Full text : 33.1928 (0033)

U)

;hne die Feindschaft, die Liebe nicht ohne den Haß,
;o gibt cs keine Führung ohne Unterordnung. Ebenso
wenig 2ber wie Führung Herrschaft bedeutel. so weug
 heißt Unterorduung Unterwerfung, Wenn aber
Führung und Unterordnung sich derart bedingen, so
Digt daraus. daß Gemeinschaft nie mit GJeichheit idenisch
 ist. Gemeinschaft ist vielmehr stels differenziert.
nd deshalb, so paradox es klingen mag, Gemeinschaft
;hne Gegensätzlichkeiten gibt es nicht. Wenn aber an
liesen Gegensätzlichkeiten die Gemeinschalt nicht zerbrechen
 soll, so muß Führung die Leitung der citferenzierlen.
 Tendenzen übernehmen. Sinn der Führung sl.
wie ich jüngst einmal ausgedrückt fand, Synthese, ist
;leichklang. aber nicht als Verhüllung oder Abschwächung
 der natürlichen Gegensätze oder als cha-„akterlose
 Gleichmacherei, sondern als Erhaltung des
verschiedenen und Entgegengesetzten in seiner Kigenırb
 und in semem Kigenwert unter Kinordnung in das
iumspannende Ganze, das eben dadurch organische
‚liederung erfährt,
Darans Telgt cin Welleres: Wir können und dürfen
uch, rein rechnerisch Mensch gleich Mensch selzen,
der Arbeiter gleich Arbeiter, oder Unternehmer gleich
"nternehmer, Das hieße, das Ganze zu zerktüften, statt!
ss Zu umspannen, Jeder ist alles. Auch der Arbeiter
sl in gewissen: Sinne Unternehmer, auch er fühlt sich
ls Produzent: auch er ist vor allem Mensch,
Wenn ich nun die Frage beantworlen soll: Welche
jesonderen Aufgahen trefen nun in der Industrie an
ton Führer heran?" se ist die Beantwortung dieser
Yrage nicht ganz leicht,
Tech ill einmal mil der Spitze beginnen. mit dem
.citer des Werkes, Der Leiter des Werkes Ist dies
neisl kraft äußerer Umstände, entweder durch Besitz
der kraft eines besonderen Auftrages, Wenn diese
juberen Umstände: fortfallen, ist er es nicht mehr,
mn anderer {rl an seine Stelle und schr ofl ändert
sich discdurch nichts oder nur wenig. Das muß aber
nicht so sein und ist auch schr ofl nicht so. Kin
Werkshesitzer, ein Werksleiter, der in der Unrast
soiner Arbeit. von der sich die wenigsten eine richige
 Vorstellung machen, auch wohl nicht machen
sönnen, Irotzdem so viel Zeit erübrigt. daß er unniltelbar
 mil den Arbeitern Fühlung hält und ihnen
jerecht zu werden versucht, wird von allen Arbeitichmern
 nicht vergessen werden, Er wird Führer
deiben. auch wenn die äußeren Umstände fortfallen.
weil er es nicht! nur ist durch äußere Umstände, sonlern
 kraft Innerer Berufung. Nun ist das in den
nodernen Großbetricben allerdings ungeheuer schwer,
Jas Leuna-Werk zZ. BB. beschäftigt 10.000 Arbeiter.
Wie soll da eine unmitielbare Verbindung des Leiters
mit der Arbeiterschaft möglich sein? Aber auch hier
übt es Wege, nur IrHl an die Stelle des Leiters sein
zeauftragler oder Bevallmächligter und an die Stelle
les einzelnen Arbeiters seine Verlrelung, die Belriecbhsertretung,
 die Arbeiterausschüsse, Betriebsräte, oder
Vie man sie sonst nennen mag, Nun ist das nalürlich
Ncht dasselbe, besonders dann nicht. wenn bei dieser
vVerlrelung sich außer den menschlichen (Gesichtsnnklen
 auch allerhand polilische, seien os yewerk
chaftspolilische oder staatspolitlische oder rein wirlschaltspolilische
 geltend machen, wenn mit anderen
Worlen anstelle des Arbeitsethos sich Machliendenzen
‚reit machen, die jenseils von Gul und Böse liegen.
Jeshalb ist es auch hier notwendig. daß der Bevollnächligte
 des Leiters nicht nur ein Beauftragter.
sondern auch ein Berufener ist, wie es ferner auch
merlällich ist. daß die Angehörigen der BRetriebsvertretung

 nicht nur Gewählte, sondern auch Erwählte
sind. Jedenfalls bietet sich in dem Zusammenarbeiten
nit der Betriecbsvertretung ein ungeheuer dankbares
Betätigungsfeld. Erfolgreiche Arbeit auf diesem Gebiete
wird auch den letzten Arbeiter dem Gefühl nahe
ringen. daß er als Mensch, als Wirtschaftsbürger, al
Staatsbürger Achtung und Geltung hat.
Wenn wir nun auf der Stufenleiter der Betriebs:
ıerarchie abwärts steigen, so stehen alle. denen. wir
ıuer begegnen. bis herab zum Vorarbeiter dem Ar.
jeiter in irgend einer Form als Beauftragte des Werks
eiters gegenüber. Ihre Stellung ist nicht ganz einfach
Besonders dann nicht. wenn sie etwa in einem System
ırbeilen müssen, in dem der Begriff „Disziplin so
‚erstanden und entwickelt wird. daß jeder ohne we
senthche eigene Verantwortung und Initiative in einen
jestimmten Kreislauf durch Kontrollen aller Art ein
zeschaltel wird, mag er wollen oder nicht. Kin sol-‘hes
 System führt zwangsläufig dazu, daß jeder Vorsesetzie
 als Radfahrer angeschen wird, d.h, als ein
Mensch. der nach oben den Rücken krümml und
ach unten tritt, Da sind denn die Vorgesetzten selbst
gentlich die Beklagenswerlen und zwar am stärksten
in der Stelle, wo der Arbeiter mit dem Vortreler deı
Aulorität am nächsten in Berührung komm, das is!
le Stelle, wo er dem Werkmeister und Betriehbsinge
eur gegenühbersicht, Beklagenswert sind sie deshalb
veil sie Dinge miteinander verbinden sollen. die nich!
nilcinander zu verbinden sind, nämlich arbeitstech
sch führen und sozialpolitisch herrschen.
Aber. meine Herren. Systeme dieser überspitzler
“orm, wie lech sie Ihnen, um ganz deutlich zu werden
schilderte, 2ibt es wohl kaum, Trotzdem Ist die Stel.
ung des Vergeselzten im Betriebe nicht einfach, Denr
vie wir eimleitend sahen, ist ja jeder Betrieh doppell
zweckhaft bestimmt, einmal durch das Produktions:
Nnteresse und zum anderen durch das Selbstinteresse
ler arbeitenden Menschen. sel es in matericher, sel
°s in gel)stiger Bezichung, Da steht nun der Vorgejetzte
 zwischen beiden Interessen. muß dem Arbeiter:
zegenüber das Betrichsinteresse vertreten, dem Bericbe
 gegenüber das Lebensinteresse der ihm Unterzcbenen.
 Beides mileinander zu vereinen, isl nicht
»infach. ja manchmal Fast ausgeschlossen, und es geıört
 ein großes Maß von Verantworlungsgefühl und
Takt dazu, um diese Aufgabe zu erfüllen. Und manch
nal wird die ZweitelstIrage auftreten. welches Inter->sse
 denn das Primal haben soll. das ökonomische des
Zetricbes oder das soziale Interesse der Arbeiter
sombart hat einmal treffend gesagl: „Sittlich sein
vollen. auf Kosten des ökonomischen Fortschritts. is!
ler Anfang vom Ende der gesamten Kulturentwickung,“
 Das heißt nicht. daß das ökonomische Interesse
las Primat habe, aber auch nicht das Gegenteil, Das
\rbeitsethos kann auch ohne Gefährdung des ökononischen
 Interesses gefördert werden. wenn nur der
‚orgesetzte die echten Führereigenschaften hat, von
lenen ich vorher sprach, Ja, dann mag es ihm wohl
uch gelingen, die scheinbar entgegengesetzten Interssen
 synthetisch zum (Gleichklang zu verbinden, so
1aß mit dem ökonomischen Interesse das soziale ge-‘ördert
 wird, und mit dem sozialen das ökonomische
Wer cin echter Führer ist, der findet überall, auch
m autokratischen System, Raum genug, um seine
“ührereigenschaften zu belätigen, Die Hauptsache ist
ıuch hier die Gesinnung. Und aus der richtigen Geannung
 heraus enispringen alle jene Kigenschaften
lie den rechten Führer ausmachen. Es ist gar keine
Frage. daß der Werkstonpflege heute noch viel zu

RR

Aktiengesellsch:

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»anbenthal

16

A
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angetrieben duch Dre a.Dam- e»hinen, .
V’assergasschweisserei.
Vertreter: ERNST NEU, Ingenieur, Saarbrücken 1, Blücherstraße 13.

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