Full text : 33.1928 (0033)

äußerst lästig empfundene Verzollung in St. Wendel der
nach Saarbrücken bestimmten und von dem Empfänger
oder durch Dritte selbst zu verzollenden Güter nach
lem Antrage der Wirtschaft beseitigt werde, wolle man
3isenbahnseitig prüfen. Dabei solle daran erinnert werden,
jaß angesichts der lebhaften Klagen über den bisherigen
Zustand der Verzollung, die Beseitigung der Zollabfertizung
 in St. Wendel besonders dringlich erscheine. Mit
jesonderer Genugtuung sei festzustellen, daß in der Wagenzestellung
 wesentliche Ausfälle an Wagen im verflossenen
Jahre nicht eingetreten sind. Selbst bei der äußerst schwierigen
 Gestellung von SS-Wagen war es dem Wagenbüro
möglich, wesentliche Verbesserungen zu erzielen.
in tarifarischer Hinsicht sei als wichtiges Ereignis des
verflossenen Jahres die Einführung durchgerechneter Frachten
 für eine Reihe verkehrswichtiger Güter zu benennen.
Dieserhalb sei auf die verschiedenen früheren Ausführunzen
 an dieser Stelle und bisherigen Veröffentlichungen
erinnert.
In bezug auf die Nebengebühren werde eisenbahnseitig
zugegeben, daß die Anschlußgebühren wohl höher als
bei der Deutschen Reichsbahn seien. Wenn als Begrün-Jung
 dafür aber angeführt werde, daß die sogenannten
technischen Gebühren bei der Deutschen Reichsbahn
höher seien, so könne dies die Wirtschaft keineswegs
als Rechtfertigung der höheren Anschlußfrachten gelten
lassen, da für beide Gebührenarten nicht die absolute
Höhe, sondern die Unterschiede in den wirtschaftlichen
Verhältnissen der zum Vergleich herangezogenen Verkehrsyebiete
 bestimmend sel.
Die Zollnebengebühren, deren Ermäßigung von dem
Wirtschaftlichen Verein und der Handelskammer ebenfalls
angestrebt werde, solien noch der Prüfung unterzogen
werden, namentlich darüber, ob im Zusammenhang mit
Jer Pauschalierung auch eine Ermäßigung der Gebühren
sich ermöglichen lasse.
In der Erledigung der Entschädigungsanträge
und Anträge auf Frachterstattungy glaubt die Eisenbahnverwaltung
 eine wesentliche Beschleunigung feststellen zu
können. Wenn man auch in dieser Hinsicht, soweit der
Saarbahnverkehr in Frage komme, die Ansicht der hiesigen
Eisenbahndirektion bestätigen könne, so liegen doch bei
den Nachbarverwaltungen und den italienischen Bahnen
die Verhältnisse durchaus nicht so günstig. Die Klagen
seien in dieser Hinsicht häufig und durchaus berechtigt.
Zu dem von dem Wirtschaftlichen Verein und der Hanldelskammer
 gestellten Antrag über Ermäßigung der Frachtstundungsgebühr,
 der Lagerplatzmieten und Ermäßigung
der Kohlenfrachten durch Einstellung von Großraumgüterwagen
 für die Kohlenbeförderung ist mit Rücksicht auf
die Bedeutung, die diese Fragen für die Wirtschaft haben,
sorgfältige Prüfung durch die Eisenbahn zugesagt worden.
Zusammenfassend darf wohl gesagt werden, daß wir in
bezug auf Verbesserungen des Verkehrs ein erhebliches
Stück weiter gekommen sind, daß aber auch andererseits
mancherlei Wünsche, mit denen wir uns wiederholt beschäftigen
 mußten, baldiger Erfüllung bedürfen und darum
mit Nachdruck zu verfolgen sein werden.

Zu Punkt 5 der Tagesordnung : „Reparationslieferungen‘‘
 richtet Herr Martin die Aufmerksamkeit
der Versammlung auf die Tatsache, daß am 1. April ein
neues Kontingentsjahr für Saar-Reparationslieferungen beyinne.
 Das bisherige Kontingent in Höhe von insgesamt
5 Millionen Mark sei bereits Anfang Januar erschöpft gewesen,
 woraus hervorginge, daß es viel zu gering bemessen
worden sei. Die Geschättstührung habe sich daher zuständigenorts
 mit allem Nachdruck für eine wesentliche Erhöhung
m neuen Kontingentsjahr eingesetzt. Inwieweit es gelinge,
diese Erhöhung durchzusetzen, ließe sich jedoch im Augenblick
 noch nicht übersehen, da die Verhandlungen der
zuständigen Stellen noch im Gange seien. Bedauerlich sei
m üb-igen, daß das Verfahren zur Bestätigung von
Reparationsaufträgen so überaus umständlich und kompliziert
 sei, daß Firmen, die mit den Verhältnissen bei den
zuständigen Pariser Behörden nicht genügend vertraut
seien, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hätten, eine
Erscheinung, die übrigens nicht nur für Saarfirmen, sondern
in gleicher Weise auch für innerdeutsche Firmen Geltung
habe. Hier Abhilfe zu schaffen, erscheine nach Lage
der Dinge leider kaum möglich. In der anschließenden
Diskussion wird u. a. die Preisfrage für Reparationsjjeferungen
 erörtert.

Zu Punkt6 der Tagesordnung : „Gasfernversor-‚ung
 im Saargebiet‘‘ berichtet der Generalsekretär
ıber den derzeitigen Stand der Angelegenheit, wobei er
lie Bedeutung dieses Problems für die Saarwirtschaft
ınterstreicht und die Notwendigkeit zur Einigung der
ich teilweise noch widersprechenden Interessen auf eine
remeinsame große Linie betont. Dieselbe Auffassung wird
ıuch von den Diskussionsrednern, insbesondere den Herren
Direktor Dr. Wagener (Burbacher Hütte) und Bergrat
Feshmar, vertreten, die an MHand eindrucksvollen
Zahlenmaterials die ‚weittragende Bedeutung dieses Prolems
 hervorheben und dessen beschleunigte Weiterbehandung
 empfehlen, damit das Saargebiet nicht gegenüber den
veitreichenden Plänen des Ruhrgebiets ins Hintertreffen
zerate und womöglich aus Süddeutschland als seiner
ıatürlichen Interessensphäre sich verdrängt sehe.
Zu Punkt 7 der Tagesordnung: „Verschie:
lenes‘‘ liegen keine besonderen Anträge vor.

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