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Post.
Die Bedeufung richtiger Briefanschriften für Publikum
und Past
„An der Aufschrift sind Empfänger und Bestimmungsori,
Dei großen Orten auch Straße und Hausnummer, deutlich
und so bestimmt zu bezeichnen, daß jeder Ungewißheit
vorgebeugt wird. Die Lage nicht allgemein bekannter
Irte mul näher bezeichnet werden. Bei Sendungen nach
Orten ohne Postanstalt ist die Postanstalt anzugeben, von
ler die Sendung zugestellt wird oder abgeholt werden
soll.“
Mit diesen Worten mahnt die Postordnung für das
5aargebiet die Postbenützer, Postsendungen‘ richtig zu
bezeichnen. Die Bedeutung richtiger Briefanschriften für
Publikum und Post wird am besten beleuchtet, wenn
man sich die Nachteile mangelhaft bezeichneter Postsendungen
für Publikum und Post vergegenwärtigt.
Im Saargebiet wird durchschnittlich jede Stunde eine
Brieifsendung eingeliefert, auf der überhaupt kein Emplänger
angegeben ist, Diese Briefe werden dem Absender
unverzüglich zurückgegeben, sofern er erkennbar ist. Es
st gut, Umschläge und Postkarten stets mit der Absenderangabe
zu versehen, Ist der Absender äußerlich nicht
erkennbar, so müssen die Briefe an die Oberpostdirektion
(Rückbriefstelle) eingeschickt werden, wo ein besonders
verpflichteter Beamter sie öffnet, um den Absender festzustellen,
damit die Sendung zurückgegeben werden kann.
Doppelt so groß etwa ist die Zahl derjenigen Sendungen
ıus den Briefkasten, auf denen kein Bestimmungsort
angegeben ist.
Rund zwei Stunden Arbeit täglich verursachen die
Sendungen bei denen der Bestimmungsort zweifelhaft
bezeichnet ist. So gibt es z. B. im Saargebiet zwei, in
Jer Rheinprovinz fünf Orte „Limbach“, im Deutschen
Reich neun Postorte und noch zahlreichere Landorte
„Neunkirchen‘‘, abgesehen von dem häufigen Vorkommen
Jieses Namens auch in Oesterreich und in Elsaß-Lothringen,
in der Rheinprovinz nicht weniger als 38 Ortsbezeichnungen
Lind, Linde und Linden usw. Unleserliche
Schrift oder unrichtige Schreibweise (Hausweiler oder
HMeusweiler, Labach oder Lebach, Homburg oder Hamburg
der Homberg) und manche andere kleine Unrichtigkeit
können Zweifel auslösen oder Fehlleitungen verursachen,
Wieviele Briefe sind nicht schon untergebracht worden,
bei denen die Ortsangabe nur phonetisch angedeutet war
iz. B. solche aus dem Ausland an hier beschäftigte Ausländer).
Wenn wenigstens gewisse Anhaltspunkte gegeben
sind. wird die Post versuchen, den Brief ohne Verzögerung
zu befördern; manchmal sind Straßenbezeichnungen
und dergleichen angegeben, die auf den Charakter des
Ortes (wie Hochofenstraße) oder auf seine Lage zu
anderen Örten (Altheim -— Buchenerstraße — in Baden)
schließen lassen. Auch aus Berufs-, Behörden- oder Anstaltsbezeichnungen
sind Rückschlüsse möglich. Nicht alle
Sendungen mit zweifelhatter Ortsangabe jedoch können
versuchsweise zur Beförderung zugelassen, viele müssen
trotz mühevollen Suchens dem Absender zurückgegeben
werden. Im Saargebiet gelangen täglich rund 200 derartige
Sendungen an den Absender zurück, bei denen in
125 Fällen auch die versuchte Unterbringung nicht gelungen
war.
Aus den bisherigen Darlegungen ist die Notwendigkeit
»rsichtlich, daß die genaue Angabe des Bestimmungsortes
unerläßlich ist und daß mangelhafte Ortsangabe der Post
viel unnötige Arbeit, dem Absender aber Verdruß und
Schaden bereitet.
Eine ebenso wichtige Rolle spielt die Angabe des
Zmpfängers; sie muß deutlich und so bestimmt sein, daß
‚eder Ungewißheit vorgebeugt wird. Leider entsprechen
viele Aufschriften diesen Bedingungen nicht. Nahezu 2000
Briefsendungen täglich verursachen der Postverwaltung im
Saargebiet infolge irgendwelcher Unzulänglichkeit besondere
Arbeit und nehmen mehrere Kräfte voll in Anspruch,
Allein beim Postamt Saarbrücken 3 und beim Teleyraphenamt
erfordert die Wohnungsermittelung nach dem
A\dreßbuch durchschnittlich 14 Arbeitsstunden pro Tag.
Auch das ortskundigste Verteilpersonal kann in großen
Orten der Straßenangabe und der Hausnummer nicht ent--aten,
Das Einwohnerbuch gibt nicht immer genügend Aufchluß,
weil die Empfängerangaben zu dürftig sind. So
nüssen täglich mehrere hundert Briefe mit ungenügendeı
Aufschrift vor Beginn der Zustellung zwecks Feststellung
verlesen werden, ob etwa ein Zusteller die Wohnung anzeben
kann. In der Großstadt Saarbrücken dauert dieses
äglich zwar nur eine Viertelstunde, aber rund 80 Kräfte
nüssen dem Verlesen aufmerksam folgen; das ergibt
+ X 80 = 20 Arbeitsstunden oder 2!» Kräfte, Im Saarzebiet
werden auf diese Art rund 300 Sendungen täglich
intergebracht.
Führt weder das Nachschlagen von Adreßbüchern noch
las Verlesen vor den Zustellern zur Ermittelung des
Zmpfängers, so wird die Ermittelung auch noch durch das
Zinwohnermeldeamt versucht. Täglich werden bei rund
‚00 Sendungen im Saargebiet auf diese Art die Empfänge:
»rmittelt. Die Gänge zum Meldeamt nehmen ebenfalls
nsgesamt fast eine ganze Arbeitskraft in Anspruch. Zur
Zeruhigung argwöhnischer Gemüter sei versichert, daß die
jendungen selbst dem Einwohnermeldeamt oder der Poli.
zeibehörde nicht einmal gezeigt werden dürfen,
Trotz alledem jedoch bleiben infolge unvollständiger
Zmpfängerangabe täglich noch rund 300 Sendungen unzu-.
;tellbar müssen umgezeichnet und an den Absender
zurückgesandt werden,
Bisher sind die Schwierigkeiten gekennzeichnet, die
zu wenige, zu dürftige Angaben bereiten. Im folgenden
;eien die Zweifel behandelt, die gewisse Empfängerbezeichı1ungen
auslösen.
An erster Stelle sind unleserliche Schrift oder fremd-‚prachige
Abfassungen zu nennen. Im Entzitfern von
schriftzeichen ist das Auge des ständig im Sortierdiens{
‚erwaändten Beamten, der fast jede Sekunde eine neue
ındere Handschrift zu Gesicht bekommt, äußerst geıbt.
Wird das Wortbild trotzdem nicht sogleich erfaßt,
;o werden die betreffenden Sendungen zunächst beiseite
zelegt und in den Arbeitspausen erneut geprüft, Aeußersi
‚elten kommt es vor, daß Unleserlichkeit den Grund
ür die Rückgabe an den Absender bildet, wenn auch die
Zrmittlung des Empfängers zeitraubend ist. Wenn fremd:
prachige Briefaufschriften Zweifel auslösen, so werden
lie Briefe sprachkundigen Beamten vorgelegt. Dennoch
»Meiben Schwierigkeiten. Wie lautet z. B. die Ueber-;etzung
von „Banque de Commerce‘? Kommerz- oder
tandelsbank? Im internationalen Verkehr soll das Publi-<um
die Aufschrift in lateinischen Schriftzeichen an->ringen
und die Sprache so wählen, daß keine besonderen
Vachforschungen notwendig sind. Es empfiehlt sich, das
Zestimmungsland in der Sprache des Aufgabegebietes
lie zusätzlichen Empfängerangaben (außer Familienname‘
edoch in der Sprache des Bestimmungslandes abzufassen
Die Entzifferung unleserlicher Schritten sowie das Ueber
etzen fremdsprachiger Aufschriften beanspruchen im Saar:
zehiet je 2 Stunden iäglich, also eine halbe Kraft.
Ein besonderes Kapitel sind seit Einbeziehung des Saarzebietes
in das französische Zollgebiet die französischen
Zirmenbezeichnungen, die handelsgerichtlich nicht einzetragen
sind. Das Bemühen des Kaufmanns, mit seinem
<unden oder Lieferanten in dessen Sprache zu verkehren,
1at dazu geführt, daß manche Firma sich eine französische
Zezeichnung zugelegt hat, während im hiesigen Handels-‚egister
nur die deutsche eingetragen ist. In den wenigsten
7ällen ist diese selbstgewählte französische Bezeichnung
ine wörtliche Uebersetzung der handelsrechtlich geschützten
deutschen. Man hat sich auf lange Zeit mit
3riefbogen und Umschlägen eingedeckt, die diesen Aufiruck
tragen. Der französische Geschäftsfreund benutzt
lie Anschrift; für die Post entstehen erhebliche Schwierigceiten.
Vor dem Ciehrauch von Bezeichnungen, die wedeı
ine wörtliche Uebersetzung der deutschen Firmenbezeichung
darstellen noch handelsgerichtlich eingetragen sind,
<ann deshalb nicht eindringlich genug gewarnt werden.
Sehr groß ist die Zahl der Sendungen, deren Aufschrift
Zweifel über den richtigen Empfänger auslöst. Hierher
zehören in erster Linie gleich- oder ähnlichnamige Empänger,
insbesondere Firmenbezeichnungen. Ferner hat
ich leider der Uebelstand stark eingebürgert, daß die
iußere Beanschriftung von Briefen sogar in bedeutenden
Jjeschäften weniger geübten Kräften überlassen wird. Auf
len Umschlag wird meistens nur die innere Anschrift
‚om Brief selbst übertragen, die so knapp abgefaßt ist,
laß der Durchschlag gerade noch für die eigene Geschäfts-‚egistratur
genügt. Vielfach wird auch dem Schreibnaschinenpersonal
beim Diktat kaum genügend Zeit zur
vollständigen und buchstabengenauen Wiedergabe deı
Adresse gelassen. . Wie selten wird ein Unterschied