Eigentums ist. Bei England ist es trotz des Abschlusses
ges Handelsvertrages noch immer nicht gelungen, die
Liquidation des deutschen Eigentums aufzuhalten unc
dieses zurückzuerlangen. Auch heute noch haben
einige Länder nicht auf das ihnen nach dem Versailleır
Diktat zustehende Recht verzichtet, deutsches Eigentum
aus dem Handelsverkehr nach dem Kriege zu beschlagnahmen.
Der Ausfall Rußlands als natürliches Absalzgebiet
Deutschlands macht sich stark fühlbar. Hierbei möchte
ich besonders darauf hinweısen, daß die russische
Einkaufspolitik zum Teil mit Erfolg darauf gerichtet
ist, die deutschen Lieferanten in den Preisen und Bedingungen
stark zu drücken und ihnen Schwierigkeiten
bei der Abnahme zu bereiten. Dies ist Rußland nur
dadurch möglich, daß sein Außenmonopol als einziger
Käufer auftritt, dem auf seiten Deutschlands, besonders
bei der schlechten Beschäftigung der früheren Jahre,
efne Vielheit von Verkäufern mit starkem Arbeils- und
Absatzbedürfnis gegenüberstand. Hier sollte sich die
deutsche Industrie besinnen und in den einzelnen Industriezweigen
geschlossen vorgehen oder sich eines
gemeinsamen Unterhändlers bedienen.
Nicht minder erschwerend für Deutschlands Stellung
ın der Weltwirtschaft ist auch die Tatsache, daß
Deutschland heute immer noch von einem Kranze
von Ländern umgeben ist, die noch stark unter den
Nachwirkungen der früheren Unstabilität ihrer Währungen
stehen. Wie sich das auswirkt, darf ich vielleicht
an einem kurzen Beispiel aus der Eisen
industrie hier vortragen. Die Löhne der Schwerindustrien
Frankreichs, Belgiens und Luxemburgs sind
um etwa 3009 niedriger als im benachbarten Saar:
gebiet und über 40 % niedriger als in Deutschland
Da außerdem die französischen Werke auf ihrem Roh:
stoff, der Minette, sitzen und keine Transportkosten
für dieses Erz haben, so kostet das Erz die Hütten
Ostfrankreichs weniger als die Hälfte des Preises,
den die Saarhütten zu zahlen haben. Dabei verdienen
die französischen Minettelieferanten bei ihren Lieferungen
nach der Saar und Deutschland rund 500%
ihres Gestehungspreises. Für die Koksbezüge, soweit
die lothringische Industrie diese nicht aus lothringischer
oder Saarkohle in eigenen Kokereien herstellt,
werden im Wege der Reparationslieferung sehr mäßive
Preise erzielt, die der französische Staat durch einen
Zuschuß noch verbilligt. Das Zusammenwirken all
dieser Momente ergibt, daß die französischen Hütten
gegenüber den saarländischen und deutschen Hütten
um 10 bis 20% billiger produzieren.
.Aehnlich wie in Frankreich, Belgien, Luxemburg
legen die Lehnverhällnisse in der Tschechoslowakei
und Polen, alles Länder, die für die Wettbewerbsfähig:
keit Deutschlands auf dem Eisen-, Stahl- und Kohlen
markt eine zum Teil ausschlaggebende Rolle spielen.
In allen diesen Ländern hat die Steigerung der Löhne
mit der Steigerung der Lebenshaltung nicht gleichen
Schritt gehalten. In Deutschland dagegen zeigt der
Vergleich der jetzigen Lohnhöhe mit der Zeit vom
dem Kriege und zu der gestiegenen Lebenshallung
daß das Einkommen der Arbeiter in größerem Maße
gestiegen ist als die Kosten der Lebenshaltung. Dabei
nuß unter allen Umständen auch noch die starke
Erhöhung der sozialen Lasten des Arbeitgebers hinzugezählt
werden, wodurch sich ein noch stärkeres Plus
zugunsten der Arbeiter ergıbt.
Aehnlich ungünstig haben sich die Verhältnisse für
den deutschen Kohlenbergbau entwickelt, und zwar
nach dem großen englischen Kohlenarbeiterstreik, bei
dem die Arbeiterschaft unterlegen ist. Die Schicht.
löhne im englischen Kohlenbergbau betrugen laut
„Wirtschaft und Statistik“ im Durchschnitt im Juli
1927 für Hauer 127,3 0% der Friedenslöhne, für Hilfsarbeiter
unter Tage 123,6 %, bei einer Steigerung der
Lebenshaltung auf über 150 %o, während in Deulschland
die Schichtlöhne der Bergarbeiter mit der gestiegenen
Lebenshaltung mindestens gleichen Schritt
gehalten haben. Dabei sind die Leistungen der englischen
Bergarbeiter trotz der Steigerung der deutschen
Arbeitsleistung infolge der viel günsligeren
Lagerungsverhältnisse der Kohlen weit höher als die
der denischen. Die Lohnhöhe in Deutschland kann
aber nicht ohne jede Rücksicht auf die Lohnhöhe in
ınseren benachbarten Wettbewerbsländern festgesetzi
wverden.
Die starke Beschneidung des Einkommens der Mittel.
schichten in Deutschland, der Schwund des Kapitals
und der Ersparnisse durch die Inflation haben Deutsch-‚ands
Kaufkraft im Innern und nach außen vorüberschend
völlig erschöpft und jetzt immer noch sehr
geschwächt.
Die Gewinnmöglichkeiten der Industrie sind infolge
ibermäßiger Steigerung der Steuern, sozialen Lasten,
Tarife, der Dawesbelastung und der hohen Zinsen für
Leihkapital sehr zusammengeschrumpft.
Wenn man von den wenigen verhältnismäßig gul
;entierenden Industrien, wie z. B. der chemischen Iniustrie,
der Kunstseiden-, Brauerei-, Genußmittel- sowie
der Textilindustrie absieht, so zeigt sich auf allen
zebieten, insbesondere unter Berücksichtigung der Tat-;ache,
daß das vergangene Jahr als Konjunkturjahr
zu bezeichnen ist, hinsichtlich der Rendite ein recht
anbefriedigendes Bild. Es ist allerdings sehr schwierig,
aus den sich vielfach widersprechenden Mitteilunzen
eine einheitliche und klare Auffassung zu gewinnen.
So gibt die Zeitschrift „Wirtschaft und Staistik“
nach dem Stand vom 31. Dezember 1927
7. B. für die Gesamtheit der 872 an der Börse ge:
handelten Aktien eine durchschnittliche Dividende. soweit
sie bereits am 31. Dezember 1927 festgelegt war.
‚on 7.19% an, gegenüber 10,02% im Frieden, Auf
zergbau- und Hüttenindustrie entfallen dabei 6,24 60
darunter auf die Kisenindustrie 53.6209), auf die
wveiterverarbeitende Industrie 7.03% und auf Banken
Versicherung, Handel und Verkehr 8.29 06.
Eine neue, ins Einzelne gehende Aufstellung der-;elben
Zeitschrift für einen früheren Zeitpunkt, nämich
für die Geschäftsabschlüsse, deren Beendigung in
lie Zeit vom 1. Juli 1926 bis 30. Juni 1927 fällt, ersoechnel,
bezegen auf das gesamte dividendenberechtigle
sapllal von etwa vier Fünftel der insgesamt am 30. Juni
1927 tätigen Aktiengesellschaften, allerdings ohne Bansen,
eine Durchschnittsdividende von nur 5,35 %,
gegenüber 4,75 0% für das Vorjahr. Innerhalb dieser
etzteren Aufstellung entfallen auf Bergbau und Hüttenndustrie
3,09 00, auf die weiterverarbeitende Industrie
53,76 % und auf Banken, Versicherung, Handel und
Verkehr 5.64 9%.
Die Steigerung der Rendite, die also hier für das
halbe Jahr vom 30. Juni 1927 bis 31. Dezember 1927
von 5,35 auf 7.19% angegeben wird, erscheint nicht
zanz zweifelsfrei. Diese Zweifel werden bestärkt, wenn
nan zum Vergleich eine recht sorgfältige Bilanzstatistik
aeranzieht, die von dem „Berliner Tageblatt‘ Ende
Januar veröffentlicht wurde und die sich gleichfalls
ıuf die Geschäftsabschlüsse zwischen dem 1. Juli
1926 und 30. Juni 1927 erstreckt. Insgesamt wird von
lieser Statistik ein Aktienkapital von zirka 13 Milliarlen
Mark erfaßt. Die ermittelte Durchschnittsdividende
wird mit 4,7 % errechnet. Dabei ist besonders interessant,
daß nahezu ein Drittel sämtlicher Gesellschaften
nit einem Anteil von 10% am Gesamtkapital der
\ktiengesellschaften mit einem sehr hohen Verlust gearbeitet
haben, und zwar im Durchschnitt mit einem
Verlust von 19,5 % des Aklienkapitals.
Das ‚Berliner Tageblatt‘‘. das bestimmt nicht die
Tendenz hat. eine geringere Durchschnittsdividende
ınzugeben, als es die objektiven Unterlagen zulassen,
z<omm{i also zu einem hinsichtlich der Rentabilität
'ür die deutschen Akliengesellschaften noch ungünstizeren
Ergebnis als die amtliche Zeitschrift des Staistischen
Reichsamies. Daraus darf zum mindesten
zefolgert werden. daß die vom Statistischen Reichsınt
errechnete Steigerung der Dividende im 2. Halbahr
nicht ohne weiteres als unbedingt zutreffend anzesechen
werden darf. Es ist dabei allerdings zu beachten,
daß Rückstellungen, Abschreibungen, die die
Schaffung einer inneren Reserve bedeuten, nicht bezücksichtigt
werden können, so daß sich dieses, durch
lie genannten Zahlen gewonnene Bild in manchen
zinzelfällen verschieben mag. Wenn man allerdings
auf der einen Seite die Schaffung stiller Reserven
als eine positive Berichtigung dieser Zahlen werten