Full text : 33.1928 (0033)

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Niederschrift über die Besprechung von Postverkehrsiragen
am 27. Juni 19928.

Auf Anregung der Handelskammer hatte die Oberpost-Jirektion
 des Saargebietes die saarländischen Wirtschafts-Kreise
 zu einer allgemeinen Besprechung von Postverkehrsragen
 am 27. Juni 1928 im Sitzungssaal der Handelssammer
 einladen lassen.

Anwesend waren seitens der Verkehrsinteres-;enten
 die Herren: FH. Lampert, Dr. Zirkler, Martin,
Wagner (Handelskammer zu Saarbrücken); Dr. Keuth,
Otto Hoffmann, Ferdinand Simon (Schutzverein für Handel
und Cewerbe im Saargebiet); Eduard Röchling, R. Hanenwald,
 L. Lazard (Verein für das Bankgewerbe im Saarzebiei);
 Richard Röchling (Röchling’sche Eisen- und Stahlwerke,
 Völklingen); Thönessen (Burbacherhütte); Kaeuffer
‚Fisenwerk Neunkirchen); Dr. Ruppert (Homburger Eisenwerk);
 R. Weber, Knebiel, Dr. Bossung, K. Heinrich, Biltz,
Schenk (aus Homburg); Butenschau (Poensgen & Dfahler,
zohrbach); M. Middeldorff (St. Ingbert); Dr. Köster (E,
Weil Söhne, Saarbrücken); A. Müller (Passage-Kaufhaus,
Saarbrücken); J. Seligmann, Schuite, Otto H. Bauer, Frl
Lerch (Neunkirchen).
Svitens der Ohberpostdirektion des Saargebietes
waren anwesen:! die Herren: Präsident Diederichs, Oberrosträte
 Aug, Arend, Ehrhardt und Ketteler.
Herr Präsident Diederichs begrüßt die Erschienenen
ind dankt der Handelskammer zu Saarbrücken für die
Bereitstellung ihrer Räume, hervorhebend, daß die Post-‚erwaltung
 erst nach Fertigstellung des geplanten Neuaaues
 über geeignete Räume zu ähnlichen Veranstaltungen
verfügen werde. In seinen weiteren Ausführungen kenmnzeichnet
 er die Schwierigkeiten, welche in verwaltungstechnischer
 Hinsicht bei der Verselbständigung des Saarzebietes
 gerade von der neu gebildeten Oberpostdirektion
u überwinden waren, Die heutige Besprechung sei als
arste Fühlungnahme der Post mit ihren Benutzern, ins-Jesondere
 mit den führenden Kreisen der Wirtschaft, gedacht.
 Durch den beiderseitigen Gedankenaustausch soll
etzten Endes mit dazu beigetragen werden, die wirtschaftlichen
 Gegenwartssorgen im Saargebiet zu lindern
Alsdann gibt Herr Oberpostrat Aug. Arend einen
Jesamtüberblick über die Postverhältnisse im Saargebiet
und ihre Entwicklung von 1920 ab bis zur Gegenwart,
Ausgehend von dem neuen Behördenaufbau im Saargebiet,
ler durch den Friedensvertrag noiwendig geworden war,
zab der Vortrag Aufschluß über die Dienststellen, Zahl
ler Beamten, Angestellten, Arbeiter usw. (zurzeit 2383),
iber die Postwertzeichen, die Stellung des Saargebietes im
Weltpost- und Welttelegraphenverein, über die Verkehrsgestaltung
 in rechtlicher, währungs- und zolltechnischer
sowie in tariflicher Hinsicht, über den Geld- und Posticheckverkehr,
 über den Verkelr mit der Deutschen
Reichspost, Frankreich und dem übrigen Ausland. Zum
Schluß betonte der Redner, daß in verkehrstechnischer
ind -betrieblicher Hinsicht die Deutsche Reichspost Vor-Xild
 geblieben sei, daß aber die wirtschaftliche und
vährungspolitische Loslösung sowie die verwaltungstechnische
 Verselbständigung aul gewissen Einzelgebieten Sonderregelungen
 erforderlich gemacht habe. .
Herr Oberpostrat Ketteler behandelte die Entwickung
 des Kraftpostwesens im Saargebiet. Infolge des
Jichten Neizes an Eisen- und Straßenbahnen, ferner mit
Rücksicht auf die selbst bei schärfsten Sparmaßnahmen
iußerst beschränkten Mittel wurden erst 1926 eigene
Kraftwagen in den Postverkehr der Stadt Saarbrücken
angestellt. Sie wurden zuerst zur Briefkastenleerung verwendet;
 es folgte nach und nach der yesamie Beifördeungsdienst
 zwischen den örtlichen Dienststellen. Am
1. Oktober 1927 wurden örtliche Kraftwagenbetriebe in
Völklingen und Neunkirchen, am 1. Januar 1928 auch in
Saarlouis eingerichtet, Weitere Betriebe sollen demnächst
n St. Ingbert und Homburg eingerichtet werden. (Mit der
Sinrichtung werden in beiden Orten auch die Pakete wieder
iurch die. Post zugestellt werden können.) Ein weiterer

Ausbau ist beabsichtigt; die Prüfung hierüber ist im
.Jjange, Der Redner geht auf gewisse Fragen, die aus
'nteressenmtenkreisen schon gestellt worden sind, näher ein
und verneint die Auffassung, als ob die Post sich im
5aargebiet grundsätzlich nicht auch mit der Personenbeförderung
 befassen wolle. Zum Schlusse wurden Fragen
Jes Bahnpostwesens behandelt und auch die Bemühungen
ım schnellere Ankunft der Post, insbesondere aus dem
eich, dargelegt.
Der Referent für das Telegraphen- und Fernsprechwesen,
derr Öberpostrat Ehrhardt, gab Aufschluß über den
echnischen Ausbau des Telegraphen- und Fernsprechnetzes
m Saargebiet seit Kriegsende, über die Schwierigkeiten in
ler Beschaffung von Baustoffen und Apparaten, über die
arfolgte Erweiterung und Verbesserung der einzelnen örtichen
 Einrichtungen, über den gegenwärtigen Bestand an
Telegraphen- und Fernsprechlinien, über den Verkehrsımfang,
 die Verkehrssteigerung seit 1920 und die Be-Jürfnisse
 nach Sprechgelegenheit mit dem Ausland sowie
iber die für die Zukunft geplanten Neueinrichtungen auf
ernsprechtechnischem (Ciebiet,
In der anschließenden Aussprache wurden folgende besondere
 Fragen auf Wunsch der Interessenten behandelt
1. Die Einführung von Wurfsendungen.
Es sollen wie im Reich aufschriftlose, unverschlossene
VMassendrucksachen zugelassen werden, die an beliebige
Jatiungen von Empfängern nach Wahl des Versenders (Z.
B. an sämtliche Haushaltungen, an sämtliche offenen Geschäfte
 usw.) von der Post verteilt werden. Die Vertreter
ler Postverwaltung sagten zu, sich bei der Regierungs-<ommission
 für die Einführung — wenigstens im inneren
/erkehr des Saargebietes — einsetzen zu wollen.
2. Klagen über verspätete Zustellung
der Post.
Im allgemeinen kehren die Zusteller der Großstadt Saarrücken
 zwischen 10,30 und 10,45 Uhr aus ihren Revieren
rück; an verkehrsstarken Tagen wird es in der Regel
;ipäter, Der Uebelstand kann nur durch Vermehrung der
teviere oder früheren Abmarsch beseitigt werden. Die
Zustellung um 7 Uhr früh beginnen zu lassen, würde‘ bei
}er Geschäftswelt größtem Widerstand begegnen. Die
/ermehrung der Reviere bedingt etwa 25 Kräfte, wenn
lie Zustellung allgemein um 10 Uhr beendet sein soll;
las gesamte Zustellpersonal wäre dann aber nicht voll bechäftigt.
 Die Einführung einer dritten Zustellung (zweite
/ormittagszustellung) erfordert gegen heute etwa 35 Kräft?
nehr; diese Kräfte sind jedöch beim Postamt Saar-»rücken
 3 nicht unterzubringen. Die Einführung der
jritten Zustellung mußte deshalb bis zur Inbetriebnahme
les Zentralnostgebäudes zurückgestellt werden. Das Publisum
 selbst kann sehr viel zur früheren Beendigung der
Zustellgänge beitragen, wenn in mehrgeschössigen Häusern
lie abzutragenden Sendungen in Haushriefkasten eingelegt
verden könnten.

3. Können Briefsendungen (Zeichnungen und derzleichen)
 bei der Zollabfertigung nicht be-’orzugt
 behandelt werden? Zeichnungen und Geschäfts-‚apiere
 sind nach dem französischen Zolltarif zollfrei; dies
ann bei den Sendungen ohne Verzug und einwandfrei nur
lann festgestellt werden, wenn sie bestimmungsmäßig
Jurch grünen Zetiel und Inhaltsangabe auf der Außenseite
zekennzeichnet sind. Der Charakter der Zollfreiheit ver-‚nlaßt
 vielfach Absender, weder den Inhalt anzıgeben noch
len grünen Zollbeklebezettel anzubringen. Mangels Kenntıs
 des Inhalts besteht für die Post eine allgemeine Vorührungspflicht.
 Die Zollfreiheit wird bei solch mangelhaft
jezeichneten Sendungen erst auf Grund des zollamtlichern
Deffnens festgestellt, was Verzögerungen zur Folge hat.
Die sicherste Gewähr für schnelle Uebermittlung ist Inlaltsangabe
 auf grünem Zettel, damit die Zollfreiheit des
nhalts erkennbar ist
            
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