Lö
Pläne. Nachfolgende, von der Geschäftsführung im Auftrag
der zu gründenden Gesellschaft herausgegebene Benachrichtigung,
die in der Tagespresse bereits erschienen
ist, kennzeichnet den Inhalt der Ausführungen des Geschäftsführers:
„Die Pläne, eine Ferngasversorgung von den Erzeugungsstätten
des Saargebietes aus aufzuziehen und dabei
das saarländische Ferngas in die Gasversorgung des
übrigen Deutschlands einzuschalten, sind nunmehr nach
eingehender Vorbereitung in das Stadium der praktischen
Ausführung getreten, Schon in den nächsten Tagen dürfte
die Gründung einer Ferngasgesellschaft „Saar“ G.m.b.H.
erfolgen, an der saarländische Kommunen und Kommunalverbände,
die saarländischen Hüttenwerke und die bisher
schon in der Gasversorgung des Saargpebietes tätige Gasanstalt-Betriebsgesellschait
(Berlin) beteiligt sein werden.
Die Mehrheit in dieser Gesellschaft wird die kommunale
Gruppe haben, die zunächst 538 Prozent der Anteile besitzt,
späterhin aber bei Abgabe von Anteilen an weiter
hinzutretende Interessenten der Öffentlichen Hand eine
Beteiligung von 68 Prozent erreichen wird. Die zu
gründende Gesellschaft wird das Rohgas von den einzelnen
Hüttenwerken an einer Stelle sammeln und reinigen,
um es alsdann für die Ferngasversorgung weiterzuleiten.
Ihre Aufgabe ist es, sowohl Absatzgebiete im übrigen
Deutschland zu erschließen, als auch weitmöglichst die
Ferngasversorgung des Saargebietes zu betreiben, d. h.
zunächst im allgemeinen nur, soweit sie nicht schon
jetzt auf Grund vorhandener Einrichtungen und Verträge
erfolgt. Das Endziel in letzterer Beziehung ist, die gesamte
Ferngasversorgung des Saargebietes in der Gesellschaft
zu vereinigen, ein Ziel, das durchaus erreichbar
ist, weil alle bisher an der Gasversorgung des Saargebietes
Beteiligten an der Neugründung teilnehmen, das
aber naturgemäß bis zu seiner Verwirklichung noch eine
gewisse Zeit erfordert. Die völlige Einigung, die
man im Saargebiet zwischen allen Beteiligten erzielt hat,
läßt der Hoffnung Raum, daß man entschluß- und tatkräftig
die für das Saargebietlebenswichtige
Aufgabe, einen genügenden Anteil an der Gasversorgung
des übrigen Deutschlands zu erhalten, in Angriff
nehmen und erfüllen kann,
Als Erzeuger werden zunächst lediglich die saarländischen
Hütten in Frage kommen. Diese sind nach Umbau
und Umstellung ihrer Koksöfen auf Gichtgasbeheizung
ın der Lage, schon in Kurzer Zeit etwa 85 Millionen
Kubikmeter jährlich und in wenigen Jahren, allmählich
steigend, etwa 285 Millionen Kubikmeter für die Versorgung
des übrigen Deutschlands freizumachen, wobei noch
eine genügende Menge für den erweiterten CGasabsatz
innerhalb des Saargebietes reserviert bleibt. Nach Rückkauf
der Saargruben dürfte auch der preußische Berg-Fiskus
als Gaslieferant auftreten; der derzeitige französische
CGirubenbesitzer hat für eine Teilnahme am Gasabsatz
kein Interesse gezeigt. Die jeweils zur Verfügung
stehende Gasmenge hält Schritt mit dem Umstand, daß
der Ausbau der Leitungen zu den Absatzgebieten jeweils
eine gewisse Zeit erfordert und daß die Absatzsteigerung
durch Größerwerden des Gasverbrauchs nur nach und
nach erfolgt. Es sind demnach durchaus beachtliche
Mengen, mit denen das Saargebiet bei Inangriffnahme der
Gasfernversorgung nach dem übrigen Deutschland auf dem
Plan erscheint. Zur Beurteilung der Lage sei noch hinzugefügt,
daß der augenblickliche Gasverbrauch Süddeutschlands,
das vornehmlich als Absatzgebiet für Saarferngas
in Frage kommt, etwa 400 Millionen Kubikmeter
Jährlich betragen dürfte.‘
Die Versammlung nimmt von dem Bericht Kenntnis
und stellt mit Befriedigung fest, daß man in dieser für
das Saargebiet so überaus wichtigen Frage eine Einigung
im Saargebiet erzielt habe und hoffen könne, auch die
Gewinnung des notwendigen Absatzes für das Saarferngas
Zu erreichen. Der Geschäftsführer betont im seinem Bericht,
daß die Einigung unter starker Mitwirkung des
Wirtschaftlichen Vereins, dessen Vorsitzender die Einigungsverhandlungen
als Unparteiischer geleitet habe. vor
sich gegangen seien
Zu Punkt 6 der Tagesordnung: „Beteiligung
des Saargebietes an Reparationslieferungen‘“ berichtet Herr
Martin in längeren, zum Teil vertraulichen Ausführungen
über den derzeitigen Stand der Angelegenheit. Es
sei höchst bedauwuerlich, daß das Kontingent für das am
1. April begonnene Kontingentsiahr immer noch nicht habe
estgesetzt werden können, da sich hinsichtlich der Höhe
les Kontingents zwischen den beiden beteiligten Regieungen
eine Verständigung noch nicht habe erreichen
assen. Es sei dies um so bedauerlicher, als das Interesse
jer Saarindustrıe für Reparationslieferungen außerordentich
lebhaft sei. Andererseits dürfe man nicht verkennen,
laß das Saargebiet, da es an den Reparationslasten nur inlirekt
mittrage, kein formelles Recht auf eine Beteiligung an
deparationslieferungen habe. Es sei weiter zu bedenken,
{aß die Frage der Reparationslieferungen in einem nicht
ut leugnenden Zusammenhang mit der gesamten Entchädigungsfrage
stünde und daß daher das Problem sich
1aturgemäß von deutscher Seite ganz anders darstelle
ıls von französischer Seite. Nach Lage der Dinge
;jel zum mindesten mit allem Nachdruck auf eine
yaldigye Entscheidung der Frage hinzuwirken, damit die
Wirtschaft wenigstens wisse, womit sie zu rechnen habe.
Cine weitere Verzögerung müßte unter Umständen zur
7olge haben, daß für das laufende Kontingentsjahr ein
zroßer Teil der Industrie überhaupt ausfallen würde, da
'onst die insbesondere für die verarbeitende Industrie
‚rforderliche Anlaufszeit verloren gehe,
Nach einer kurzen Bemerkung von Herrn Dr. v. Gemningen
unterstreicht auch Herr Assessor Lütke nochnals
die Notwendigkeit einer schnellen Lösung
Punkt 7 der Tagesordnung: „Bereinigungsverhandlungen
zum deutsch-französischen Handelsvertrag
ınd zum Saarzollabkommen‘‘. Herr Martin stellt zuıächst
zur Vermeidung von Mißverständnissen fest, daß
lie augenblicklich in Paris geführten Bereinigungsverhandungen
weniger den Zweck hätten, materielle Aenderungen
les Vertrages hirbeizuführen, als vielmehr gewisse Un-‘benheiten,
die auf die Eile der Herstellung zurückzuführen
ind, auszugleichen. Inwieweit außer diesem notwendigen
Ausgleich tatsächlich auch materielle Fragen, die eine
/erbesserung oder Erweiterung des Abkommens bedeueten,
zur Erledigung kämen, sei im Augenblick noch nicht
'u übersehen. Das gleiche gelte bedauerlicherweise auch
ür die Frage der Einbeziehung von Saarzollfragen in die
ıugenblicklichen Verhandlungen. Die Geschäftsführung
1abe selbstverständlich nicht versäumt, für die Sammlung
ınd Bereitstellung aller wirklich dringlichen Aenderungsınd
Verbesserungswünsche Sorge zu tragen. Aber auch
1er sei im Augenblick noch nicht zu übersehen, ob es
nöglich sein werde, diese Fragen zu behandeln.
Der Berichterstatter macht ferner davon Mitteilung,
laß die in Artikel 8 vorgesehene Einspruchskommission
ı1unmehr zusammengetreten sei und ihre ersten Sitzungen
ıbgehalten habe. Es könne nunmehr mit der Fertigstellung
les endgültigen Verteilungsplanes für die erste Kontinzentsperiode
des laufenden Jahres bis Mitte Juni gerechnet
werden. Hieran würden sich sofort die Verteilungsarbeiten
ür die zweite Kontingentsperiode anschließen. Bei aller
3Zeschleunigung werde es aber trotzdem nicht möglich sein,
lie endgültige Verteilung Für die zweite Periode bis
zum 1. Juli dieses Jahres fertigzustellen, da die mit der
3ildung der Einspruchskommission eingetretene Verzöge--ung
nicht mehr eingeholt werden könne
Zu Punkt 8 der Tagesordnung : „Das Ostertalyahnproijekt‘‘
führt der Geschäftsführer unter Hin.
veis auf die in der letzten Handelskammersitzung geflogene
eingehende Aussprache über das Ostertalbahnrojekt
aus, daß die Notwendigkeit und die Bauwürdigkeit
jer geplanten Linie außer Zweifel stehe und daß man
;ich bei der Erörterung der Frage des Ausbaues nur für
lie normalspurige Linie, wie sie bereits vor dem Kriege
on der Preußisch-Hessischen Staatsbahnverwaltung ge-»lant
war, entscheiden könne. Aus diesem Anlaß sei man
‚uständigenorts erneut vorstellig geworden. Voraussichtich
werden Ende dieses Monats Besprechungen zwischen
ler Reichsregierung und der Regierungskommission stattinden,
von denen ein befriedigendes Ergebnis allerdings
ıur dann zu erhoffen sei, sofern es gelinge, die Regie-‘ungskommission
von ihrem bisherigen, anscheinend ziemich
ablehnenden Standpunkte gegen das Bahnprojekt ab--ubringen.
Die bei der Regierungskommission offenbar
vorherrschende Meinung, daß die Einrichtung eines Autos
‚erkehrs durch das Ostertat den wirtschaftlichen Interessen
les Gebietes genüge, erscheine abwegig. Der Güterausausch
mit dem Ostertalgebiet erheische unbedingten Aufschluß
durch eine Eisenbahnlinie, zumal auch die geılante
Autolinie einen wirtschaftlichen und reihungsinsen