Full text : 33.1928 (0033)

Der französische Staat hat beschlossen, alle Gruben,
lie er in dem Gebiet besitzt, selbst auszubeuten mit
Ausnahme der Grube Frankenholz, die an die „Societe
jes Mines de Frankenholz‘ verpachtet wurde, und
zwar, weil diese Grube vorher einer Gesellschaft mit
[ranzösischer Mehrheit gehörte. Die Förderung der
Grube Frankenholz beträgt nicht ganz 3% der Förderung
 des Saarbeckens.
In der Folgezeit hat der französische Staat zwei
andere Verpachtungen eingeräumt: Es handelt sich
um noch unberührle Kohlenlager, die längs der französisch-saurländischen
 Grenze liegen und vermitiels
von in Frankreich gelegenen Schächten der Gruben
von Saar & Mosel und Kleinrosseln auszubeuten sind.
Dies ist streng genommen vom Gesichtspunkt der Ausaeuitung
 der Gruben aus eine Art Grenzberichtigung
‘une sorte de reclification de frontiere‘), und die in
Frankreich zuiage ge/örderte Kohle dieser beiden Pachtlelder
 wird in den Statistiken als Kohle französischer
Herkunft behandelt.
Als es sich im Jahre 1919 für Frankreich darum
handelte, seine Rechte auf die Saargruben auszuüben,
wurden verschiedene Lösungen in Betracht gezogen.
Obwohl die Stimmung allgemein einer Ausbeutung
der Gruben durch den Staat wenig günstig war,
Jachte man doch. daß die besonderen Umstände es
ampfehlenswert machlen. wenigstens vorläufig diese
Art der Ausbeulung anzuwenden. Die Unsicherheit des
Besitzes der Gruben hätte die Ausbeutung für Privatgesellschaften
 wenig verlockend gemacht. Außerdem
konnte die französische Regierung nicht auf eine sehr
strenge Kontrolle über die Hauplindustrie eines Abstimmungsgebietes
 verzichten.
Die Iranzösische Regierung hat es sich natürlich
angelegen sein lassen, für diese ganz neue Art der
Ausbeulung, die sie im Ausland unternehmen sollte,
ein Statut aufzustellen. Zu diesem Zweck hat sie
erwogen. durch ein Gesetz ein „Office des Mines
Domaniales de la Sarre“ zu schaffen. ein Amt, das
Jie Eigenschaft einer juristischen Person haben und
finanziell autonom sein sollte und das ungefähr wie
eine Privatgesellschaft funktioniert haben würde, und
zwar mit einem einzigen Aktionär, dem französischen
Staat. Nach langen Beratungen in der Deputiertenkammer
 und im Senat kam dieser Gesetzentwurf nicht
zum Ziel, und die Saargruben arbeiten noch unter dem
provisorischen Regime des Dekretes vom 23. Oktober
1919, das man vorsichtshalber unterzeichnete, um
die Fortführung der Ausbeutung während einiger
Wochen zu sichern für den Fall, daß das Gesetz
über das Saargrubenamt nicht bewilligt würde vor dem
Inkraftsetzen des Friedensvertrages. Ich muß sagen,
daß dieses gewiß kleine Statut sich im Gebrauch
von genügender Solidität und Elastizität erwiesen hat.
und dies ist einer der Gründe, die dazu führten, die
Bewilligung eines Gesetzes hinauszuschieben. das uns
eine endgültige Regelung gebracht hätte und das im
übrigen immer weniger angezeigt erscheint, je mehr
man sich dem Jahre 1935 nähert.
Das Dekret vom 23. Oktober 1919 unterstellt die
Verwaltung der Saargruben dem Minister für öffentliche
 Arbeiten, der als ausführenden Beamten in Saarbrücken
 den Generaldirektor der Saargruben zur Seite
hat. Dem Minister ist ein Rat von 16 Mitgliedern
hbeigegeben, der ungefähr wie der Verwaltungsrat einer
Privalgesellschaft arbeitet. Die Organisation der Gruben
 ist soweit als angängig der der großen Privatgeseilschaften
 nachgebildet worden. Insbesondere sind
lie Ingenieure und Angestellten keine Beamten und
werden behandelt wie die der Privatindustrie, Die
technische und kaufmännische Betriebsführung wie die
Art der Verwaltung und Buchhaltung sind ähnlich
der in der Privatindustrie.

IN.

Das Steinkohlenbecken an der Saar mit seinen Ausäufern
 wird in geologischer Hinsicht in seiner Gesamtheit
 von einer Art Kuppe des Steinkohlengebirges
gebildet, das sich in großer Länge von Nordost nach
Südwest hinzieht. Das Steinkohlengebirge, dessen Flöze
übrigens durch zahlreiche geologische Einwirkungen
verworfen und unterbrochen sind, tritt im Saargebiet
 zutage. Um diese Zone der Erhebung herum

enkt sich das Steinkohlengebirge bei wachsender Tiefe
ınler jüngere Schichten hinab. Die geologischen Gren-‚en
 des Steinkohlengebirges sind sowohl in bezug auf
lie Richtung wie auf die Tiefe nicht bekannt. Das
Xohlenbecken wird nur in der Gegend ausgebeutet
vo es zur Oberfläche ausgeht oder in der Nähe der
\usgangspunkte, dort, wo das Deckgebirge verhältnisnäßig
 weniger mächtig isl. Die Gewinnungspunkte
jegen sowohl im Saargebiet wie in Frankreich im
Jepartement Moselle an der französisch-saarländischen
;renze. Diese Ausbeutungszone hat ungefähr 50 km
‚änge von Frankenholz bis zu den Gruben von Saar
x Mosel und eine verschiedene Breite, die zwischen
jaarbrücken und Saarlouis rund 20 km nicht überteigt.
 Gegen Südwesten selzt sich das Kohlenlager
n Frankreich in wachsender Tiefe fort und ist in
ner Reihe von Bohrungen bis in die Gegend von
>ont-a-Mousson festgestellt.
Im Südosten der lothringischen Gruben in Ausyjeutung,
 nämlich Kleinrosseln. Saar & Mosel und
‚a Houve, bestehen in Frankreich in der Gegend von
5t. Avold eine größere Anzahl von Konzessionen für
1och nicht erschlossene Steinkohlengruben. Unteruchungen
 hinsichtlich ihrer Inangriffnahme zur Aus.
wulung sind im Gange, schreiten indes langsam fort
owohl wegen der Schwierigkeiten und des Risikos
'es Niederbringens tiefer Schächte durch ein wassereiches
 Gebirge als auch wegen der Höhe des zu
yvestierenden Kapitals und der Unsicherheit der Ren
abilität.
Im Jahre 1926 betrug die Kohlenförderung des saar
ändisch-lothringischen Beckens 19001532 t. wovon
13318819 t auf die staatlichen Saargruben. 362 055 |
uf Frankenholz und 5323 658 t auf die Gruben Loth.
ingens entfielen. Nachstehend die Förderung des
jaarbeckens im Vergleich mit anderen Kohlengebieter
m Jahre 1926 in 1000 1
Sazrgebiet z
Frankreich:
Nord und Pas-de-Calais
Lolhringen . 2.0...
Mitlel- und Südfrankreich

32 524
5324
„14630
Insgesamt: 52478
Belgien We ‚ 25320
Deutschland:
Ruhr und Aachen 117379
Andere Gebiete WR. 27984
Braunkohle ‘umgerechnet in Steinkohle
2X 139877) Er „0.0. 31084
Insgesamt: 176 447
Holland . . 8650
Polen 2 . 37766
Tschechoslowakei 27 041
Ich komme zurück zu den Gruben des Saargebietes
Die Kohlenflöze verteilen sich auf drei geologische
zruppen. Zu unterst die Fettkohlenflöze. darüber die
"Jammkohlen, zu oberst die Magerkohlen mit langer
lamme. Die kohlenreichste der drei Gruppen ist
lie der Fetikohle: nach ihr kommt die Gruppe deı
"lammkohle: die Magerkohle umfaßt nur zwei Flöze
die Kohlenschichten sind durch zahlreiche Verwerfun-‚en
 gestört. Außerdem wechseln die Zusammensetzung
ınd der Wert eines Flözes häufig von einem Punki
um anderen. Das Kohlengebirge ist weit entfern!
on der Regelmäßigkeit und leichten Ausbeutungs
nöglichkeit der Lagerstätten im Ruhrgebiet, in Eng:
and oder in Amerika. Es gleicht in dieser Hinsicht
lem nordfranzösischen Kohlenbecken. Die Kohlenv‚orräte
 im Saargebiet bis zu einer Teufe von 1500 m
ind auf ungefähr 8 bis 10 Milliarden Tonnen geschätzt
 worden, was ermöglichen würde, die Förderung
nehrere Jahrhunderte hindurch auf der gegenwärtiger
Jöhe zu halten,
Die Saarkohlen sind gekennzeichnet durch einer
ıohen Gehalt an flüchtigen Bestandteilen und durch
lie Leichtigkeit ihrer Verbrennung. Der Gehalt an
lüchtigen Bestandteilen. bezogen auf reine und
rockene Kohle. beträgt zwischen 30 und 4200. Die
erschiedenen Sorten der Saarkohle unterscheiden sich
oneinander weniger durch den Gehalt an flüchtigel
3estandteilen als durch die Zusammensetzung der:
‚elben. Das Verhältnis des Sauerstoffgehaltes in den
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.