werden, sondern erst nach reiflicher VUeberlegung und
dann auch nur unter Angabe der Gründe, Schimpfwörter
selzen den. der sie gebraucht. herab und ins
Unrecht. Sie sollten deshalb im Wortschatz des Ingenicurs,
des Menschenführers nicht vorhanden sein.
Nichts wirkt verleizender auf uns alle als harte oder
gar häßliche Worte oder Sirafen. deren Ursache und
Berechtigung wir nicht erkennen. Darum gehört es
zur rechten Pflege des Werktones und wieder zum
rechten Dienst an der Menschheit. als den wir unseren
Beruf auffassen sollen und wollen, daß wir den uns
Nachgeordneten gegenüber auch die Gründe unseres
Handelns immer wieder darlegen. Bedenken wir, daß
Gerechligkeit immer anerkannt wird. und daß gerechte
Strafe auf den Betroffenen selbst befreiend wirken.
also dankbar anerkannt werden kann, Aber nochmals:
hülen wir uns vor dem reimmen Befehlston, vor dem
mit Recht verpönten Unteroeffizierston, denn er paßt
nicht in den Rahmen wahrer Menschenführung und
der durch sie erstreblen wahren Arbeitsgemeinschaft,
Bedenken wir. daß niemand verlangen kann, als Führer
oder brauchen wir einmal einen Augenblick dieses
Wort, auch wenn es hier nicht ganz paßt als
Herrscher anerkannt und gewerfe! zu werden, der sich
seibst nicht beherrschen kann,
Damıl möchte ich die Behandlung der Führerpflich
16 des Ingeniecurs, sowell sie sich in der Pflege des
Werklones auszuwirken haben. verlassen und mich der
Frage zuwenden:
"Wie soll und wie kann der Führer eines Werks
nach alledem seine Unterführer, seine Ingenieure auswählen.
und welche Mittel hat er. um möglichst überall
den rechten Mann an den rechten Platz zu stellen?
Als erster Anhalt für die Leistungsfähigkeit des
jungen Ingenieurs stehen uns gewöhnlich die Examens:
zeugnisse zur Verfügung, Diese sagen uns aber über
den Menschen oder über die Persönlichkeit des Inhabers
meist nur wenig oder gar nichts. Sie werden
im wesentlichen ncben dem reinen Nachweis des lechnischen
Wissens abs ein Beweis von Willenskraft ge
wertet werden müssen und erhalten dadurch eine
besondere Bedeulung, Zeugnisse und Referoöonzen sind
weitere wertvolle Anhaltspunkte für die Beurleilung
eines Bewerbers. wenngleich auch wieder keine voll
werligen, denn es Ist schr wohl möglich. daß ein
Ingenieur im Rahmen eines kleineren Werkes durchaus
Brauchbares, ja recht Gutes geleistet hal. während er
in neuer Umgebung. z. B. auf neuem größerem Wir.
kungsfeld. versagt.
Gerade der richtigen Auswahl des Ingenieurnach
wuchses oder Ersalzes kann von seiten der Werkslei
lung gar nicht genug Bedeutung beigemessen werden,
Darum sollte hier mit allergrößter Sorgfall und Vorsicht
vorgegangen werden, denn nur so wird sich im
Laufe der Zeit ein wirklich harmonisches Zusammenarbeiten
durch alle Reihen und Glieder hindurch ermöglichen
lassen. Ich pflege mich deshalb bei
Neveinstellungen von Ingenieuren auch immer über
ofhische Fragen mit ihnen zu unterhalten, das würde
also im Rahmen unseres Vortrages heißen, über Fragen
der Menschenführung: und ich glaube gerade dadurch
schon manche Fehleinstelung vermieden zu haben,
Im übrigen erscheint mir Wimmer wieder für alle
Peile am vorleilhaftesten die Probeanstellung. auf
Grund deren die Werksteitung am besten in der Lage
ist. zu beurleilen, ob der gerade im Betracht kommende
Ingenieur im Rahmen des Werkes Fruchtbringendes
leisten kann. Aufgabe des Führers oder
Vorgeselzten wird es dann sem. sobald der junge
Ingenicur seine Stellung angelreten hat. dafür zu sorgen,
daß er sich seiner Kraft und seiner Fähligkeilen
bewußt wird. daß sich seine Kräfte enlfalten und daß
er an seiner Tätigkeit die Freude empfindet. die nölig
ist. um aus sich selbst heraus welter vorwärts and
aufwärts zu slreben, Das selzt voraus. daß ihm zu
nächst leichte und einfache Aufgaben überlragen wer
den, die er verhältnismäßig mühelos zu lösen vermag.
und daß dann mil wachsenden: Selbstvertrauen
die Aufgaben schwieriger und schwieriger gestaltet
werden, Wir wollen uns darüber klar sein, daß der
Mensch Schwierigkeiten braucht. damit er sich an
ihnen höher hinauf arbeiter und erslarkl zu Irohem
yelbstbewußtsein und immer größerer Verantwortungs
’reudigkeit. Aufgabe des gewissenhaften Menschen
'ührers muß es dabei sein, dafür zu sorgen, daß di:
schwierigkeiten nicht zu groß werden. denn dam.
führen sie zum Verzagen. aber auch dafür zu sorgen
1a4ß sie nicht zu klein bleiben. denn dann führen sie
zur Oberflächlichkeit, Nichts erscheint mir in den
Zusammenhang trauriger und für die Arbeitsgemein
schaft hinderhcher, als daß hier und da und schließe}
ın vielen Stellen Menschen wie Maschinen in ein
Öniger, jahrzehntelang geübter Arbeit ihr Leben dahir
vegetieren. Solche zerbrochenen Menschen müssen un:
sollen ein dauernder lebendiger Vorwurf für die Führer
leiben, die hier gesündigt und versäumt haben. diese
Menschen zu rechtem Leben zu wecken. und gerad
las ist doch eigentlich die schönste und hervor.
‚agendste Aufgabe des Führers, daß er das in jedem
Menschen ruhende Vorwärts- und Aufwärtsstrebende
acht verkümmern läßt, sondern weckt und dauern
‘Ordert. Ich persönlich bin davon überzeugt. dal
nun jedem Menschen der gule Kern und der schöne
Klang der Seele ruht, und daß es nur daraut an.
komm, daß dieser Klang geweckt wird, daß also der
Klöppel der Seelenglocke in Bewegung gehracht wird
am die Menschenseelen heil und immer heller er
Önen Zu lassen bis zur vollen Harmonie, die das
Werksleben als Arbeitsgemernschaft erTülten sollte
darım darf kein Mittel unversucht bleiben. das über
viedergewonnene Arbeitsfreudigkeit zu wahrem Men
chentum führen kann,
Dazu haben wir in allen größeren Werken. namen!
üch in unseren großen. Hültenwerken durch lie Viel
wöitigkeit der Beschäftigung eine Möglichkeit, indem
wir die Fähigkeiten des Ingenieurs an der einen odaı
inderen Stelle erproben, bis erreicht ist. daB die Boenfsarbeit
auch wirklich voll befriedigend und se
ebenfördernd wird, Tech habe durch dieses Verselzen
‚om einem in den anderen Betrieb, von einem Tälis
keitsfeld in ein anderes und drittes schen mehrfacl
überraschende und höchst befriedigende Ergebnisse er
delt und dabei den aufrichtigen Dank der Belroffene:
zoernlet,
Immer sollte erreicht werden, daß Ingenieure mit 10
ler höchstens 45 Jahren an der Stelle stehen, an
ler sie ihre Berufsarbeit bis zur Pensionierung mit
Freuden ausfüllen können, Und Pflicht sowohl der
Pührenden als auch der Geführten ist es. dafür zı
sorgen, daß das erreicht wird,
Damit komme ich wieder auf das rechte Verhällnt
zsegenseitigen Verlrauens zwischen Führern. Unter-"ührern
und Milarbeitern zu sprechen. wie 058 eins
yahre Arbeitsgemeinschaflt eigentlich als selbstver
;tändlich voraussetzt, denn nur das macht es möglich
laß Fehlbesetzungen von Führerposien vermieden wor
werden. Ich habei beispielsweise in meiner Pranis
nehrere Fälle erlebt, in denen Ingenieure uni Beamte
vollständig in sich selbst zerbrachen erschienen un:
natürlich auch nichts mehr leisteten, weil sie von un
geeignelen Oberführern auf Posten gestelll waren
lenen sie nach ihrem ganzen Bildungs- und Werde
gang nicht genügen konnlen; zum Schaden Tür sich
und das Werk. Fine Verselzung an andere, den Anıagen
und Fähigkeiten wirklich entsprechende Slelien
brachte neue Lebens- und Arbeitsfreude und damil
1jeuen Segen für Beamte und Werk, Möglich waı
lie ursprüngliche Foehlbesetzung nur geworden. wei
lie in Betracht kommenden Herren nicht gewagt hal
en, seinerzeit der Werksleitung olflen zu gestehen
laß sie sich für dep allerdings besser bezahllen Poster
alsächlich nicht für geeignel hielten.
Darum nochmals, wenn wir auf dem Weg wahre"
VMenschenführung weiterkommen wollen zur Arbeits
ınd Werksgemeinschaft und weiter zur Volksgemein
schaft, dann kann das nur gehen auf dem Wogt
voller Wahrhaftigkeit und gegenseiligen Vertrauens.
Solche Einstellung im ganzen Werk erleichtert auel
len ersten Führern ihr schweres Werk, ja. es er
nöglicht ihnen erst, dieses wirklich freudig und voll:
verantworllich zu erfüllen. denn auch noch so bo
rufene Führer bleiben Menschen und sind deshall
nicht vor Fehlern geschülzt. Deshalb ist es. wie fiel
jereits früher sagie, Pflicht der Mitarbeiter und Unter
‘ihrer. ihre VYorgeselzfen auf entstehende Fehler 107