Kilowattstunde,
die verhältnismäßig hohen sonstigen Betriebsınd
Verwaltungskosten führen dazu, daß die kleineren
3Zetriebe vielfach die doppelten, ja sogar die dreifachen
Zrzeugungskosten wie moderne Großkraftwerke haben.
Ein Zusammenarbeiten der einzelnen Zentralen mit den
sroßen benachbarten Ueberlandwerken zum Zweck der
stromausfuhr ist ausgeschlossen. Keines der vorhandenen
Werke ist allein in der Lage, Strom in solcher Höhe
zur Verfügung zu stellen, daß sich der Bau von kost-‚pieligen
Hochspannungsleitungen auf weite Entfernungen
ohnt. Eine Vielheit von selbständig arbeitenden Betrieben
rschwert überdies das Zusammenarbeiten mit Dritten
lerart, daß es praktisch gar nicht durchführbar ist.
Die Ausfuhr kann nur ein einheitlich und genügend stark
yestalteter Energieträger in die Hand nehmen. Das Fehlen
jieser Vorbedingung ist auch der Grund, weshalb die