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Man unterschätzt auch hier die Schwierigkeiten, die
sich jeder Art von Kartellierung entgegenstellen, und
überschätzt vor allem das Tempo, das eine solche
Entwicklung nötig hat. Voraussetzung für ein gemeinsames
europäisches Vorgehen ist vor allem eine nationale
Konzenliralion der einzeinen Industrien, Ein
deutscher Autotrust wurde schon immer als
das Heilmittel der deutschen Automobilindustrie angesehen.
Von recht einflußreichen Kreisen wurde die
Möglichkeit erwogen, ob sich nicht aus der Verschmelzung
einiger größerer Firmen ein Einheitsgebilde schaffen
ließe, das mit Rücksicht auf die Außenseiter
zwar nicht ganz den Namen „Trust‘“ verdienen, aber
immerhin eine recht imponierende Kräftezusammenballung
darstellen würde. Der Anfang ist durch einige
bedeutsame Zusammenschlüsse bereils geschaffen. Der
ganzen technischen und wirtschaftlichen Entwicklung
nach muß der deutsche Automobiltrust ja doch eines
Tages zustande kommen. Bei keiner anderen Industrie
ist die Rationalisierung und die laufende Bandproduktion
in so hohem Maße durchgebildet wie in der
F’ahrzeugindustrie; und nirgends ist die amerikanische
Konkurrenz so drückend wie hier. Deshalb das Streben,
den großen amerikanischen Konzernen mit ihren
unbegrenzien Fabrikationsmöglichkeiten und gewaltigen
Absatzmärkien ähnliche Gebilde entgegenzusetzen,
— Aber selbst die Verfechter dieses Gedankens scheinen
sich im unklaren darüber zu sein, ob und inwieweit
sich derartige Pläne heute schon verwirklichen
lassen. Auf sich selbst angewiesen, wird die deutsche
Autoindustrie wenig erreichen. In langsamer Arbeit
und unter großen Opfern ist es der deutschen Aulomobilindustirie
zwar gelungen. den Vorsprung Amerikas
wieder etwas einzuholen und den Anschluß an das
fabrikalorische und preisliche Niveau des Weltmarkles
zu gewinnen. Allein es fchlt der große Ahsatzmarkt,
der den Amerikanern ein so billiges Fabrizieren ermöglicht.
Solange das europäische ..Kantönli-Wesen“‘,
wie es der hekannte Journalist John Rozendaal unlängst
treffend bezeichnet hat, mit seiner unserer
modernen Wirtschaftsauffassung hohnsprechenden
Schutzzollpolitik jegliche Entfaltung stört und hemmt,
ist die amerikanische Konkurrenz durch keine protektionistischen
Mittel, sondern einzig und allein durch
gule Leistungen zu schlagen. Nur soviel über einen
nationalen Automobiltrust.
Noch viel größere Bedenken darf man in die europäischen
Projekte setzen. Dor aus der ilnalienischen
Industrie slamemnde Plan eines curopäischen
Autokartells ist vorläufig ein höchst vages und
schemenhaftes Gebilde, Wenn man sich nur einmal
vergegenwärligt, welche ungeheuren Mühen es gekostet
hat, die internalionale Rohstahlgemeinschaft zustande
zu bringen, die doch ein viel karlellgeeigneteres Produkt
zur Grundlage halte, so wird man dem Plan
einer Autokartlellierung sicherlich keine großen Chancen
zu geben vermögen. Diese Skepsis ist leider auch
gegenüber dem noch weitergehenden Kartellplan, dem
interessantesten vielleicht von allen, dem Zollunionsplan,
angebracht, der mit geflissentlichem
Nachdruck den Zusammenschluß aller europäischen
Autoindusirien verlangt und damit den Grundzug alles
europäischen Wirtschaftsdaseins, die unlösbare Schicksalsverknüpfung
der verschiedenen Nationen im Abwehrkampf
gegen‘ die slarken ühberseecischen Wirtschaften,
zu seinem Leitmotiv erhebt.
Ganz Europa, so sagen die Verfechter dieses Planes,
sieht seine nationalen Automobilindustrien durch den
amerikanischen Großserienbau bedroht, der billig zu
produzieren ın der Lage ist, weil er in Massen denken,
rechnen und verkaufen kann. während die europäischen
Industrien durch die hohen Zollmauern in
ihrer Entfaltung behindert, nur für den jeweiligen
Inlandsbedarf, also für cnge Märkte, zu wenig und zu
teuer produzieren, Hier könnte Abhilfe geschaffen werden.
Die Zollgrenzen zwischen den einzelnen europäischen
Staaten müßlen gelegl, statt dessen eine gesamteuropäische
Zollgrenze gegenüber der Union errichilet
werden. So entstände ein großer Markt, der
allen Produzenten (/d. h. allen denen, die ihn zu nützen
verstehen) die Höhe des Umsatzes bieten könnte, die
allein zur Verbilligung der Produktion führen würde.
Paneuropa für Automobile — ein großer ungeteilter
Markt ohne irgendwelche Zallschranken. ein Markt
nit der Möglichkeit größter Umsatzsteigerung, in freier
Xonkurrenz für Produktions- und Absatzsteigerung geägnet
und bereit — und doch geschützt gegen die
ımerikanische Einfuhr! Ein bestrickender Gedanke -.
jestrickend auch für uns, die wir leider auf aus-Ändische
Wagen angewiesen sind und auf gule
leutsche Fabrikate, solange die Zollgrenze besteht,
vohl oder übel Verzicht leisten müssen —, aber aussichtslos
in seiner praklischen Durchführung und des.
1alb nichts als graue Theorie. In der Tal würde
lieser Plan die Abänderung so ziemlich sämllicher
on den europäischen Staaten abgeschlossener Handels-‚erlräge
zur Voraussetzung haben. Die Zoll- und
‚erlragssysteme der maßgebenden Industrieländer be-‘ühen
auf dem Prinzip der Meistbegünstigung. Wenn
las Deutsche Reich Frankreich and Halten Zollfreiheil
ür Automobile gewährt, so muß es automatisch auch
\merika gegenüber den Zoll beseitigen. Frankreich,
‚talien und überhaupt alle übrigen Vertragspartner, die
nit Amerika Verträge abgeschlossen haben, müßten
lasselbe tun. Eine Ermäßigung oder völlige Auf-1ebung
der Zölle würde also unter den augenblickichen
Verhältnissen den Sınn einer europäischen
Aufozollunion in sein Gegenleil verkehren. Denn jetzt
väre der curopäische Markt zwar groß und offen, aber
jegen die amerı kanische Konkurrenz ungeschützter als
e zuvor. Auch dıce schon verschiedentlich empfohlene
verständigung zwischen einem ins Leben zu rufenden
>uropäischen Automopilsyndikal und der Union über
in den amerikanischen Gesellschaften einzuräumendes
'‚estes Einfuhrkontingent hat wenig Aussicht auf Er-'olg.
da die Ne gung der amerikanischen Gesellschafen,
auf eine derartige Binaung einzugehen. gering
ein dürke und eine Kontingenlierung überhaupt eine
schlechte Tlustration der gerade aktuellen Genfer Be:
‚Chlüsse über alc Beseiligung der Ein- and Ausfuhr
v;erbote darstellen würde.
Auf diese Weise gchl es also nicht. Kin solhes
Kartell ließe sich schon deshalb nicht durchühren,
weil die amerikanischen Werke sehr eng
nil der amerikanischen Finanz liüert sind. so daß
;ermullich störende Rückwirkungen in Kreditfragen
'intreien würden. Es kann indessen nicht von
ler Hand gewiesen werden, daß die Erfolge der Union
zu einem gewissen Teıt auch auf die weilgehende
jelbstbeschränkung zurückzuführen sind, der sich sämliche
Gesellschaften ın bezug au! die Zahl der produjjerlten
Typen unierworfen hapen. Ohne Zweifel wäre
»s vernünftiger, wenn auch Europa zunächst einmal
ur Selbsthilfe greifen würde durch Verwirklichung
raklischer Ralionalisierungsmaßnahmen, anstatt! die
zweischneidigen staatlıchen Machtmittel auf zollpolitichem
Gebiet für sich in Anspruch zu nehmen. Man
wnnle an die Bildung ecıner intereuropälschen
Normenunion denken, die sich sowohl
ıuf Kraftfahrzeuge als auch vor allem auf Zubehörteile
arsireccken würde, deren Anteil an den Selbstkosten
ler Ferligfabrikate dauernd im Wachsen begriffen ist.
rerade Deutsehland ist auf dem Gebiet der Normung
on Kraftfahrzeugteilen führend und könnte deshalb
vertvolles Material zur Verfügung stellen. Wenn es 1at-;ächlich
gelänge, durch Normalisierung der Fertig:
zulieferung dem normalen Produkt der Zubehör-'abriken
den europäischen Markt zu öffnen und dalurch
die Preise wesentlich zu senken, so würde die
Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wagen gegen
iber den amerikanischen ganz erheblich steigen. Ohne
Dpfer würde es bei der Eınführung einer entsprechenlen
Arbeitsteilung freilich nicht abgehen. Aber in
ler Normenunion liegt ohne Zweifel eine der stärksten
hancen zur Erhöhung der Wettbewerbskraft der curo-‚äischen
Wagen, Aehnliche Betrachtungen hat bereits
Ir. Engelhard vor kurzem in einer Berliner Zeitung
ingestelit.
Sodann wäre die Frage zu prüfen, inwieweit heule
schon Abkommen über den Austausch von
Patenten, Faprikationserfahrungen usW.
zetroffen werden können, elwa nach Art der Verein-Jarungen,
wie sie im internalionalen Kunstseidenzartell
oder im deutsch-französischen Chemiekartel
»estehen. Durch weilere Zusammenschlüsse innerhalb
ler nationalen Industrien ließe sich mit der Zeit viel
eicht eine großzügig angelegte gemeinschaffiche
Absatzorganisation schaffen Daß der