Full text : 33.1928 (0033)

= an
Seelische Grundlagen der Mensche' "“ihrung.
Auszug aus den Vorträgen von Herrn Professor Dr.-Ing. Friedrich, die anläßlich der von der Anstalt
für Arbeilskunde veranstalteten Vortragsreihe über „Menschenführung‘“ in Saarbrücken gehalten wurden

Die Vorträge von Herrn Professor Dr.-Ing. Friedrich,
Karlsruhe, waren dazu bestimmi, in die seelischen
Grundlagen der Menschenlührung, so wie sie in den
Arbeiten der Anstalt für Arbeitskunde (A.F.A.) zum
Ausdruck kommen, Einblick zu geben.
Hierbei ist der Gedankengang eiwa folgender:
Wenn eine Gemeinschaltsarbeil aufgebaut werden
soll, so ist es nolwendig, eine einheitliche Zielrichtung
aller beleiligten Mitarbeiler als Grundlage zu wählen,
Alle äußeren Ziele, wie Slellung. Ehre, Macht, Wirlschaftlichkeit
 sind lediglich der Mantel für das Streben
nach innerer Zufriedenheit, die eigentlich gewollt ist.
Dieses Streben nach Zufriedenheit, das jedem Menschen
 unter- oder oberbewußt innewohnt und das
durch die Ummantelung lediglich verzerrt wird. ist
das Sehnen nach Harmonie, nach Abrundung, dasselbe
 Schnen, das in dem Leben des einzelnen Menschen,
 wie beispielsweise auch in den Arbeiten jedes
tüchtigen Berufslätigen, seinen Ausdruck findet.
Die Menschenwirtschaft, die in der A, F. A. zugrunde
gelegt wird, bedeutet eine Wirtschaft, in der der
Mensch zur inneren und äußeren Entfaltung kommen
kann.
Ziel der Menschenführung in einer solchen Wirtschaft
 ist also die Erzichung des Menschen zu sich, zu
klarerem und reinereim Denken und Handeln, so daß
immer mehr eine Führerstruktur enisicht. die alle
seelisch führenden Mitarbeiter umfaßt und gewissermaßen
 das Rückgral des Werkes darstellt
Aus diesem Grunde liegt der Schwerpunkt eines
solchen Vorgehens niemals in einer Psychotechnik
oder Betriebselhik, sondern in einer reinen und lauteren
 Menschenführung, die im persönlichen Leben und
in der Arbeil voranzugehen sucht.
Zu solcher Menschenführung aber ist in erster
Linie notwendig. daß der Mensch sich selbst zu führen
bestrebt ist. Denn nur derjenige vermag andere zu
führen, der sich selbst beherrscht.
Wenn aber jemand führen will, muß er zuvor das
Ziel kennen, wo hinaus er die Mitarbeiter zu leiten
gedenkt, und‘ wenn wir von lebendiger Menschenführung
 sprechen, müssen wir uns gleichzeitig darüber
klar sein, daß sie Führung der Menschen zur Lebensenifaltung
 bedeutet

Persönlichkeit bedingt. das personare, d. h. das
Hindurchklingen des Einen, und keine Persönlichkeit
st denkbar, die sich nicht in bescheidener Dankjarkeit
 und Einfachheit der ewigen Kraft als Mitller
ınd Spiegel einzuschalten sucht,
Bewußte, bescheidene Einordnung in die Allmacht
ınd höchste Kraflentfaltung in dem eigenen Selbst und
n der Nilfe gegenüber dem Mitmenschen ist Ziel des
vahren Führers, Wie es falsch ist. durch Suggestion
ınd Willen den anderen Menschen das Eigene,
Selbstige aufzudrängen, ebenso ist es falsch, sich in
ainer Weltflucht und Askese von der Gemeinschaft
zurückzuziehen, ohne seelisch zu helfen,
Aus diesem Grunde ist die Erkenninis des Lebens,
einer wahren geistigen Bedingungen und Forderungen
VNolwendigkeit wahrer Menschenführung. Jede Kenntıls
 des anderen vermag nur aus der eigenen Selbstarkenntinis
 zu erwachsen, der wir uns in einer gewissen
 Selbstflucht allzu gern entziehen. Die Gesetze
les Lebens können niemals konstruiert, sondern nur
srkannt werden, und der Beweis in der Tat wie in
ler inneren Zufriedenheit ist Wegweiser für die Richigkeil
 des Strebens,
Aus der Erkenninis des Gesetzes, die im Wissen
zottes ruht, soll der Führer die Wege ausarbeiten, die
‘ür die ihm anvertrauten Menschen zu deren Entfalung
 führen. Wir können die Mitmenschen nicht zu
hrer Entfaltung zwingen, aber wir können ihnen durch
Zeispiele und Richtlinien diejenigen Wege zeigen. die
ach unseren eigenen Erfahrungen zu der Entfaltung
'ühren.
Gerade die Zusammenarbeit in unserem industriellen
Leben führt uns dazu, uns gegenseilig zu helfen,
lede Aufgabe, jede Arbeil stellt einen Beweis dar, in
lem die innere Kraftenlfaltung zum Ausdruck georacht
 werden soll. Je reiner.und klarer die Mentaliät
 und je folgerichtiger und bewußter das Handeln
\ingesetzt wird, um so harmonischer wird auch die
Sntfaltung sein. Harmonische Entfaltung aber schließt
zöchste Wirtschaftlichkeit und beste Gesundheit in
jemselben Maße ein. wie ein gesunder Baum eine
zule Lebensdauer und gule Früchte aufweist.
So ist für uns das Ziel nicht Wirtschaftlichkeit,
ondern Entfaltung des Menschen und das Wirtschaftiche
 ist Selbstversländlichkeit bei einer Führung, die
ıhre ganze Kraft auf harmonische Entfaltung menschlichen.
 Wesens hinlenkt.
Anmerkung der A, F.A.: Da die Vorträge von
YJerrn Professor Friedrich nur in diesem kurzen Ge-Jankengang
 Wiedergabe finden, machen wir darauf
ıufmerksam, daß die Grundgedanken in folgenden
Schriften enthalten sind, welche durch die ALFA.
zermittelt werden können: „Goll, Mensch und Arbeit‘;
„Fähigkeitsschulung und Werksgesundung‘‘: „Wertarbeilblätter
 Nr. 1—14

Aus diesem Grunde ist die Lebenseinstellung des
Führers von ausschlaggebender Bedeutung. Eine Unmöglichkeit
 isl es, daß der Führer, der ja die anderen
zur Lebensentfaltung anleiten soll, selbst dem Leben
negaliv gegenübersteht. Positiv sicht aber nur derjenige
 dem Leben gegenüber, der die Allmacht des
Guten anerkennt, dem der Glaube des ewigen Geselzes
 und über dieses hinaus das Wissen Gottes aufrichtices
 Streben innerer Arbeit wird und ist.

Am

"cher Teir

Einladung der Sektion MM der Gewerblichen BeruisgJenossenschaft
 für das Saargebiet zur 7. ordentlichen
Sektionsversammlung.
Gemäß 8 25 der Satzung der Gewerblichen Berufsgenossenschaft
 werden die Mitglieder der Sektion zu
der am Mittwoch, den 20. Juni 1928, vormittags
 11 Uhr, im Saale des Hotel-Restaurants „Zur
Glocke“ in St. Ingbert statifindenden diesjährigen 7.
ordentlichen Sektionsversammlung hierdurch ergebenst
eingeladen.

1.

Tagesordnung:
Geschäftsbericht für das Jahr 1927.
Prüfung und Abnahme der Jahresrechnung für
1927.
Festsetzung des Voranschlages der Verwaltungskosten
 der Sektion für das Jahr 1929 und Nachbewilligung
 für das Jahr 1928.
Wahl des Ausschusses zur Vorprüfung der Jahresrechnung
 für das Jahr 1928. .
Beschlußfassung über etwaige Anträge entprechend
 dem 8 25 Abs. 8 der Satzung.

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