verhältnismäßig kleine, billig zu erstellende Leitungen
fortzuleiten. Der hohe Druck der Ferngasleitung
hat ferner noch das Angenehme, daß man
die Leistung bei zunehmender Ausdehnung des
Netzes innerhalb bedeutend weiterer Grenzen
steigern kann, als das bei der Versorgung durch
ein lokales Gaswerk möglich wäre. Die Kapitalund
Verwaltungskosten für ein derartiges Netz
wären also verhältnismäßig niedrig, und es bestünde
die Möglichkeit, billiges Gas auch den
kleinsten Bergmannssiedelungen in unserem Revier
zu liefern. Voraussetzung ist hierbei allerdings,
daß die Gemeinden im Interesse ihrer
Einwohner auf das Gas keine hohen Finanzaufschläge
legen und damit den Verbrauch von
vorneherein künstlich drosseln. Uebt die öffentliche
Hand in dieser Hinsicht eine weise Zurückhaltung,
so ist auch für den „kleinen Mann‘ das
Gas kein Luxus mehr, und er kann ebenso wie
in den Bergbaudistrikten der angelsächsischen
Länder die Annehmlichkeit gasbeheizter Herde
und Badeöfen genießen. Das Ferngas kann also
wesentlich dazu beitragen, den Lebensstandard
unserer Arbeiterschaft zu heben.
Eine dritte Klasse von Verbrauchern wäre die
weiterverarbeitende Industrie des Saargebietes.
Auch hier ließen sich erhebliche Gasmengen
unterbringen. Den Anfang haben in großzügiger
Weise bereits verschiedene Glashütten gemacht,
die, wie oben erwähnt wurde, heute schon
4 Millionen Kubikmeter Gas je Jahr aufnehmen.
Die Umstellung weiterer Glashüttenbetriebe wird
zur Zeit ernstlich erwogen; dabei handelt es sich
um eine Belieferung bis zur Höhe von 25 Millionen
Kubikmeter. Die Glashütten sollen mit
der Gasheizung ihrer Oefen recht zufrieden sein.
Außerdem kommen die zahlreichen Betriebe der
weiterverarbeitenden saarländischen Eisenindustrie
in Frage. Sieht man von den Kuppelöfen ab,
so stünden der Umstellung der meisten Ofenarten
auf Koksofengas technisch kaum noch
Schwierigkeiten im Wege; im Gegenteil, das
Koksgas bietet gegenüber der bisherigen Rostund
Halbgas- oder Generatorgasfeuerung betriebliche
Vorteile, wie geringeren WE-Verbrauch infolge
besserer Beherrschbarkeit der Flamme, geringere
Leerlaufpausen, ferner saubere Betriebsweise,
bessere Beherrschbarkeit des Wärmeprozesses
und damit Erhöhung der Güte des Erzeugnisses.
Dazu kommt noch ein anderes Moment,
nämlich die Entwicklung vom Wärmeofen zur
Wärme maschine, eine Folge der mit der
Rationalisierung Hand in Hand gehenden fließenden
Fertigung und der erhöhten Anforderungen
an die Güte des Werkstoffes. Daraus folgt, daß
die Aussichten der Koksgasbefeuerung um so
größer sind, je mehr wir zu verfeinerten Herstellungsmethoden
übergehen und je mehr wir
uns die neuzeitlichen Verfahren fließender Fertigung,
die vor allem in Amerika entwickelt worden
sind, aneignen. Die saarländische Eisenindustrie
hat die Wichtigkeit dieser Methoden erkannt und
Ste In verschiedenen Fällen bereits einzuführen
begonnen. Auf diese Weise wird es ihr gelingen,
sich nicht nur lebensfähig zu erhalten, sondern
auch ihren Absatz zu vergrößern und damit der
arbeitenden Bevölkerung unseres Reviers neue
Verdienstmöglichkeiten zu schaffen.
Ueber die Gaspreise, bei denen sich die Umstellung
auf Koksofengas noch lohnt, lassen sich
keine bestimmten Zahlen geben. Die wirtschaftliche
Grenze der Gasbeheizung hängt von so
vielen Faktoren ab, daß jeder Fall für sich beurteilt
werden muß. Im allgemeinen sind die
Vorteile der Koksgasbeheizung um so größer,
je kleiner der Ofen ist. Verhältnismäßig gering
3ind die Aussichten bei Martinöfen, wie sie in
verschiedenen Stahlgießereien unseres Gebietes
jenutzt werden. Aehnlich ungünstig liegen die
Verhältnisse bei Herdflammöfen. Mit Koksofenyas
läßt sich also im allgemeinen keine Verbilligung
erreichen, es sei denn, die Oefen arbeiteten
bisher mit Heizöl oder das Koksofengas
bietet dank seiner guten Regelbarkeit besondere,
durch allgemeine Zahlen nicht faßbare
Vorteile.
Günstiger sind die Aussichten bei GIlüh-Sfen
und Temperöfen, wie sie in zahlreichen
Vergütungsbetrieben benutzt werden. Gegenüber
Rost- oder Halbgasfeuerung sind als besondere
Vorteile die bessere Regelbarkeit der Feuerung
zu nennen; daraus folgt: Verbesserung der Qualität,
größere Schonung der Glühtöpfe, Leistungssteigerung
durch Verkürzung der Aufheizzeiten
und infolgedessen Leistungssteigerung je Ofen.
Unter Umständen kann ein einziger dieser Faktoren
für die Wahl von Koksofengas entscheidend
sein.
Noch anziehender ist das Koksofengas für die
Beheizung von Kleinöfen, wie sie in Schraubenfabr‘ken,
Gesenkschmieden, Eisenbahnrepara-‘urwerkstätten
und Maschinenfabriken benutzt
werden. Man ist bei diesen Ocefen vor mehreren
Jahren in einer Anzahl von Fällen zu Heizöl
übergegangen; obwohl dabei eine erhebliche
Mehrbelastung des Wärmekontos eintrat, entschloß
man sich zum Oelbetrieb mit Rücksicht
auf die obengenannten erhöhten Anforderungen
ın Güte des Erzeugnisses und Leistungssteige-‘ung
des Betriebes. Die bei Heizöl erreichten
Vorteile lassen sich aber mit Koksofengas auf
Irund unserer Erfahrungen in noch höherem
Maße erreichen. Gegen das Koksofengas geltendzemachte
Bedenken, wie Erhöhung des Abarandes
oder Verbrennen des Einsatzes, haben
;ich als ungerechtfertigt herausgestellt. Es ist
m Gegenteil im allgemeinen eine Verringerung
les Ausschusses und außerdem eine größere
Schonung der Oefen gegenüber Oel und anderen
Zeuerungsarten festgestellt worden.
Diese zusammenfassende Betrachtung zeigt das
:ine deutlich: So groß die technischen und betrieblichen
Vorteile des Koksofengases auch sind,
so macht es sich doch nur bei verhältnismäßig
niedrigen Preisen bezahlt. Die Spanne zwischen
dem Preis, zu dem die gaserzeugenden Hüttenwerke
das Gas abgeben können, und dem Preis,
den die weiterverarbeitende Industrie bezahlen
kann, ist also sehr gering. Die Möglichkeit, am
Gasvertrieb bedeutende Geschäfte zu machen, ist
daher von vornherein ausgeschlossen. Finanzauf-Schläge
auf das an die weiterverarbeitende Industrie
abgegebene Gas durch die öffentliche