)
Stöpsel hingegen liegen Zollerhöhungen vor. Bei den
Flaschen werden diese Erhöhungen allerdings durch
:»ine Ermäßigung des Zolles für dieselben Flaschen mit
:äinem geringen Raumgehalt ausgeglichen. Die Gegenleistung
für die Zollerhöhung bei Collodium legt in
der in einem Notenwechsel festgelegten Verpflichtung
Frankreichs, für dieses Erzeugnis kein Einfuhrverbol
zu erlassen. Zu einer solchen Maßnahme wäre Frankreich
berechtigt gewesen, da das Collodium Gegenstand
eines französischen Staatsmonopols ist.
Durch diese Wünsche der französischen Seite wurde
lie deutsche Delegalion veranlaßt. von der ursprünglichen
Absicht der Vermeidung ratifikationsbedürlftiger
Aenderungen abzuweichen und die im zweiten Teil des
Protokolls festgelegten Abänderungen vorzubringen und
Jurchzuführen. So wurde die im Abkommen vom
17. August 1927 Frankreich gewährte Zollfreiheit für
Irische Bananen dahin beschränkt. daß diese Zollfreiheit
nur solange gelten soll, als nicht ein anderes
‘and einen Vertragszollsatz für diese Position bekommt.
Für natürliche Gerbstoffauszüge, ein wichtiges
Vorprodukt für die deutsche Lederindustrie, wurde
lie Zollfreiheit gewährt. Für Schuhe aus Leder im
Gewichte von 1200 g und weniger wurde die Zollbindung
beseitigt, eine Maßnahme, die im Hinblick auf
lie Ueberflutung des deutschen Marktes mit tschechischen
Schuhen von großer Bedeutung sein kann. Die
Gegenleistung für diese Beseitigung der Bindung ist
in der Gewährung einer Zoliherabsetzung für einige
Arten von Schuhen aus Gespinsten zu erblicken. ferner
in einigen Erleichterungen bei der Einfuhr von Geweben
für die Möbel- und Zimmerausstattung und der
Vereinfachung der Bestimmungen über die Vorlage
des acquit regional bei der Einfuhr von Kognak
Endlich sind in einer Reihe von Notenwechseln
vgl. Nr. 29 der „Saar-Wirtschaftszeitung‘“ Tarifieungsvorschriften
für einige Waren bei der Einfuhr in
las französische Zollgebiet, insbesondere für Klinker,
>hotographische Apparate, automatische Schmierappa-‘ate,
Apparate für die Untersuchung und Anwendung
on X-Strahlen, vereinbart worden,
Wie bereits oben ausgeführl. war die Ungewißheit
ler Einreihung einzelner Waren unter die Positionen
les Zolltarifes der Ausgangspunkt für die zuletzt geührlten
deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlun-‚sen.
Wenn es auch gelungen ist, für eine ganze
zieihe von Fällen Klarheit zu schaffen, so darf man
ıicht vergessen. daß Wünsche. die auf eine weiters‚reifende
Abänderung der Bestimmungen des Augustıbkommens
hinzielten, nicht vorgebracht worden sind;
lenn es erschien nicht zweckdienlich, nach so kurzer
Zeit ein grundlegendes Handelsabkommen bedeutenlen
Abänderungen im Wege des Gesetzes zu unterverfen.
Es ist auch zu beachten, daß auch in Zusunft
Unklarheiten bei der Tarifierung anderer Er-‚eugnisse
entstehen können und wohl auch schon ent-;tanden
sind. So wäre es zu begrüßen. wenn Verıandlungen,
wie sie im Juni in Paris geführt worden
ind, von Zeit zu Zeit wiederholt würden, um nach
‚Jöglichkeit alle Schwierigkeiten, die im Zollverkehr
wischen beiden Ländern auftauchen, zu beseitigen und
lamit der Förderung des beiderseitigen Warenausausches
zu dienen. Ganz besonders wäre hierbei zu
vünschen, daß in diesen Verhandlungen auch den
Zedürfnissen der Saarwirtschaftskreise Rechnung geragen
werden könnte, um die jetzt bestehenden Betinımungen
des Saarzollabkommens den Erfordernisen
der Saarwirtschaft weiter anzupassen.
Flektrifizierung der elsass-lothringischen Eisenbahnen?
Von Dr W. Cartellieri. Saarbrücken
Seit einiger Zeit wird von den elsaß-lothringischen
Wirtschaftskreisen lebhaft die Forderung nach Elektrifizierung
der elsaß-lothringischen Eisenbahnen erhoben.
Den Anstoß zu dieser Bewegung gab einmal die Inangriffnahme
des Kembser Kraftwerkes, das die erste
Siufe des elsässischen Rheinseitenkanals ‘Grand Canal
d’Alsace) bilden soll. Man verweist darauf, daß in etwa
vier Jahren dieser Bauabschnitt vollendet sein soll und
damit die Notwendigkeit erwachse, Absaiz für den
anfallenden Strom zu finden. Zur Ausbeutung des
Kembser Kraftwerkes ist bekanntlich von den oberelsässischen
Kraftwerken ‘Forces Motrices du Haut
Rhin) eine eigene Gesellschaft, die „Energie du Rhin“
zegründet worden, deren Aklien bemerkenswerterweise
281% mal überzeichnet wurden, Auf der anderen Seite
>ntspringen die LElektrifizierungspläne dem Bestreben,
sich von Deutschland in dieser Hinsicht nicht über-Nügeln
zu lassen, Man verfolgt mit großer Aufmerksamkeit
des Ausbau der elektrischen Bahnen im Reich
und insbesondere in Süddeutschland. Ganz besondere
Beachlung haben die Ausführungen gefunden, die
seinerzeit Reichsbahndirektor Wechmann auf der
Aektrotechnischen Tagung gemacht hat. Ganz offen
kommt in Elsaß-Lothringen die Befürchtung zum ÄAus-Iiruck,
daß eine Elektrifizierung der badischen Bahnen
nicht nur eine Abwanderung des Verkehrs von den
:]saß-lothringischen Eisenbahnen, sondern auch von
der französischen Rheinschiffahri bewirken würde, Die
bedeutendste Einwirkung erwarlet man von einer Elektrifizierung
der Linie Basel—Frankfurt, durch die der
internationale Verkehr auf das rechte Rheinufer abgelenkt
würde. Gegenüber der größeren Schnelligkeit
und Bequemlichkeit der elektrischen Eisenbahnen glaubt
nan dann auf den eisaß-lothringischen Bahnen, die
noch durchweg auf Dampfbetriecb beruhen, nicht mehr
konkurrieren zu können. Man prophezeit bereits eine
lurchgehende große deutsche Rheinlandlinie mit elektrischem
Betrieb von Essen an nach Basel mit Anschluß
an das dortige elektrische Netz, wodurch der
Reise- und Güterverkehr von England und Holland bis
nach Italien unter Umgehung Elsaß-Lothringens sich
ıbwickeln würde.
Die Handelskammer zu Straßburg hat infolgedessen
zegen Ende vergangenen Jahres eine Entschließung ge-’aßt,
die die Ausarbeitung eines Gutachtens über die
Zlektrifizierung der elsaß-lothringischen Eisenbahnen
n technischer, wirtschaftlicher und finanzieller Hin-;icht
fordert. Die Direktion der elsaß-lothringischen
Sisenbahnen und das Ministerium der öffentlichen Ar-»eiten
sollen gemeinsam an diese Aufgabe herangehen.
n der Begründung des Antrages wird auf die Notvendigkeit
verwiesen, den deutschen Elektrifizierungs-»länen
auf dem rechten Rheinufer etwas Gleichvertiges
entgegen zu setzen, um nicht ins Hintertreffen
au geraten. Die Einrichtung des elektrischen Betriebes
ıuf den Bahnen rechtferiige sich sowohl durch die
Dichtigkeit des Verkehrs auf den großen Linien, wie
lurch das Vorhandensein zahlreicher, für diese Beriebsart
besonders geeigneier Gebirgsstrecken (Vosesentäler).
Die Straßburger Handelskammer sicht eine
Möglichkeit zur Verwirklichung dieses Projektes nur
ınter Zuhilfenahme deuischer Sachlieferungen, da sonst
ıuf lange Zeit hinaus die Durchführung kaum möglich
arscheine. Diesem Standpunkt der Straßburger Wirt-;chafiskreise
hat sich die Handelskammer zu Mülı1ausen
im März dieses Jahres voll angeschlossen. Auch
lie große französische Fachpresse beschäftigt sich inensiv
mit dem Projekt. Insbesondere ist es die „Jour-16e
Industrielle‘, die wicderholtl in Leitartikeln auf
lie Wichtigkeit der Frage hinweist.
In Frankreich selbst hat die Elektrifizierung der
Zisenbahnen in den letzten Jahren unverkennbare
“ortischritte gemacht. Allerdings hat sich das im Jahre
‚920 aufgestellte Generalprogramm für die Elektrifizie-‘ung
der Bahnen bei weitem noch nicht in dem danals
geplanten Umfange durchführen lassen, weil die
“inanznöte des Landes die Aufbringung so bedeutender
;littel unmöglich machten. Verwirklicht ist die Elekrifizierung
vor allem bei zwei Eisenbahngesellschafen,
dem Paris-Orleans-Netz und dem Midi-Neltz, in
<leinerem Umfange auch bei dem Staatsbahn-Netz.
ı\uf dem Netz Paris—Orl6ans ist die Ausstattung der
.inie Paris—-Vierzon fertiggestellt, diese Arbeiten solan
demnächst bis Brive weilergeführt werden. Weiter