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Die Geschältslage des saarländischen
Landesproduktenhandels im Geschäftsjahr 1927/28.
Anläßlich der letzten Generalversammlung der Pro-Juktenbörsce
wurde außer dem Verwaltungsbericht auch
äjn Bericht über die wirtschaftliche Lage der einzelnen
Handelszweige erstattet, den wir, soweit er weitere Kreise
nteressiert, zum Abdruck bringen. Die Ausführungen
sind auf Grund der Preisnotierungen und mit besonderer
Unterstützung verschiedener Firmen zusammengestellt.
Getreide. Um die Bedeutung des Getreidehandels
zu erkennen, dürfte es interessieren, zunächst die Zahlen
der saarländischen Eigenerzeugung als auch die der Einjuhr
kennenzulernen. Wirklich zuverlässige Zahlen sind
nun, da das Saargebiet von Frankreich, von woher die
Aaupteinfuhr herrührt, durch eine Zollgrenze nicht
abgetrennt ist, nur schwer zu erhalten. Immerhin
konnten wir feststellen, daß im Jahre 1926 — jüngere
Zahlen waren leider nicht zu erhalten — eingeführt
wurden (in Doppelzentner):
Weizen Roggen Hafer Gerste
aus dem Reich 27 630 21 510 2.220 20
aus sonst, Ländern 105 370 53010 102 290 895 720
133 000 74520 104 510 86 740
Für 1927 konnten nur die Einfuhrzahlen aus dem Reich
aus der deutschen Außenhandelsstatistik festgestellt werden,
nämlich: Weizen 12960 dz, Roggen 22490 dz, Hafer
3680 dz.
Die Eigenproduktion der saarländischen Landwirtschaft
wird nach Angabe sachverständiger Stellen im Durchschnitt
wie folgt eingeschätzt werden dürfen: Weizen
177480 dz, Roggen 316620 dz, Hafer 135000 dz, Gerste
59000 dz, Kartoffeln 134000 dz.
Diese sicherlich beachtenswerte Eigenerzeuzung
der einheimischen Landwirtschaft zeigt, daß zwar
mehr Getreide im Saargebiet erzeugt als eingeführt,
daß aber auch mehr als die Hälfte der einheimischen
Erzeugung in den Wirtschaften der Produzenten verfüttert
wird, da die Mehrzahl der hiesigen landwirtschaftlichen
Zetriebe als Nebenbetriebe auf die Deckung des Eigenaedarfs
eingestellt sind und die heimische Erzeugung sonst
am Markt kräftiger in Erscheinung treten müßte.
Die Geschäftslage im Getreidehandel für die Zeit
von Juli 1927 bis Ende Juni 1928 war bei Beginn der
Ernte bestimmt von den Befürchtungen und Klagen hinsichtlich
der vielfach abfallenden Qualitäten. Besonders
Deutschland und Frankreich hatten bei dem FEinernten
übermäßig viel Regenfälle, so daß man im Monat
August zunächst außerordentlich pessimistisch hinsichtlich
der Verwendungsfähigkeit war. Die Mühlen konnten viele
der damals angedienten Partien als Mahlgut nicht
verwenden, so daß eine gewisse Knappheit herrschte.
So kam es, daß der Preis für Roggen im August
mit durchschnittlich 140 Fr. für die Zeit und in Anbetracht
der Qualität reichlich hoch war. Gerade zu
lamaliger Zeit wurde recht viel deutscher Roggen hierher
gehandelt, welchem Geschäft aber bald die französische
Zollerhöhung vom 3, September und 17. November 1927
ein Ende machte.
Aehnlich lagen die Verhältnisse für Weizen, auch hier
zunächst hohe Preise, die unier dem Eindruck der reichlicher
herauskommenden Mengen und der mit der Dauer
der Lagerung sich bessernden Qualität nur allmählich gesenkt
werden konnten. Während am 8. September 1927
für Weizen neuer Ernte 164 Fr. für einheimischen — und
170 Fr. für französischen — noticrt war, setzte sich im
Laufe der nächsten Wochen ein Preisrückgang bis auf
147/153 Fr. durch, und dies trotz uJer am 3. September
1927 in Kraft getretenen Zollerhöhung, die also den
Schutz der Landwirtschaft, d. h. die Hochhaltung der
Inlandspreise, nicht brachte; erst die am 17. November
1927 eingetreiene zweite Zollerhöhung hatte eine Preiserhöhung
allerdings nur geringen Umfanges im Gefolge.
Die Preise pendelten bis zum Frühjahr für Weizen um
150 Fr. für Saarweizen, 155/160 Fr. für französischen
Weizen und 125/127 Fr. für Saarroggen und 135 Fr. für
'ranzösischen Roggen.
Die Zufuhren waren ursprünglich hauptsächlich aus
Lothringen, von Februar 1927 ab aus Innerfrankreich. Vom
März ab sind die Getreidepreise dann bis auf 185 Fr. für
Weizen und 138 Fr. für Roggen angezogen, wohl nur
jurch Beeinflussung amerikanischer Notizen, die im Frühahr
aus heute noch unbekannten Ursachen angezogen
ıatten. Merkwürdigerweise sind die hiesigen Preise dem
Mitte Mai scharf zurückgehenden amerikanischen Markt
ıcht unmittelbar gefolgt, sondern konnten sich bis zum
Schlusse des Jahres fast unverändert halten. Die Ursache
lieser Sietigkeit dürfte wohl in erster Linie darin zu
:uchen gewesen sein, daß die einheimischen Qualitäten,
lie zuletzt herauskamen, doch den Ansprüchen, die an
Mahlgut gestellt werden müssen, gerecht wurden und
laher bessere Preise bedingten. Selbstverständlich lichteten
ich gegen Schluß des Erntejahres auch in Frankreich die
/orräte, so daß die Nachfrage aus Kreisen der Mühlen
tets das Angebot aufwog.
Das Geschäft in Ausiandsgetreide spielte sich
veniger auf der Börse ab. Nach wie vor ist durch die
Zurtaxe d’entrepöt Antwerpen der Platz für die hiesigen
Käufe, Es hat an Versuchen der Mannheimer Firmen
zur Belieferung des Saargebietes auch in der Berichtszeit
ıcht gefehlt, indessen läßt die Surtaxe einen Wettbewerb
on Rotterdam--Mannheim von vornherein aussichtslos
rscheinen.
Zusammengefaßt ist das abgelaufene Börsenjahr
für den Getreidehandel wohl kein
ıngünstiges gewesen, da es von unvermittelten Preiszinbrüchen
verschont war. Wieweit der einzelne Händler
auf der richtigen oder verkehrten Seite lag, als im März
die Erhöhung einsetzte, ist naturgemäß hier nicht Zzv
untersuchen.
Hafer und Futtergerste sind mit Erscheinen
der neuen Ernte im Herbst 1927 saisonmäßig billiger
veworden und eröffneten für neue Ware für Futtergerste
mit 130138 Fr., für Hafer mit 122.127 Fr. Auf dieser
Notiz hielten sich die Artikel bis Mitte März, wo dann
inter dem Eindruck der knapper werdenden Vorräte
beide Artikel auf 150 Fr. heraufgingen,
Für das Mühlengewerbe und den Mehlhanlel
eine Beurteilung der Geschäftslage zu geben, erscheint
nit Rücksicht auf die verschiedenen Qualitäten der Mehle
jedenfalls rein auf Grund der Preisnotizen nicht leicht
möglich, Es seien daher, um die Bedeutung dieses Handelszweiges
ins rechte Licht zu rücken, zuerst einig«
Zahlen über den Bedarf des Saargebietes wiedergegeben
Fs wurden an Mehl eingeführt 1926:
a) aus Frankreich 2
b) aus Deutschland ; 8 © ;
c) Erzeugung auf Grund der Getreideeinfuhr
bei 60% Ausmahlung . .
d) Erzeugung aus der eigenen Ernte (geschätzt)
BR . M8000
e) Einfuhr auf der Landstraße (geschätzt) 120000 ,,
f) Einfuhr per Schiff (geschätzt) . . . 100000 __,,
8345 830 Sack.
was einem Verbrauch von zirka 70000 Sack im Monat
;ntsprechen würde. Wenn die Schätzungen auch den
Nert der Zahlen herabmindern, so dürfte eine wesentliche
Verschiebung jedoch kaum im Bereich der Möglichkeit
ijegen.
Auch für Mehl waren in derselben Zeit und in der
zleichen Wellenbewegung Preisschwankungen zu Ver-‚eichnen
wie am Getreidemarkt, Man eröffnete das Ge-‚chäftsjahr
mit einer Notiz von 270 Fr. für fleur und
247 Fr. für Roggenmehl 0 und schloß mit 266 bzw.
235 Fr., dazwischen als tiefster Stand 242 Fr. für fleur
ınd 218 Fr. für Roggenmehl 0. Wie schon bei CGietreide
estgestellt, bewirkte die zweite französische Zollerhöhung
mn Anziehen, denn nach der Zollerhöhung ging der
3reis ansteigend bis 276 Fr. für fleur bzw. 242 Fr. für
doggenmehl in die Höhe, um erst zu Beginn des neuen
Jeschäftsjahres im Juli 1928 unter dem Einfluß der
ırmäßigten Getreidepreise einem leichten Rückgang Plat7
zu. machen.
Aus ‘den Notierungen der Börse wird während des
sanzen Jahres die Klage über den schleppenden
Mehlabsatz laut, nur ein Dienstag zeichnet sich davon
nsofern aus, als von einer Belebung des Mehlgeschäftes
lie Rede ist. Diese Feststellung vom 2. März 1928 wird
ber kurz darauf von um so lebhafteren Klagen über