Full text : 33.1928 (0033)

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Müchtigen Bestandteilen ist bei den Flammkohlen
größer als bei den Fetikohlen, noch größer bei den
Magerkohlen mit langer Flamme; die Erhöhung des
Sauerstoffgehaltes scheint in Verbindung zu stehen
mit einer bedeutenden Verminderung der Verkokungsfähigkeit
 der Kohle, Die Feltkohlen backen gut im
feuer und bringen einen Koks von ziemlich guter
Qualität heraus, während die Flammkohlen nur einen
brüchigen Koks ergeben und die Magerkohlen im
Zzeuer nicht backen.
Die Ausbeute verteilt sich unter die drei Kohlenarten
 wie folgt:
Fetlkohle 64 %
Flammkohle 30 %
Magerkohle 6 %
Bei Behandlung in den Koksöfen sondert die Saar-Fettkohle
 reichlich Gas mit hohem Heizwert ab und
jefert einen Koksrückstand von ziemlich guter Quali-:ät.
 Hieraus ergibt sich, daß diese Kohle äußerst geschätzt
 ist für die Erzeugung von Leuchtgas und daß
sie von einer großen Anzahl von Gaswerken in sehr
ıusgedchntem Umkreis benutzt wird. Sie wird ebenfalls
 viel verwandt zur Erzeugung von Hültltenkoks,
und ich‘ werde später auf diesen Punkt zurückkommen,
Die Flammkohlen, die im Feuer weniger backen als
die Fettkohlen, sind geschätzt als Generatorkohlen
für die Ocfen der Kisenindustrie. der Glasindustrie
sowie der Keramindustrie, Die Fettkohlen wie die
Zammkohlen eignen sich für Kesselheizung. besonders
wenn die Kessel mit Rosten und Feuerungen versehen
sind, die dieser an flüchligen Bestandteilen reichen
xohle angepaßt sind. Die Saarkohlen sind leicht
verwendbar für alle Heizverfahren mit Kohlenstaub-’euerung.
 Für den Hausbrand ist die Magerkohle mit
anger Iamme am meisten geschätzt.
Seit langem wird die Saar-Fettkohle zur Erzeugung
‚on lHüttenkoks benützt, und die Saarhülten versorgen
m Prinzip ihre Hochöfen mit Koks lediglich aus
lieser Kohle. Indessen ist der Koks, der in gewöhnichen
 Oefen miltels der Saar-Fettkohle ohne Zujatz
 einer anderen Kohle hergestellt wird, von geingerer
 Qualität als der gute Hüttenkoks aus dem
Ruhrgebiet und Nordfrankreich. Dieser Saarkoks ist
im Gebrauch brüchig und bricht in kleine Stücke, er
wird leichter durch das Gewicht des Einsatzes in den
Defen zerdrückt. Schließlich ist er empfindlicher gegen
lie Einwirkung der Kohlensäure, Hieraus ergibt sich
ainerseits, daß sein Gebrauch weniger leicht ist als
der von gulem Koks, was vor allem Hochöfen von
besonderer Form und geringerer Leistungsfähigkeil
aotwendig macht. Andererseits ergibt sich bei gleichem
Roheisenausbringen ein viel größerer Koksverbrauch
als bei Verwendung von gutem Koks.
Man kann diesen Mängeln abhelfen und Koks von
zuter Qualität erzielen, indem man die Saar-Fettkohle
vor ihrer Einführung in den Koksofen in entsprechenlem
 Maße mit einer Kohle mischt, die einen gereingeren
 Gehalt an flüchtigen Bestandteilen hat und
aus anderen Kohlenbecken stammt. Der Zusatz an
iremder Kohle kann entweder bestehen aus Magerkohle
 allein oder aus Magerkohle und Kokskohle ’dreilache
 Mischung). Diese Mischungsverfahren werden
aur in kleinem Ausmaße von den saarländischen
Hüttenkokereien angewandt. weil die Hochöfen dafür
eingerichtet sind, den gewöhnlichen Saarkoks zu verarbeiten.
 Diese Verfahren werden jedoch gewöhnlich
u den Kokereien der lothringischen Hochöfen gebraucht,
 weil diese infolge ihrer Konstruktion nur
einen Koks von guter Qualität vertragen können.
Die staatlichen französischen Saargruben haben im
Laufe der letzten Jahre versucht, ein gleiches Resultat
zu erzielen, aber unter ausschließlicher Verwendung
von Saarkohlen. Anstatt der Saar-Fettkohle eine
iremde Kohle mit geringerem Gehalt an flüchligen
Bestandteilen zuzusetizen, setzt man ihr saarländische
Kohle zu, deren flüchtige Bestandteile vorher durch
teilweise Deslillierung bei niederer Temperatur beträchtlich
 vermindert wurden. Wir fabrizieren so
N unserer Kokerei Heinitz den sogenannten Spezial-Saarkoks.
 Die zurzeit in Heinitz in Betrieb befindlichen
 industriellen Einrichtungen ermöglichen die Herstellung
 von 50 t Spezialkoks täglich, mit dem man
ınabhänesis von Laboratoriumsversuchen Versuche im

<{upolofen angestellt hat. Durch seine Festigkeit und
‚ein Verhalten im Kupolofen erscheint der Spezial-<xoks
 von Heinitz dem gewöhnlichen Saarkoks sehr
ıberlegen und dem guten Hülttenkoks aus dem Ruhrz;ebiet
 ziemlich gleichwertig.
Eine bedeutend wichligere Anlage, die zurzeit im
Bau ist und deren Verwirklichung durch die Herstellung
 von Deslillationsvorrichlungen für niedere
Femperatur verzögert wurde, wird zu Beginn
les Jahres 1928 eine viel größere Tageserzeugung von
jpezialkoks ermöglichen, und zwar zwischen 300 und
500 t, je nach dem Verhältnis der halbdestillierten
s<ohle, die wir der Fetikohle zuselzen. Diese relativ
ıöhere Produktion wird einen längeren Versuch mit
;pezialkoks in einem großen Hochofen ermöglichen.
ler bisher nicht vorgenommen werden konnte, Man
vird sich dann eine endgültige Meinung über seinen
Vert im Vergleich zu anderem Hülttenkoks bilden
sönnen.
Einer der Vorteile und nicht der geringste des
;pezialkokses besteht darin. daß die halbdestillierte
sohle, die wir der Fettkohle in einem Verhältnis
on 13 bis 20% Zzusetzen, nicht aus Fettkohle. sonlern
 aus Saar-Flammkohle gewonnen wird. das heißt
us einer Kohle, die früher als ganz ungeeignet zur
<oksherstellung, selbst bei Vermischung. angesehen
vurde, Daraus ergibt sich eine Aufwerlung der
“Jammfeinkohle von an sich geringerem Hundelswert
'um Preis der Fetlkohle, was die höheren Herstelungskosten
 reichlich bezahlt macht. Es ergibt sich
laraus ferner eine beträchtliche Erhöhung der Vor-‘üte
 des saarländisch-lothringischen Beckens an zur
voksherstellung geeigneten Kohlen, was sowohl im
Hinblick auf den Absalz der Kohle dieses Gebietes
ıls auf die Versorgung der saarländischen und lothüingischen
 Hochöfen sehr wichlig ist.
Dank dieser technischen Fortschritte in der Vervendung
 von Saarkohle bei der Koksherstellung und
lank der seit dem Kriege von den lothringischen
Tülten befolglen Politik der Errichtung von Kokereien
zelangen die lothringischen Werke zu immer geringerer
Abhängigkeit von den Ruhrzechen, während gleich-‚eitig
 die Beziehungen zwischen Saarkohle und lothingischem
 Eisenerz immer enger werden. Außer aen
<okereien der Firma de Wendel, die mit Kohlen aus
hren eigenen Gruben gespeist sind, sind in Lothringen
Cokereien von den Hülttenwerken Neuves-Maisons.
Tomecourt, Pont-ä-Mousson und Diedenhofen errichtet,
veitere Kokereien sind im Bau in Micheville. Montjaint-Martin
 und Hagendingen. Diese Kokereien verırbeilen
 oder werden verarbeiten eine Mischung von
jaarkohle und Kohle von geringerem Gehalt an flüchigen
 Bestandteilen aus anderen Kohlengebieten. ins-)esondere
 aus den Kohlenzechen Nordfrankreichs.
Wenn man die von den staallichen Saargruben
ın die Kokereien der Hochofenwerke gelieferte Kohle
lurch ihren Gegenwert in Koks ersetzt und die kleine
Koksmenge, welche die Saargruben an die Eisenindustrie
 verkaufen, hinzufügt. so findel man folgende
Mengen von saarländischem Hüllenkoks in 1000 t)
Für Hochöfen bestimmter Koks:
Saargebiet Frankreich Insgesamt
1913 433 1433
1921 4 944
1922 4 1213
1923 2 989
1924 1397 214 1611
1925 1475 329 1804
1926 1623 436 2059
Die Entwicklung dieser Ziffern, namentlich derenigen
 für Lieferungen an die französische Kisenndustrie,
 die im Laufe der nächsten Jahre durch die
nbetriebnahme der im Bau befindlichen Kokereien
ich noch erhöhen werden, isl eine wirtschaftliche
ınd politische Erscheinung von höchster Wichtigkeit,
Nenn man andererseits die starke Abhängigkeit der
;‚aarländischen Eisenindustrie vom lothringischen Erz
n Rechnung zieht, ohne das diese Eisenindustrie nicht
Jjestehen könnte, so kommt man zu dem Schluß, daß
lie natürlichen wirtschaftlichen Bande, die das Saarzebiet
 mit Frankreich verbinden, dauerhaft sind und —
venn wir es wollen — in Zukunft sich nur noch
esiigen können
            
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