Full text : 33.1928 (0033)

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Ausbildung von Vorarheite--Se*arn.



Aus dem Vortrags-Zyklus der Anstalt für Arbeitskunde
 der Saarindustrie veröffentlichen wir
nachstehend einen weiteren Vortrag, den der Direktor
 der Saar-Brown-Boveri A.-G., Herr Siegfried,
 Saarbrücken, am 5. März 1928 gehalten
hat. Die Schrittleitung.

stchenden Zollschranken im Auslande abzuselzen,
Um die ganze Größe der Aufgabe zu erkennen. ist es
zunächst nölig, uns klarzumachen, wo wir sichen, Ich
olaube, das geschichl am besien, wenn ich Sie daran
erinnere, daß heute Jahr für Jahr ein Strom von
amerikanischen Autos bei uns auf den Markt geworfen
wird und wenn ich Sie noch ausdrücklich darauf hin
weise, daß die amerikanische Industrie diese Aulos
in unüberftroffener Qualität und bei billigsten Preisen
herstellt und dies bei rund dreifach höheren Löhnen
Wie kommt das? — Das kommt zum großen Teil
laher. daß in Amerika die geistige Einstellung zur
Arbeit sowohl wie zu den Menschen untereinander
ine ganz andere ist als bei uns. Wir haben mit der
Tatsache der VUeberlegenheit Amerikas zu rechnen und
xir können uns dieser VUeberlegenheit am besten da
jurch entzichen, daß wir ihre Ursachen erforschen
md die Methoden uns zu eigen machen, die diesen
Erfolg herbeigeführt haben
Ich möchte in meinem heutigen Vorlrage ganz
lavon abschen. Ihnen Neues zu erzählen über tech
nische Fortschritte, die nalürlich auch wichtig sind
aber an Wichtigkeit zunächst weil hinter der geistigen
Einstellung zu den Problemen zurückstehen, Und da
ist es vor allen Dingen die geistige Präparation der
Arbeit. die in Frage kommt. das Hinwegräumen aller
zeistigen. Hemmungen, die den Arbeitsprozeß nach
'eilig beeinflussen könnten, das Schaffen der geeig
acfen Almosphäre, in der sich die Arbeit vollziehen
‚oöll.. die klare Erkenntnis, daß die Arbeil cin Dienst
in der Allgemeinheit ist. daß dieser Dienst an der
AUlgemeinheit durch die Arbeit das Höchste 1st. was
lie Menschheit überhaupt zu bieten vermag. denn
jurch ihn wird allen immer größere Möglichkeit ge
geben. an den (Glücksgülern der Well teilzunehmen
der anders gesagt: es wird eine immer größere
Sicherheit gegen Unglück jeder Art geschaffen. Je
zrößer die Leistung eines jeden Einzelnen ist. deste
nchr Güter stechen Jedem Einzelnen zur Verfügung
zum Konsum, desto mehr werden auch dem wirl
schaftlich Schwächsten alle diese Güter zugänglich. Es
st dies der service Gedanke Henry, Fords, die hohe
\uffassung von der Arbeit als ein Dienst an der AN
zemeinheit.
Was können wir nun tun, um die Arbeit geistig Zu
präparieren? — Da stehl allen anderen Aufgaben
voran die Schaffung der Arbeitsfreude, die Schaffung
von gleichgerichteten Strömen an Willen, die demselben.
 Ziel zueilen., - Es ist Ihnen allen durchaus
zeläufig. daß eine Maschine schlecht, arbeitel. wenn
je zu viel Reibungswiderstand hat, Was bei der Maschine
 Zzulrifft, ist in erhöhtem Maße der Fall auf
zeistigem (Gebiet, Wenn hier kein gleichgerichtetes
Jenken, sondern Gegensätzlichkeit vorhanden ist, kann
ınemals ein Optimum von Wirtschaftlichkeit erreicht!
aerden, kann auch niemals die Arbeitsfreude erzeug!
werden, die hierzu notwendig ist. Wir in Deutschland
stehen leicht unter dem Einfluß von Schlagworten
ind so gab cs zu Anfang dieses Jahrhunderls das
Schlagwort „Organisation”. mit dem jeder Börsianer
bei Besprechung der Geschäftsberichte großer Indu-Aricunternehmungen
 gerne operierle, Man hielt da.
mals diejenigen Unternehmungen für die besten. die
ne Organisation hatten. bei der jeder Einzelne durch
Vorschriften und Kontrollen, ja selbst durch Werkspolizei
 uund Delektive weitgehendsl eingeengl wurde,
so daß er selbst bei schlechtem Willen oder großer
Charakterschwäche keine Möglichkeit halle. seinen
schlechten Neigungen nachzugehen. — Ich habe aus
persönlicher Erfahrung gefunden. daß Leute, ıie an
Jderswo wegen schwerer Charakterfehler scheiterten
in diesem System noch ganz vorzüglich millaufen
xonnten. Das ganze System beruhte auf einer Ar!
nililärischer Einstellung zwischen Vorgesetzien und
Iniergebenen. auf schärfstem Zwang. Von cemel
Geistigkeit war keine Rede, sie wurde bewußt miß
achtet. Eins aber hat dieses System geschaffen: un
:äglichen Haß der Untergebenen gegen die Wirtschafi

„Wenn wir heute die Zeitung zur Hand nehmen. so
jeuchtel uns häufig in großen Leitern die Veberschrift
entgegen: „Die Rationalisierung der Verwaltung“, „Die
Rationalisierung der ‚Kisenbahn“ usw.
Wir schen. es handelt sich um ein Problem, das die
Oeffentlichkeit schr slark beschäftigt. Was Ratlonalisierung
 ist. hat Ihnen Herr Bergrat Teßmarnr bereits
 in seinem einleitenden Vortrage gesagl, Rallonalisterung
 ist wirlschaftliche Gestallung irgendeines
Arbeitsvorganges, die Erreichung eines größten KfTektes
 unter Aulwendung kleinster Miltel und kleinster
Anstrengungen, Rationalisierung kommt nicht nur für
unsere öffentliche Verwaltung, für unsere öffentlichen
Betriebe in Frage, sondern erst recht für die Fabriken.
die Landwirtschaft, kurz für alle Slellen, wo eine er:
hebliche Arbeitsleistung slattfindel, Und wenn ich nun
heute zu Ihnen über die Ausbildung von Meistern und
Vorarbeitern sprechen soll, dann wird es notwendige
sein, daß wir uns zunächst mit diesem Problem geistig
ein wenig auseinanderselzen.
Die geistige Einstellung zu dem Problem wird melstens
 upterbewußt vollzogen. Wir haben oft keine
Zei: oder nehinen uns nicht die Zeit, um diese Kinstellung
 in das Tagesbewußtsein überzuführen, Und
doch ist es nolwendig, wenn wir zu jener Klarheit
gelangen wollen, die Herr Professor Friedrich in
seinem Vortrage mit Recht so eindringlich gefordert
hat. —- Welche Siellung haben wir nun gegenüber
dem Rationalisierungsproblem einzunchmen? Dumpf
empfindet mancher: Schon wieder eine neue Lasl,
eine neue Hetze, als ob wir nicht schon genug mil
Arbeit und Aufgaben aller Art geplagt wären. Aber.
meine Herren, es kommen oft große Ereignisse über
uns, ohne daß wir es verhindern können. wie wir dies
eben erlebi haben im Krieg, in der Revolution, in der
Inflation, mit allen ihren furchitbaren Folgen, bis zur
bittersten Hungersnot, Wir werden plötzlich milien in
diese Ereignisse verseizt und haben nun unsere Ellenbogen
 zu rühren, damit wir nicht untergehen. Ganz
ähnlich ist es mil der Rationalisierung, sie springl
uns an wie ein Raubtier, wie uns Krieg. Revolution
und Inflation angesprungen sind. denn sie isf eine
Folge dieser Ereignisse.
Länger als ein volles. Jahrzehnt war die Entwicklung
 der Technik bei uns stillgestanden, hatle das gegenseilige
 Verstehen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber
 nicht nur keine Entwicklung, sondern sogar
heftigste Rückschläge erfahren und nun stehen wir
bei unserem Wıederaufslieg auf das Niveau einer führenden
 Nation auf einmal vor einer Riesenstufe, die
eigenllich die Stufe von 10 Jahren in einer einzigen
zusammenfaßt und die wir nun zu uchmen haben, —
Daher plötzlich das Schlagwort der Rationalisierung.
das wir früher bei dem gleichmäßigeren, ruhigeren
Tempo des Fortschrittes nicht kannten, Es handelt
sich also hier nicht um eine eigentlich neue Aufgabe.
sondern nur um eine plötzlich gewaltig vergrößerte
Aufgabe. Dem Einzelnen, aber auch dem Unternehmen
 und dem Staal bleibt keine andere Wahl,
als diese Stufe zu nehmen oder praklisch unterzugehen.
 Kein irgendwie geartetes soziales Gesetz. keine
Arbeitslosenversicherung kann uns diese Aufgabe ahnehmen,

Sie wissen, daß unser Land arm ist an Rohsloffen.
daß es auf den Export seiner Industrieprodukte angewiesen
 ist, daß wir uns nicht selbst ernähren können
 und mit Industrieprodukten die Einfuhr unserer
Lebensmitiel zu bezahlen haben. Das bedeutet, daß
wir unsere Waren am besten und billigsten herstellen
müssen, denn nur unter dieser Vorausselizung ist es
uns möglich. sie unter Ueberwindung der entigeven-
            
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