Full text : 33.1928 (0033)

Wirtschaftliche

Aus dem Bericht der Saar-Genossenschaftsbank
über das Geschältsjahr 1927.
Dem Bericht des Vorstandes der Saar-Genossenschaftsbank
 über das Geschäftsjahr 1927 entnehmen wir folgende
Ausführungen, denen für die Beurteilung der wirtschaftlichen
 Lage des Saargebietes im verflossenen Jahre allgemeines
 Interesse zukommt:
„Das Berichtsjahr 1927 stand für die Wirtschaft des
Saargebietes im Zeichen der Deflationskrise. Es war
seit Kriegsende das erste Jahr einer fast stabilen Währung,
die mangels der gesetzlichen Stabilisierung wohl die Nachteile,
 aber nicht die Vorteile einer solchen brachte, Die
Ungewißheit des kommenden gesetzlichen Stabilisierungskurses
 bedrückt die Wirtschaft und hemmt deren Entschließungen.
 Es zeigte sich dies in Schwierigkeiten des
Handels, Gewerbes und der mittleren und kleineren Industrie,
 vor allem aber bei dem größten Arbeitgeber des
Saargebietes, dem Bergbau, der durch den Friedensvertrag
dem französischen Staate überantwortet ist, Ob hier die
Belange für die Wohlfahrt der Bevölkerung des Saargebietes
 gewahrt geblieben, dafür wollen wir das Urteil
Berufeneren überlassen. Zahlreiche, lohnverkürzende Feierschichten
 während des Berichtsjahres, große Arbeiterentlassungen
 am Schluß des alten und Anfang des neuen
Jahres düriten aber keine Aktivposten für dieses Urteil
sein. Der Bergbau mit seinen 70000 Arbeitern ist neber
der Groß-Eisenindustrie das Rückgrat der Saarwirtschaft.
Die großen Lohnausfälle der Bergarbeiter müssen diese
Gesamtwirtschaft in ungünstiger Weise beeinflussen. Wir
wollen hoffen, daß die auf Abhilfe zielenden Bestrebungen
in absehbarer Zeit zum Erfolge führen.
Dank unserer rechtzeitig einyeleiteten vorbeugenden
Maßnahmen Umstellung des Betriebes, Stärkung der
Rücklagen konnte unsere Genossenschaftsbank als:
größte des Saargebietes, welche auch in der ersten Reihe
der deutschen Genossenschaftsbanken steht, diesen wirt
schaftlichen Schwierigkeiten sowohl für ihre eigene als
auch für die Wirtschaften ihrer Mitglieder mit Erfolg
begegnen.
Der Kontokorrentverkehr gestaltete sich mit einem Umsatz
 von 538 Millionen Franken recht lebhaft. Wir konnten
dem an uns herantretenden Kreditbegehr unserer
Mitglieder, soweit dieser nach genossenschalftlichen und
wirtschaftlichen Grundsätzen und entsprechend unserer vor
sichtigen Sicherungsanforderungen berechtigt und begrün:
det war, völlig genügen, und zwar aus reiner Selbsthilfe
da auch in diesem Jahre die Saarregierung den die mittel
ständischen und gewerblichen Bevölkerungskreise vertretenden
 Kreditgenossenschaften öffentliche Celder als Einlagen
nicht zukommen ließ.
Nachdem nunmehr durch Verordnung der Regierungs
kommission die Eintragung von Feingoldhypotheken er
möglicht ist, ist die Beschaffung von Hypothekendarleheı
aus dem deutschen Wirtschaftsgebiet Srleichtert. Gleich
wohl mußten wir mit kurzfristigen, amortisationspflichtigen
hypothekarisch gesicherten und zum Teil mit Gemeinde
bürgschaft versehenen festen Darlehen in noch er
heblichem Umfange von 221, Millionen Franken auf 7553
Konten aushelfen, auf welche im Berichtsjahre aber be:
reits 8 Millionen Franken oder mehr wie 35 Prozeni
zurückflossen. Hieraus ist der Charakter des Zwischen
kredits, wie auch die Güte und Sicherheit dieser Anlager
ersichtlich. Darunter sind auf 25 Konten kurzfristige
Kredite an Gemeinden und ähnliche Korporationen des
Saargebietes enthalten, denen wir immer wieder. unsere
Dienste zur Verfügung stellten, bis sie diese Darleher
durch Aufnahme langfristiger Anleihen ablösen konnten
Wir hoffen auch in Zukunft unsere soziale Mithilfe
 durch Hergabe dieser Wohnumngsfürsorge- und Ge:
meindebedürfnisse-Zwischenkreditmittel bekunden zu können,
 Rund 3000 RM. entfallen im Durchschnitt auf ein
derartiges Konto.
‚Der Zuwachs der Spareinlagen erinnert an die
besten Vorkriegszeiten, Diese stiegen von 16,4 Millionen
Franken mit 3850 Konten und Sparbüchern auf 27,5
Millionen Franken (4,5 Millionen Reichsmark) mit 624(
Sparbüchern und Konten. Die Wiedereinführung der Heim
snarhüchsen hat sich sehr gut bewährt. In kurzer Zeit

itteilunger.

wurden schon 1200 ausgegeben. Wir hoffen hierdurch den
3parsinn der Jugend zu fördern. Die Spareinlagen unseres
Instituts sind damit um 60 Prozent gestiegen. Die Spar.
<onten sind in der Hauptsache in Reichsmark und Doaolla;
angelegt. Die wertbeständigen Frankenspareinlagen sinc
vestlos beseitigt.
Die Aufwertungsfrage ist nunmehr im Saar
zebiete einen Schritt weitergekommen. Die Regierungs
<ommission hat endlich einen Teil der langerwarteten Aufwertungsverordnung
 in ziemlich enger Anlehnung an den
antsprechenden Teil des deutschen Aufwertungsgesetzes
vorgelegt. Im allgemeinen kann man sich, abgesehen von
einigen mehr redaktionellen Aenderungen, für die hier
<ein Raum zur Erörterung ist, einverstanden erklären, jeloch
 mit Ausnahme des in 8 15 der Verordnung festzelegten
 Rückwirkungsstichtags für Hypotheken usw. auf
den 15. Juni 1922. Hier sind die entsprechenden Ver-1ältnisse
 des Saargebietes mit denjenigen des deutschen
zeichsgebietes nicht übereinstimmend. Im Saargebiete er-‘olgte
 nicht nur die Währungsänderung wesentlich früher,
;ondern wurde der ganze Kauf- und CGieldmarkt schon
;eit 1920 mit dem Franken in starkem Maße durch
„ohn- und Gehaltszahlung an die Bergarbeiter und Beımten
 durchsetzt, wodurch im Saargebiete die Hypotheken
del früher und in viel größerem Ausmaße zur Rück-‚ahlung
 kamen als im Deutschen Reiche, In Ausgleichung
lieser veränderten Verhältnisse muß daher der Rückvirkungstermin
 des 8& 15 spätestens auf den 1. Juli 1021
zelegt werden. Wenn dies nicht geschieht, müssen die
Aufwertungshoffnungen der Spareinleger für ihre alten
Markspareinlagen sehr zurückgeschraubt werden, da sonsf
im Gegensatze zum Deutschen Reiche der Aufwertungs
stock, der selbstverständlich von uns restlos an die Spar
sinleger ausgeschüttet werden soll, nicht entsprechend auf
zefüllt werden kann. Die Aufwertung der alten Mark
Geschäftsanteile erfolgt von uns, wie aus den letztjährigen
ınd diesjährigen Gewinnverteilungsvorschlägen ersichtlich
st, gesondert.
Im Zusammenhange hiermit muß nochmals des schon im
/orjahre behandelten, noch immer nicht zu Ende ge
ührten Ausgleichsverfahrens wegen unserer For:
derungen und Schulden in den abgetretenen Grenzgebieten
zedacht werden. Dank unserer und befreundeter Genos:
senschaften unablässigen Bemühungen sind wir auch hieı
:;twas weiter gekommen. Das Deutsche Reich hat vorläufig
lie aus dem Ausgleichsverfahren ausgeschiedenen Fordeungen
 in das Liqudationsverfahren übernommen. Wenr
lies endgültig geschieht, so besteht die Hoffnung, daf
ınser Aufwertungsstock entlastet und der nicht zu er
Klärende Unterschied in der Behandlung der Saargebiets
grenzbewohner mit den anderen Reichsgrenzbewohnerr
in dieser Frage endlich beseitigt wird “*

Die Indexziffern der Stadt Saarbrücken und des Saargebietes
 im März und April 1928.
Nach Mitteilung des Statistischen Amtes der Regierungs
<ommission hatten die Indexziffern der Stadt Saarbrücker
ınd des Saargebietes im März und April 1928 falgend«
Hähe“-u

 dIK.

Stadt
Saarbrücken
März April
590.1 599 (1

Saargebiet
März Apri
5RA 591

Gesamtlebenshaltungskosten
Gesamtlebenshaltung ohne
Wohnung 648 635
Zrnährung 608 614_
Wohnung 338,7 338,7
Heizung und Beleuchtung 609, 611
Zekleidung 750 749
Sonstiger Bedarf einschließlich
Verkehr 811,5 810,1 825
Ernährung, Wohnung, Heizung,
Beleuchtung und Bekleidung 56717 A774 560 ART
            
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