Full text : 33.1928 (0033)

Die Führ--san

 des Inqgenieurs.,

Yon Generaldirektor Rodenhauser, Völklingen.
Vortray, eehalten im Vortrauszyklus der Anstalt für Arbeitskunde der Saarindustrie am 1. März 1928,

Wenn mir die Aufgabe gestellt wurde, im Auflrage
‚er Anslalt Tür Arpeitskunde heute zu sprechen über
‚Die Führerpflichten des Ingenieurs“, so hitlle ich
sie. zu beachten, daß meine Ausführungen ein Glied
ilden in der Reihe unserer „Vorträge über Menschen
Khrung“. daß sie also naturgemäß auf dem gleichen
srundthema aufgebaut sein müssen wie vorhergehende
und folgende Vorträge, und daß deshalb hie und da
yich Wiederholungen von bereits Gesagtem nicht Zu
vermeiden sei werden, Das erscheint aber kaum
bedenklich, ja, im Gegenteil vielleicht sogar vorteilhaft
weil die Aufrollung der Frage „bewußter Menschen:
ührung” noch recht neu ist, und weil man sich mil
tiesen Fragen in den Reihen der Wirtschaft teils
überhaupt noch nicht oder erst in allerneuester Zeil
beschäftigt. Deshalh kann es nur von Vorleil sein
wenn derch Beleuchtung von den verschiedensten
seiten und an Hand der verschiedensten Unmerthemen
jür die Gründe und Ziele der Menschenführung, wie
Je von Herrn Professor Friedrich aufgedeekt and
slargelegt wurden, möglichst weitgehendes Verständ
nis in immer welleren Kreisen geweckt wird.
Ich habe dabei den Vorzug, segenüber meines
Herren Vorrednern als erster aus der Tebendigen
Praxis für die Praxis zu Ihnen sprechen zu dürften.
al ich werde deshalb meine Ausführungen stalzen
m wesentlichen auf Selbsterarbeiteles, Selbstöerlebles
and von mir schbst Erkanntes, Mein Vorlrag wird
bo im großen ganzen ein Bekenntnis meiner Lebens
auffassung werden, wie sie sich im Verlauf eine
rund 25jahrigen Ingenieur-Täligkeit bei mir heraus
aschildet hat. Ich könnte dieses Bekenntnis kurz fassen
indem ich Ihnen sagte: Tech unterschreibe alles das
was Herr Professor Friedrich In sehiem Vorlrag an
Monlag gesagt hat: meine Lebensauffassung und Cdiaumil
auch meine Auffassung von den Führerpflichten
auch denen des Ingenieurs deckt sich ala in allem
vesentlichen mit derjenigen Professor Friedrichs
Ein so kurzes Bekenntnis dürfte aber wenig oder sar
nicht zum weileren Verständnis der hier zu behandeln
den Prableme beitragen, ganz abgeschen davon, daß
mein Vortrag damit zu Ende wäre, Auf der anderen
Seite könnte es als anmaßend erscheinen. wenn ich
Ihnen zumutele, sich das ausführlichere Bekenntnis
meiner Lebensauffassung anzuhören, Eine Rechtlerli
amg sche ich aber darin, daß ich als Ingenieur auf
der Basis dieser Anschauungen für mich das erreich!
habe. was wir auf dem Weg rechter Menschenführung
für weiteste Kreise erstreben, nämlich: innere Aus
geglichen heit. Harmonie und Zufriedenheit. kurz dus.
was man als Lebensglück bezeichnet. Und vieleicht!
si dieses Bekenntnis und damit die Tatsache, daß
8 so elwas 2ibl - auch für Ingenieure gibl — und
laß cs sich deshalb lohnt, danach Zu slreben. der
neste Grund dafür. daß ich nun doch ausführlich
Slellung nehme zu meinem Thema „Die Führerpllich
len des Ingenienrs”
Meine Herren, wenn wir von Führern der Wirl
schaft oder der Industrie sprechen, dann denken wir
in erster Linie an Männer wie Krupp. Siemens. Thys
sen, Stinnes, Röchling und viele andere mehr. die
hier wahllaes genannt werden könnten. d.h. wir
lenken in erster Linie an Männer, die als Führer der
Wirtschaft gleichzeitig Besitzer ihrer Werke warel
ler Hauptbeleiligte Ihrer Unternehmungen blichen
Wir denken an sie, weil wir das Ergebnis ihrer Arbei|
WM ihren Werken, in ihren gewaltigen Unternehmun
4en, in den Konzernen schen, die Ihren Namen Iragen
md wir fühlen, daß wir es hier mit Genies des
Wirtschaft, mil Führer-Genies zu Iun haben. die Leils
Ss Keinen Anfängen heraus Großes geschalfen haben
I6ils bereits Großes nach 9rüßer und gewalliger ans
Yestalielen

Was aber war und was ist die Triebkralt zu ul
Da eg walfieo on Schönfungen Heser Männer gewespn”

War es die lasl und die Sucht nach Gewinnen und
mmer größeren Gewinnen, dıe Gier, immer größere
Schätze anzuhäufen? Ist es der Trich, solche Schälze
zu erralfen. damit nachher ein möglichst beschauliches
Yasein geführt werden kann? -- Ganz gewiß nicht!
Wir wissen. daß die großen Männer unserer Wirtschaft
 eigentlich bis zum letzten Atemzug 1älig waren
ind im Dienst ihrer Werke standen, daß sie eigentlich
ılso nicht zu dem gelangten. was der Spießbürger
schlechthin als Lebensgenuß bezeichnel. Das ist für
ans alle vollkommen begreitlich, denn wir wissen alle
lab jedes Werk um so größere Anforderungen an den
‚eiter, an den Führer stellt, je größer und gewaltiger
x wird. und dab dieser dadurch immer mehr de
zunden und gekellet wird,
ES sei hier nur daran erinnerl, wie schwer es
älllL. ein Werk aus eigener Kraft dem Fortschritt
jer Technik dauernd anzupassen und eventaelle 1m
stellungen oder Neubauten ohne Aufnahme neuer Mitlel
 zu bestreiten, Tech erinnere Ferner an die mit
wachsender Größe der Werke immer größere, schliebich
 ungeheure Verantwortung, Welche der Führe:
nes Wirlschaftskörpers und vorläufig schen wir
jiesen im Babmen unserer Belrachtungen noch gleiten
zeitig Wim Unternehmer gegenüber der Ihm anver
raufen Beanıtten- anıl Arbeiterschaft Wrägl. Thür deren
jeschältigung und Brof er Sorge lLrägl.
Sa erscheint denn als Tricbhkraft für die Täligkeit
Heser Männer zunächst nur der schöpferische Drang.
die Freude an der Entfaltung: der eigenen Kräfte,
aler in ganz ähnlicher Weise auf wirtschaftlichem he
ieh wie wir sie sonst beispiebweise hei Künsliern
id Dichtern finden, Im Gegensatz zu diesen genügt
ber beim Wıirtschafllsführer der Schalfensdrang. se
Sschäpferkratt nicht allein; er kann nur Erfolg haben
venn er mil dieser Kraft den klaren Blick für die
sirtschaltlichen Erfordernisse verbindel. wenn er im
Kampf mil gleichartigen Unternehmungen neue Kntvicklungsmöglichkeiten
 rechtzeitig erkennt und recht
zeitig neue Wege des Fortschriltes zu gehen weiß
ür kann also nur Erfolge haben. wenn er die Kraft,
len Mut und die Sicherheit besitz. das Schiff des
on ihn geführten Wirtschaftskörpers auch durch ung
jegen widrige Winde nicht nur hindurchzusteusrp
ondern auch weilerzaführen.
Wir haben nun schon eine ganze Anzahl von Eigen
schaften, die wir bei dem Wirtschaftsführer, also auch
seim Ingenieur als Wirtschaltsführer vorausselzen
nüssen, genannt. Wir sprachen von Tal- und Schöpfer
Kraft. von klarem Blick und sicherem Handeln, von
Mut und Kraft auch dazu. gegebenenfalls viel oder
ılles aufs Spiel zu selzen, was Irdischer Besitz beleutlel.
 Wie aber sollte solcher Wagemutl möglich
sein, wenn es nicht andere höhere Werle gäbe, die
an Hintergrund all dieses scheinbar auf irdische Dinge
ıbseslellten Denkens, Tun und Handelns sländen, wenn
so mit dem Verlust irdischen Wohlstandes und Bezes
 wirklich alles verloren wäre,
Meine Herren. ich meine. so bedauerlich es auch
sl, daß der Weltkrieg geführt wurde oder einmal
zeführ! werden mußte. wenn er keinen anderen Segen
zehbracht hal. den einen brachte er uns doch, daß wir
ins wieder darauf besonnen haben. dab es höhere
Jinge gibl als den rein irdischen Besitz. Und diese
“rkenni{nis. die isl es meines Erachtens, die den
zroßen Führern unserer Wirtschaft die Kraft und die
Sicherheit für ihre Entschließungen und für das
nutige Beschreiten ihrer Wege gab und immer wieder
:cben wird. Aus dieser Erkenninis heraus entspringl
lie Kühnheit und Fröhlichkeit des Handelns und Wasens;
 sie ist die wahre Quelle des Oplimismus. des
(loffens und Rechnens, des Vertrauens auf den Erfolg.
Ohne das ist ein echter und damit erfolgreicher Führer
zur nicht denkbar. Und was ist Oplimismus anders als
das Vertrauen auf den Sieg des Guten. als die Ge-Wißheit
 Auß es mit der Menschheit aufwärts und
            
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