Full text : 33.1928 (0033)

genug aus, wenn €s f . ai 8 i
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2 | h ur I d a1 1928 die Lage Wie folgt

„Die Beschäftigung hat sich in den letzten Monaten
zwar saisonmäßig gehoben, im übrigen aber ihren Stand
nicht allgemein behaupten können. Insbesondere sind
Produktion und Beschäftigung in den wichtigeren Verbrauchsgüterindustrien
 weiter gesunken; bei den Produktionsmittelindustrien
 konnte der verminderte Inlandsabsatz
 durch verstärkten Auslandsabsatz in gewissem
Grade ausgeglichen werden,‘

Die deutsche Schlüsselindustrie, die Eisenwirtschaft, sehe
‚.hren Inlandsabsatz, auf den sie sich in der vergangenen
Konjunkturzeit stützen konnte — er habe ungefähr 80 va
ausgemacht —, dahinschwinden und halte einen gewissen
Umfang der Produktion nur dadurch fest, daß sie den
Export forciere. Da der Export erheblich niedrigere Preise
bringe, bedeute die Erhöhung der Inlandspreise nur einen
gewissen Ausgleich, Damit rühre man übrigens an die
Kernirage des Problems, daß man nämlich in Deutschland
 in einer unhaltbaren Weise allenthalben den Welt.
marktpreis überschritten habe, wofür es natürlich nur
Remedur gäbe, wenn man die Lasten der Wirtschaft, die
diese Ueberienerung verursacht hätten, herunterschraube.
Man könne hier nicht auf alle Seiten dieses Problems,
über das man Bände schreiben könne, eingehen, aber
jedenfalls, wenn man die Erscheinung aufmerksam betrachte,
 so wisse man, was in Deutschland in allernächster
Zeit kommen müsse, Es sei auch ausgeschlossen, daß
ınan etwa den Kurs noch einmal! herumwerfe, indem man
von neuem große ausländische Kapitalien nach Deutschland
hereinziehe, um noch einmal geborgte Kaufkraft zu schafien.
 Den Wechsel der Konjunktur in Deutschland fühle das
Saargebiet inzwischen schon unmittelbar. Seine Eisenwirtschaft
 merke den Ausfall des inneren deutschen Marktes,
 der durch das Stilliegen des Baumarktes, durch das
Ausbleiben der Reichsbahnaufträge und den beinahe völligen
 Ausfall des größten Käufers, der notleidenden Landwirtschaft,
 eingetreten sei. Unmittelbar drücke sich das
für die eisenschaffende Industrie dadurch aus, daß diese
für ihre Lieferung an die deutschen Verbände trotz der
Preiserhöhung für den inneren Markt geringere Durchschnittspreise
 erziele, weil eben die großen Exportverkäufe
der deutschen Verbände den Durchschnittspreis drückten.
Daß die saarländische eisenverarbeitende Industrie ebenfalls
unmittelbar betroffen sei, sei klar, und was z. B. die
Ausfälle auf dem Baumarkt für die Cilas- und keramische
Industrie bedeuteten, bedürfe auch keiner Ausführung. Man
hoffe natürlich nach wie vor, daß die Abschwächung
sich nicht katastrophal vollziehe, wie Unglückspropheten
es wahr haben wollten, sondern daß bis zu dem Augenblick,
 wo die noch schwebenden Geschäfte aus besserer
Zeit abgewickelt seien, neue günstige Momente aufträten
die die Rückgangserscheinung bremsten

Blicke man nun nach Frankreich, so habe man
dort eigentlich schon lange eine latente Krise, die mit der
de facto Stabilisierung nicht ohne Zusammenhang sel.
Man könne in Frankreich von dem Zeitpunkt an, seit dem
man auf die endgültige Stabilisierung warte, auch ein
Abwarten in der wirtschaftlichen Betätigung bemerken,
das den inneren Markt lähme. Einen Ausgleich habe die
französische Industrie dadurch gefunden, daß die Lebenshaltung
 in Frankreich noch immer sehr niedrig sei und
der de facto Stabilisierunz noch nicht Rechnung getragen
habe. Dadurch sei die französische Industrie bislang auf
dem Exportmarkt konkurren/fähig gewesen und habe
einen Ausgleich für den inneren Markt finden können.
Das letztere könne sich bei der de jure Stabilisierung
schnell ändern, und die französische Industrie würde dadurch
 eine Minderung ihrer Exportfähigkeit, mit anderen
Worten ein Aufheben ihres Valutadumpings erfahren. Wie
weit diese Erscheinung durch eine allmähliche Belebung
des inneren Marktes wettgemacht werden könne, stehe
völlig dahin. Sie hänge beispielsweise wesentlich von
einem so unsicheren Faktor ab, wie ihn die Gestaltung
des (Gjeldmarktes nach der de jure Stahilisierung darstelle.
Es sei darüber kaum etwas Sicheres zu prophezeien, aber
es sei durchaus möglich, daß die Modalitäten der Stabilisierung,
 die die französische Regierung bestimme, Zlsammen
 mit der Haltung des internationalen Kapitals
zunächst eine Verknappung des Geldmarktes hervorrufen,
wenn auch sicherlich andereseits für innerfranzösische
Bedürfnisse nicht unerhebhiuche, ietzt auf der hahen Kante

ı‚egende Spargelder nach der Rückkehr sicherer Verhältıisse,
 wie sie die de jure Stabilisierung bringe, frei würlen.
 Man könne, wenn man alles in allem nehme, mit
öiner Verstärkung der heutigen latenten französischen
<rise rechnen, die in nicht allzu weiter Ferne vielleicht
‚on einem Umschwung abgelöst würde. Unter diesen Umtänden
 habe das Saargebiet keinesfalls zu erwarten, daß
>» bei einer Verschlechterung der deutschen Konjunktur
chnell Absatz in Frankreich finde, sondern man müsse
m Gegenteil noch die Befürchtung ausdrücken, daß es
jeim französischen Absatz für die nächste Zeit noch
Z3inbuße erleide. Weiter werde unter allen Umständen die
le jure Stabilisierung mit einer gewissen Verschlechterung
ier Exportmöglichkeiten auch des Saargebietes verbunden
ein, die wohl kaum auf einer erheblichen Verteuerung
'er hier gegenüber Frankreich bereits seit langem höheren
ebenshaltung beruhen werde, als darauf, daß in Frankeich
 zu befriedigende Industriebedürfnisse, wie Rohstoffe,
lalbfabrikate und ferner die französischen Tarife sich
‘erteuern. Endlich werde die Gefahr einer Geldverknapjung
 im Saargebiet stärker sein, weil hier sicherlich die
3pargelder, wie sie in Frankreich gegeben seien, nicht zur
Verfügung ständen. Es sei natürlich schwer, sich ein
3ild zu machen, wie die übrigen aus der Stabilisierung
ich ergebenden Krisenerscheinungen die gesamte Saarwirtschaft
 beeinflussen könnten.
Das Gesamtbild, das auch nicht etwa von besonders
ruten Aussichten des Weltmarktes verbessert werde, sehe
ılso für die nächste Zukunffi durchaus nicht
rünstig aus, was natürlich nicht zur Mutlosigkeit vereiten
 dürfe, sondern im Gegenteil zur Anspannung aller
<räfte der Wirtschaft zwecks VUeberwindung der Schwieigkeiten
 führen müsse.
Der Redner kennzeichnet kurz die wohl mit Sicherheit
ür die allernächsten Tage zu erwartende Stabilisie-‚ung,
 wobei er davon ausgeht, daß dies nur eine Stabilijerung
 ungefähr zum jetzigen Kursstand und nicht eine
Zevalorisation sein könne. Auch seine vorherigen Aus-‘ührungen
 über die Wirkung der Stabilisierung auf die
<onjunktur in Frankreich seien lediglich von dem Ge-‚ichtspunkt
 ausgegangen. Eine Revalorisation würde für
“rankreich und noch mehr für das Saargebiet ganz
ınendliche Schwierigkeiten bringen. Man erwarte eine
Stabilisierung unter Beibehaltung der jetzigen entwerteten
Vährungseinheit und zu einem Kurs, der genau das Veryältnis:
 1 Goldirank .= 5 jetzige Franken bringe. Hierlurch
 werde die Wirtschaft zu möglichst wenig Verändeungen
 gezwungen, und die geringwertige Währungseinheit
verde nicht ungünstige Folgen für die Niedrighaltung der
Dreise haben, wobei vor allem das psychologische Moment
ner kleinen Währungseinheit in Frage komme. Auch
venn die Stabilisierung demnach nicht etwa eine neue
Münzeinheit bringen werde, so erwüchsen doch eine Reihe
wichtiger Aufgaben, von denen besonders die Aufgabe der
Zilanzbereinigung hervorzuheben sei. Hierbei läzen
 die Verhältnisse im Saargebiet anders wie in Frank-‘eich,
 besonders beeintiußt durch den Umstand, daß die
jaarbilanzen eine Umstelıung aus einer Inflation in die
ındere erfahren hätten. Unter näherer Darlegung der gesebenen
 Verhältnisse und der sich daraus ergebenden Folren
 hob der Redner hervor, daß bei der Bilanzbereinigung
ınbedingt eine Umstellung der Bilanzwerte nach dem Wert
ım Stichtage der Umstellungsbilanz gegeben sein müsse.
Aan hoffe, mit dieser Umstellung dann das Kapitel der
3ilanzumstellungen abgeschlossen zu haben; die später
‚«rforderlich werdende Umrechnung der Bilanzen von der
tabilen Frankenwährung in die stabile Markwährung sei,
venn man jetzt die Umstellung richtig vornehme, im weentlichen
 nur mehr ein Rechenexempel. Lediglich bei den
«ktiengesellschaften seien besondere Maßnahmen notwenig,
 weil man nachher bei dieser Umrechnung eine börsen-‚ängige
 Markaktie erhalten müsse. Man werde daher
iberlegen, ob man nicht jetzt bei der Umstellung mögichst
 Aktien zu 600 Franken schaffe, um ohne besondere
ichwierigkeiten in eine 100-Mark-Aktie umstellen zu könı1en.
 Die Bilanzbereinigung habe ihre besondere ‘Bedeuung
 auf dem Steuergebiet. Es habe sich jetzt
:chon in der Zeit seit der de facto Stabilisierung gezeigt,
vie sehr in den bisherigen Bilanzen regelmäßig zu
jedriz eingesetzte Anlagewerte und die daraus erwachsenen
 niedrigen Abschreibungen eine zu hohe Besteuerung
‚erbeiführten. Auch das Problem der Aufwertung
änge mit der Stahilisierung zusammen. Es sei vielleicht
            
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