Full text : 33.1928 (0033)

Es ist klar, daß von diesen Mengen zunächst
nur ein kleiner Teil als Ferngas abgegeben werden
 könnte; andererseits aber bietet sich auf
den Hütten selber ein großes Verwertungsfeld,
sei es, daß die Werke sich zur Herstellung von
Qualitätsstahl auf das Martinverfahren verlegen,
das bekanntlich bisher im Saargebiet nur geringe
Verbreitung gefunden hat, sei es, daß sie die
Herstellung von Ammoniak oder Stickstoff oder
künstlichem Benzin nach einem der in den letzten
Jahren bekannt gewordenen und schon bereits in
die Praxis überführten Verfahren aufnehmen.
Man wird den Hüttenwerken unter diesen Umständen
 nicht zumuten können, ihr Gas zu einem
Preis abzugeben, der unter dem Wert liegt, den
es für das Werk bei eigener Ausnutzung hat.
Als Abnehmer für Ferngas kämen zunächst
diejenigen Gemeinden im Saargebiet in Frage, die
heute noch von eigenen Gasfabriken aus versorgt
werden. Die hierbei in Frage kommenden 11
Millionen Kubikmeter pro Jahr ließen sich an
sich von den Hütten von heute auf morgen
spielend übernehmen; es wären jedoch die Leitungen
 zum Teil erst zu bauen; um große Entfernungen
 kann es sich dabei, wie die Karte zeigt,
nicht handeln. Die in Frage kommende Gasmenge
 ist jedoch von dem Standpunkt der Hüttenwerke
 so gering, daß sie an dieser Abgabe kein
sonderliches Interesse haben und infolgedessen
auch nicht gewillt sind, die Herstellung der
Leitung zu übernehmen. Anders verhält es sich
mit den Gemeinden. Nimmt man z.B. an (Zahlentafe!
 2), daß die Hüttenwerke ihr Gas zu
3 Pfg je Kubikmeter frei Hütte anbieten und
die Kosten für den Transport des Gases vom
Hüttenwerk bis zum Gemeindegasometer einschließlich
 Amortisation und Kapitaldienst 0,5 Pfg.
betragen, so könnte das Gas mit 3,5 Pfg. frei
Gemeindegasbehälter angeliefert werden gegenüber
 einem heutigen Gestehungspreis des im
Gaswerk erzeugten Gases von mindestens 7 und
meistens 8 bis 9 Pfg. je Kubikmeter, Hierzu
sind in beiden Fällen noch die Verteilungs- und
Verwaltungskosten, der Kapitaldienst für die
Leitungen, die Steuern und der Gewinn in einer
Gesamthöhe von etwa 10 bis 12 Pfg. hinzuzuziehen,
 so daß das Gas, das heute 16 bis 17
Pfennig pro Kubikmeter frei Haushalt kostet,
durch Anschluß an das Ferngasnetz für 12 bis
13 Pfg. bezogen werden könnte. Für den Kleinverbraucher
 ist diese Preisermäßigung nicht allzu
anziehend; außerdem würde sie bei der heutigen
finanziellen Einstellung der Gemeinden ‘wahrscheinlich
 auch gar nicht in die Erscheinung
treten. Der Verkaufspreis würde vielmehr die
alte Höhe behalten und der Gewinn in die Gemeindekasse
 fließen. Nimmt man für diesen im
Mittel nur 3 Pfg. an, so ergäbe das immerhin
im Jahre für die Gemeinden bei einem Jahresverbrauch
 von 11 Millionen Kubikmeter eine
glatte Mehreinnahme von 3390000 Mark. Trotzdem
 ist nach den bisherigen Erfahrungen die
Anschlußfreudigkeit der Gemeinden an die Ferngasleitung
 teils aus parteipolitischen Gründen,
teils auch wegen eines gewissen Lokalpatriotismus,
 der sich seines eigenen Gaswerkes rühmt,
nicht allzu groß.

Preis je m? Gas

Versorgung durch

Jüttenkokereien 'örtliche Guswerke

Preis frei Erzeuger.......
Ferngastransport ......

30 Pf n-7,0

 PE /m?

Verteilungskosten. ........
Verwaltungskosten. ...

0

»

)

Kapitaldiensı. ...
Gewinn
Sasverkaufspreis .........

0

Z5 *
12,5 Pf. tu? | 16,5” Pf/m?

Von weit größerer Bedeutung ist die Versorzung
 der heute noch gasfreien Orte im Saargebiet.
 Daß dieses noch sehr aufnahmefähig ist,
zeht daraus hervor, daß der gesamte heutige
Jjasverbrauch je Kopf der Bevölkerung und Jahr
nfolge des ländlichen Charakters unserer In-Jlustrie-Siedelungen
 nur rund 45 cbm. ausmacht,
zegenüber einem Durchschnitt von 50 cbm im
Deutschen Reich und 180 cbm. in England. In
’»inem dicht bevölkerten Gebiet wie dem Saaryebiet
 müßte der Durchschnitt weit über dem
leutschen Gesamtdurchschnitt liegen, zumal, da
wir ja auf dem Ausgangspunkt des Gases, der
<ohle, sitzen. Es ist daher ohne weiteres an-‚zunehmen,
 daß sich der Gasverbrauch je Kopf
ler Bevölkerung in den Haushalten mindestens
ıuf 85 cbm steigern ließe. Das gäbe bei einer
3Zevölkerung des Saargebietes von 750 000 Seelen
öinen Mehrbetrag von 20 Millionen Kubikmeter.
Daß sich durch den Bezug des billigeren Fernyases
 der Haushaltsverbrauch leicht steigern läßt,
zeigt das Beispiel von ferngasbelieferten Städten,
vie Barmen, Solingen und Remscheid, die 215,
5»zw. 250 bzw. 245 cbm pro Jahr und Kopf aufveisen
 gegenüber einem Durchschnitt von 125
<ubikmeter in den deutschen Großstädten über-1aupt.
 Daß für den heute noch gasfreien Teil
les Saargebietes überhaupt nur Hüttenferngas in
Trage kommt, dürfte sich leicht nachweisen
assen: Erstens fehlt für den Neubau von Gasanstalten
 im allgemeinen das Geld, während die
zur Verbindung der Kokereien mit den betref-‘enden
 Orten nötigen Leitungen bei den verhältısmäßig
 kurzen Entfernungen des Saargebietes
ılcht viel kosten würden. Günstig wirkt dabei
ıoch der Umstand, daß das Saargebiet im Gezensatz
 zu unseren anderen deutschen Industrie-"evieren
 ein zwar auch dicht bevölkertes, aber
loch dezentralisiertes Revier mit einer großen
Anzahl ländlicher Kleinsiedelungen ist, denen nur
aine einzige Großstadt gegenübersteht. Ein der
ırtiges Gebiet ist für Örtliche Gasanstalten recht
ıngünstig. Anders bei Ferngasbezug. Die Ferneitungen
 würden an einer großen Anzahl von
Stellen abgezapft werden können, so daß man
nit verhältnismäßig kleinen Rohrdimensionen
auskommt. Hinzu kommt noch der allgemeine
Vorteil der Ferngasleitungen, nämlich ihr ver-1ältnismäßig
 hoher Druck. Dieser gestattet es,
rechts und links des Hauptstranges 20 bis 25 km
weit das Gas nach kleineren Verbrauchern durch
            
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