Full text : 33.1928 (0033)

Handwerk, im Normenausschuß der Deutschen Industrie,
 im Deutschen Institut für technische Arbeitsschulung,
 die die Einzelarbeit in jedem Betriebe nach
wirtschaftlicher Fertigung, zweckmäßiger Organisation
der Verwaltung und Verteilung. maschineller Buchführungsmethoden,
 Erziehung geeigneten Nachwuchses
und zur richtigen Menschenbehandlung durch Vorträge
und Veröffentlichungen über Untersuchungen auf diesen
Gebieten unterstützen

Das Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit umfaßt
tatsächlich auch Rationalisierungsbesircbungen im
Bankgewerbe und im Handel. Seine Arbeit wird auf
drei Hauptgebieten geleistet. in der wirtschaftlichen
Fertigung, der wirtschaftlichen Verteilung und deı
wirtschaltlichen Verwallung, die in Ausschüssen tager
und wiederum eine Reihe von Unlerausschüssen für
die verschiedensten Sondergebiete, z. B. Arbeitstechnik.
Rechnungswesen, Betriecbsregelung usw, umfassen. Das
Reichskuratorium arbeitet gemeinsam mit dem Reichswirtschaftsministerium.
 unterstützt vom Staat unler
dem Vorsitz des Herrn Karl Friedrich von Siemens

Der Normenausschuß der Deutschen Industrie hal
die Aufgabe, einheilliche Grund- und Fachnermen
überall dort aufzustellen. wo die Normung als zweckmäßig
 anerkannt wird und die konstruktive Entwicklung
 als abgeschlossen gelten kann. Hier arbeiten
Erzeuger, Händler und Verbraucher zusammen mil der
Wissenschaft und den Behörden und haben in den
etwa 10 Jahren ihrer gemeinsamen Tätigkeit eine
außerordentlich wertvolle Arbeit geleistet. Die Tätigkeit
 greift heute schon über die Industrie-Normen hinaus.
 so daß. wie der Normenausschuß selbst sagl.
der Ausschuß eigentlich heute schon der „Deulsche
Normenausschuß“ heißen müßte
Das Deulsche Institut für technische Arbeilsschulung,
 kurz ‚„Dinta”“ genannt. hat sich die Aufgabe
gestellt. die Schulung der Werksjusend zu hochwertigen
 Facharbeitern und ihre Erzichung zu gesunden.
frohen, Staat und Wirtschafl bejahenden Menschen
durchzuführen, Werk und Arbeiter miteinander zu
verbinden, eine produktive Fürsorge des Werkes für
seine Invaliden und Veteranen zu erreichen und die
Erforschung der industriellen Arbeit und Ueberwindung
 der scelischen und körperlichen Schäden in ihrem
Gefolge, ebenso wie die Bekämpfung des Unfalles
durchzuführen. Aechnliche Bestrebungen, die in bezug
auf die Menschenbehandlung noch darüber hinausgehen,
 werden von Professor Friedrich und den
von ihm ıns Leben gerufenen Anstalten verfolgt. die
vor allem auch eine Fortbildung der erwachsenen
Arbeiter. eine Stärkung von Leistungsschwachen,
Veberwindung seelischer Hemmungen, kurz eine Harmonisierung
 des Betriebes zum Ziele haben und auch
Meister und Ingenieure zu einer richligen Menschenbehandlung
 führen wollen.
Die Tätigkeit all dieser Organisationen kann natürlich
 zur umfassenden Auswirkung nur kommen. wenn
in möglichst vielen KEinzelbetricben mit Verständnis
an ihren Richllinien gearbeitel wird, und es sind
zweifellos viele verheißungsvolle Anfänge nach dieser
Richtung gemacht worden.
Schließlich sei noch die psycho-technische Eignungsprüfung
 erwähnt, die von vielen großen Werken innerhalb
 ihres Betriches und von vielen Städten als öffentliche
 Berufsberatung betrieben wird, und auf Grund
deren bis zu einem gewissen Grade sowohl die körper
liche als auch die seelische Eignung oder Ungeeignet
heit für bestimmte Arbeiten fesigestellt werden kann.
so daß grobe Fehler für den Lehrling oder Arbeiter
hinsichtlich seiner Ausbildung und seiner Arbeitsstätte
 vielfach vermieden werden können.
Alle diese Bestrebungen verdienen die wärmste
Förderung der Leiter deutscher Unternehmungen, vorzugsweise
 natürlich der Unternehmungen in der Indusirie


Auch der Ausbau einer systematischen Konjunkturforschung
 kann zu einer erhöhten Wirischaftlichkeit
der ganzen Volkswirtschaft und des Einzelbetriebes
führen. Zunächst muß man sich aber vor einer
T’eberschätzung dieser Forschungsergebnisse hüten und

ernen. die Zahlen richtig zu werten. Vor allem ge
Aört dazu, daß, wie der Herr Reichswirtschafts.
minister vor kurzem ausführte, die öffentliche Hand
Reichsbahn und Post, im richtigen Augenblick die
zeeigneten Maßnahmen ergreifen. um einen Ausglejet
n den Schwankungen der Konjunktur herbeizuführen
Jebersteigerung durch Einschränkung der Öffentlicher
Aufträge zu verhüten, einen Abslieg durch Erteilung
solcher Aufträge zu verlangsamen, oder einen Aufstieg
dadurch vorzubereiten. Die bisherigen Erfahrunger
auf diesem Gebiet müssen aber etwas bedenklich stim
men: es muß allerdings zugegehen werden, daß die:
'ür alle Kreise ein ziemliches Neuland ist and dal
nan erst Erfahrungen sammeln muß.

Wenn wir alles in allem nechmen. so dürfen wir
loch sagen, daß ein Fortschritt unverkennbar is
and daß unser ernstes weiteres Streben auch vor
weiteren Erfolgen begleitet sein wird.
Als ein erfreuliches Zeichen der Erstarkung der
leulschen Volkswirtschaft darf die Zunahme der Spar
'’Ahigkeit und Kapilalbildung in weiten Schichten des
Volkes angesehen werden.
Wie schr aber der Kapilalmangel trolz allem noch
1errscht und Störungen in den Ablauf der Wirtschaf
ıuneinbringt, hat die jüngste Entwicklung der Finanz
age bei der Reichsbahn gezeigt, Diese hat die Aus
ührung ihrer im vergangenen ‚Jahre geschenen Be
stellungen teils zurückgezogen. teils auf eine vie
ängere Zeitdauer gestreckt als ursprünglich vorge
schen, wodurch nicht nur Dutzende, sondern Hunderte
von Fabriken zu starken Einschränkungen bis zur
völligen Stilllegung gezwungen wurden und Arbeiter
>ntlassungen in großem UmfTange eingetreten sind, Die
Ursache hierfür liegt aber nicht etwa darin, daß die
Reichsbahn sich in ihrer Bedarfseindeckung übernom
nen hätte. sondern lediglich darin. daß ihr das Gel
zur Bezahlung der Bestellungen fehll. Der Grum
ıerfür ist nicht in ungenügender Rentabilität zı
suchen: die Reichsbahn hat vielmehr in den letzter
Jahren außerordentliche Kapitalaufwendungen zı
‚asten des Betriebskontos vorgenommen, die auf An
agekonto hätlen übernommen werden müssen un
rotzdem genügende Gewinne ausgewiesen. Wenn die
leutsche Industrie derartige Aufwendungen aus ihreı
zewinnen und noch dazu steuerfrei machen Könnte
lann würde es ihr wesentlich besser gehen als jetzt
Die Ursache der Schwierigkeiten bei der Reichsbahr
liegt vielmehr darin, daß sie trolz angemessener Ren
labilität nicht in der Lage ist, Anleihen aufzunehmen
uch die Ausgabe des 200 Millionen Reichsmark Vor
zugsaktien hal diese Schwierigkeit nicht in genügenden
Maße beseitigen können. Die Reichsbahn hat in letzter
Zeit angekündigt, daß sie zur einer Tariferhöhung
schreiten müßte, da sie die Ausgaben aus den hoher
Daweslasten, Löhnen und Pensionen nicht mehr auf
ringen könne, Eine solche Maßnahme muß meine:
Crachtens unbedingl! vermieden werden, da hierau!
eine große Verschärfung der Wirtschaftslage eintreter
nuß. die wicderum ihre Rückwirkung auf den Güter
ımlauf ausüben wird, Hälte die Reichsbahn genügen(
Möglichkeilen zur Kapitalaufnahme, so könnte sie trol
vorübergchender Unrentabilität. falls eine solche vor
jegen sollte, auf früher geschaffene Reserven zurück
greifen und der deutschen Wirtschaft die Tariferhöhunz
>rsparen, Es muß auch jetzt alles nur Denkbar
versucht werden, um diese‘ nicht zur Wirklichket
verden zu lassen,
Auf ein recht schwieriges Kapitel. nämlich das de
Kartellpolitik, der Zwangs- und Planwirtschaft, di
icf einschneidend in unser Wirtschaftsleben eingreifen
nöchle ich hier nicht eingehen, da dies im Rahmel
ler mir zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich is!
Die Schwierigkeiten der deulschen Industrie werde!
lurch die Uneinheitlichkeit unserer Wirtschaftspolitik
verschärft. Der Reichsarbeitsminister diktiert höher
Löhne. Der Reichswirtschaftsminister sagt: ..Ihr müß
zwar die höheren Löhne zahlen, dürft aber die Preis
ılcht erhöhen. Ihr seid so intelligent und findig; dal
Ihr durch Ersparnisse im Betrieb, RationalisieruN
schon wieder die mehraufkommenden Löhne wetl
machen werdet.“ Die Industrie sagt: „Gut. wir wolle
as versuchen, weil uns nichts anderes übrig bleiht
            
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