Full text : 33.1928 (0033)

du}

Demgegenüber ist es von Interesse, testzustellen, daß
jas Ruhrgebiet bei einem Gesamtversand von 72,6
Millionen Tonnen im Jahre 1913 nicht weniger als 22,4
Millionen Tonnen =: 30,90% auf dem Wasserwege bejörderte,
 Durch den Ausbau der Wasserstraßen in Rheinand-Westfalen
 hat sich inzwischen das Verhältnis dahin
verschoben, daß erstmalig im Jahre 1926 der
Wasserversand des Ruhrgebietes den
Eisenbahnversand überflügelt hat.
Kohlenversand des Ruhrgebietes
mit der auf dem
Fisenbahn Wasserwege Insgesamt
Tonnen der Summe Tonnen der Summe Tonnen
1913 530241788 69,13 22432452 30,87 72674 240
1926 38438101 149.85 38666979 3530,15 77105 080
Acehnlich ungünstig liegen die Dinge bei der Erz-»infuhr
 auf der Saar. Wie eine Statistik der Fachgruppe
der eisenschaffenden Industrie im Saargebiet nachweist, bezogen
 die fünf Eisenhütten an derSaar im Jahre 1927 insyesamt
 4774000 t Eisenerze, davon 4130000 t = 86,5 90
aus dem lothringischen Minettegebiet. Vom Gesamtbezug
kamen jedoch nur 337000 t == 7,5% auf dem Wasserwege
 ins Saargebiet. Was schließlich die übrigen auf
dem Saarkanal aus- und eingeführten Güter anbetrifit,
;o sind sie fast durchweg ohne größere Bedeutung,
‚ediglich Steine und Erden behaupten einen gewissen
Umfang. Für den Eisenabsatz der Saarhütten spielt der
53aarkanal überhaupt keine Rolle.
Das ist die Bilanz des Saarkohlenkanals in den 60
Jahren seines Bestehens, Eine Bilanz des NiederzJangs,
 wiesi ein der Geschichte der deutschen
 und französischen Wasserstraßen
ziemlich einzig dasteht. Verschiedene Umstände
haben bei dieser Entwicklung mitgewirkt. Einmal entspricht
ler Saarkohlenkanal nicht der Hauptabsatzrichtung der
5aarkohle, Nur Elsaß-Lothringen und Frankreich können
auf diesem Wege beliefert werden, aber der Hauptabsatzmarkt,
 Süddeutschland, ist damit nicht zu erfassen.
Das wichtigste Exportgut des Saargebietes nach der
Kohle, das Eisen, bleibt auf den Bahnweg angewiesen.
Jmgekehrt bietet der Saarkohlenkanal auch für den Erzoezug
 nur beschränkte Möglichkeiten, weil nur das Erzdecken
 von Nancy, nicht aber das ungleich wichtigere
von Metz-Diedenhofen auf diesem Wege erschlossen ist.
Zrst nach Durchführung der Moselkanalisierung von Metz
»jis Diedenhofen wird hier eine Aenderung eintreten.
Ferner ist der Wasserweg von der Mosel über den Rhein-Marne-Kanal
 und den Saarkohlenkanal ins Saargyebiet viel

zu weit und umständlich. Diese Erwägung hat bereits
m Jahre 1872 zu dem Gedanken geführt, eine direkte
Wasserstraße zwischen der Mosel und der
5aar durch das Tal der Nied zu schaffen,‘ ein
Projekt, das in den ersien Nachkriegsjahren von f{ran-‚ösischer
 Seite wiederaufgenommen wurde, jedoch ebensovenig
 wie damals zur Ausführung gekommen ist. Je
nehr mit fortschreitenden Jahren die Leistungsfähigkeit
les Saarkohlenkanals im Vergleich zu den benachbarten
Wasserstraßen Deutschlands und Frankreichs zurückge-»lieben
 ist, desto stärker hat sich die Konkurrenz der
zisenbahnen fühlbar gemacht. Die aufgestellte Ziffern-’eihe
 zeigt, daß die Leistungsfähigkeit des
5aarkanals mit einem Gesamtverkehr von
| Million bis 1,2 Millionen Tonnen er-:chöpft
 ist.
Im Saargebiet selbst hat man frühzeitig erkannt, daß
ler Saarkanal ein unvollkommenes Transportmittel ist.
lahrzehntelang hat die Saarwirtschaft unter Führung der
landelskammer zu Saarbrücken die Schaffung eines
eistungsfähigen Großschiffahrtsweges in
jestalt der Saar-Mosel-Kanalisierung gefordert. Ohne
Dazwischentreien des Weltkrieges wäre dieses Projekt
1ach Ueberwindung der zahlreichen Widerstände wohl
ıuch zur Durchführung gelangt. Mit dem Verlust Lothingens
 und dem Ausscheiden Luxemburgs aus dem deutchen
 Zollverband haben die wirtschaftlichen Grundlagen
lieses Kanalprojektes sich von Grund auf verschoben, so
laß die Saarwirtschaft sich auf andere Lösungen des Vertehrsproblems
 einstellen mußte. Ihre Verkehrswünsche
conzentrieren sich heute auf den Saar-Pfalz-Kanal,
1. h. eine Verbindung von der Saar zum Oberrhein, die
ıls neuzeitliche Wasserstraße die Saarkohle mit billiger
°racht nach dem Zentrum ihres Verbrauches, nach Südleutschland,
 führen soll. In dem Augenblick, wo die
ıroße Streitfrage: Ausbau der Eisenbahnen oder Anage
 neuer Kanäle, besonders heftig tobt, ist es nicht
inangebracht, darauf hinzuweisen, daß der Saarkohlen-<anal
 trotz seiner offensichtlichen Mängel noch heute in
jer Lage ist, in scharfer Konkurrenz mit der Eisenbahn
‘und 1 Million Tonnen Güter jährlich zu beförlern,
 obgleich er in seiner Entwicklung um ein
1albes Jahrhundert zurückgeblieben ist. Also selbst unter
liesen außergewöhnlich ungünstigen Umständen erweist
lie WasserstraBe noch ihre Ueberlegenheit über die Eisen->ahn.
 Um wieviel mehr wäre für die Saarwirtschaft
ne Wasserstraße von Nutzen, die der Absatzrichtung
hrer Hauptproduktionsgüter entspricht und eine leistungsähige
 Verbindung mit dem Großschiffahrtswege des
zheines herstellt. Dr. Cartellieri.

Der Übungsr:;

14 ge
m un
Von Betriebsleiter Rech. Saarbrücken
vortrag. gehalten im Vortragszyklus der Anslalt für Arbeitskunde E.V. im März 1928

Mr.

ne Avfgabe.

Meine Herren!
Unser ganzes Ziel und Wollen in der Anstalt für
Arbeitskunde kommt am besten zum Ausdruck durch
ten Wandspruch, den Sie in dem Uebungsraum der
Anstalt für Arbeitskunde vorfinden:
„Wir wollen Ihnen helfen und Sie
in Ihrer Arbeit fördern.
Dazu dient die VUebung.
Uehung ist keine Strafe,‘
Was ist nun Uebung? Unter Ucbung verstehen
wir die nach öfterer Wiederholung jeder körperlichen
Arbeit unter richtiger Anleitung erreichbare rasche,
eichte und sichere Gewöhnung an bestimmte Griffe
nd Bewegungen. Zu dem äußeren Anreiz, der uns zu
ler Uebung veranlaßt :Lust und Liebe. Zwang und
Nolwendigkeil). kommt dıe hierdurch erregte Vorstelung
 unseres Wollens oder Sollens, Von der Stärke
lieser Vorstellung hängt es ab, welche Muskelbewe-Zungen
 nach Zeit und Reihenfolge in Tätigkeit treten
ınd welches Ergebnis sie haben.
Wie ungeübt und hilfslos Anfänger sind, wieviel Zeit;
\‚raft und Material sie anfangs verschwenden, wissen
wir alle aus der Praxis

Jede VUebung bewirkt nun:
1. eine genaucre Anpassung des anfangs oft zu
starken oder zu schwachen Antriebs an die beabsichligten
 Bewegungen:
eine immer vollkommenere Zusammenpassung der
gleichzeitig und nacheinander erforderlichen Bewegungen;

macht sie die bewußte Ueberlegung der einzelnen
Fätigkeiten, die zu einer Gesamtleistung gehören,
mehr und mehr enlbehrlich, so daß wir schließ“
lich bei der Ausführung gar nicht mehr an das
Einzelne und an die Griffe zu denken brauchen.
Die Bewegungen sina uns so in Fleisch und Blut
übergegangen, daß wir sie alle nur noch, rein
mechanisch, trolzdem aver richtig und genau mit
mil dem geringsten Aufwand an Zeit und Kraft
machen,
Erzielt wird demnach durch die Vebung eine we-‚Eenlliche
 Ersparnis an geistigen und körperlichen Kräfen
 und an Zeit sowie gleichzeitig ein hoher Grad
‚on Vollkommenheit der Arbeit. Das Ihnen allen besannle
 alte Wort .„Uebung macht den Meister“ er
‚scheint dadurch in einer ganz neuen Beieuchtung,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.