Handelspolitische Rundschau.
Größere Bauvorhaben des Auslandes,
Jugoslawien.
Zu dem Eisenbahnbau-Vorhaben wird folgendes
mitgeteilt: Ungemein wichtig ist die nach vielen und
überraschenden Aenderungen erfolgte Annahme des Bahnbaunrogrammes,
in welchem dem Bau der Linie Belgard—
Kragujevatz— Mitrovitza mit dem Ausgang an die Adria
die erste Stelle eingeräumt wird, Damit wurde die im
Jahre 1922 mit dem Bankhaus Blair vereinbarte Trasse
Belgrad—Visegrad--Cattaro endgültig aufgegeben. Teile
der Trasse Belgrad--Mitrovitza, und zwar Kragujevatz—
Kraljevo, Kraljevo— Raska, Raska--Mitroviiza und andere
im Bauprogramm vorgesehene Linien sin’l bereits im Bau
(293 km Normal- und 39 km Schmalspurhahnen). Das
1772 km umfassende Bauprogramm ist in drei Gruppen geteilt:
1. Normalspurig: Kragujevatz --Mitrovitza, Prokuplje—Pristina—Pec,
Belgrad— Tuzla- -Duboj—Banialuka, Bihac—Knin,
Uvac—Priboj, zusammen 999 km; schmalspurig:
Belgrad—Obrenovac, DPazaric-—-Konjic. 2. Ausschließlich
in Südserbien: Skoplje—Tetovo—(Gostivar—
Kicevo— Öhrid, Veles--Prilep--Monastir—Resan—Ohrid, zusammen
392 km. 3. Verbindungslinien in der Länge
von 303 km. Die erste Bauperiode ist durch den Frlös
aus dem zweiten Teil der Blair-Anleihe von 1130 Mill.
gesichert. Die in London abz/uschließende Anleihe soll
in erster Linie der Ausführung der genannten Bahnen in
Serbien und Südserbien dienen
Belgien.
(Im den steigenden Elektrizitätsbedarf der zahlreichen
Badeorte an der belgischen Küste zu befriedigen, will die
Societe. de VElectricite du Littoral die Kraftstation zu
Siyrkens um einen neuen Dampfturbogenerator von 6000
Kilowatt vergrößern, so daß eine Gesamtleistung von
20.000 KW erreicht wird. Eine UVebertragungslinie mit
36.000 Volt ist bereits zwischen Siykens, Lanverbrugge
und Zeebruvge hergestellt worden.
Spanien.
Die spanische Regierung beabsichtigt einen großzügigen
Ausbau des gesamten Eisenhahnnetzes des Landes. Für
die Durchführung des Bauprogramms bis 1936 rechnet man
mit einer Ausgabe von 3 Milliarden DPeseien. Für das
laufende Jahr sind 490509 260 Peseten für den Neubau
von Eisenbahnen vorgesehen, und zwar 456 974 600 Peseten
für die Breitspurbahnen, 24 419 660 Peseten für die Schmalspurbahnen,
7465000 Peseten für die staatlich geleiteten
Bahnen und 16390000 Peseten für die Umstellung von
Schmalspur auf Breitspur, Die Verdoppelung der verkehrsreichen
Strecken wird etwa 41 Millionen Peseten erfordern,
244 Millionen Peseten sind für die Beschaffung von
rollendem Material (vorzüglich Lokomotiven) vorgeschen.
Das Bauprogramm umfaßt den Neubau von insgesamt
9142 km Eisenbahnlinie (3176 km Hauptlinien, 4089 km
Zweiglinien und 1887 km Lokalbahnen).
China.
Das Verkehrsministerium will zusammen mit
den Provinzialverwaltungen von Heilungkiang und Fengtien
(Mukden, Mandschurei) die Eisenbahn von Angangki nach
Tsitsikar und Heilungkiang weiter ausbauen. Es ist geplant,
daß die Pekinger Regierung die Baumaterialien
beschaffen und die Provinzialregierungen Geld aufbringen
sollen, und zwar zunächst monatlich 100000 Dollar, beginnend
mit März. Die Bauarbeiten sollen bald beginnen.
Ferner soll die Strecke Tientsien—Shanhaikwan der Linie
Peking—Mukden zweigleisig ausgebaut werden, Die Bauarbeiten
werden beginnen, sobald die nötigen Gelder
besorgt sind. Als Notstandsarbeiten, um den von der
Hungersnot leidenden Bewohnern Arbeit zu schaffen, sollen
ferner drei Zweiglinien der chinesischen Ostbahn gebaut
werden. Die drei Linien sind: Harbin—Heihing.
Makiaoho-——-Mishan und Wukimiho—Fangscheng. Außerdem
ist geplant, die zerstörten Anlagen der Eisenbahn
von Kiautschou nach Tsinanfu wiederherzustellen, und
zwar zunächst die Linie von Tsingtau nach Kaumi. Bei
Niutschwang an der Peking-Mukden-Bahn. welches neuerlings
durch Eröffnung einer Zweiglinie nach Tungliao
2öinen neuen Aufschwung genommen hat, soll eine Brücke
iber den Hunho und eine Straße nach Wutaitze gebaut
werden; an dem letzteren Orte werden auch größere
Lagerhäuser geplant.
Kanada.
Die Provinz Alberta will für ihre Chausseen in
liesem Jahre eine Summe von 1,97 Millionen Dollar auszeben,
beinahe doppelt so viel wie im vorigen Jahre,
dazu kommen noch örtliche Straßen, Brücken, Traiekte,
‚Oo daß eine Gesamtsumme von 2,995 Millionen Dollar für all
liese Wegeverbesserungen herauskommen: für Haupt-;traßen
etwa 2 Millionen, für Nebenstraßen 0,25 Mill,
ür Brücken über 0,5 Mill. und für Trajekte 70000 Dollar.
Jer Minister der öffentlichen Arbeiten, O0. L. Mac Pherson,
Sdelmonton, Alberta, ist jetzt damit ‘beschäftigt, die entsprechenden
Vorlagen mit dem Parlament zu regeln.
Lit,
8”
Buchbesprechungen.,
Besprochen werden grundsätzlich nur solche Werke
lie sich im Besitz der Handelskammer-Bücherei befinden
Der Sachverständige, Rechte und Pflichten
von Sachverständigen der Behörden
und Gerichte im deutschen
Recht, von Kommerzienrat Manasse, Carl
Heymanns Verlag, Berlin. 1927, Preis 3 RM
Die Schrift ist dadurch entstanden, daß Kommerzienrat
Manasse in seiner Tätigkeit als Sachverständiger die
nannigfachen Bestimmungen über das Sachverständigen:
echt sammelte und sie solchen zugänglich machen wollte,
lie vor der Berufswahl stehen. In der Broschüre ist so
‚tel Interessantes und Wissenswertes zusammengetragen,
laß sie gewiß auch manchem Gutachter wertvolle Dienste
eisten kann.
Betriebsverhältnisse und Preisverhältnisse im Einzelhandel,
von Dr. Edgar Hentschel, Verlag
Spaeth & Linde, Berlin, 1928.
Der Verfasser behandelt in der 78 Seiten umfassenden
3roschüre die Probleme des Einzelhandels, die bei der
Trage seiner Weiterentwicklung entstehen, in prägnanter
7orm. Inhaltlich sucht sie zu beweisen, daß zwischen
zroßen und kleinen Einzelhandelsbetrieben der Handelsınkostenkoeffizient
kein Maßstab für deren Leistungen im
Dienste der Volkswirtschaft sein kann. Die Schrift, der
lie Dissertation des Verfassers zugrunde liegt, behandelt
1ach einem allgemeinwirtschaftlichen Teil Standortsfragen
ıach den verschiedenen Gruppen im Einzelhandel, nämlich
len Haushaltsbedarfshandlungen, Geschäften periodischen
3edarfes und Gelegenheitshandlungen, ferner die Preisind
Verdienstverhältnigse
Europäische Zollunion, Beiträge zu Problem
und Lösung, herausgegeben von
Dr. Hanns Heiman, Verlag von Reimar
Hobbing, Berlin, 1926.
Um die Jahreswende 102326 sind Herausgeber und
Verlag an eine Reihe durch Stellung und Beruf befähigte
Autoren mit der Bitte um Mitarbeit an dem genannten
Buch herangetreten. Die Aufgeforderten haben der Bitte
n weitem Maße entsprochen, so daß eine überaus woert-‚olle
Aufsatz-Sammlung über dıeses interessante Problem,
jessen Klärung und Verfolgung der Reichsverband der
Deutschen Industrie in sein großes Prozramm von 1925
ıufgenommen hat, zustande gekommen ist. Sowohl warme
Zefürworter als auch heftige Gegner des paneuropäischen
jedankens kommen zu Wort. Führende Männer aus
dolitik, Industrie, Landwirtschaft, Wissenschaft, Vertreter
ron Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden, Freihändler
ınd Schutzzöllner beleuchten die Frage von ihrem Standyunkt
aus, Eine große Rolle spielen die Vergleiche mit den
Vereinigten Staaten, dem Deutschen Zollverein und anderen
Zollunionen, die politischen und geopolitischen Vorbelingungen.
die Beteiligung Englands und Rußlands. Ver